don´t/ touch me (1)

(– aber ja, wie hat uns die einsamkeit entstellt. ich schaue dich an: das ist alles gewesen. du bist alles gewesen. ich bin alles gewesen. alle. du warst mir gut. auf wiedersehn.)
Textsirenomele

Bild: Arman (Armand Fernandez), Torso mit Handschuhen, 1967, Museum Ludwig, Köln

Die Trennung zwischen Produkt und Produktionsprozess, also zwischen dem fertigen Kunstwerk und seiner Entstehungsgeschichte aufzuheben – das ist ein Ziel des Nouveau Réalisme. Im Museum Ludwig in Köln steht so ein Werk, von dem man meint, es sofort, auf den ersten Blick zu durchschauen… im wahrsten Sinne des Wortes, denn eine Akkumulation von alten Handschuhen hinter einer durchsichtigen Kunststofffassade in Form eines weiblichen Torso gibt frei, was sich unter der Oberfläche befindet: alte Putzhandschuhe. Nichts wird vorgetäuscht weder der Entstehungsprozess, noch das Material. Und dennoch will das Werk nicht abbilden. Was denn auch?

In diversen Kunstlehrbüchern wird gerade mal auf die Erläuterung des Arbeitsprozesses des französischen Künstlers Arman (Armand Fernandez) verwiesen. Man erfährt, was eine Akkumulation ist, sieht ein, zwei Beispiele aus der Phase in den 1960er und 1970er Jahren, in denen Akkumulationen und Zerstörungen von Massenartikeln und das Einarbeiten in ein Objektkunstwerk im Mittelpunkt seines Schaffens standen (Die Idee dazu entwickelte der Künstler beim Betrachten altmodischer Glas- und Metallröhren von Radios.). Derartigen Plastiken erzählen mir Geschichten, stelle ich fest, vielleicht auch solche, die mit Vergangenem Zukunft vorwegnehmen

„Die Malerei auf der Staffelei hat […] ihre Zeit gehabt. Heute tut sie die letzten, manchmal immer noch großzügigen Atemzüge einer langen Alleinherrschaft.“ Dagegen setzt er „das Abenteuer des wirklichen Sehens“, ein Abenteuer, das sich nur dem eröffnet, der mit soziologisch geschultem Blick durch die Welt geht und darauf hofft, dass der Zufall ihm zu Hilfe eilt: „sei es bei der Auswahl oder dem Abriss eines Plakates, bei der Beschaffenheit eines Objektes, bei Abfall und Müll, bei der Entfesselung mechanischer Erregbarkeit oder der Verbreitung von Sensibilität jenseits der Grenzen ihrer Wahrnehmung“.
Pierre Restany (französischen Kritiker und Autor des Manifestes des Nouveau Réalisme sowie sein Mitbegründer)

Ich las den Text von Juli van Doorne, foto, und empfand eine unbewusste Spur zu diesem plastischen Werk. Ja, die Dinge entwickeln ein Eigenleben und wir sind vielleicht die Zeugen dabei (“Die Realität selbst wird zur Schöpferin, jedes Ding ist ein Kunstwerk, auch ohne Intervention des Künstlers.”, heisst es in einem Webtext des Arman ausstellenden Museums).

Eine Putzfrau mit braunen Augen erzählt…., ich sehe immerzu Armans Plastik vor Augen und die Verbindung stellt sich von selbst her… durch die Putzhandschuhe. Eine Fülle von Assoziationen überflutet meine Gedanken: Schillers Handschuh, die Illustrationen Max Klingers, Werke der Surrealisten- der Handschuh/ die abgetrennte Hand als gern verwendetes Symbol, als Ausdrucksmittel.


Georgio de Chirico, The Song of Love , 1914


Max Klinger, Ein Handschuh, 1881

["Klinger war 22 Jahre alt, als er die Arbeiten am Handschuh begann. Auf der Rollschuhbahn in der Hasenheide fand er einen Handschuh, den eine elegante Brasilianerin verloren hatte. Dieser tatsächliche Fund war die Inspiration für die Traumgeschichte vom Handschuh. Aufregend auf diesem Bild ist die Pendelbewegung, deren Schwingen Klinger auf dem Papier festhält."]

Alberto Giacometti, Surrealistischer Tisch, 1933

Fortsetzung

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