den tag muss ich mir seit neuestem einteilen wie einen kuchen. es darf kaum abweichungen geben, um nicht die fäden zu behalten. ich habe es geschafft, das ganze jahr über nicht später als mittags aufzustehen (noch letztes jahr stand ich erst am späten nachmittag auf). mein ziel ist es, den tag so gegen 10 uhr zu beginnen, doch das ist nicht einfach, weil ich seit beinahe zwanzig jahren für die nacht lebe. jetzt aber, da die aufzeichnungen an der MITTE DER UNENDLICHKEIT abgeschlossen sind und der roman äusserstes verlangen nach mir bekundet, muss ich mit der niederschrift jeweils um die gleiche zeit beginnen – oder ich lasse den tag aus. die letzten beiden tage ließ ich aus, weil ich über einen satz nachdenken musste, auch bin ich mit der dichte noch nicht zufrieden (das erste kapitel wurde völlig umgeschrieben und schon steckt in jeder szene der ganze roman selbst, was mich etwas verwirrt, denn zunächst wollte ich einen gang entlanglaufen, ohne türen, um in den ersten grossen saal zu gelangen. stattdessen ist der saal nun dominant und jeder flur obsolet. die perspektiven wollte ich diesmal nicht so schnell wechseln wie im acheron – überhaupt wollte ich das, was ich im acheron trieb, vergessen. er ist stellenweise sehr schlecht geschrieben, abgesehen davon, dass er nicht zu begreifen ist.
nun, die romanschreiberei widert mich nach wie vor an, aber das liegt nicht am roman selbst, sondern daran, dass jeder mensch dieser erde romane schreibt. romane oder gedichte – das schreiben sie alle, und daran kann man erkennen, dass niemand etwas gescheites zu tun hat. ich wäre sehr für eine abschaffung des wochenendes, diese faulheit der massen ist mir unerträglich.
da ich zweimal am tag bade (was man durchaus dekadent nennen darf) und mich mindestens zwei stunden in der natur aufhalte (ich bin immer noch die geilste sau unter allen dichtern dieser erde, so eine art mr. literatur), um dort meinen astralleib zu stählen (ich trinke keinen alkohol mehr, dafür pedaliere ich redlich), verschiebt sich der beginn der eigentlichen schreibtätigkeit etwas nach hinten, um es genauer zu sagen: er bleibt, wo er immer war – in der dunkelheit. wenn ich schreibe, lese ich nicht, ich kann keine fremden gedanken gebrauchen – so fällt dies für den augenblick nicht auf die zeit. dafür widme ich mich nach dem schreiben meiner ausufernden musiksammlung. ich bekomme in der woche zwischen 20 und manchmal sogar über 50 cd’s, die katalogisiert werden müssen – vom anhören ganz zu schweigen; was nicht in die sammlung passt, geht wieder zurück. was ich an zeit erübrigen kann, muss ich wieder einmal vom schlaf wegnehmen.
jetzt habe ich so viel um nichts herumgeredet, dass ich zufrieden schliessen kann. für heute.



