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	<title>Die Veranda &#187; hund</title>
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	<description>literarisches Weblog/poetisches Hauptquartier</description>
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		<title>Zeitgen&#246;ssische Kunst &#8211; Herakut (Kunst aus der Dose)</title>
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		<pubDate>Fri, 13 Aug 2010 00:00:30 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Happy Doubt Day, Herakut F&#252;r mich heute die Neuentdeckung: Herakut- ein deutsches Streetart-Duo, das sehr ungew&#246;hnlich arbeitet, dessen Bilder sehr lebendig, sehr erfrischend und ausdrucksstark wirken, etwas unfertig-skizzenhaft und gleichzeitig auch sehr realistisch. Das gelingt durch die Kombination so v&#246;llig gegens&#228;tzlicher Techniken, &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100813/zeitgenoessische-kunst-herakut-kunst-aus-der-dose/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="640" height="385" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/aqJLKIqrHzM&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xd0d0d0&amp;hl=de_DE&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="385" src="http://www.youtube.com/v/aqJLKIqrHzM&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xd0d0d0&amp;hl=de_DE&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p style="text-align: center;"><em>Happy Doubt Day</em>, <a href="http://www.myspace.com/herakut" target="_blank">Herakut</a></p>
<p style="text-align: left;">F&#252;r mich heute <em>die</em> Neuentdeckung:<strong> Herakut</strong>- ein deutsches Streetart-Duo, das sehr ungew&#246;hnlich arbeitet, dessen Bilder sehr lebendig, sehr erfrischend und ausdrucksstark wirken, etwas unfertig-skizzenhaft und gleichzeitig auch sehr realistisch. Das gelingt durch die Kombination so v&#246;llig gegens&#228;tzlicher Techniken, den schnellen Strich des Graffiti und die fotorealistische Malweise. Mich erinnern das Offene, Lebendige, Spontane, das Anr&#252;chige, Schmutzige, das Einbeziehen von Handschrift und der Collagecharakter an die Bilder von <a href="http://www.google.de/images?client=safari&amp;rls=en&amp;q=Jean-Michel+Basquiat&amp;oe=UTF-8&amp;redir_esc=&amp;um=1&amp;ie=UTF-8&amp;source=univ&amp;ei=t39kTJPeMtGKONTpkMEK&amp;sa=X&amp;oi=image_result_group&amp;ct=title&amp;resnum=1&amp;ved=0CDcQsAQwAA" target="_blank">Jean-Michel Basquiat</a>.</p>
<p style="text-align: left;">
<p style="text-align: center;"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img840.imageshack.us/i/artworkimages4251748965.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img840.imageshack.us/img840/5223/artworkimages4251748965.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><em>Will You Still Love Me Tomorrow</em>, <a href="http://www.artnet.de/artwork/426041196/425174896/herakut-will-you-still-love-me-tomorrow.html" target="_blank">Harakut</a></p>
<p style="text-align: left;">Recherchen ergaben, dass die beiden <a href="http://www.herakut.de/home.html" target="_blank">Grafikdesigner</a> seit 6 Jahren zusammenarbeiten.</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left;">&#8220;Ihr k&#252;nstlerisches Vorgehen ist nicht abgesprochen, die Konversation findet im Prozess statt, aus dem eine ganz eigene Dynamik hervorgeht: Sie malen/sprayen miteinander, nacheinander oder alternierend an ihren Werken. Meistens arbeiten sie an mehreren Werken gleichzeitig, sodass jeder ein Bild zu beliebiger Zeit ruhen lassen und sich einem anderen zuwenden kann. [...]</p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-style: normal;"><em><em><em>Hera malt oft die Hintergr&#252;nde, schnell und aggressiv, Akut hingegen nimmt sich meistens Zeit, um die fotorealistischen Figuren im Vordergrund zu sprayen. [...]</em></em></em></span></p>
<p style="text-align: left;"><span style="font-style: normal;"><em>Sie w&#228;hlen Inhalte und Farbt&#246;ne mit einer tendenziell ernsten, d&#252;steren Wirkung, und evozieren dabei immer etwas Kritisches oder Nachdenkliches – alles in h&#246;chster &#228;sthetischer Qualit&#228;t, versteht sich. Zurzeit malen sie viele nackte Frauen und <strong>M&#228;dchen</strong>, die den weiblichen Modelmassen trotzen, dazu viele <strong>Tiere</strong>, besonders <strong>Hunde</strong>. <span style="color: #993300;">Hunde seien wie Streetart-K&#252;nstler: &#8220;Sie gehen durch die Stadt und hinterlassen &#252;berall ihre Scheisse&#8221;</span>, meint Akut. Trotz dieser Selbstidentifizierung sprayen die beiden als Herakut nur noch legal, am liebsten in riesigen Dimensionen, an Orten, an denen viele Menschen erreicht und zum Denken angeregt werden.&#8221; </em></span><em><span style="font-style: normal;">(<a href="http://kinkimag.com/art/herakut-zwischen-graffiti-streetart-und-kunst/" target="_blank">Kinki</a>)</span></em></p>
<p><em> </em></p></blockquote>
<p style="text-align: left;"><span style="font-style: normal;"> </span></p>
<p style="text-align: center;"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img695.imageshack.us/i/20questions.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img695.imageshack.us/img695/1143/20questions.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><strong>Hera (Jasmin Siddiqui, </strong>* Geburtsjahr unbekannt, in Frankfurt), <strong>Akut (Falk Lehmann,</strong>* Geburtsjahr unbekannt, &#8221;irgendwo in Ostdeutschland&#8221;), <a href="http://www.amazon.de/Herakut-perfect-merge-Jasmin-Siddiqui/dp/3939566241" target="_blank">Graffiti, Malerei, Zeichnung, Collagen</a> und <a href="http://www.freies-wort.de/nachrichten/regional/schmalkalden/fwschmalkalden/art2490,764141" target="_blank">Musikvideos und Kurzfilme</a></p>
<p style="text-align: center;"><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="640" height="385" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/pdWogTrJA2c&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xd0d0d0&amp;hl=en_US&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="385" src="http://www.youtube.com/v/pdWogTrJA2c&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xd0d0d0&amp;hl=en_US&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p style="text-align: left;">Mir gefallen nicht nur die formalen Widerspr&#252;chlichkeiten in ihrer perfekten Symbiose, sondern besonders die Psychologie der Charaktere, die ebenfalls sehr widerspr&#252;chlich angelegt sind. Sie sind es, die mitverantwortlich sind f&#252;r den gro&#223;en Reiz dieser Bildsprache. Eine Mischung aus kindlicher Mimik (Schmollen, Sch&#228;men, Trotzen, Verstecken, Verkleiden) und jugendlichen oder erwachsenen K&#246;rperproportionen, mitunter comicartig verschoben (gro&#223;e K&#246;pfe, kleine Gliedma&#223;en). Die Realit&#228;tsebenen scheinen sich gegenseitig zu durchdringen und zeitlich Entferntes &#252;berlagert sich.  Die Figuren scheinen psychologische Studien, genauen Beobachtungen von Kindern entsprungen. Das skizzenhaft Bleibende, Spontane, Gekleckerte und Verlaufene einzelner Bildbereiche, alle &#220;bermalungen und das Verkritzelte korrespondieren sehr gut damit, denn auch das sind typische k&#252;nstlerisch- kindliche Aneignungs- und Erfahrungswege der. Aber vieles von dem, was in einem Kind angelegt und von einem Kind im Laufe des Lebens erworben wurde, scheint sich im Jugend- und Erwachsenenalter wieder oder immer noch Bahnen zu brechen, wieder durchzukommen. Verdr&#228;ngtes kehrt zu einem unm&#246;glichen Zeitpunkt zur&#252;ck&#8230;. oder kommt es dem Kind umgekehrt- viel zu fr&#252;h? Verfr&#252;htes (gewolltes/ungewolltes) Erwachsenwerden mit all seinen Widerspr&#252;chlichkeiten? Beides scheint m&#246;glich. Im nachstehenden Bsp. vielleicht ausgedr&#252;ckt mit dem Kost&#252;m, das viel zu gro&#223; ist, in das es (nicht?) hineinwachsen will. Und genau daneben das an Herz- oder Bauchstelle zerfetzte Nachthemd/ Kleid, das schon eher passen w&#252;rde, das aber zum Trocknen auf der Leine h&#228;ngt. Anspielungen auf einen geschundenen K&#246;rper? Die Finger gleichzeitig wie Schatten-Gestalten, die fl&#252;chtend davon rennen&#8230;</p>
<p style="text-align: center;"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img831.imageshack.us/i/herakut3.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img831.imageshack.us/img831/7554/herakut3.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://3.bp.blogspot.com/__kwF9vKRmNg/SStMs9f67wI/AAAAAAAAK_4/aZHdgKK73JM/s1600-h/herakut.jpg" target="_blank">Quelle</a></p>
<p style="text-align: left;">Bei den Figuren im ersten Bild dieser Seite, scheint sich die Frage zu stellen, welche Rolle beide f&#252;r einander spielen. Wer tr&#246;stet oder h&#228;lt sich denn an wen? Das Kind rechts schaut ungl&#228;ubig auf die viel weiter entwickelte weibliche Bezugsperson, die aber uneigentlich gar nicht erwachsen wirkt, ob ihrer ver&#228;ngstigten Blicke, d&#252;nnen Gliedma&#223;en und des gro&#223;en Kopfes sowie wegen des fehlenden Gr&#246;&#223;enunterschiedes.</p>
<p style="text-align: left;">Schlie&#223;lich kommt noch eine dritte Dimension dazu: beide spielen sich etwas vor- die auf den Kopf hochgeschobenen Masken zeigen mit ihrer Mimik, dass man sich damit eigentlich zutiefst beleidigt, beschimpft, anschreit&#8230; und darunter das blanke Grauen- auf beiden Seiten. Deswegen auch die angeglichenen K&#246;rper darunter.</p>
<p style="text-align: left;">Eine Spezialit&#228;t von Falk Lehmann scheinen Menschen- und Hundeaugen zu sein, denn diese bestechen v.a. wegen ihrer Ausdrucksst&#228;rke und Detailgenauigkeit. Auf dem Blick ruht der Schwerpunkt eines fast jeden Bildes von Heraklit, danach kommen die ausgesucht starken Gesten (zum Beispiel von angstvoller Umklammerung, s.o.) in den Fokus.</p>
