das restaurant, das foyer, die flure, das treppenhaus, die morgenzigarette auf der steintreppe — stufen aus rotem sandstein, die sich unter jahrlangen tritten ein wenig ins magma zurückgebogen haben. ein pfad aus tiefschwarzen, fettigen halbmonden spult sich daran hinunter wie bitterer nikotinhusten. — treppen, zigaretten sind auch so etwas wie schwellen, denke ich, verlängerte schwellen — darüber eine grasmücke, aufgegangen im rauch des SACRAMENTO, verkeilt zwischen nord und süd, tag und nacht, sprachlos, vermessen, vergehend.
mitja scharwenzelt derweil am fenster herum und ergießt sich in anzüglichkeiten. mitja, mit den viel zu dunklen locken, den viel zu roten lippen. seit wir einmal für ein paar stunden in einem zimmer zusammengearbeitet haben, suchen wir wie blöde tiere unsere nähe, spiele, verbotene tänze, rhythmen aus hunger und flucht. — ich stehe auf und verstecke meine thermoskanne hinter ein paar ziegelsteinen. ab jetzt kann ich an der bar um espresso bitten.
(eine art spule: auf der einen seite der kaffee und auf der anderen seite — also der, die das band auffrisst — das produkt ordnung, das produkt sauberkeit, was heissen soll: kein ich ohne koffein.)
seit einigen wochen gibt es bettwanzen-alarm.
hausstaubmilben kann man aus den matrazen prügeln und rollkäfer mit viel aufmerksamkeit und handelsüblichen giften nach und nach ausrotten, aber bettwanzen sind in den unzähligen spalten dieser gemäuer hartnäckig. da die saison noch nicht begonnen hat, lassen sich glücklicherweise kaum gäste blicken. einmal in der woche kommt der kammerjäger und legt kleine rauchbomben in den betroffenen zimmern: madame, jetzt heisst es abwarten. dann nimmt er seinen koffer, lächelt mit blassblauen augen und geht.
immer wenn eine neue beschwerde eingegangen ist, müssen alle leerstehenden betten komplett desinfiziert werden. auf den letzten gast in zimmer no. 1 soll rücksicht genommen werden. er schläft immernoch.
wenn ich dein bett auch von bettwanzen befreien soll, schlage ich vor, du stehst auf.
ich bücke mich über einigen müll, um mein gesicht zu verbergen, denn er hat sofort im bett gesessen und angefangen, seine haut zu untersuchen.
bettwanzen?
ne dusche macht sich da gut.
ich kenne bettwanzen.
tut mir leid.
jetzt sofort?
zehn minuten.
und meine sachen?
du sollst umziehen.
was?
beschwer dich beim chef.
tacón, giro, die kniescheibe wäre fast rausgeflogen. ich gehe.



