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	<title>Die Veranda &#187; gespräche</title>
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	<description>literarisches Weblog/poetisches Hauptquartier</description>
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		<title>seeleute</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 23:56:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanna</dc:creator>
				<category><![CDATA[gastbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[hund]]></category>

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		<description><![CDATA[seeleute    (roger mit winston. roger lacht) in meiner garage steht ein original dodge und vor meinem bett schnorchelt eine englische bulldogge. vom dodge will ich jetzt nicht sprechen &#8211; aber der bully hei&#223;t roger. zuerst mu&#223;te ich gewisse &#228;sthetische &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100206/seeleute/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>seeleute</div>
<div><img src="http://photos-h.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc1/hs141.snc1/5213_1153796018617_1639194887_398534_7696291_s.jpg" alt="" />   (roger mit winston. roger lacht)</div>
<div>in meiner garage steht ein original dodge und vor meinem bett schnorchelt eine englische bulldogge.<br />
vom dodge will ich jetzt nicht sprechen &#8211; aber der bully hei&#223;t roger.</div>
<div><img src="http://photos-f.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc1/hs159.snc1/5933_1126401853780_1639194887_315259_7313091_s.jpg" alt="" /></div>
<div>zuerst mu&#223;te ich gewisse &#228;sthetische widerst&#228;ndigkeiten hinter mich werfen, auch sa&#223; ich verst&#228;ndnislos vor seinen falten, dem grimmigen menschengesicht ohne schnauze,</div>
<p>den zur&#252;ckgelegten ohren und den gro&#223;en runden schwarzen augen. aus dem m&#228;chtigen maul ragten vier winzige babymilchz&#228;hnchen und eine rosa zungenspitze. dick standen links und rechts die goldfarbenen wangen ab.<br />
er gurgelte und schnarchte bisweilen, obwohl er v&#246;llig wach war.</p>
<div>ich versuchte, ein gespr&#228;ch zu beginnen und stellte ihm verschiedene fragen. das machte ihn aggressiv, denn, wie ich so allm&#228;hlich verstand, war er nicht der hellste und wu&#223;te auf meine fragen nicht zu antworten.</div>
<div>seine dicken babypfoten stellte er abwechselnd auf meine kleinen nackten zehen. zum gl&#252;ck sabberte er nicht, wenn ihm auch einige &#252;ble wolken entkamen.<br />
ich brach diese immer ungem&#252;tlicher werdende sitzung ab und ging zum leicht verst&#228;ndlichen befehlston &#252;ber: &#8220;hier!&#8221;, &#8220;sitz!&#8221;, &#8220;platz!&#8221; &#8211; das funktionierte einwandfrei.</div>
<div>beim spazierengehen sagte ein kleines kind: &#8220;dieser hund ist b&#246;se!&#8221; und ich rief laut nach hinten: &#8220;ist er nicht!&#8221; und roger sah mich von ganz unten aus seinen gro&#223;en runden augen an. mir schien, es sei etwas w&#228;rme darin gewesen.</div>
<div>nach dem langen spaziergang setzten wir uns in den garten. das hei&#223;t: ich setzte mich in die hollywoodschaukel und roger stand lange &#8211; und lange &#8211; und blickte in ein undefinierbares, wor&#252;ber ich nicht den mut hatte, ihn zu befragen.</div>
<div>unvermittelt nahm er anlauf mit seinen vier kleinen muskul&#246;sen beinchen, lie&#223; sich kurz vor der brautspir&#228;e fallen und rutschte unter den busch. dort war ein tiefes grunzen und rascheln und zwischen dem unterge&#228;st goldbraunes w&#228;lzen in erde.<br />
als ich schon nachsehen wollte, ob alles in ordnung sei, kam er heraus, sch&#252;ttelte sich und lie&#223; sich, so wie er war, auf den bauch ins gras fallen. das war ein kurzer weg, denn die kleinen beinchen rutschten einfach ins seitliche weg wie bei einem ausschneidefrosch aus papier.</div>
<div>er sah mich bedeutungsvoll an. lange. noch l&#228;nger.<br />
es blieb mir nichts &#252;brig, als meine unsicherheit zu verbergen und betont gleichm&#228;&#223;ig zu schaukeln.<br />
ich legte meine handtasche in xxlarge neben mich, nahm die zigaretten heraus und z&#252;ndete mir eine an.</div>
<p>ich bem&#252;hte mich, nicht hinzusehen und die natur zu genie&#223;en in diesem garten, der von allem eine blo&#223;e idee enthielt: eine lyra aus stein, einen rosenstock, einen &#252;berdimensionalen lavendel, bl&#252;hend, einen wei&#223;en rittersporn mitten in der gem&#228;hten wiese.<br />