<p style="text-align: center;"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img833.imageshack.us/i/24111883343e53d22bae.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img833.imageshack.us/img833/3322/24111883343e53d22bae.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://4.bp.blogspot.com/__kwF9vKRmNg/SStL1sL4d5I/AAAAAAAAK_Y/ydEmXbJIU_o/s1600-h/2411188334_3e53d22bae.jpg" target="_blank">Quelle</a></p>
<p style="text-align: left;">Dieses freiwillige/ unfreiwillige Versteck- bzw. Rollen- oder Identit&#228;tsspiel kommt in vielen Bildern der beiden vor (und kn&#252;pft in dieser Thematik an die sozialkritische Arbeit von <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100801/nicht-fuer-die-ewigkeit-8/#more-5311" target="_blank">Nathalie Djurberg</a> an), so auch hier:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://img651.imageshack.us/i/3063693152134218238ab1.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img651.imageshack.us/img651/2028/3063693152134218238ab1.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://2.bp.blogspot.com/__kwF9vKRmNg/Sm86eIzUizI/AAAAAAAASVc/bS3nVNfU6JA/s1600-h/3063693152_134218238a_b.jpg" target="_blank">Quelle</a></p>
<p style="text-align: center;"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img714.imageshack.us/i/blharakut007.jpg/" target="_blank"><img src="http://img714.imageshack.us/img714/1769/blharakut007.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://3.bp.blogspot.com/__kwF9vKRmNg/SStL2NYp0BI/AAAAAAAAK_o/YUS-Sd-5Me8/s1600-h/blharakut007.jpg" target="_blank">Quelle</a></p>
<p style="text-align: center;"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img204.imageshack.us/i/herakut1.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img204.imageshack.us/img204/2472/herakut1.jpg" border="0" alt="" /></a><a href="http://www.juxtapoz.com/Current/herakut-live-painting-video-interview" target="_blank">Juxtaboz</a></p>
<p style="text-align: center;"><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="640" height="385" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/cTEwspOFFQc?fs=1&amp;hl=de_DE" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="640" height="385" src="http://www.youtube.com/v/cTEwspOFFQc?fs=1&amp;hl=de_DE" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p style="text-align: left;">Denkanst&#246;&#223;e setzen sie auch mit ihren Titeln, wie &#8220;<strong>Die Kunst ist eine Religion ohne N&#228;chstenliebe</strong>&#8221; (Materialcollage). Oder mit Spr&#252;chen wie:</p>
<p><em><br />
&#8220;Dear Hope, you haven&#8217;t returned any of my calls&#8221;<br />
</em></p>
<p><em>&#8220;Dear hope, you didn&#8217;t show up at any of our parties (bitch.) Now, we&#8217;ll be having a party for DOUBT.&#8221;</em></p>
<p><em>&#8220;Doubt&#8217;s been there for us all the time. He deserves some recognition.&#8221;<br />
</em></p>
<p><em>&#8220;And Damian? He stuck diamonds in his face just to make sure he was worth something&#8221;</em></p>
<p><em>&#8220;The kids hatet her for her costumes, and she hated the kids.&#8221;</em></p>
<p><em>&#8220;Avoid serious emotional engagement by looking like a brainless shell.&#8221; </em>(<a href="http://larissa-sirah.de/blog/friday-was-happy-doubt-day">Quelle</a>)</p>
<p style="text-align: center;"><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Der Nullpunkt (22. 08. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090822/der-nullpunkt/">Der Nullpunkt</a> (22. 08. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sprung in die Freiheit (3)</title>
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		<pubDate>Mon, 28 Jun 2010 16:13:03 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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			<content:encoded><![CDATA[<p><strong><em>V. Spr&#252;nge</em></strong>- gro&#223;e Qualit&#228;tssch&#252;be, kraftaufw&#228;ndige Gewaltakte, tollk&#252;hne Aktionen, sportliche Leistung, &#220;berwindung gro&#223;er Distanzen, &#220;berwinden von Angst und Unsicherheit, (Gott-) Vertrauen in die eigene Sprungkraft, in die Kraft, etwas loslassen zu k&#246;nnen- mit der Aussicht, die H&#228;nde f&#252;r etwas Neues freizubekommen, mit der Hoffnung auf einen Sieg, &#252;ber sich selbst, &#252;ber die die eigene Unentschlossenheit, die eigene Angst. Entweder mit einer Phase des Zauderns, des Zweifelns einhergehend, mit langen Phasen von Nachdenklichkeit oder mit sich auf dem Punkt entladender (Explosions-) Kraft bzw. angestauter Wut, nach einer bewussten Phase des Abwartens auf den richtigen Zeitpunkt, um den k&#252;hnen und folgerichtigen Schritt tun zu k&#246;nnen.</p>
<p>Was trifft auf das <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100627/sprung-in-die-freiheit-2/" target="_blank">Bild von Julius Schnorr von Carolsfeld</a> zu? Letzteres ganz sicher nicht. Es gab vor dem Sprung, vor dem Fallen eine Phase der Nachdenklichkeit, die beiden fallen nicht von ungef&#228;hr, ihnen war schon l&#228;nger bewusst, dass es f&#252;r sie <em>kein</em> <em>Halten</em> mehr gibt. Diese Phase d&#252;rfte aber nicht sehr lange gew&#228;hrt haben. Ich habe nicht den Eindruck, dass die beiden sehr gut auf diesen Schritt vorbereitet gewesen sind. Es ist kein B&#252;ndel f&#252;r eine Flucht dabei, der junge Mann ist nicht bewaffnet, man fl&#252;chtete nicht im Schutze der Nacht. Entweder es gab eine zeitnahe oder zeitfernere, &#252;berraschende Entdeckung des heimlichen Paares, das mit allen Mitteln auseinandergebracht werden musste oder eine angek&#252;ndigte Androhung von Konsequenzen, die das Paar nicht absch&#228;tzen konnte, die es ignorierte&#8230; oder wir sehen schlicht und einfach die Konsequenz eines b&#246;sen Zufalls, das Ergebnis ungewollter Entdeckung. Dann war sich das Paar vielleicht dar&#252;ber bewusst oder hatte sich dar&#252;ber erst auf der Flucht resignierend verst&#228;ndigt, dass es keinen Ausweg geben w&#252;rde, sollten sie einmal entdeckt werden. Kommen <a href="http://www.christiananswers.net/german/q-dml/dml-y038g.html" target="_blank">Selbstm&#246;rder</a> &#252;berhaupt in den Himmel?</p>
<p>Unklar erscheint mir , weshalb die <em><strong>Kleider</strong></em>, die <em><strong>Frisuren</strong></em> von dieser Hetzjagd durch den Wald noch so vollkommen <strong><em>in Ordnung</em></strong> bleiben konnten und weshalb man <em><strong>keinerlei Anstrengung in den</strong></em> von Schwei&#223; freien, nicht mal vom Lauf ger&#246;teten, <em><strong>Gesichtern</strong></em> sieht (abgesehen von der Wirkung im Original, das wir nicht kennen). Auch hier ein bewusstes (klassizistisches) Stilmittel Schnorrs von Carolsfeld, symbolisch f&#252;r die v&#246;llige <em><strong>Unantastbarkeit und</strong></em> <em><strong>W&#252;rde</strong></em> des Liebespaares, das dazu noch in einer <em><strong>herzf&#246;rmigen Wunschtraumblase</strong></em> vor dem J&#228;ger, vor dem Aufprall, vor dem Tode gesch&#252;tzt wurde? <strong><em>Wahre Liebe ist unantastbar und wird gerettet&#8230; &#252;ber alle Widrigkeiten hinweg&#8230;<br />
</em></strong></p>
<p>Auch <em><strong>M&#228;rchen und Legenden</strong></em> sind voll von ausweglosen Situationen. Sollte der Maler sich nicht nur auf seinen christliche Hintergrund, sondern, wie viele andere <strong><em>Romantiker</em></strong>, auch auf einheimische Literatur bezogen haben, kommen zahlreiche Stoffe in Frage.</p>
<p>Sagenhafte Spr&#252;nge gab es allerorts recht zahlreich&#8230;, auch sind viele <strong>Ortsnamen mit einem &#8220;Sprung&#8221; versehen</strong>, z.B. M&#228;gdes<em>prung</em>, Kain<em>sprung, <span style="font-style: normal">Jungfern</span></em><em>sprung, </em>Harras<em>sprung.</em></p>
<p><em><br />
</em></p>
<p><strong><em>VI. Sagenhafte Spr&#252;nge</em></strong></p>
<p><strong><em>1.</em><span style="font-weight: normal"> &#220;ber den sagenhaften <em>Sprung</em> des Rosses von </span><em>Raubritter Eppelein von Gailingen </em><span style="font-weight: normal">(† 1381) in den Burggraben, mit dem er seiner Hinrichtung am Galgen entkommen sein soll, berichtet e</span></strong>ine Anekdote aus der <strong><em>N&#252;rnberger Burg</em></strong>.</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img822.imageshack.us/i/6a00d8341ca37553ef00e55.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img822.imageshack.us/img822/2927/6a00d8341ca37553ef00e55.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><a href="http://blogreiter.typepad.com/blogreiter/2008/07/eppelein-von-gailingen.html" target="_blank">Quelle</a></p>
<p><strong><em>2</em></strong>. Aus dem <em><strong>Kainsprung</strong></em> <em><strong>bei Oberdorla</strong></em> (Unstrut-Hainich-Kreis, Th&#252;ringen) kommen die M&#228;dchen, aus dem Melchiorbrunnen die Jungen, erz&#228;hlt <a href="http://www.iris-henning.de/2009-06-10-sagenhafte-quellen/">Iris Henning.</a> Der Sage nach wird den heranwachsenden Kindern von Generation zu Generation erkl&#228;rt, dass der <em>Kainsprung</em> entstand, als spielenden Kindern eine „M&#228;rmel” (Murmel) in einen Erdspalt fiel und dieser sich daraufhin zur Quelle &#246;ffnete. &#8220;Viele hundert Jahre alt ist der Kainsprung, der auch Kainspring, Koginspring oder Hainspring genannt wird. Bereits 1367 wurde der wassersprudelnde Erdfall urkundlich erw&#228;hnt. Vermutlich ist die Quelle wesentlich &#228;lter. So erinnert ein Gedenkstein am Kainsprung an die Dorfstelle „Kogen”, die hier von 970 bis 1480 ihren Platz einnahm.</p>
<p>Geheimnisvoll t&#252;rkis schimmern die Oberfl&#228;chen des Kainsprungs und dessen kleinem Bruder, dem wenige Meter entfernten Melchiorbrunnen. Eine Tiefe bis zu vierzehneinhalb Meter traut man dem Kainsprung, der gut hundert Liter Wasser pro Sekunde gibt, nicht zu. Was wohl dran liegt, dass die Oberfl&#228;che undurchdringlich f&#252;r Blicke bleibt.&#8221;</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img535.imageshack.us/i/441707730391a180e8abo.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img535.imageshack.us/img535/3171/441707730391a180e8abo.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><a href="http://www.flickr.com/photos/vogteifoto/4417077303/sizes/o/in/set-72157623580326014/">Kainssprung</a></p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img251.imageshack.us/i/4429362100afda277d49o.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img251.imageshack.us/img251/5240/4429362100afda277d49o.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><a href="http://www.flickr.com/photos/vogteifoto/4429362100/sizes/o/in/set-72157623580326014/">Melchiorbrunnen</a></p>
