Zärtliche Bisse (Auflösung/ Recherche -1-)

Vorbemerkung
Was für eine Freude! Nun erhielt ich doch noch die ersehnten Daten zum vorgestellten Bild von Herbert Pfostl, dem Betreiber der Webseite, mit dem bis eben noch unbekannten Bild. Ich war davon so begeistert, dass ich sofort nach dem Gesamtbild recherchierte, was sich als sehr schwierig herausstellte. Im Netz gibt es fast nichts Lesbares dazu. Nun, ich denke, die Mühe hat sich gelohnt, denn in der Kunstbibliothek wurde ich schließlich in einem nicht ausleihbarem Prachtband (Achim Gnann, Parmigianino, Michael Imhof Verlag, 2007, S. 62ff.) fündig. Diese Lektüre ergab, dass die in den Teilen 1 bis 3 geäußerte Vermutungen doch ziemlich nahe liegen.

Auflösung
Wie angedacht, handelt es sich um einen Bildausschnitt- uns liegt ein Detailbild vom Bad der Diana vor, etwa zwischen 1524-1527 entstanden, allerdings ein Fresco und keine Holztafel, zu finden in Sanvitale castle bei Fontanellato, gemalt von einem bis dato noch häufig unterschätzten Manieristen namens Parmigianino (1503 – 1540)- eigentlich Sohn des Malers Fillippo Mazzola, der aber kurz nach der Geburt des Sohnes starb. Parmigianino wurde von zwei Onkeln, Michele und Pierre Ilario, erzogen, die auch beide Maler waren.
Eine interessante Künstlerpersönlichkeit, die u.a. in schriftlichen Überlieferungen als schlimmer Alchemistenfinger betitelt wurde, der über seine fragwürdigen Experimente die Malerei vergisst, ein Topos von Künstler, der sein Talent anderweitig verschwendet, was auch eine genauere Untersuchung wert wäre, frühzeitig, im Alter von 37 Jahren, gestorben.

Die einfallenden Protestanten stören Parmigianino nicht beim Malen, so wie Plinius bei der Schilderung der Belagerung Rhodos’ den Künstler Protogenes ruhig weiterarbeiten lässt. Noch präsenter dürfte allerdings der im Kommentar gezogene Vergleich mit Archimedes sein, von dem sich Vasari allerdings abhebt: Der Legende nach soll der Grieche einen römischen Soldaten aufgefordert haben, ihn in Ruhe zu lassen – und wurde prompt von ihm erschlagen. Quelle

Unser Bild befindet sich hier, in der Rocca, einem kleinen 3,90 m hohen Raum mit den Maßen von ca. 3,50 m x 4,35 m, im Erdgeschoss, zu dem eine kleine Treppe führt:

Die Funktion des Raumes ist bis heute unklar, da er sich in nicht repräsentativen, versteckten Gemächern befindet (und nicht Bestandteil des camerino ist). Einige Autoren (M. Thimann) vermuten, dass es ein studiolo gewesen sein könnte (wechselnde Nutzung, kein einseitig zweckbestimmter Raum), andere (A. Ghidiglia Quintavalle) sprechen von einer Nutzung als Boudoir, Badezimmer, stufetta.

Auftraggeber war wahrscheinlich Galeazzo Sanvitale, 6. Graf von Belforte, 5. Graf von Fontanellato (Parmigianino hatte ihn porträtiert, sein Wappen erstellt). Als Entstehungszeit wird 1523/ 24 angegeben, die Zeit unmittelbar vor der Abreise des Malers nach Rom. Es existieren noch zahlreiche Detailentwürfe.


Rocca Sanvitale di Fontanellato – Affresco del Parmigianino (für die Grossansicht bitte kleines Bild anklicken)
Quelle

Die Art und Weise der Umsetzung von Ovids Metamorphosen ist immer noch Anlass für interessante Spekulationen. Parmigianino wich teilweise von der literarischen Überlieferung ab und brachte (wie vermutet) zusätzliche Metaebenen ein, die Gegenstand einer weiteren Fortsetzung werden. Dann können auch einige der selbstgestellten Fragen beantwortet und neue werden aufgeworfen… soviel steht bereits fest.

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