da nahm etwas wuchtiges anlauf auf mich zu und mit allen vieren von oben kam der simplicissimus auf meine tasche gesegelt und landete punktgenau, trotz heftigsten nachbewegungen der &#252;berrumpelten schaukel an sich.</p>
<div>&#8220;guter hund!&#8221; sagte ich l&#228;ssig und betont, worauf er neben mir seinen dicken goldhintern positionierte, meine blickrichtung f&#252;r sich &#252;bernahm und die schaukelbewegungen mit dem wuchtigen goldkopf ausglich: vor und zur&#252;ck, auf und ab.</div>
<div>und ich dachte, er mu&#223; auf see gewesen sein und f&#252;hle sich nun zu hause. er schleckte mir mit einem winzigen ku&#223; seinen geruch auf den ellenbogen und ab da waren wir freunde. bis zum abend schaukelten wir wortlos nebeneinander.</div>
<p>und wer sich noch etwas in bullys hineinversetzen mag &#8211; hier die erste begegnung zwischen vater (chaucer) und tochter (nicht aus rogers familie):</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=nN7YWz2RqH8&amp;feature=related">http://www.youtube.com/watch?v=nN7YWz2RqH8&amp;feature=related</a> </p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Brunchen mit der Feder (20. 02. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090220/brunchen-mit-der-feder/">Brunchen mit der Feder</a> (20. 02. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Gespr&#228;che im Bauch</title>
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		<pubDate>Thu, 14 Jan 2010 10:11:24 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Die Veranda</dc:creator>
				<category><![CDATA[miszellaneen]]></category>
		<category><![CDATA[gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[markus hediger]]></category>

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		<description><![CDATA[Markus Hediger, Mitinitiator und Gr&#252;nder von litblogs.net, Autor einer der denkw&#252;rdigsten Veranda-Kolumnen (Rio Rumble), die in ein feines B&#252;chlein der Edition m&#252;ndete, f&#252;hrte vor knapp zwei Jahren ein Gespr&#228;ch mit Michael Perkampus, dessen Aus- und Hergang v&#246;llig offen war. Das &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100114/gespraeche-im-bauch/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Markus Hediger, Mitinitiator und Gr&#252;nder von<a href="http://www.litblogs.net/"> litblogs.net</a>, Autor einer der denkw&#252;rdigsten Veranda-Kolumnen (Rio Rumble), die in ein<a title="edition neue moderne" href="http://edition-neue-moderne.de/programm/prosa-inseln/kroetenkarneval/" target="_blank"> feines B&#252;chlein der Edition</a> m&#252;ndete, f&#252;hrte vor knapp zwei Jahren ein Gespr&#228;ch mit Michael Perkampus, dessen Aus- und Hergang v&#246;llig offen war. Das verloren geglaubte Pamphlet ist ein Zeugnis der spontanen Projekte der beiden, die immer wieder spielerisch aufkeimten und absichtslos aus dem Bauch heraus gestaltet wurden. Die Veranda will vor allem dieses etwas l&#228;ngere Gespr&#228;ch zum ersten Mal der &#214;ffentlichkeit anbieten. Vor allem deshalb, weil hier spannende Positionen eingenommen werden, die es weiterzudenken lohnt. Anzumerken ist nur, dass es sich trotz seiner L&#228;nge um ein Fragment handelt.</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/wp-content/uploads/2010/01/hediger_perkampus1.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-901" title="hediger_perkampus" src="http://veranda.michaelperkampus.net/wp-content/uploads/2010/01/hediger_perkampus1.jpg" alt="" width="500" height="407" /></a>Hediger/Perkampus bei der <a title="berner werkschau" href="http://www.werkschau.org/" target="_blank">Berner Werkschau</a> 2007</p>
<p><strong>P:</strong><br />
Mein lieber Freund!<br />
Wenn wir uns heute hier treffen, dann geschieht das aus dem Grunde, weil wir beide Autoren zu nennen sind, die als Mensch ihre Suche gestalten, deren Ergebnisse wir in Sprache umsetzen. Wir nennen uns beide nicht frei von Humor, den wir als ein hohes Gut betrachten, wir nennen uns beide nicht frei der Lust animalischer Triebe. Ich sage es frei heraus: es gab eine Zeit, da ich jedem Christenmenschen den Tod und seine eigenen h&#246;llischen Erfindungen an den Hals w&#252;nschte, und unter gerade genannten habe ich keine Freunde &#8211; ich suche sie dort auch nicht. Dennoch sind mir Menschen stets willkommen, die f&#252;r sich aussprechen, was auszusprechen ist. Ein Mensch, der behauptet, keine Religion zu haben, ist allein psychologisch gesehen ein L&#252;gner, denn selbst die bei &#8211; nennen wir sie ruhig bei dem Namen, den sie sich selber geben &#8211; Atheisten &#8211; ist ein Areal des Gehirns daf&#252;r zust&#228;ndig, sich R&#252;ckversichern zu m&#252;ssen, und sei es in der Annahme eines ewigen Schlafs.<br />