<p><strong><em>3. <span style="font-weight: normal"><span style="font-style: normal">Der</span></span> Jungfernsprung-Wasserfall in <a href="http://www.kindaktuell.at/item/wandern-und-natur-ktn/wasserwunderweg-jungfernsprung-in-heiligenblut.html" target="_blank">Heiligenblut</a></em><em> </em><span style="font-weight: normal">birgt eine Geschichte vom Teufel, der, getarnt als junger J&#228;ger, einer jungen Sennerin nachstellt, die sich nur noch mit dem Sprung in die Tiefe vor ihm retten kann und wie durch ein Wunder &#252;berlebt.</span></strong></p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img18.imageshack.us/i/2182scaled800x600.jpg/" target="_blank"><img src="http://img18.imageshack.us/img18/3456/2182scaled800x600.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><strong><span style="font-weight: normal"><a href="http://3dak.get24.at/media/ppm_3dak_kw_nht/2182_SCALED_800x600.jpg" target="_blank">Quelle</a></span></strong></p>
<p><strong><em>4. </em><span style="font-weight: normal">Der Ortsname </span><em>M&#228;gdesprung </em><span style="font-weight: normal">ist mindestens zwei mal in Deutschland vorhanden- bei</span></strong> <strong><em>Calbe</em></strong> und bei <strong><em>Harzgerode.</em><span style="font-weight: normal"> Die Sage vom M&#228;gdesprung im </span><em>Selketal</em><span style="font-weight: normal">/Harz wurde u.a. von den </span>Gebr&#252;dern</strong><strong> Grimm </strong>und von <strong>Ludwig Bechstein</strong> aufgezeichnet, nachzulesen und bebildert (s.u.) im <a href="http://www.goethezeitportal.de/index.php?id=3091" target="_blank">Goethezeitportal</a>. Eine Riesenjungfrau soll auf einem ersten Felsen, beim Absprung zu ihrer Freundin und bei ihrer gegl&#252;ckten Landung auf der anderen Seite des Selkeufers zwei Vertiefungungen im Gestein hinterlassen haben, die einige &#196;hnlichkeit mit der Fu&#223;tapfe eines Menschen hat. Eine andere Auslegung spricht davon, dass die Fu&#223;tritte einer Bauerdirne zuzuschreiben w&#228;ren, &#8221; [...] die zu ihrem Liebhaber, einem Sch&#228;fer, jenseits den Sprung gemacht und beim Ansatz so gewaltsam aufgetreten habe, da&#223; sich ihre Spur eindr&#252;ckte. Auch ein Ziegenbock scheint hierbei im Spiel gewesen zu sein.&#8221; (Jacob und Wilhelm Grimm)</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img708.imageshack.us/i/maegdesprungglaser939x6.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img708.imageshack.us/img708/1428/maegdesprungglaser939x6.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><a href="http://www.goethezeitportal.de/fileadmin/Images/db/wiss/bildende_kunst/illustrationen/sagenmotive/maegdesprung/Maegdesprung_Glaser__939x600_.jpg" target="_blank">Quelle</a></p>
<p><strong><span style="font-weight: normal"><em><strong>5.</strong></em></span></strong><strong><span style="font-weight: normal"> Nirgends ein Ausweg, als </span></strong><strong><span style="font-weight: normal"><em><strong>Ritter Dietrich von Harras</strong></em></span></strong><strong><span style="font-weight: normal"> 1449 aus alter Feindschaft heraus, rachs&#252;chtig verfolgt wurde. In h&#246;chster Not befahl Harras seine Seele Gott, gab seinem Pferde die Sporen, und sprang hinab in die schaurige Tiefe. Zwar ertrank das zerschmetterte Ross, aber Harras blieb unversehrt, schwamm zum Ufer und dankte Gott. Der Abdruck des Hufeisens seines Pferdes soll noch heute im Felsen zu sehen sein. Die wundersame Rettung und die Bitten Luitgards sollen den Erzfeind G&#246;tz bewogen haben, in eine Auss&#246;hnung einzuwilligen. Bei <em><strong>Lichtewalde</strong></em> im <em><strong>s&#228;chsischen Erzgebirge gibt es </strong></em>die Stelle, die man den </span></strong><strong><span style="font-weight: normal"><em>Harrassprung</em></span></strong><strong><span style="font-weight: normal"> nennt, und dem <em><strong>Theodor K&#246;rner, </strong></em> 1810 , noch als Student, die von der  Sage inspirierte, damals in Schulb&#252;chern weit verbreitete, wohl eine der popul&#228;rsten deutschen Balladen widmete:</span></strong></p>
<blockquote><p><strong><em><a href="http://www.harras.de/" target="_blank">Harras, der k&#252;hne Springer </a></em><em>(Ausschnitt)</em></strong></p>
<p>[...]</p>
<p>Doch fl&#252;chtig hat er des Weges nicht acht<br />
Und verfehlt die kundigen Stege,<br />
Jagt irrend umher in des Waldes Nacht,<br />
Jagt irrend durch Flur und Gehege.<br />
Er h&#246;ret die Feinde hinter sich drein;<br />
Da lenkt er tief in den Forst hinein,<br />
Und zwischen den Zweigen wird&#8217;s helle,<br />
Und er sprengt zu der lichteren Stelle.</p>
<p>Hier steht er auf steiler Felsenwand,<br />
H&#246;rt unten der Wogen Brausen;<br />
Er steht an des Zschopautals schwindelndem Rand<br />
Und blickt hinunter mit Grausen,<br />
Und jenseits auf waldichten Bergesh&#246;hn<br />
Sieht er seine Feste schimmernd stehn;<br />
Sie blickt ihm freundlich entgegen,<br />
Und sein Herz pocht mit lauteren Schl&#228;gen.</p>
<p>Ihn ist&#8217;s, als wenn&#8217;s ihn hin&#252;berrief&#8217;;<br />
Doch es fehlen ihm Schwingen und Fl&#252;gel,<br />
Und der Abgrund, wohl f&#252;nfzig Klafter tief,<br />
Schreckt das Ro&#223;, und es sch&#228;umt in den Z&#252;gel;<br />
Und schaudernd blickt er zur Tiefe hinab,<br />
Und vor sich und hinter sich sieht er sein Grab;<br />
Denn er h&#246;rt, wie von allen Seiten<br />
Ihn die feindlichen Scharen umreiten.</p>
<p>Jetzt sinnt er, ob Tod aus Feindes Hand,<br />
Ob er Tod in den Wogen erw&#228;hle.<br />
Dann sprengt er keck an des Felsen Rand<br />
Und befiehlt dem Herrn seine Seele;<br />
Und n&#228;her schon h&#246;rt er der Feinde Tro&#223;.<br />
Aber scheu vor dem Abgrund b&#228;umt sich das Ro&#223;;<br />
Doch er spornt&#8217;s, da&#223; die Fersen bluten,<br />
Und es setzt hinab in die Fluten.</p>
<p>Und der k&#252;hne, gr&#228;&#223;liche Sprung gelingt;<br />
Ihn besch&#252;tzen h&#246;h&#8217;re Gewalten.<br />
Wenn auch das Ro&#223; zerschmettert versinkt,<br />
Der Ritter ist wohl erhalten;<br />
Er zerteilt die Wogen mit kr&#228;ftiger Hand,<br />
Und die Seinen stehn an des Ufers Rand<br />
Und begr&#252;&#223;en freudig den Schwimmer<br />
<strong>Gott verl&#228;&#223;t den Mutigen nimmer.</strong></p></blockquote>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img693.imageshack.us/i/5227.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img693.imageshack.us/img693/780/5227.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><strong><a href="http://www.antique-prints.de/shop/Media/Shop/5227.jpg" target="_blank">Harrassprung an der Zschopau</a></strong></p>
<p><em><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100701/sprung-in-die-freiheit-4/#more-4059" target="_blank">Fortsetzung &#8211; Teil 4</a> </em></p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Juli, Drei, Neun (03. 07. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090703/juli-drei-neun/">Juli, Drei, Neun</a> (03. 07. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Sprung in die Freiheit (1)</title>
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		<pubDate>Sun, 20 Jun 2010 16:20:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Auf der Veranda gab es vor Monaten ein Bild, das es den Besuchern und mir angetan hatte und die Idee, es zu erforschen, wurde geboren: Leap from the Rock/ Sturz vom Felsen (oder Lovers&#8217; leap ?), Julius Schnorr von Carolsfeld (26.03.1794 in &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100620/sprung-in-die-freiheit-1/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Auf der Veranda gab es vor Monaten ein Bild, das es den Besuchern und mir angetan hatte und die <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100131/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-4/" target="_blank">Idee</a>, es zu erforschen, wurde geboren:</p>
<div style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img90.imageshack.us/i/schnorr.jpg/" target="_blank"></a><strong>Leap from the Rock/ Sturz vom Felsen (oder <a href="http://www.jstor.org/pss/876567" target="_blank">Lovers&#8217; leap</a> ?</strong><strong>), Julius Schnorr von Carolsfeld</strong></div>
<div style="text-align: center">(26.03.1794 in Leipzig &#8211; 24. Mai 1872 in Dresden); 1833 (?)</div>
<p style="text-align: center"><img class="aligncenter" src="http://img90.imageshack.us/img90/4314/schnorr.jpg" alt="" /></p>
<p>Leider l&#228;sst sich bis dato weder ergr&#252;nden, wo sich das Originalbild (in &#214;l?) befindet (in einer <a href="Oil on Canvas Private Collection" target="_blank">Privatsammlung</a> hei&#223;t es beim Anbieter eines Postershops oder genauer: in der Sammlung <a href="http://www.jstor.org/pss/876567" target="_blank">Sch&#228;fer</a> ?), noch wann es gemalt wurde (vermutlich 1833, wenn diese <a href="http://www.lilithgallery.com/arthistory/modernart_chronology-19thcentury.html" target="_blank">Quelle</a> seri&#246;s ist), oder wie gro&#223; es ist. Es gibt keinerlei Hintergrundinformationen, nicht einmal eine gr&#246;&#223;ere Abbildung, die uns erhellen k&#246;nnte und somit wird es (hoffentlich) wieder eine &#228;u&#223;erst spannende <em>Reise in ein Kunstwerk</em> geben&#8230; also ganz nach meinem Geschmack.</p>
<h3><em>Lieber gemeinsam sterben, als getrennt leben</em></h3>
<blockquote>
<p style="text-align: left"><em>Um einen Blick, &#8211; g&#228;b&#8217; ich mein Leben,<br />
Den Himmel, &#8211; um ein L&#228;cheln preis; -<br />
Um einen Ku&#223;, &#8230; o Gott, wer wei&#223;,<br />
Was ich um einen Ku&#223; w&#252;rd&#8217; geben!</em></p>
