17. Elastolin
Kein Prunkbau, aber es ist das Schloß, von dem Adam gefangen ist. Er begleitet Christina, Lebendigkeiten wegzuräumen, die nach dem Tode von Carlos´ Eltern, die hier gleich nach dem ersten Weltkrieg einzogen, nun einmal übriggeblieben sind. Zum Beispiel die Botanisiertrommel mit dem Perlenstickereiband in eine Kiste neben dem Porzellan mit den Elastolin-Figuren dazulegen, dahin auch die Cellba-Celluloidmädchen aus den 30er Jahren mit weißblonden, perlmuttfarbenen Haaren, dann die Figuren: ein Meißen-Eisbär, ein liegender Elch von Hutschenreuther, Metzler & Orloff-Rehe, 6 Herend-Teller mit Hagebuttenmuster, und nicht zuletzt das Biedermeier-Restdejeuner in Empireform, Blauzepter um 1820, das Deckelkännchen mit Tierkopftülle, das Milchkännchen mit Campanerhenkel, alles Familienstücke der Ahnenreihe Pikid.
Ein viele Ellen langer Korridor, vorne fällt Licht ein, genau dort, wo die Pfeilspitze der entozentrischen Perspektive am schärften ist. Das Geläuf riecht nach totem Chitin, quietscht bei jedem Schritt, als träte man auf den Bauch eines Schweins. Die Dunkelheit ist eine Ferne der Erinnerung, im Traum aber leuchtet jedes Tableau unerschütterlich, solange es betrachtet wird. Adam ist Herr über seine Bewegungen und Taten, ein Impuls schlägt die Unveränderlichkeit in den neblichten Wind. Der Wille des So-Seins, gerahmte Nacht, in die er fassen kann, streckt er jetzt die Sinne aus. Das Modellierholz Gedankenspiel reinigt die Figuren, die darin schwimmen wie mißgestaltete Embryonen: ein Perspektivenschlund, vorgelagerter Mund, das Anheben der Beine, um zu gehen (dorthin, dahin). Im Kanal gebärender Schwärze, doch weit vorn ein Fenster, mindestens eine Öffnung. Licht fällt ein, der spritzende Fächer belichtet den Spiegel, eine Incluminacio, eingebildet und solitär, ein Brunnen, Bewegungen in den Kammern, an Türen lauschen, ächzen dort, jammern, klagen, trampeln, Meuble verrücken, ich haste vorbei, die nächste, Kammer um Kammer. Ein ellenlanger, so viele Ellen langer Leib.