Nun w&#252;rde ich mich niemals dazu herablassen, einen Freund, der du nun einmal f&#252;r mich bist &#8211; man entscheidet sich ja nie f&#252;r Freundschaft, genauso wenig, wie man sich f&#252;r Liebe entscheidet &#8211; als einen Christen zu beschimpfen. Doch mu&#223; ich dir ehrlich sagen, da&#223; dein Hadern mit dem, was dir einst so viel bedeutet hat, mich mit Wohlgefallen auff&#252;llt, denn, so scheint es, bist du nicht in einer der schlimmsten Gedankenformen versumpft, sondern hast dich aufgerafft, die Verbrecher an dem Eros hinter dir zu lassen ohne aber dein metaphysisches Ziel zu verleumden. Sollten wir uns da treffen, zu sagen: Wir brauchen keinen Gott?</p>
<p><strong>M:</strong></p>
<p>Widerlich w&#228;re, wenn ich dir zustimmen sollte, jede Wahrheit. Und widerlichst, jeder Wahrheitsanspruch. Wahrheit und Sprache vertragen sich nicht, das ist meine &#220;berzeugung. Das Christentum ist eine Wortreligion, als solche also denkbar ungeeignet, Wahrheit f&#252;r sich zu reklamieren und, schlimmer, diese zu verk&#252;nden. Im Grunde ist eine (richtig verstandene) Wortreligion eine Religion der K&#252;nstler.  Wort (jedes Wort) birgt sch&#246;pferische Kraft in sich. Dies scheint mir auch die Erkl&#228;rung daf&#252;r, weshalb das Christentum auch wirklich hervorragende Kunstwerke hervorgebracht hat. Die Bibel selbst ist in einigen Teilen hervorragende Literatur, weshalb sie mir nach wie vor lieb und teuer ist. Wir brauchen keinen Gott? Wahrscheinlich nicht. Wir brauchen das Wort.</p>
<p><strong>P:</strong></p>
<p>Da wir also beide dem Wort tributpflichtig sind, entlarven wir uns selbst als L&#252;ger, sobald wir &#8211; sagen wir auch das frei heraus: das Maul aufmachen, bezw. den Stift z&#252;cken. Die Welt ist geschw&#228;tzig, ich bin mir nicht sicher, ob sie das von je her war oder ob das also ein Privileg der Moderne ist. In der deutschen Romantik haben wir ein Beispiel des gro&#223;en Haders &#8211; alle gro&#223;en Wortschwinger, denen ich ja kaum nachstehe &#8211; sind schlussendlich gescheitert am Wort, d.h. in ihrer religi&#246;sen Misere versunken. Es gab eine Zeit, da hoffte ich, das Wort w&#252;rde mir ein Geheimnis weisen &#8211; und  nur um Geheimnisse geht es mir, wenn ich schreibe. W&#252;rde ich die Sprache eines Tages verstehen, w&#252;rde ich augenblicklich aufh&#246;ren zu schreiben. Ich w&#252;rde nie wieder ein Wort zu Papier bringen und wahrscheinlich w&#252;rde ich dann sogar stumm. Ich bin kein gl&#228;ubiger Mensch, aber ich wei&#223; um Energien &#8211; zu denen auch die Inspiration geh&#246;rt &#8211; die wir besser gar nicht versuchen sollten, zu verstehen. Etwas verstehen zu wollen &#8211; und sei es &#8220;nur&#8221; Gott, f&#252;hrt unweigerlich in den geistigen Zusammenbruch. Der kann sich verschiedenartig &#228;u&#223;ern. Zum Beispiel so, wie uns gerade die Weltsituation erscheint. Ich sage nicht, dass sie mich interessiert, aber ich sage, dass ich diese Situation quasi in meinem Bauch sp&#252;ren kann. Das erinnert mich an den sch&#246;nen (wie falschen) Ausspruch: Wenn ein Mensch stirbt, sterben alle Menschen.</p>
<p><strong>M:</strong></p>
<p>Von L&#252;ge kann ja nur dann die Rede sein, wenn ihr eine Wahrheit entgegengehalten wird. Du hast Dich selbst ja des &#246;fteren schon als Gaukler bezeichnet &#8211; ich denke, das wird unserer T&#228;tigkeit gerechter. Wir l&#252;gen ja nicht. Wir halten den Lesern unsere Wirklichkeit entgegen. Wahrheit (und dies gilt noch mehr f&#252;r das, was wir Wirklichkeit nennen) beruht auf Konsens, der sich in einer Kultur, einer Gesellschaft, einer Gruppe, einer Familie, oder zwischen zwei Freunden herausbildet. In einem bisweilen langen Prozess einigt man sich auf die Regeln, nach denen wir bestimmen, was wirklich und was vorget&#228;uscht, was wahr und was gelogen ist. Seit die Medien von einigen wenigen Nachrichtenagenturen beliefert werden und Tageszeitungen Journalisten offenbar nur noch besch&#228;ftigen, um die Meldungen, die &#252;ber den Agenturticker auf ihren Schreibtischen landen, etwas aufzupeppen, ist es v&#246;llig egal geworden, welche Zeitung wir lesen, welchen Fernsehkanal wir schauen, welchen Radiosender wir h&#246;ren, welche Internetseite wir aufrufen. Auf allen Kan&#228;len wird uns dieselbe Welt pr&#228;sentiert und wir sind soweit, dass wir sagen: Das ist die Wirklichkeit. Mich beschleicht noch immer ein mulmiges Gef&#252;hl, wenn ich auf Tagi-Online eine Meldung lese, die auf NZZ-Online wortw&#246;rtlich ebenso dasteht. Wann ist es Dir das letzte Mal passiert, dass Du eine Zeitung aufgeschlagen und darin einen Artikel gelesen hast, worauf Du hast ausrufen m&#252;ssen: &#8220;Das ist die Welt, wie ich sie nicht kenne!&#8221; Ich vermisse das.</p>