<p>(<a href="http://www.deutsche-liebeslyrik.de/europaische_liebeslyrik/becquer.htm" target="_blank">Gustavo Adolfo Bécquer</a>)</p></blockquote>
<p>Nadelwald, ein das Schwert z&#252;ckender, in altem, historisch gekleideten (Renaissance-?) Ritterkost&#252;m auftretender Reiter mit schwarzem Rappen, zwei Hetzhunde kurz vor dem Sprung in einen tiefen Abgrund, ein dort bereits nach unten fallendes/ schwebendes (Liebes-?) Paar- Bildmotive, vereint auf einem hochformatigen (&#214;l-?) Bild des Malers <em>Julius Schnorr von Carolsfeld.</em></p>
<p>Die Erstbegegnung mit diesem Werk war &#252;beraus fesselnd, schlichtweg ergreifend, man f&#252;hlte sich sofort in die Lage des gehetzten Paares versetzt&#8230; so, als tr&#252;ge man mit an einem unbekannten, kollektiven Erbe, an einem tief ins Ged&#228;chtnis gebrannten, mehr oder weniger unbewussten Erlebnis ganz &#228;hnlicher Art, w&#252;rde die Hatz, den Sog in die Tiefe, den letzen Ausweg miterleben&#8230; Unendlich erscheinende Sekunden von der Entscheidung zum gemeinsamen (Todes-) Sprung, hinaus aus dem irdischen Leben, hinweg von Verbot und Grenzsetzung, weg von Gewalt, hin zur&#8230; Unendlichkeit, in der verhinderte Liebe eine Chance bekommt, hin zu Erl&#246;sung- je nach Glauben des Betrachters.</p>
<p>Geruch von feuchter Erde und Nadelwald, das laute Gebell der Treibhunde, der Galopp und das Schnaufen des Pferdes, das Schreien des bewaffneten Verfolgers, das Knacken umgetrampelter Zweigen des Unterholzes, die innigliche Umklammerung des Geliebten, der Geruch des Schwei&#223;es, das Schwinden der Sinne f&#252;r Raum und Zeit kurz vor der Ohnmacht&#8230; letzte Sinneseindr&#252;cke kurz vor dem erwarteten, todbringenden Aufprall&#8230; vielleicht ein kurzer Filmriss gelebten und nichtgelebten Lebens und die tr&#246;stende Gewissheit, wenigstens im/ nach dem Tode vereint zu sein&#8230; das Liebste mitzunehmen auf die letzte Reise. Und dabei erwartete und gef&#252;hlte Stille, Entr&#252;ckung, die Augen bereits geschlossen, ganz im Innen.</p>
<p>Man meint, n&#252;chtern betrachtet, dass der Geliebte noch im letzten Atemzug f&#252;r sein M&#228;dchen Vorsorge getroffen hat, denn so, wie die beiden fallen, wird<em> er</em> der erste sein, der auf nahem, felsigem Grund aufschl&#228;gt, dessen Glieder bersten werden. Sein eigener K&#246;rper wird den Aufprall des M&#228;dchens geringf&#252;gig abschw&#228;chen. Ein wei&#223;es, langes, schlichtes Kleid- ja, Brautkleid und Leichengewand zugleich- in einem&#8230; sich kr&#228;uselnden Etwas, geformt wie eine Spirale &#8230; (s.a.u.)</p>
<p>Es wird sich binnen Sekunden blutrot f&#228;rben, Erde wird es schw&#228;rzen, bis sich auch das Blut des Geliebten mit dem ihren vermischt, ihre Arme werden sich voneinander l&#246;sen, auch wenn sie dem Reflex des Auseinandernehmens beim Fallen bis zum Schluss widerstanden haben&#8230; Losl&#246;sung,  Aufl&#246;sung, Erl&#246;sung&#8230; aber auch Idee, mit dem gemeinsamen Sprung in den Tod f&#252;r immer vereint zu sein&#8230; vielleicht schon im Fluge zur&#252;ck-/neuformiert als das kugelf&#246;rmige urmenschliche Gebilde, welches einstmals nach Platon m&#228;nnlich und weiblich zugleich war (siehe <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090513/schriften-zur-romantik-i/" target="_blank">Perkampus</a>, Schriften zur Romantik I).</p>
<p><strong><em>Was steckt wirklich hinter diesem Bild?</em></strong></p>
<p>Vielleicht entdecken wir Symbole/ Metaphern, die uns weiterhelfen?</p>
<p><strong><em>I.</em></strong> Allgemein gesehen, weist eine <em><strong>Spirale</strong></em> den Betrachter auf die angesprochene <em>Unendlichkeit</em> hin, uraltes heiliges Symbol in allen Kulturen &#8211; Symbol f&#252;r die <em>Sch&#246;pfung</em>. Die Spirale zeigt auch den Weg der <em>Verinnerlichung</em> an, ist Symbol der <em>Meditation</em>, f&#252;hrt sie doch in die <em>Mitte</em>, ins <em>Innere</em>, also<em> zu sich selbst = zu Gott</em>, wenn man so will, auch in der Bedeutung der ewigen <em>Suche nach der Mitte </em>oder einer <em>Seelenreise</em>.</p>
<p>Im Bild sehe ich sie sowohl im <em><strong>Kleiderstoff</strong></em>, als sich auch in den <em><strong>Kompositionslinien des Abgrundes</strong></em> sowie sich in der <strong><em>strudligen Abw&#228;rtsbewegung des Paares </em></strong>wiederholend, als <em>rechtsdrehend</em> an, also eher eine Bewegung nach <em>au&#223;en</em>. Das bedeutet <strong><em>Fortbewegung</em></strong>, <em><strong>Entfaltung, Entwicklung, ein Sich- dem-</strong></em> (neuen/gemeinsamen/<em>au&#223;er</em>-irdischen) <em><strong>Leben- Zuwenden</strong></em>.</p>
<p>Man kann es auch so sehen: das Paar wird <span style="text-decoration: underline">nicht</span> aufschlagen, denn beide bewegen sich miteinander, noch fest umschlungen, in einem sich &#246;ffnenden, kraftvollen Strudel, so, als w&#252;rden sie von der Fliehkraft irgendwann nach au&#223;en, <em><strong>in eine neue Dimension des Daseins</strong></em> geschleudert oder getragen. Denn: steckt nicht in jedem Ende ein tr&#246;stlicher Neubeginn? Weiterleben an einem anderen Ort, weitab von irdischen Grenzen?</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img517.imageshack.us/i/spirale1.png/" target="_blank"><img src="http://img517.imageshack.us/img517/1117/spirale1.th.png" border="0" alt="" /></a></p>
<p>Wir wissen weder was <em>danach</em> geschehen wird, noch, was <em>zuvor</em> geschah. Anzunehmen ist jedoch, dass zwischen den beiden jungen Menschen eine nicht akzeptierte Verbindung bestand, die gewaltsam unterbunden werden sollte. <em>Liebesverbindungen</em> gab es zu allen Zeiten der Geschichte, jedoch oftmals au&#223;erhalb der Ehe. Vernunft- oder Zweckehen wurden geschlossen. Erst unter dem Einfluss der Romantik um 1800 entstand die Idee einer „Liebesheirat“, die zum Ideal des B&#252;rgertums wurde. Nach 1750 &#228;nderten sich die zwischen Mann und Frau im Hauswesen und im Berufsleben aufgeteilten Arbeiten, allerdings arbeiteten beide meist im Sinn einer Produktionsgemeinschaft zusammen. Zahlreiche bildliche Darstellungen aus dem Mittelalter bezeugen, dass sexuelle Bed&#252;rfnisse oft freiz&#252;gig ausgelebt wurden. Die Kirche vertrat dagegen die Auffassung, dass geschlechtliche Beziehungen allein der Fortpflanzung dienen sollten und 1215 (im Vierten Laterankonzil) erkl&#228;rte sie die Ehe zum Sakrament.</p>
<p>In der h&#246;fischen Welt war die (au&#223;ereheliche) Minne, die platonische Liebe zu einer unerreichbaren Person, weit verbreitet. Idealisierende Vorstellungen der h&#246;fischen Liebe kamen im 12. Jahrhundert in Burgund, Aquitanien, der Provence und der Champagne auf &#8211; beeinflusst von heidnischen Traditionen, der arabischen Kultur Andalusiens, in starkem Kontrast zu den Vorstellungen des Christentums stehend, das die h&#246;fischen Traditionen im 13. Jahrhundert f&#252;r ketzerisch erkl&#228;rte und die Verehrung des femininen Prinzips einzig im Marienkult band. Die Idee der <em>romantischen</em> Liebe wurden mit der neu entstehenden Kultur des st&#228;dtischen B&#252;rgertums entwickelt, das sich am Adel orientierte. Ihr Einfluss auf die sp&#228;teren und die heutigen Vorstellungen von der romantischen Liebe gestaltete sich als pr&#228;gend .</p>
<p>Adlige M&#228;nner konnten sich &#252;ber Jahrhunderte hinweg M&#228;tressen halten, u.a. auch als Statussymbol. Die Polarisierung der Geschlechterrollen mit dem Mann als Berufst&#228;tigen/ Ern&#228;hrer und der Frau als f&#252;rsorgenden Hausfrau/ Mutter verfestigte sich im 19. Jahrhundert in der Phase des Biedermeier. Das Konzept einer „Ehe, die im Himmel geschlossen wird“, einer <em>Liebesehe</em>, die &#252;ber das Willk&#252;rliche hinausgeht, verbreitet sich im Zuge der Romantik. In den unteren Schichten setzte sich die <em>Liebesheirat</em> aber deutlich sp&#228;ter als im B&#252;rgertum durch.</p>
<p>Der neue Anspruch an das eheliche Leben &#252;berforderte viele Beziehungen, f&#252;hrte nicht selten zu Entt&#228;uschungen, sogar zu einer Zunahme der Ehescheidungen. Au&#223;ereheliche Beziehungen gab es auch weiterhin, im 19. Jahrhundert galten sie allerdings – im Gegensatz zu fr&#252;her – als unanst&#228;ndig. Nach alldem fragt man sich:</p>
<p><strong>- Was f&#252;r eine Geschichte steckt hinter unserem Bild, auf welche Zeit, welches (individuelle?) Paar- Schicksal wird konkret Bezug genommen? </strong></p>
<p><strong>- Was k&#246;nnte es unserem Paar so schwer gemacht haben, zueinander zu kommen, zueinander zu stehen, eine Liebe auszuleben? </strong></p>
<p><strong>- Warum hetzte man sie hier kreuz und quer durch den Tannenwald? </strong></p>
<p><strong>Ledig, heimlich oder offiziell verheiratet, miteinander oder mit anderen Partnern zusammenlebend, vielleicht unterschiedlichen Standes oder in einander verfeindeten Familien gebunden&#8230; </strong>wir wissen es nicht. Die Literatur/Geschichte ist voll von Auseinandersetzungen, ungl&#252;cklichen Liebesverbindungen. Spontan f&#228;llt mir z. B. <strong><em>Tristan und Isolde</em></strong> ein, einer der Stoffe, die von der erz&#228;hlenden Literatur des europ&#228;ischen Mittelalters und von der romantischen Kunst h&#228;ufig bearbeitet wurden.</p>
