Rückspiegel
Pausenkatzen (28. 06. 2012)
Nachtschrank






25. Eine Stadt, so groß und hell wie der Mond

Um so weiter sich Adam vom Haus entfernt, desto größer mutet die Welt, desto endloser erscheinen ihm die Wege, ausgetrocknete Fahrrinnen, von einer buckligen Grasnarbe zerteilt, Heugeruch koitiert in der Luft. Es gibt ein Ende der Welt. Wenn du alleine gehst, erreichst du es schneller. Jeden Tag nur 50 Meter weiter. „Irgendwann kommt eine andere Ortschaft, du kannst dich nicht verirren!“ Aber Adam verirrt sich in sich, er kann nicht mehr zurück. Die Schule, was ist sie? Die Freunde, wer sind sie? Wenn er jetzt ginge, jetzt, mit seinem blauen Fleck an der linken Sitzbacke, käme er nach Babylon. „Was ist Babylon?“ Eine Stadt, so groß und hell wie der Mond, mit Wasserhähnen aus Gold, und alle Mädchen küssen dich. Ich sah ein Bild von einem Turm aus Marzipan, aber es könnte auch Zuckerguß gewesen sein. Der wächst, jeden Tag nur 50 Meter weiter, bis man die ganze Erde überblicken kann. Man sieht alle Menschen und was sie tun. Es ist das Ende der Welt, aber auch ihr Ursprung. Wenn ich dort ankommen will, muß ich alleine gehen. Auf einem Weg, der dort erscheint, wo man den ersten Schritt der Länge nach tut, trifft man nur die eigenen Dämonen. Die haben keine Ausdehnung; das Gute an ihnen ist, sie passen in jede Hosentasche und sie wiegen nichts.
Seit wann schaukeln meine Schafe denn? Der Bouvier trottet, sichtlich irritiert, zurück zu den anderen, die er leichter erkennen kann, die auch anders schmecken wie dieser hier. Der Geruch, der ihn angezogen hat, stammt von apokrinen Drüsen, da gibt es nichts zu rütteln, jetzt aber hat er Serge de Nîmes zwischen den Zähnen, trotzdem ihm der Stimulus-Response gesagt hat: Der da schaukelt in die Herde zurück stop.

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