<p><strong>P:</strong></p>
<p>Ich war nie ein besonders starker Zeitungsleser, weil die Manipulation von jeher viel zu offensichtlich durchscheint. Lug und Trug – unter anderem zwei jener mi&#223;deuteten und absichtlich negativ besetzten W&#246;rtchen – f&#252;hren uns genau da hin, wo zum Beispiel ich mich haben m&#246;chte: in die Gaukelei. Sind wir Schriftsteller etwas anderes als Zauberer? Das meine ich w&#246;rtlich. Und weil Zauberei auch immer etwas mit dem Verschwinden der Wirklichkeit zu tun hat – es ist, wie du zu recht sagst, immer nur eine Wirklichkeit, auf die sich geeinigt wurde (wobei man die Wirklichkeit aus mir unbegreiflichen Gr&#252;nden von jeher ins Materielle ziehen will) &#8211; f&#252;hlen wir uns dort am wohlsten, wo wir selbst Wahrscheinlichkeiten  (unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit) ausbr&#252;ten k&#246;nnen. Dabei f&#228;llt uns auf, da&#223; etwas nicht stimmen kann, da&#223; etwas Gro&#223;es und Bedeutendes nicht stimmen kann, schlicht: da&#223; mit uns Menschen und unserem Bezug zur Wahrnehmung wie zur Welt etwas nicht stimmen kann.  Wenn wir schreiben, so vermute ich, treten wir aus dem Strom heraus, der vor unseren Augen weiterbraust. Der Journalismus wird immer nur Teil dieses Brausens sein, das hat er mit schlechter Literatur gemeinsam, w&#228;hrend unsere Dichtung nicht weniger als ein Instrument der Wahrnehmung ist. Wahrnehmen m&#252;ssen wir von au&#223;erhalb, aber NACHDEM wir drin waren. Ich sage das WIR in einem Zustand, von dem ich wei&#223;, da&#223; er bei uns beiden unterschiedlichen Autoren die gar nicht so unterschiedliche Basis bezeichnet.</p>
<p><strong>M:</strong></p>
<p>Das Problem besteht in meinen Augen nicht darin, dass man, wie Du sagst, die Wirklichkeit ins Materielle ziehen will. Materie ist etwas Wundervolles. Um nichts m&#246;chte ich das Lammcarré missen, das wir bei unserem ersten Treffen in Winterthur zusammen verspeisten. Ich habe auch kein Problem damit, dass unser Gef&#252;hlsleben chemisch erkl&#228;rt wird. Dass das, was wir Liebe nennen, oder Verzweiflung, auf Hormonaussch&#252;ttungen in unserem K&#246;rper zur&#252;ckgef&#252;hrt wird. Was mich aber &#228;rgert, ist, dass der Eindruck vermittelt wird, damit habe es seine ganze Bewandtnis. Wissenschaft ist ungeheuer spannend und ungeheuer begrenzt in dem, was sie leisten kann: Sie kann nur das aufzeigen, was ihre Instrumente in der Lage sind anzuzeigen. H&#228;tte die Wissenschaft andere Instrumente entwickelt, w&#252;rde sie uns heute eine andere Welt pr&#228;sentieren. Schau durch einen Filter und er wird gewisse Wellenl&#228;ngen verst&#228;rken, andere wiederum blockieren. Um es kurz zu machen: Es g&#228;be unz&#228;hlige Wege, Materie zu betrachten. Wir kennen nur eine ganz geringe Anzahl davon. Sprache ist ein grandioses Wahrnehmungsinstrument, weil sie nicht unseren Sehgewohnheiten folgt. Wenn wir ans Fenster treten, wissen wir, was wir sehen werden. Wenn wir uns an den Schreibtisch setzen, haben wir keine Ahnung, was geschrieben stehen wird.</p>
<p><strong>P:</strong></p>
<p>Die Wissenschaft hat uns, ebensogut wie die Religionen, in ein Dilemma gef&#252;hrt, denn Wissenschaft ist auch nur ein Glaube, der nicht weniger rigoros zur Sache geht. Es steht au&#223;er Frage, da&#223; uns nahezu jede Hochzivilisation, die zwar immer auch schon Z&#252;ge von dem in sich bargen, was wir heute leben, in ihrer Kenntnis der Analogien &#252;berlegen war.  