<p>Die Auffassung der Romantik, die die Liebe nur als verbotene oder erst im Tod realisierbar sieht, pr&#228;gt ganze Dramenlandschaften. Todessehnsucht, romantisch motiviert geht von der Vorstellung aus, im gemeinsamen Liebestod die Einheit von Liebe und Tod zu erreichen und die Liebe dadurch zu transzendieren. Unser Bild gilt mancherorts als &#8216;Inbegriff romantischer Todeserotik&#8217;. (dazu sicher mehr in <strong>Teil 2</strong>)</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img641.imageshack.us/i/vortodessprung4.jpg/" target="_blank"><img src="http://img641.imageshack.us/img641/1430/vortodessprung4.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p><strong><em>II.</em></strong> Betrachten wir das Paar in seinem <em><strong>Fall</strong></em> (?)/ <strong><em>Sturz</em></strong> (?) genauer, stellen wir fest, dass es sich erst ganz wenig vom Ursprungsort entfernt hat. Die Gliedma&#223;en sind noch in der letzten festen Umarmung verfangen, die R&#252;mpfe relativ gerade. Das wirft die Frage auf, ob sie sich &#252;berhaupt <em><strong>st&#252;rzen</strong></em>, <strong><em>springen</em></strong> oder sich nicht vielmehr <strong><em>hinabfallen lassen</em></strong>, aus dem letzten Kuss/ der letzten Umarmung heraus. Ich glaube an letzteres. Sie hielten einen Moment lang inne, schauten sich tief in die Augen, gestanden sich ein letztes Mal ihre Liebe zu. Er k&#252;sste sie, beide schlossen die Lider und lie&#223;en sich genau von der Stelle aus, wo jetzt die Hunde nach unten starren, leicht seitw&#228;rts nach unten fallen, er (instinktiv) darauf bedacht, dass er ein wenig n&#228;her zum Abgrund stand, so dass sie in der letzten Bewegung &#252;ber ihm sein und er sie noch ein klein wenig <em>halten</em> und <em>besch&#252;tzen</em> konnte.</p>
<p>Es gab keinen Anlauf zum Sprung, kein versehentliches Hinabst&#252;rzen, sondern ein gezieltes, ruhiges Fallen, ein Hinabsinken, wie in Zeitlupe, nicht r&#252;ckw&#228;rts zum Abgrund, der wohl in Abw&#228;gung allen irdischen &#220;bels nun alle Schrecken verloren hatte, sondern ganz bewusst, zuvor schon fixiert. Ein gefasstes (vielleicht auch f&#252;r diesen Ernstfall geplantes) <strong>Sich- ergeben- in -das- Schicksal</strong>&#8230; im Glauben an ein Weiterleben au&#223;erhalb alter (irdischer?) Grenzen.</p>
<p><strong><em>III. </em><span style="font-weight: normal">Das Kompositionsbild ergibt ein </span><em>durchbohrtes Herz</em><span style="font-weight: normal">, wenn man so will&#8230;</span></strong></p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img23.imageshack.us/i/herzpfeilnachoben1.jpg/" target="_blank"><img src="http://img23.imageshack.us/img23/8048/herzpfeilnachoben1.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p>Goethe bezeichnete es den &#8220;<em>ersch&#252;tterlichsten Teil der Sch&#246;pfung</em>&#8220;, Jean Paul &#8220;<em>den Fangball des Schicksals </em>(in: Zeitschrift <em>Geo</em> 12/1993, S. 58). Die beiden Liebenden verschmelzen  w&#228;hrend des Fallens zun&#228;chst zu einem <em><strong>herzf&#246;rmigen</strong></em>, in Folge zu einem <strong><em>runden</em></strong> (s.o.) Gebilde. Bis ins sp&#228;te 17. Jh. haben einige Blutrache &#252;bende Sippen in Italien die Herzen ihrer Opfer verzehrt. Im Unterschied zu vielen anderen Kulturen betrachteten die &#196;gypter das Herz v.a. als <em>Denk</em>organ, Sitz von Vernunft, Besinnung und Ged&#228;chtnis. Unser Herz f&#228;llt, wird durchbohrt von einem Pfeil (Baumstamm)- analog zum Herzen Jesu, <em>Symbol f&#252;r Leid und Erl&#246;sung</em>? &#220;berall in der Welt wurden <em>Herz-Jesu-Kirchen und -Kapellen</em> errichtet, nachdem der Klerus 1765 in Frankreich seinen Segen dazu gegeben hatte. Beispiel daf&#252;r ist die 1919 errichtete Basilika, Sacré-Cœur auf dem Montmartre. Als <em>Symbol der Verbundenheit mit Gott </em>lie&#223;en Kaiser Ferdinand III. und seine Gemahlin ihre Herzen nach dem Tod in Metallkapseln an die Wand des Grazer Doms ketten. Von 1657 bis 1878 verf&#252;gten die Habsburger, dass s&#228;mtliche Herzen der k&#246;niglichen Familie in der <a href="http://www.augustinerkirche.at/augustinus_herzgruft.php">Herzgruft der Wiener Augustinerkirche </a>beigesetzt wurden.</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img341.imageshack.us/i/augustinusherzgrufthb.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img341.imageshack.us/img341/9669/augustinusherzgrufthb.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p>Das <strong><em>von einem Pfeil durchbohrte Herz</em></strong></p>
<p>Amor (auch Cupido oder Cupidus gen.),  in der r&#246;mischen Mythologie der Gott der Liebe/des Sich-Verliebens, wird als halbw&#252;chsiger Knabe, der mit seinen Pfeilen ins Herz trifft und dadurch die Liebe erweckt, dargestellt. Im metaphorischen Sinne: die Liebe als Kampf um Leben oder Tod &#8211; wenn du gewinnst, besitzt du zwei Herzen?</p>
<p><span style="color: #993366"><span style="color: #000000">Das Herz ist eigentlich eine uralte, auch germanische, mythologische Darstellungsform der weiblichen Genitalien. Von einem Pfeil durchbohrt, stellt es somit eigentlich den Geschlechtsverkehr dar, symbolisiert Sinnlichkeit, Erotik und Liebe. In mittelalterlichen Bildern wird u.a. das <a href="http://www.symbolforschung.ch/files/images/CasperRegensberg.preview.jpg" target="_blank">durchbohrte Herz</a> gezeigt, das u.a. auch f&#252;r den <em><strong>Erl&#246;ser</strong></em>, der die Menschen liebt und f&#252;r sie leidet, steht.</span></span></p>
<p style="text-align: center"><span style="color: #993366"><span style="color: #000000"><br />
</span></span><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img163.imageshack.us/i/christusundminnendeseel.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img163.imageshack.us/img163/5210/christusundminnendeseel.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><em>Christus und die minnende Seele</em>; Stiftsbibliothek Einsiedeln, Cod. 710 (322), 13v</p>
<p style="text-align: center">
<p><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img217.imageshack.us/i/casperregensbergpreview.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img217.imageshack.us/img217/284/casperregensbergpreview.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><em>Venus und der Liebende, </em>Meister Casper von Regensberg, Kolorierter Einblattholzschnitt, um 1485, Staatliches Museum Berlin, Preussischer Kulturbesitz, Kupferstichkabinett</p>
<p style="text-align: left"><em><a href="http://www.symbolforschung.ch/Minnereden" target="_blank">Susanne Br&#252;gel</a></em> von der Schweizerischen Gesellschaft f&#252;r Symbolforschung, geht (im Aufsatz <em>Farben in mittelalterlichen Minnereden</em>) in der Deutung des ungew&#246;hnlichen obigen (ersten) Bildes davon aus, dass &#8220;&#8230;links die <em><strong>minnende Seele</strong></em>&#8230;&#8221;, rechts <em><strong>Christus</strong></em> st&#252;nde, &#8220;&#8230;den sie mit einem Pfeilschuss <strong><em>zur Gegenliebe zwingen</em></strong> m&#246;chte.&#8221;.</p>
<p style="text-align: left">Im zweiten Beispiel kniet der <em><strong>Liebende</strong></em> zu F&#252;ssen der nackten Venus und <em><strong>bittet</strong></em> um Trost und eine Umarmung, w&#228;hrend sie auf einem Herzen steht und ein anderes mit ihrer Lanzenspitze durchbohrt (Bildrand oben). Um die Figuren herum sind weitere M&#246;glichkeiten, wie ein Herz* verwundet und gequ&#228;lt werden kann, dargestellt.</p>
<p style="text-align: left">Auf dem bereits hier thematisierten &#214;lbild eines niederrheinischen Meisters aus dem Jahre 1470 mit dem Titel „<a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100612/liebeszauber-3/" target="_blank">Liebeszauber</a>“ aus dem Museum der Bildenden K&#252;nste in Leipzig wurde bereits &#252;ber das (w&#228;chserne) Herzsymbol referiert, das durch ein Zauberritual zugleich entflammt und gel&#246;scht wird, das Verlieben eines geliebten Mannes bewirkt.</p>
<p style="text-align: left">Das Wappen der <a href="http://www.augustiner-werden.at/augustinis.php" target="_blank">Augustinerm&#246;nche</a> zeigt ein durchbohrtes Flammenherz (s.u.), wird beschrieben als <strong><em>Symbol der Gottes-, aber auch der N&#228;chstenliebe.</em></strong></p>
<blockquote>
<p style="text-align: left">Gott entflammt im Herzen der Menschen die Sehnsucht nach Liebe (&#8220;Unruhig ist unser Herz &#8230;&#8221;) und nach Geborgenheit bei ihm und bei einander. &#8220;Ein Herz und eine Seele sein&#8221; bildet den zentralen Auftrag seiner Ordensregel. Liebe ist das fundamentale Prinzip des augustinischen spirituellen Weges; sich von Gott geliebt wissen und diese Liebe auch weiterschenken. So m&#252;ndet diese Liebe in der Hingabe und Zuwendung an Gott und den N&#228;chsten. Jesus Christus ist in seiner Hingabe Vorbild und Beispiel. Daran erinnert der Pfeil, der das Herz durchbohrt. &#8220;Du hast mein Herz mit deiner Liebe verwundet&#8221; (Bekenntnisse 9,2) betet Augustinus und erkennt in dieser Liebe ein Fundament seiner Lebensfreude: &#8220;Wie sehr hast du uns geliebt, guter Vater! Du hast deinen eingeborenen Sohn nicht verschont, sondern hast ihn in die H&#228;nde der Frevler &#252;bergeben. Wie sehr hast du uns geliebt!&#8221; (Bekenntnisse 10,43)</p>
</blockquote>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img139.imageshack.us/i/augustinisbrueder11.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img139.imageshack.us/img139/6515/augustinisbrueder11.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: left">Vorausgesetzt, Julius Schnorr von Carolsfeld wollte mit einer bewusst gestalteten <em><strong>Herz-Spiral-Komposition</strong></em> arbeiten, ergibt sich sp&#228;testens jetzt noch einmal die Frage nach der <em><strong>Spiritualit&#228;t</strong></em> <em>seines</em> Bildes&#8230; Auch dies k&#246;nnte Gegenstand weiterf&#252;hrender Betrachtungen sein.</p>
<p style="text-align: left"><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100627/sprung-in-die-freiheit-2/" target="_blank">Sprung in die Freiheit (2)</a></p>
<p style="text-align: left"><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100628/sprung-in-die-freiheit-3/" target="_blank">Sprung in die Freiheit (3)</a></p>
<p style="text-align: center">____________________________</p>
<p style="text-align: left">* Die <a href="http://www.belgieninfo.net/artikel/view/datum/2009/12/17/in-den-herzen-wirds-warm.html" target="_blank">Sammlung Dr. Boyadjians</a> umfasst Herzen verschiedenster Art:</p>
