das holzbodenzimmer

eine art windschutz lässt sich zum korridor öffnen, der nicht kälter ist, als das zimmer selbst; eine zweite tür ist circa zwanzig zentimeter dahinter an der innenkante der mauer verangelt und aufzuschließen mit einem sicherheitsschlüssel, der am großen bund fehlt und an den ich denken muss.

eine große, rote lederchouch, die polster an ihren einladendsten stellen von schwarzem schimmer überzogen und aufgerauht, sonst keine möbel. die wand gegenüber eine einzige ausbuchtung, welche die fußleiste verschluckt und aussieht, als hätte man zwei nebeneinanderstehende kamine eingemauert. über der tür fachwerk, teil einer unscheinbaren naht, die hier durchs haus läuft. für einen abstellraum liegt das zimmer der straße zu nahe, aber auch später hat es nie jemand für nötig befunden, eine heizung einzubauen.

der boden ist das einzige, der das auge in dieser nervösen kruste nach etwas nennbarem aufgehalten hat. das holz an der linken wand zur erst spät gebauten großküche ist durchgefault, in der mitte festgetreten, dunkel an den stellen, an denen jetzt fünf jahre lang kein läufer lag, rechts sind die leimränder von fensterbänken erkennbar. hier und da sind einige dielen abgebrochen, an den leerstellen sand. — ich berühre mit dem schuh eine stelle, welche das kleid einer frau schleifte, die sich von der nachricht des polen-einmarschs das blut wärmen ließ, an den händen fröstelte und in eine fremde straße einer fremden stadt hinausschaute.

das zimmer soll in diesen tagen zum aufenthaltsraum umfunktioniert werden. ob man die wände bunt machen solle, graffiti vielleicht? — ich bin nicht der richtige ansprechpartner in solchen fragen, das sage ich immer. ich mag weisse wände. und das zimmer, überhaupt, man darf das nicht schon wieder wegmachen-wollen. — was meinen sie? — ich ging zum fenster: sowas. ich strich über die alte, zigmal überstrichene paneele. dann ein ritardando, als müssten wir unsere stimmen verorten: welche empirie meinen SIE? aber wir sind einander so fern, dass wir uns nicht gefährlich werden können.

heute habe ich bei meinem rundgang dort leiter und malerfolie gesehen, weisse farbe aus einem umgefallenen eimer, von allen geistern verlassen und sich in die fugen verlierend, wie es gute gedanken immer waren. ich habe die wände schwarz gesehen, einen raum, aber keinen ort, ein stück fleisch, das nichts vergisst, ein hermetisches puppentheater und eine sibirische milonga.

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