Die Wissenschaft ist eine krude Sache – und wenn ich hier Attacken reite, dann mu&#223; ich es pr&#228;zisieren: ich meine den wissenschaftlichen Materialismus, nicht die Wissenschaft an sich (denn dazu geh&#246;rt die Magie als h&#246;chste, die ich aber an dieser Stelle doch lieber Hermetik nennen m&#246;chte). Wir treffen uns auch hier: Die Kritik richtet sich gegen wissenschaftsgl&#228;ubige Enthusiasten, die diese Wissenschaft zu einer Weltanschauung erheben und daraus Gesellschaftssysteme entwickelt haben, die Anspruch auf Weltg&#252;ltigkeit erheben. Man wird den Wissenschaftlern auch nichts Neues sagen, wenn man ihnen vorh&#228;lt, da&#223; sie jenen Geist, mit dem sie Wissenschaft betreiben, g&#228;nzlich vernachl&#228;ssigen. Geist ist keine endliche Gr&#246;&#223;e, nicht beobachtbar, nicht experimentierbar, nicht berechenbar. F&#252;r die Materialisten ist er deshalb nicht existent, eine Fiktion. Immer dann, wenn die Gro&#223;en der Wissenschaft an ihre Grenzen stie&#223;en, auf unerkl&#228;rbare Erscheinungen, Ph&#228;nomene, dann sch&#228;mten sie sich fast, als einzige Erkl&#228;rung auf Geist oder Gott zu verweisen. Doch die Grenze des Erforschbaren ist nicht das Ende der Natur. Da&#223; ich der Verdichtung des Geistes, die wir Materie nennen, ebenso gerne verfalle, wie du es ansprichst, ist kein Geheimnis. Die Freuden, die uns unsere Genu&#223;sinne bereiten, sind oft ein viel gr&#246;&#223;eres Lehrst&#252;ck als jeglicher wissenschaftlicher Nonsens, die mit ihrer Chemiekeule aufwarten, um zu erkl&#228;ren, was auch hier nur unzureichend zu erkl&#228;ren ist. Dabei kann die Wissenschaft nicht einmal erkl&#228;ren, was denn der Orgasmus ist, sie kann nur den Eindruck erwecken, alles leuchte ein. Das tut sie stets.</p>
<p><strong>M:</strong></p>
<p>Meine Kritik richtet sich hier nicht gegen die Wissenschaft als solche, noch gegen die Wissenschaftler im Allgemeinen. Immer wieder liest man von Wissenschaftlern, die sich sehr wohl der Grenzen ihres Schaftens bewu&#223;t sind, oder in ihrer Forschung an Grenzen sto&#223;en, hinter denen sich das Numinose auftut. Meine Kritik richtet sich gegen die Art und Weise, wie Wissenschaft unters Volk gebracht wird &#8211; n&#228;mlich reduziert auf allgemeinverst&#228;ndliche Aussagen. Und alles was allgemein ist, ist suspekt, muss suspekt sein. Allgemeines verwischt Differenzen und Differenzierungen. Was wir Wirklichkeit nennen ist im Grunde eine plafonierte Welt &#8211; begrenzt in ihrer Komplexheit, eine Welt &#8220;for Dummies&#8221;. Eine ernsthafte Wissenschaft und eine gute Literatur insistieren auf der Komplexheit bzw. auf dem Reichtum der Welt.</p>
<p><strong>P:</strong></p>
<p>Die Wissenschaft wird herangezogen f&#252;r ein Funktionieren der Warenwirtschaft. Alles ist darauf eingespielt, die Funktion der Rendite zu erf&#252;llen, was anscheinlich keinen Zweck hat, wird als nutzlos reduziert. Zweck, Nutzen, Fakten, Profit. Es ist dabei unerheblich, wo das geschieht. Die &#196;rzte – und, was ich aus erster Hand wei&#223; – die Psychologen – haben die Aufgabe, die Arbeitsleistung der erkrankten Person wieder herzustellen, bzw. den aus der „Gesellschaftlichen Normalit&#228;t“ gefallenen, wieder einzugliedern. Das Ziel ist nicht Gesundung (denn manche „Patienten“ sind gar nicht krank, sie erkennen, wie oben angesprochen, da&#223; etwas nicht stimmt  &#8211; nicht jeder ist als Heuchler auf seinen Knien geboren), sondern das Funktionieren. Noch gibt es einen, wenn auch schwierig einzunehmenden Platz f&#252;r jene, die <em>nicht funktionieren</em>, aber der Preis wird immer h&#246;her.</p>
<p>Doch – richtig. Ich sehe hier die Literatur – die ja selbst ein Opfer unserer Gesellschaftsform ist – ebenfalls als eine Wissenschaft an. Das ist &#252;brigens <em>meine</em> Auffassung zur Unterscheidung zwischen E und U. Auch Wissenschaft kann, soll und darf unterhaltsam sein. Mir scheint es da nur ein schwieriges Unterfangen zu sein, Unterhaltung &#252;berhaupt richtig einzuordnen. Sage ich: „Das Leben ist unterhaltsam“, wird man das nicht bestreiten. Lasse ich es aber so stehen, wird man mir mangelnde Ernsthaftigkeit vorwerfen wollen, was wiederum zeigt, da&#223; alles, was offenkundig Freude bereitet – M&#252;&#223;iggang, Sexualit&#228;t, Speis und Trank – und nicht zuletzt eben der Humor, in einer funktionierenden Welt als minderwertig betrachtet wird. Hier aber nicht in der Unterscheidung Materie/Geist – sondern vielmehr so, als da&#223; selbst unser „Vergn&#252;gen“ nach profitablen und angenommenen Gesetzen zu funktionieren hat.</p>
<p><strong>M:</strong></p>