<p style="text-align: left">&#8220;Wertvolle, aus Gold gearbeitete und mit Diamanten und Edelsteinen verzierte liturgische Herzen als Pr&#228;sentation des Sacré Coeur liegen neben Valentinskarten aus<em>papier maché</em>; Ex Votos – Votivherzen aus Silber oder Blech &#8211; h&#228;ngen neben herzf&#246;rmigen Biedermeier-Medaillons, aufklappbar, in denen das Bild der oder des Geliebten mit einer Haarlocke aufbewahrt werden konnten.&#8221;</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img295.imageshack.us/i/mdgwallpaper1280x102401.jpg/" target="_blank"><img src="http://img295.imageshack.us/img295/6863/mdgwallpaper1280x102401.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center">Mar de Crises, <a href="http://www.mardegrises.com/img/promo/MdG_-_wallpaper1280x1024-01.jpg" target="_blank">draining the waterheart</a> - <a href="http://www.youtube.com/watch#!v=d8W6RSDlCh8&amp;feature=related" target="_blank">Deep-seeded hope avant-garde</a></p>
<p style="text-align: left"><span style="font-family: 'Times New Roman';font-size: large"><a href="http://webcache.googleusercontent.com/search?q=cache:PVaQ2X0ph2YJ:www.ev-akademie-tutzing.de/doku/programm/get_it.php%3FID%3D61+Das+von+einem+Pfeil+durchbohrte+Herz+symbol&amp;cd=11&amp;hl=de&amp;ct=clnk&amp;gl=de&amp;client=safari" target="_blank">Literatur</a> zum Thema </span><span style="font-family: 'Times New Roman';font-size: large">DAS <strong>HERZ</strong> IN DER KUNST</span></p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Unterwegs (25. 06. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090625/unterwegs/">Unterwegs</a> (25. 06. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Liebeszauber (2)</title>
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		<pubDate>Sun, 06 Jun 2010 00:15:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Zur Lesart mittelalterlicher Bilder Liebeszauber, Niederrheinischer Meister, um 1470/80, &#214;l auf Holz, 24 x 18 cm; Leipzig, Museum der bildenden K&#252;nste Akt und Haare Die seltenen Aktdarstellungen des Mittelalters zeigen in der Regel eher christliche Themen. Das betrachtete Bild stellt eine &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100606/liebeszauber-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><em><strong>Zur Lesart mittelalterlicher Bilder</strong></em><strong> </strong></p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img266.imageshack.us/i/leipzigliebeszauber.gif/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img266.imageshack.us/img266/6615/leipzigliebeszauber.gif" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><em>Liebeszauber</em>, Niederrheinischer Meister, um 1470/80, &#214;l auf Holz, 24 x 18 cm; Leipzig, Museum der bildenden K&#252;nste</p>
<p style="text-align: left"><strong><span style="text-decoration: underline">Akt und Haare</span></strong></p>
<p style="text-align: left">Die seltenen <em><strong>Aktdarstellungen des Mittelalters</strong></em> zeigen in der Regel eher christliche Themen. Das betrachtete Bild stellt eine der wenigen Ausnahmen dar. Uns befremdet vielleicht der eigenwillige K&#246;rperbau der jungen Frau, der anatomisch ungenau wirkt. Er entsprach allerdings dem g&#228;ngigen <em><strong>Sch&#246;nheitsideal</strong></em> seiner Zeit- gel&#228;ngte Glieder, kleine, feste Br&#252;ste, vorgew&#246;lbter Bauch (weniger Zeichen von Schwangerschaft, als Fruchtbarkeit andeutend), m&#228;dchenhafte Schlankheit mit leicht gerundeten Schultern. Dieser anschwellende Bauch war bis ins 17. Jh. Zentrum erotischer Aufmerksamkeit.  Hellblonde Locken, blaue, strahlende Augen, wei&#223;e Haut, rosa Wangen und ein eher kleiner, roter Mund- auch unsere weibliche Protagonistin verf&#252;gt &#252;ber diese weiteren Sch&#246;nheitsmerkmale des Mittelalters, wie sie auch mit ihrer „hohen Stirn“ genau im Trend lag, weil sie die Haare am Haaransatz ausrupfte (typisch geworden im 15. Jahrhundert, s.a.u.).</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img714.imageshack.us/i/454pxpetruschristus006.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img714.imageshack.us/img714/6783/454pxpetruschristus006.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><em>Portr&#228;t eines junges M&#228;dchen</em>, Petrus Christus (fl&#228;mischer Maler), um 1470; Gem&#228;ldegalerie Berlin- mit ausrasiertem Haaransatz.</p>
<p style="text-align: center">
<p style="text-align: left">Wir erfahren, dass die Sch&#246;ne <em><strong>ledig</strong></em> ist, das zeigt uns das <em>offen</em> getragene <em>Haupthaar</em>. Im Gegensatz dazu versteckte die verheiratete Frau im vorangegangenen Bild das Haar unter der Haube&#8230; vielleicht auch der verst&#228;ndliche Zusammenhang zu dem bis heute &#252;blichen Spruch <em>unter die Haube kommen- </em>sprich &#8220;sich verheiraten&#8221;.</p>
<p style="text-align: left">Ob unsere junge Frau ihre <em><strong>K&#246;rperbehaarung</strong></em> entfernte, kann hier nur vermutet, muss aber wahrscheinlich bejaht werden. Man mag es kaum glauben: mittelalterliche Abbildungen zeigen nackte K&#246;rper in der Regel <em>ohne</em> K&#246;rperbehaarung. Eine Frau, die sich mit einer Schere die Schamhaare schneidet, zeigt ein Relief von etwa<a href="http://turba-delirantium.skyrocket.de/medizin/koerperbehaarung.htm" target="_blank"> 1185 auf der Burg Sforzesco</a> in Mailand.</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img27.imageshack.us/i/portatosa.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img27.imageshack.us/img27/614/portatosa.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: left">In den Badestuben des Mittelalters konnte man verschiedene Methoden zur Haarentfernung bekommen, viele hatten gesundheitliche Folgen (im Hausbuch „<em>Oeconomia Ruralis</em>“ sind nicht weniger als 19 Rezepte f&#252;r Haarentfernungsmittel aufgef&#252;hrt). Abenteuerlich klingen die damaligen Rezepturen. So werden au&#223;er <em>Pflanzens&#228;ften</em> auch <em>Hundeblut</em>, <em>Kalbsurin</em> oder <em>Schwalbengalle</em> aufgef&#252;hrt. Ein Rezept beschreibt bspw. ein Breigemisch aus gebranntem <em>&#196;tzkalk</em> und <em>Auripigment</em> mit <em>&#214;l</em> und <em>Wasser &#8211; </em>sicher<em> </em>sehr wirksam, aber nicht sonderlich gesund. Rezepte, <em>Fledermausblut</em> und <em>Kr&#246;ten</em> enthaltend, waren nichts ungew&#246;hnliches.</p>
<p style="text-align: left">In unserem Bild liegt ein wei&#223;er <em><strong>Hund</strong></em> im Vordergrund, auf der rechten Seite steht ein Stollenschrank, auf dessen Deckplatte sich ein wertvolles <em><strong>Handtuch</strong></em> mit Randverzierungen und auf dessen Querboden sich ein messinggetriebenes <em><strong>Waschgeschirr</strong></em> befinden- Zeichen f&#252;r eine eingangs vermutete rituelle <em><strong>Waschung</strong></em> mit dazu geh&#246;render <strong><em>Haarentfernung</em></strong>?</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img686.imageshack.us/i/jakobvonwart.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img686.imageshack.us/img686/2785/jakobvonwart.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center">Auch hier eine rituelle Waschung/ Liebesspiel?: <strong>Jakob von Wart</strong> (* 1272; † 1331) aus dem Geschlecht der Freiherren von Wart . Vor allem als Minnes&#228;nger bekannt (im Codex Manesse: 6 Lieder, d.h. 5 Liebeslieder und 1 Tagelied erhalten).</p>
<p style="text-align: left"><strong><span style="text-decoration: underline">Hund und Vogel</span></strong></p>
<p style="text-align: left">Die Figur des <em><strong>Hundes</strong></em> steht einerseits f&#252;r <em>Treue</em>, aber auch f&#252;r <em>Schamlosigkeit &#8211; </em>ein doppeldeutiges Bildsymbol des Mittelalters. Und damit ist das Tier nicht allein, denn ein <em><strong>Sittich</strong></em> im Bild (unterhalb des Fensters/ Spiegels/ vor der Pfauenfeder) korrespondiert mit dem Vierbeiner. Auch er ist doppeldeutig zu sehen- als <em>Attribut Mariens</em> repr&#228;sentiert er <em>Jungfr&#228;ulichkeit</em> und in anderen Bildern steht er f&#252;r <em>Luxus</em> und <em>unkeuschen</em><em> Lebenswandel</em>. Beziehen wir die genannten Eigenschaften nun auf die Dargestellte oder auf den Mann im T&#252;rrahmen?</p>
<p style="text-align: left">Als Attribute korrespondieren sie auch mit dem <em>J&#252;ngling</em>, der im Moment entfachter Liebesglut gezeigt wird. Und in der Tat m&#252;ssen wir uns hier an der <em><strong><a href="http://www.liebes-kummer.com/liebe/minnesang/minnesang.htm" target="_blank">Minne</a></strong><strong>lyrik</strong></em> orientieren, die das belegen mag.</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img716.imageshack.us/i/minne.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img716.imageshack.us/img716/2503/minne.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img716.imageshack.us/i/minnemontpellie270.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img716.imageshack.us/img716/4249/minnemontpellie270.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><a href="http://www.diekelten.at/ulrich.htm" target="_blank">Quelle</a></p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img268.imageshack.us/i/morungen0.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img268.imageshack.us/img268/2088/morungen0.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><a href="http://www.mediaevum.de/autoren/heinrich_von_morungen.htm" target="_blank">Quelle</a></p>
<p style="text-align: left">Diese gehen bei Hundeallegorien von <em>Treue</em> aus. In unserem Bild ruht ein wei&#223;er Hund auf einem Kissen am Boden, w&#228;hrend er in anderen Bildern in den H&#228;nden oder an der Seite von Frauen liegt. <em><strong>Minnewerbung</strong></em> mit dem Eingest&#228;ndnis von Lust und dem Aufgeben der Zur&#252;ckhaltung deutet der sprunghafte, geschw&#228;tzige <em>Sittich</em> an und zeigt damit den anderen, unerl&#228;sslichen Teil der Minne- als Legitimation k&#246;rperlicher Vereinigung in der Verbindung von <strong><em>Treue und Lust</em></strong>. <strong><em>Sinnliche Lust</em></strong> durfte nach <strong><em>mittelalterlichen Moralvorstellungen</em></strong> in dieser Kombination ausgelebt werden. Die beiden &#8220;tierischen&#8221; Attribute dem Entflammten zuzuordnen entspricht auch der Tradition der Minnedichtung, die dem <em><strong>Mann</strong></em> die Rolle des <em><strong>Werbenden</strong></em> zuspricht. (*1) Unsere junge Frau steht f&#252;r ein allgemeines Sch&#246;nheitsideal, denn sie tr&#228;gt keinerlei individuelle Z&#252;ge.</p>
