Der Meister kehrt zurück

Michael Perkampus wird in einigen Wochen wieder in das von ihm so bezeichnete “Gespensterland” zurückkehren. Die Veranda, die dem Meister Heimat und Plattform ist, hat sich aus diesem Anlass entschlossen, ein Gespräch mit dem ehemaligen enfant terrible zu führen.

Woran arbeiten Sie gerade?

Primär an einem Roman, aber auch an Erzählungen.

Sie sagten irgendwo, Sie seien Lyriker…

Ich hatte eine Hochphase zwischen 05 und 07. Da arbeitete ich mit Zyklen. Ich schreibe seit 27 Jahren Gedichte, im Moment entstehen sie nur noch gelegentlich. Stattdessen versuche ich die Lyrik in Prosa umzuwandeln. Der Roman ist mir zwar immer noch eine zweitrangige poetische Gattung, aber ich orientiere mich an Nabokov, Antunes, Cortázar, Asturias und einigen anderen, die den Roman ja ebenfalls lyrisch gestalteten.

Sie schreiben also ein Romangedicht…

Das kann man durchaus sagen, ja.

Um was geht es da?

Um Wahrnehmung, um eine Suche, ewige Wiederkehr, die Unendlichkeit. Das Übliche.

Wenn man bedenkt, dass Sie nicht zu klassifizieren sind, scheint das gar nicht so üblich zu sein.

Für mich sind die angeblichen Themen der Literatur immer die gleichen. Was man damit macht, ist das einzige, was zählt.

Sie verweigern sich von jeher jeglicher Zugänglichkeit, wovon leben Sie eigentlich?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Im Grunde ausschließlich von Gönnern und Gönnerinnen. Ganz klassisch.

Und das funktioniert?

Das funktioniert nicht immer. Es ist heute bestimmt schwieriger als zu Rilkes Zeiten. Ein echter Dichter ist ja ein Fossil. Ab uns zu verrichte ich dennoch auch niedere Arbeiten. Das ist gut gegen meine Eitelkeit, kam allerdings die letzten Jahre nicht vor.

Ein Brotjob gegen Eitelkeit?

Ja. Wenn Sie sich ausschließlich mit Kunst beschäftigen, werden Sie mit der Zeit sehr merkwürdig. Da ist es gut, mal etwas widerwillig zu tun.

Man sollte doch bei diesem Ausschliesslichkeitsanspruch meinen, Sie müssten alles daran setzen, Erfolgreich zu sein.
Das aber gerade tun Sie nicht. Ist das nicht ein Widerspruch?

Das kann sein. Aber Erfolg hat ja auch etwas mit Gefälligkeit zu tun. Das liegt mir nicht. Ich muss tun, was ich tun muss. Sollte dafür gerade keine Zeit sein, ändert das nichts daran. Ich muss meine Themen durchbekommen, solange ich lebe. Danach kann ich nichts mehr daran ändern.

Sie schreiben also eindeutig für eine Nachwelt?

Ich schreibe weder für noch gegen etwas. Ich schreibe weil ich lebe.

Sie greifen auch nicht in literarische Debatten ein.

Nein. Die deutsche Gegenwartsliteratur interessiert mich nicht.

Sie kehren demnächst nach fünf Jahren Aufenthalt in der Schweiz nach Deutschland zurück. Was wird sich für Sie verändern?

Alles. Die Schweiz ist mit Deutschland nicht zu vergleichen. Ich hoffe natürlich, dass ich in diesem Jahr den Roman fertig bekomme…

Die Tafeln des Symballousa…

… ja. Zumindest ist das der vorläufige Titel. Es wird Musik geben, denn ich arbeite ja auch mit Mädesüß zusammen an einem Album. Und vielleicht gibt es sogar einige Hörspiele für die Audioveranda.

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2 Antworten auf Der Meister kehrt zurück

  1. Die Veranda sagt:

    Nachtrag: Hat das nicht Wittgenstein auch gemacht? Ich meine das mit der “niederen Arbeit gegen die Eitelkeit”?

  2. Wittgenstein sah den Lehrberuf als niedere Arbeit an. Nähmen wir mich als Lehrer, würde das problematisch. Unsere Universitäten sind eine Katastrophe. Darüber beklagen sich gegenwärtig die Schweizer. Ich sah jüngst eine Schlagzeile: “Kein Deutscher Filz an Schweizer Unis”.

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