<p>Mit Deinen pauschalen Urteilen zementierst Du gerade die Art von Wahrnehmung, die Du so heftig kritisierst. Gibt es die jungen Schn&#246;sel in rosaroten Hemden, hellblauen Krawatten und dunklen Anz&#252;gen, die nur an Profit und ihre Karriere denken und denen jedes Mittel recht ist, ihre oft &#228;lteren Untergebenen daf&#252;r zu instrumentalisieren? Nat&#252;rlich. Gibt es die von Dir beschriebenen &#196;rzte? Nat&#252;rlich, ja. Gibt es Menschen, die von ihren &#196;rzten nichts anderes erwarten, als wieder funktionst&#252;chtig gemacht zu werden, damit sie den jungen Managern mit ihren noch roten Wangen wieder frisch geschmiert in den Arsch kriechen k&#246;nnen? Auch die gibt es. Ich entgegne daraufhin aber: Es gibt nicht nur die. Und selbst diese sind nicht in allen Aspekten so stereotypisiert, wie Du sie siehst. Irgendwo steckt in einem Tr&#228;nenkanal ein gestautes Tr&#246;pfchen, das eine ganz andere Welt bew&#228;ssert. <em>Darauf </em>m&#252;ssen wir unser Augenmerk richten. Oder anders ausgedr&#252;ckt: Das interessiert mich viel mehr als das, was wir ohnehin schon wissen.</p>
<p><strong>P:</strong></p>
<p>Das sind keineswegs Pauschalurteile. Wenn ich sage, da&#223; es sogar <em>Vorgaben</em> sind, zementiere ich nicht etwa meine Wahrnehmung, sondern ich spreche aus, was vor sich geht. Und wenn wir das angeblich alle w&#252;&#223;ten, dann stellte sich die Frage, warum es nicht zu &#228;ndern sein soll. Kritik ist ein wesentlicher Bestandteil unseres Denkens und wenn 2 Milliarden Menschen einen merkw&#252;rdigen Weg gehen und einer w&#228;re dabei, der dies nicht tut, kann ich nicht immer auf die Ausnahme zur&#252;ckkommen, weil diese schlu&#223;endlich nichts besagt. Ich sage zum Beispiel: Amerika war Aggressor im Irak. Mu&#223; ich da wirklich erw&#228;hnen, da&#223; freilich nicht alle Amerikaner Aggressoren sind? Das w&#252;rde jegliches Gespr&#228;ch verunm&#246;glichen, weil man nicht mehr sagen k&#246;nnte: Das Essen ist mir zu hei&#223;, weil sofort ein anderer da w&#228;re, der sagte: Mir ist es gerade recht, wieder ein anderer, der sagte: Ich bin es hei&#223;er gewohnt. Influenzen kommen stets aus verschiedenen Richtungen – ich selbst bin ein gutes Beispiel daf&#252;r, Dinge nicht mit zu machen. Sollte ich R&#252;cksicht nehmen auf jemanden, der, sagen wir, in der R&#252;stungsindustrie arbeitet und sich nachts die Augen ausheult, weil er in Konflikt mit seinem Gewissen ger&#228;t? Soll ich dahin tats&#228;chlich mein Augenmerk richten. Es leitet mich geradewegs hin zu einem fatalen Spruch, den ich von meinen beiden Gro&#223;v&#228;tern (beide mir als Enkel herzensgute M&#228;nner) nicht oft genug h&#246;rte, als ich begann, Fragen zu stellen. Der eine war bei der Waffen-SS, der andere fuhr mit Schnellbooten in die Englischen H&#228;fen ein, um Dynamit an die vor Anker liegenden Schiffe anzubringen und diese dann in die Luft zu jagen: Wir wu&#223;ten es nicht besser.</p>
<p><strong>M:</strong></p>
<p>Gut m&#246;glich, da&#223; zwei Milliarden wissen, wovon wir hier sprechen. Gut m&#246;glich, da&#223; auch sechs Milliarden wissen, da&#223; die Amerikaner als Aggressoren im Irak einmarschierten. Aber das zu sagen, wie laut auch immer hinauszuschreien, reicht nicht. Schreib das tausend mal in dein Weblog. Was &#228;ndert sich dadurch? Selbst wenn durch deinen Aufruf sich 100&#8217;000, von mir aus auch 1&#8217;000&#8217;000 Friedensaktivisten vor dem Weissen Haus versammelten. W&#228;s &#228;nderte sich dadurch? Der Grund, weshalb wir alle dem so hilflos zuschauen, ist doch, dass wir keine andere Wirklichkeit sehen k&#246;nnen, die sich nicht nach einer dualistischen Struktur richtete. Wenn der Papst f&#252;r Frieden in der Welt betet, spricht er denselben ideologischen Strukturen nach dem Maul, wie wenn Pr&#228;sident Bush beteuert, im Irak gehe es aufw&#228;rts. Friedensnobelpreistr&#228;ger wollen Frieden, wo Krieg herrscht, als ob Frieden die einzige Alternative zu Krieg w&#228;re. Arbeitnehmer wollen funktionieren, weil sie sich keine Welt vorstellen k&#246;nnen, in der sie sich nicht f&#252;r das j&#228;mmerliche Monatssal&#228;r dem&#252;tigen lassen m&#252;ssen. Und hier setzt Dichtung, hier setzt Fiktion ein, die nach anderen Regeln als die &#8220;Wirklichkeit&#8221; funktioniert (oder eben nicht funktioniert). Die Welt, die in der Fiktion dargestellt wird, gibt es nicht. Aber sie stellt auch die Frage: Weshalb denn nicht?</p>
<p><strong>P:</strong></p>
<p>Mir selbst geht es um keinerlei Frieden. Ich wollte nur erl&#228;utern, warum ein Gedanke bereits als Pauschal betrachtet werden kann – n&#228;mlich dann, wenn er keinerlei Poesie in sich birgt. Die Welt ist ein immerw&#228;hrender Proze&#223;. Was man an einem Krieg zu verurteilen trachtet, findet man in seinem K&#246;rper gleich wieder notwendig. Der Mensch kann mit dem Wandel schlecht umgehen, weil dieser den <em>common sense</em> aushebelt. Statik ist begreifbar. Eklatant wird es nur, wenn es diese Statik gar nicht gibt und sie aufrecht erhalten werden mu&#223;, um zweckorientiert vorzugehen. Es dreht sich bei allen Gesellschaftswerten um ein Instrument kapitalistischer Dominanz und Repression durch Unterwerfung des Subjekts.</p>