<p style="text-align: left">Ob dies neben den im <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100605/liebeszauber-1/" target="_blank">Teil 1</a> getroffenen Feststellungen die einzigen Aussagen des Bildes trifft, ist zu bezweifeln, denn das, was wir heute hier als <em>Kunstwerk</em> bezeichnen, war im Mittelalter ein <strong><em>zu n&#252;tzlichen Zwecken</em></strong> geschaffenes Ding und genau diesen Zweck gilt es nachfolgend, im <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/?p=3684" target="_blank">Teil 3</a>, zu erforschen.</p>
<p style="text-align: center">_______________________________________</p>
<blockquote>
<p style="text-align: left">*1 Die verschiedenen Arten der Minne sagen allein durch ihre jeweilige Bezeichnung etwas zu der Stellung der Frau aus.<br />
In der <em>Hohen</em> Minne ist die adlige Frau ein unerreichbares Idealbild, eine &#252;bergeordnete Herrin, die f&#252;r das lyrische Ich nicht zu &#8220;erfassen&#8221; ist, was zu einer Selbstbeherrschung und auch eigenen Erziehung des Mannes (also des Dichters) f&#252;hrt.<br />
In der <em>Niederen</em> Minne besteht ebenfalls keine feste Bindung zwischen Mann und Frau, jedoch im Gegensatz zur Hohen Minne die erw&#252;nschte und verherrlichte Liebeserf&#252;llung, die dadurch, dass die Partner nicht offiziell aneinander gebunden sind, also verboten ist und von beiden mit Scham betrieben und komplett verheimlicht wird. Die Frau geh&#246;rt hier auch im Vergleich zu dem Dichter dem niederen Stand an.<br />
Mit Verschmelzungen dieser beiden Minnearten gibt es als <em>dritte</em> noch die Ebene <em>Minne</em>, bei welcher Frau und Mann gleichberechtigt sind und sich zu der ersehnten Sexualit&#228;t bekennen. (<a href="http://www.ciao.de/Alles_mit_M__Test_2278330" target="_blank">Quelle</a>)</p>
</blockquote>
<p style="text-align: left">Um welche Art von Minne<em>vorbild</em> es sich bei unserem Bild handeln k&#246;nnte, muss sich noch erweisen. Spontan tippe ich heute eher auf die hier vorgestellte, dritte Form, bei der <em><strong>beide Geschlechter sich zu ihrer Lust bekennen</strong></em>.</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://www.minnesang.com/Geschichte/Lyrik.html" target="_blank">Minnelied</a></p>
<p><strong>Swâ tac er- schînen sol zwein liuten </strong><br />
<strong>die ver- borgen inne liebe stunde m&#252;ezen tragen,</strong><br />
<strong>dâ mac ver- swînen wol ein triuten. </strong><br />
<strong>nie der morgen minne- diebe kunde b&#252;ezen klagen. </strong></p>
<p><strong>er lêret ougen weinen trîben: </strong><br />
<strong>sinnen wil er w&#252;nne selten borgen. </strong><br />
<strong>swer m ret tougen reinen wîben </strong><br />
<strong>minnen spil, der k&#252;nne schelten morgen.</strong></p>
<p><strong><em>Wo immer der Tag scheinen wird auf zwei Menschen, </em></strong><br />
<strong><em>die heimlich drinnen eine gl&#252;ckliche Zeit verbringen m&#246;chten, </em></strong><br />
<strong><em>da kann wohl jede Z&#228;rtlichkeit aufh&#246;ren. </em></strong><br />
<strong><em>Noch niemals konnte der Morgen einen Minnedieb von der Klage heilen.</em></strong></p>
<p><strong><em>Er lehrt vielmehr den Augen das Weinen. </em></strong><br />
<strong><em>Den Sinnen will er niemals Freude bereiten. </em></strong><br />
<strong><em>Wer immer heimlich edlen Frauen das Liebesspiel mehrt, </em></strong><br />
<strong><em>hat Grund, den Morgen zu schelten.</em></strong></p>
<h1>Subway To Sally &#8211; <a href="http://www.myvideo.de/watch/1269902/Subway_To_Sally_Minne" target="_blank">Minne</a></h1>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=ZcBNfwEV9Yk" target="_blank">poeta magica</a></p>
<p><a href="http://diglit.ub.uni-heidelberg.de/diglit/cpg848" target="_blank">Manessische Liederhandschrift</a></p>
<p style="text-align: left">
<p style="text-align: center">
<p style="text-align: left">
<p style="text-align: left">
<p style="text-align: left">
<p style="text-align: center"><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Juni, Elf, Neun (11. 06. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090611/juni-elf-neun/">Juni, Elf, Neun</a> (11. 06. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>seeleute</title>
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		<pubDate>Fri, 05 Feb 2010 23:56:06 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Susanna</dc:creator>
				<category><![CDATA[gastbeiträge]]></category>
		<category><![CDATA[gespräche]]></category>
		<category><![CDATA[hund]]></category>

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		<description><![CDATA[seeleute    (roger mit winston. roger lacht) in meiner garage steht ein original dodge und vor meinem bett schnorchelt eine englische bulldogge. vom dodge will ich jetzt nicht sprechen &#8211; aber der bully hei&#223;t roger. zuerst mu&#223;te ich gewisse &#228;sthetische &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100206/seeleute/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div>seeleute</div>
<div><img src="http://photos-h.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc1/hs141.snc1/5213_1153796018617_1639194887_398534_7696291_s.jpg" alt="" />   (roger mit winston. roger lacht)</div>
<div>in meiner garage steht ein original dodge und vor meinem bett schnorchelt eine englische bulldogge.<br />
vom dodge will ich jetzt nicht sprechen &#8211; aber der bully hei&#223;t roger.</div>
<div><img src="http://photos-f.ak.fbcdn.net/hphotos-ak-snc1/hs159.snc1/5933_1126401853780_1639194887_315259_7313091_s.jpg" alt="" /></div>
<div>zuerst mu&#223;te ich gewisse &#228;sthetische widerst&#228;ndigkeiten hinter mich werfen, auch sa&#223; ich verst&#228;ndnislos vor seinen falten, dem grimmigen menschengesicht ohne schnauze,</div>
<p>den zur&#252;ckgelegten ohren und den gro&#223;en runden schwarzen augen. aus dem m&#228;chtigen maul ragten vier winzige babymilchz&#228;hnchen und eine rosa zungenspitze. dick standen links und rechts die goldfarbenen wangen ab.<br />
er gurgelte und schnarchte bisweilen, obwohl er v&#246;llig wach war.</p>
<div>ich versuchte, ein gespr&#228;ch zu beginnen und stellte ihm verschiedene fragen. das machte ihn aggressiv, denn, wie ich so allm&#228;hlich verstand, war er nicht der hellste und wu&#223;te auf meine fragen nicht zu antworten.</div>
<div>seine dicken babypfoten stellte er abwechselnd auf meine kleinen nackten zehen. zum gl&#252;ck sabberte er nicht, wenn ihm auch einige &#252;ble wolken entkamen.<br />
ich brach diese immer ungem&#252;tlicher werdende sitzung ab und ging zum leicht verst&#228;ndlichen befehlston &#252;ber: &#8220;hier!&#8221;, &#8220;sitz!&#8221;, &#8220;platz!&#8221; &#8211; das funktionierte einwandfrei.</div>
<div>beim spazierengehen sagte ein kleines kind: &#8220;dieser hund ist b&#246;se!&#8221; und ich rief laut nach hinten: &#8220;ist er nicht!&#8221; und roger sah mich von ganz unten aus seinen gro&#223;en runden augen an. mir schien, es sei etwas w&#228;rme darin gewesen.</div>
<div>nach dem langen spaziergang setzten wir uns in den garten. das hei&#223;t: ich setzte mich in die hollywoodschaukel und roger stand lange &#8211; und lange &#8211; und blickte in ein undefinierbares, wor&#252;ber ich nicht den mut hatte, ihn zu befragen.</div>
<div>unvermittelt nahm er anlauf mit seinen vier kleinen muskul&#246;sen beinchen, lie&#223; sich kurz vor der brautspir&#228;e fallen und rutschte unter den busch. dort war ein tiefes grunzen und rascheln und zwischen dem unterge&#228;st goldbraunes w&#228;lzen in erde.<br />
als ich schon nachsehen wollte, ob alles in ordnung sei, kam er heraus, sch&#252;ttelte sich und lie&#223; sich, so wie er war, auf den bauch ins gras fallen. das war ein kurzer weg, denn die kleinen beinchen rutschten einfach ins seitliche weg wie bei einem ausschneidefrosch aus papier.</div>
<div>er sah mich bedeutungsvoll an. lange. noch l&#228;nger.<br />
es blieb mir nichts &#252;brig, als meine unsicherheit zu verbergen und betont gleichm&#228;&#223;ig zu schaukeln.<br />
ich legte meine handtasche in xxlarge neben mich, nahm die zigaretten heraus und z&#252;ndete mir eine an.</div>
<p>ich bem&#252;hte mich, nicht hinzusehen und die natur zu genie&#223;en in diesem garten, der von allem eine blo&#223;e idee enthielt: eine lyra aus stein, einen rosenstock, einen &#252;berdimensionalen lavendel, bl&#252;hend, einen wei&#223;en rittersporn mitten in der gem&#228;hten wiese.<br />
da nahm etwas wuchtiges anlauf auf mich zu und mit allen vieren von oben kam der simplicissimus auf meine tasche gesegelt und landete punktgenau, trotz heftigsten nachbewegungen der &#252;berrumpelten schaukel an sich.</p>
<div>&#8220;guter hund!&#8221; sagte ich l&#228;ssig und betont, worauf er neben mir seinen dicken goldhintern positionierte, meine blickrichtung f&#252;r sich &#252;bernahm und die schaukelbewegungen mit dem wuchtigen goldkopf ausglich: vor und zur&#252;ck, auf und ab.</div>
<div>und ich dachte, er mu&#223; auf see gewesen sein und f&#252;hle sich nun zu hause. er schleckte mir mit einem winzigen ku&#223; seinen geruch auf den ellenbogen und ab da waren wir freunde. bis zum abend schaukelten wir wortlos nebeneinander.</div>
<p>und wer sich noch etwas in bullys hineinversetzen mag &#8211; hier die erste begegnung zwischen vater (chaucer) und tochter (nicht aus rogers familie):</p>
<p><a href="http://www.youtube.com/watch?v=nN7YWz2RqH8&amp;feature=related">http://www.youtube.com/watch?v=nN7YWz2RqH8&amp;feature=related</a> </p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Brunchen mit der Feder (20. 02. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090220/brunchen-mit-der-feder/">Brunchen mit der Feder</a> (20. 02. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Z&#228;rtliche Bisse (Aufl&#246;sung/ Recherche -4-)</title>
