Garaus

Natürlich konnte die steinbüste bei starker gefühlsschwankung auch von selbst zum, nunja, sagen wir, leben erwachen, ganz ohne diese kräuter, die man zu einem sud rührt, um sie dem zu begeisternden überzuschütten. Aber da waren ein paar dinge zu beachten, die gewöhnlich nur in außergewöhnlichen fällen herbeigeführt werden konnten. Und was hatte man denn auch davon? – Aber ja, die büste konnte sprechen und gute ratschläge erteilen, aber sie war doch auch an den gebunden, der sie besaß. Einem anderen würde sie lauter lügen erzählt haben.
Hatte man die notwendigen kräuter nicht parat, benötigte man zu allererst ein opfer, ein symbolträchtiges tier, das allerdings nie und nimmer eine katze sein durfte. Auch ein alberner fisch oder ein vogel hätten am ende nichts gebracht. Besser waren da lamm, reh, oder wer darauf bestand: fasan.
Zugegeben, diese opfer sind notgedrungen, auch wenn das ganze viehzeug adliger abkunft ist; man wird jedoch nicht wegen mordes verhaftet, wenn man ein huhn köpft oder von mir aus den hasen balgt. Schnappt man sich hingegen eine verlassene jungfrau, die gerade im schmerz darnieder liegt (ich denke da an den bauernschrank aus dem 18. Jahrhundert, der einen jungen mann zeigt, der sein mädchen in ländlicher tracht verläßt, um im orient auf abenteuer zu ziehen – ich hätte da zumindest auf die rückseite das wimmernde weib gezeichnet – , ihr antlitz wie parischer marmor, die zähne nicht weniger marmorum), bekommt man die ganze magie des unheils aufgeladen. Da mag man das blut, säuselnd dampfend, in seinem besten pokal transportieren und über das steintlitz der büste rinnen lassen, so voller verklärter augen der blick, sprich schon, oh sprich mich an, sprich oh zu mir, und die büste spricht dann auch, ganz ohne kräuter, aber sie spricht, was willst du wissen, sie spricht, nun sag mir die zukunft voraus, sie spricht, du hast dir soeben den garaus gemacht.

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