<p>Da&#223; es Fiktion nicht gibt, halte ich f&#252;r unwahr. Vergessen wir nicht, da&#223; wir in einer fiktiven Welt leben, wenn wir Fiktion als Gestaltung betrachten wollen, als eine ausgedachte Welt. Wir d&#252;rfen auch nicht vergessen, da&#223; wir Menschen uns diese Welt erschaffen haben, was bedeutet: wir h&#228;tten auch etwas v&#246;llig anderes erschaffen k&#246;nnen. Wer eine Idee ausspricht, tut das Seinige zu einer Ver&#228;nderung bereits dazu. Da&#223; sich dies nur potenziert auswirkt, kann man anhand einer „historischen Zeitschleife“ gut beobachten.  Dennoch haben wir nicht alle dieselbe Welt vor Augen. Fiktion und soziales Kompendium widerstreiten sich. Und ich sage noch etwas: Wir k&#246;nnen nur nicht fliegen, weil wir uns die Welt eben nicht so eingerichtet haben.</p>
<p><strong>M:</strong></p>
<p>Das unterschreibe ich (fast) alles. Wobei aber einiges zu kl&#228;ren, bzw. zu pr&#228;zisieren bleibt. Ein Gedanke k&#246;nne als pauschal betrachtet werden, wenn er keinerlei Poesie in sich birgt &#8211; das ist sehr sch&#246;n gesagt, steht und f&#228;llt aber mit dem jeweiligen Verst&#228;ndnis von Poesie.</p>
<p>Welt, wie sie in der Fiktion dargestellt wird, gibt es nicht. Frage den B&#252;roangestellten.<br />
Das meinte ich.<br />
Dass ich diese Auffassung nicht teile, weisst Du, ich selbst stecke mitten im Prozess meiner eigenen Fiktionalisierung &#8211; was ich ja &#8211; religi&#246;s ausgedr&#252;ckt &#8211; als Wirklichwerdung verstehe.</p>
<p>Und damit dies auch noch gesagt sei: Ich halte kapitalistische Dominanz und Repression nicht per se f&#252;r etwas schlechtes. In einer guten Fiktion d&#252;rfen sie nicht fehlen. Also: Schafft um Himmels willen nicht den Kapitalismus ab, ohne vorher f&#252;r ebenb&#252;rtigen Ersatz gesorgt zu haben!</p>
<p><strong>P:</strong></p>
<p>Dazu mu&#223; ich anmerken, da&#223; ich die Sprache nicht als ein Kommunikationsmittel betrachte. Mit Sprache zu kommunizieren, ist unm&#246;glich. Auch hier erweckt Sprache nur den Eindruck, da&#223; man sie zu einer Verst&#228;ndigung heranziehen k&#246;nnte. Ich bin der Meinung, Sprache ist nur dazu da, sie als Instrument der Wahrnehmung zu benutzen. Das Instrument der Wahrnehmung, das ich meine, lautet dann nat&#252;rlich Poesie. Das aber setze ich dann noch einmal in eine Opposition zur ganzen Literatur selbst, die sich ja in ihrer Gesamtheit nicht unbedingt als poetisch erweist.</p>
<p>Der B&#252;roangestellte, den du hier ins Feld f&#252;hrst, lebt aber selbst in einer Fiktion und ist dort gleicherma&#223;en Fiktion. Sagen wir es so: jemand mu&#223; sich das B&#252;ro ausgedacht haben, wie auch das Verhalten der Figur des B&#252;roangestellten. Es ist entfernt mit dem Theater verwandt, das man voller Inbrunst spielt. Von guten Schauspielern wei&#223; man, da&#223; sie ihre Rollen nicht spielten. Der B&#252;roangestellte w&#228;re aber hier sogar dem besten der Akteure &#252;berlegen, denn er kommt gar nicht mehr zu sich. (Wobei das „zu-sich-kommen“ spekulativ bleiben mu&#223;). Die Rosine in einem Gugelhupf wei&#223; nicht, da&#223; sie eine Rosine in einem Gugelhupf ist.</p>
<p>Damit ich das aber alles verst&#228;ndlich ausdr&#252;cke: ich f&#252;r meinen Teil will gar nichts abschaffen, weder den Kapitalismus, noch Vergewaltigung, Raubmord, Suizid. Ich sage das ganz deutlich, denn ein Theater ohne eine gute Kulisse ist, wie du es ebenfalls ausdr&#252;ckst, dasselbe wie eine Fiktion ohne ALLE M&#246;glichkeiten.</p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Brunchen mit der Feder (20. 02. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090220/brunchen-mit-der-feder/">Brunchen mit der Feder</a> (20. 02. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Der Meister kehrt zur&#252;ck</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 10:10:11 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Die Veranda</dc:creator>
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		<category><![CDATA[interview]]></category>

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		<description><![CDATA[Michael Perkampus wird in einigen Wochen wieder in das von ihm so bezeichnete &#8220;Gespensterland&#8221; zur&#252;ckkehren. Die Veranda, die dem Meister Heimat und Plattform ist, hat sich aus diesem Anlass entschlossen, ein Gespr&#228;ch mit dem ehemaligen enfant terrible zu f&#252;hren. Woran &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100112/der-meister-kehrt-zurueck/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/wp-content/uploads/2010/01/seelenkammerjazz1.jpg"><img style="float: left; margin-right: 10px;" src="http://veranda.michaelperkampus.net/wp-content/uploads/2010/01/seelenkammerjazz1-150x150.jpg" alt="" width="150" height="150" /></a>Michael Perkampus wird in einigen Wochen wieder in das von ihm so bezeichnete &#8220;Gespensterland&#8221; zur&#252;ckkehren. Die Veranda, die dem Meister Heimat und Plattform ist, hat sich aus diesem Anlass entschlossen, ein Gespr&#228;ch mit dem ehemaligen <em>enfant terrible</em> zu f&#252;hren.</p>
<p><strong>Woran arbeiten Sie gerade?</strong></p>
<p>Prim&#228;r an einem Roman, aber auch an Erz&#228;hlungen.</p>
<p><strong>Sie sagten irgendwo, Sie seien Lyriker&#8230;</strong></p>
<p>Ich hatte eine Hochphase zwischen 05 und 07. Da arbeitete ich mit Zyklen. Ich schreibe seit 27 Jahren Gedichte, im Moment entstehen sie nur noch gelegentlich. Stattdessen versuche ich die Lyrik in Prosa umzuwandeln. Der Roman ist mir zwar immer noch eine zweitrangige poetische Gattung, aber ich orientiere mich an Nabokov, Antunes, Cortázar, Asturias und einigen anderen, die den Roman ja ebenfalls lyrisch gestalteten.</p>
<p><strong>Sie schreiben also ein Romangedicht&#8230;</strong></p>
<p>Das kann man durchaus sagen, ja.</p>
<p><strong>Um was geht es da?</strong></p>
<p>Um Wahrnehmung, um eine Suche, ewige Wiederkehr, die Unendlichkeit. Das &#220;bliche.</p>
<p><strong>Wenn man bedenkt, dass Sie nicht zu klassifizieren sind, scheint das gar nicht so &#252;blich zu sein.</strong></p>
<p>F&#252;r mich sind die angeblichen Themen der Literatur immer die gleichen. Was man damit macht, ist das einzige, was z&#228;hlt.</p>
<p><strong>Sie verweigern sich von jeher jeglicher Zug&#228;nglichkeit, wovon leben Sie eigentlich?</strong></p>
<p>Das ist gar nicht so einfach zu beantworten. Im Grunde ausschlie&#223;lich von G&#246;nnern und G&#246;nnerinnen. Ganz klassisch.</p>
<p><strong>Und das funktioniert?</strong></p>
<p>Das funktioniert nicht immer. Es ist heute bestimmt schwieriger als zu Rilkes Zeiten. Ein echter Dichter ist ja ein Fossil. Ab uns zu verrichte ich dennoch auch niedere Arbeiten. Das ist gut gegen meine Eitelkeit, kam allerdings die letzten Jahre nicht vor.</p>
<p><strong>Ein Brotjob gegen Eitelkeit?</strong></p>
<p>Ja. Wenn Sie sich ausschlie&#223;lich mit Kunst besch&#228;ftigen, werden Sie mit der Zeit sehr merkw&#252;rdig. Da ist es gut, mal etwas widerwillig zu tun.</p>
<p><strong>Man sollte doch bei diesem Ausschliesslichkeitsanspruch meinen, Sie m&#252;ssten alles daran setzen, Erfolgreich zu sein.<br />
Das aber gerade tun Sie nicht. Ist das nicht ein Widerspruch?</strong></p>
<p>Das kann sein. Aber Erfolg hat ja auch etwas mit Gef&#228;lligkeit zu tun. Das liegt mir nicht. Ich muss tun, was ich tun muss. Sollte daf&#252;r gerade keine Zeit sein, &#228;ndert das nichts daran. Ich muss meine Themen durchbekommen, solange ich lebe. Danach kann ich nichts mehr daran &#228;ndern.</p>
<p><strong>Sie schreiben also eindeutig f&#252;r eine Nachwelt?</strong></p>
<p>Ich schreibe weder f&#252;r noch gegen etwas. Ich schreibe weil ich lebe.</p>
<p><strong>Sie greifen auch nicht in literarische Debatten ein.</strong></p>
<p>Nein. Die deutsche Gegenwartsliteratur interessiert mich nicht.</p>
<p><strong>Sie kehren demn&#228;chst nach f&#252;nf Jahren Aufenthalt in der Schweiz nach Deutschland zur&#252;ck. Was wird sich f&#252;r Sie ver&#228;ndern?</strong></p>
<p>Alles. Die Schweiz ist mit Deutschland nicht zu vergleichen. Ich hoffe nat&#252;rlich, dass ich in diesem Jahr den Roman fertig bekomme&#8230;</p>
<p><strong>Die Tafeln des Symballousa&#8230;</strong></p>
<p>&#8230; ja. Zumindest ist das der vorl&#228;ufige Titel. Es wird Musik geben, denn ich arbeite ja auch mit M&#228;des&#252;&#223; zusammen an einem Album. Und vielleicht gibt es sogar einige H&#246;rspiele f&#252;r die <a title="audioveranda" href="http://audioveranda.blogspot,com" target="_blank">Audioveranda</a>.</p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Leuchtspur vom Januar 09 (17. 01. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090117/leuchtspur-vom-januar-09/">Leuchtspur vom Januar 09</a> (17. 01. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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