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		<pubDate>Sun, 31 Jan 2010 11:34:10 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<category><![CDATA[francesco mazzola]]></category>
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		<category><![CDATA[mythologie]]></category>
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		<category><![CDATA[Parmigianino]]></category>
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		<description><![CDATA[Detail vom Bad der Diana, etwa zwischen 1524-1527 gemalt von Parmigianino (Mazzola), Fresco in Sanvitale castle bei Fontanellato (Zur Deutung der Hundeszene und des Gesamtfrescos) In Teil 2 schrieb ich &#8220;Steht der Hirsch nicht wie eine (begehrenswerte) Leitfigur in ihrer Mitte,&#8230;&#8221;, sprach bzw. &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100131/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-4/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center">
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img692.imageshack.us/i/jagdunbekannt.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img692.imageshack.us/img692/125/jagdunbekannt.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center">Detail vom <em>Bad der Diana</em>, etwa zwischen 1524-1527 gemalt von Parmigianino (Mazzola), Fresco in Sanvitale castle bei Fontanellato</p>
<p style="text-align: center">(<em><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100122/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-3/">Zur Deutung der Hundeszene und des Gesamtfrescos</a></em>)</p>
<p>In <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091231/zaertliche-bisse-2/">Teil 2</a> schrieb ich &#8220;Steht der Hirsch nicht wie eine (begehrenswerte) Leitfigur in ihrer Mitte,&#8230;&#8221;, sprach bzw. spekulierte von <strong>christlicher Ikonographie</strong><em>- </em>Gedanken, die auch Ute Davitt Asmus &#228;u&#223;erte. Auch sie vergleicht das Bild mit dem <strong>christlichen Opfertod</strong>, da Acteon hier den Tod durch t&#246;dliche (z&#228;rtliche) Bisse, ohne Qual, hinnimmt. &#196;ltere christliche Ovid- Acteon- Interpretationen sprechen von einer Rehabilitation Acteons, denn sein Tod wird so der Sinnlosigkeit enthoben, wenn man Acteon mit einer Pr&#228;figuration Christi gleichsetzt.</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img52.imageshack.us/i/christuskind.jpg/" target="_blank"><img src="http://img52.imageshack.us/img52/1606/christuskind.jpg" alt="" /></a><br />
<a href="http://farm3.static.flickr.com/2189/2185310362_861d568269.jpg?v=0">Quelle</a></p>
<p>Ein <em>Putto</em> k&#246;nnte den<strong> jungen Sohn des Paares</strong> (Galeazzo Sanvitale und Paola Gonzaga) verk&#246;rpern, der 1523 getauft und fr&#252;h gestorben war. Darauf deuten die <strong>Korallenkette</strong> am Hals und der <strong>Kirschzweig</strong> in der Hand, die sonst nur f&#252;r das Christuskind symbolisch sind und auf dessen fr&#252;hen Opfertod verweisen. Auch das ist nat&#252;rlich eine spekulative Interpretation.</p>
<p>In <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100122/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-3/">Recherche/ Aufl&#246;sung, Teil 3</a> war auch die Rede von der <strong>Gleichsetzung Actetons mit dem Hausherren</strong>. Diese Vermutung speist sich aus der Tatsache, dass es zwar keine Vorzeichnungen f&#252;r die Frescen, wohl aber Studienbl&#228;tter von Parmigianino gibt, die u.a. Galeazzo Sanvitale mit gro&#223;er &#196;hnlichkeit zeigen.</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img98.imageshack.us/i/hunde1.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img98.imageshack.us/img98/1023/hunde1.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p>Die Frage, <strong>warum so viele Hunde</strong> im Fresco auftauchen, wird damit beantwortet, dass es erstens bei Ovid sehr ausf&#252;hrliche Darstellungen verschiedener Hunderassen gibt, ihre Eigenarten und ihr Aussehen innerhalb der Meute werden genau beschrieben. Zweitens, stellt auch Parmigianino Hunde recht individuell dar, wie eingangs festgestellt. Es existieren zahlreiche Hundestudien von ihm, z.B. vom <strong>Familienhund</strong> mit einem speziellen <strong>Halsband</strong>, welches eine <strong>Muschel</strong> ziert, das <strong>Emblem der Familie</strong> Sanvitale.<br />
Drittens: aber auch Albrecht D&#252;rer k&#246;nnte unseren K&#252;nstler beeinflusst haben- mit Bildern wie diesem hier:</p>
<p style="text-align: center"><a href="http://img27.imageshack.us/i/drerderhleustachius.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img27.imageshack.us/img27/6995/drerderhleustachius.th.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><em>Der heilige Eustachius,</em> Albrecht D&#252;rer, um 1501</p>
<p><strong><em>Zusammenfassend</em></strong> m&#246;chte ich nur noch kurz anmerken, dass es die so ausf&#252;hrlich beschriebene, poesievolle Atmosph&#228;re dieses eher in den Gem&#228;uern versteckten, r&#228;tselhaften Bildes ist, die das Fresco &#8211; insbesondere die <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091230/zaertliche-bisse-1/">eingangs</a> gefundene, isoliert gezeigte, Hundeszene- so anziehend macht. Sie schw&#228;cht alles Reale ab, versetzt den Betrachter in einen tr&#228;umerischen Zustand, gibt der Darstellung etwas M&#228;rchenhaftes.</p>
<p>Parmigianino stellt sehr geschmeidige Bewegungen dar, die rhythmisch ineinandergreifen. Seine K&#246;rper sind typisch im Renaissancestil gemalt, einzelne Muskeln, Gliedma&#223;en treten nicht &#252;berm&#228;&#223;ig hervor, sondern ordnen sich dem schwungvollen Verlauf der Kontur unter. Parmigianino arbeitet mit wenigen pulsierenden Linien, mit genauen Proportionen, Posen, genau studierter Anatomie. Er betont die Substanz der K&#246;rper, strafft die Rundungen&#8230; alles in allem auch heutzutage ein <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100105/den-augen-ein-fest-1/">Fest f&#252;r die Augen</a> und sicher als ein Liebesbeweis, ein <em>Geschenk</em> des Grafen an seine Braut zu sehen.</p>
<p>In einem, speziell an K&#252;nstler gerichteten Werk, <em><strong>Tetrasticha</strong></em>, von<em> Johannes Posthius</em> aus dem Jahre 1563 mit Holzschnitten von <em>Virgil Solis</em> wurden Ovid-Texte allegorisch interpretiert. Es ist anzunehmen, dass auch Parmigianino davon Kenntnis hatte. Darin gibt es u.a. die <strong>Fabel 41 </strong>zur Acteon-Sage mit einer moralisierenden Schlusspointe. In ihr verf&#228;llt der J&#228;ger Acteon selbstverschuldet in gro&#223;e Armut, weil er sein Verm&#246;gen in die Anschaffung von Hunden gelegt h&#228;tte. So habe er falsche Diener ern&#228;hrt und damit seine k&#252;nftigen Feinde. Die Fabel warnt somit vor verschwenderischem und ermuntert zu voraussehendem Handeln.<br />
Im 16. Jh. gab es eine Vielzahl literarischer Gattungen, die sich mit moralischer Exegese in Fabeln auseinandersetzte. Die Inschriften unserer Frescen sind den Bildinhalten synthetisch verbunden- beide moralisieren, gemahnen an die <em>Endlichkeit des Lebens</em>. Allerdings wird aller Schrecken des dramatischen Ovidstoffes von Parmigianino so sinnlich-&#228;sthetisch verpackt, mit einer gewisse Leichtigkeit, mit Phantasie und mit einer gewissen Heiterkeit versehen, dass man die Tragik und Moral hinter dem ganzen nur schwer erkennen mag. Ihre Relevanz obliegt noch immer dem Betrachter und das ist gut so.</p>
<p>Die Neugier auf das Unbekannte war es, was mich auf meiner Suche nach Informationen zu diesem Werk vorantrieb und ich hoffe, der Leser dieses Textes konnte ein wenig teilhaben an der freudigen Auseinandersetzung mit diesem Bild. Der Spiegel im inneren der Kuppel kann den heutigen Besucher zwar nicht mehr widerspiegeln, da inzwischen blind geworden, jedoch kann sich jeder vor Ort ein noch besseres (Bild-) Urteil von der Meisterschaft Parmigianinos bilden. (*1)</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img148.imageshack.us/i/frescohubdedian.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img148.imageshack.us/img148/6941/frescohubdedian.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center">________________________________________<br />
<em><br />
<strong> Anmerkungen und Ans&#228;tze f&#252;r die Einordnung des Frescos in das Gesamtwerk Parmigianinos</strong></em><strong> </strong></p>
<p><strong>*1 <strong>Michael Thiman</strong> <span style="font-weight: normal">untersucht das Bild in seinem 2002 bei Vandenhoeck &amp; Ruprecht erschienenen Buch </span><em><a href="http://www.amazon.com/L&#252;genhafte-Bilder-Michael-Thimann/dp/3525479050/ref=sr_1_1/191-2950653-9879302?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1264927944&amp;sr=1-1"><span style="font-weight: normal">L&#252;genhafte Bilder</span></a><span style="font-weight: normal">- Ovids favole und das Historienbild in der italienischen Renaissance.</span></em></strong></p>
<p><strong><span style="font-weight: normal">In </span><a href="http://www.amazon.de/Parmigianino-europ&#228;ische-Manierismus/dp/888215615X"><span style="font-weight: normal">Parmigianino und der europ&#228;ische Manierismus</span></a><span style="font-weight: normal">, 2003 herausgegeben von <strong>Sylvia Ferino-Pagden und Lucia Fornari Schinanchi </strong>bei SilvanaEditorale gibt es einen interessanten Aufsatz von <strong>Lucia Fornari Schinanchi</strong> (</span><em><span style="font-weight: normal">Parmigianinos k&#252;nstlerische Fr&#252;hzeit und seine Werke bis zur Reise nach Rom, 1524</span></em><span style="font-weight: normal">). Neben einer Besch&#228;ftigung mit unserem Bild widmet sich die Autorin mit einem anderen Gl&#252;cksfall von Parmigianino- mit der &#252;beraus fruchtbaren Zusammenarbeit des K&#252;nstlers mit bedeutenden zeitgen&#246;ssischen Gr&#246;&#223;en. Parmigianino durfte anstelle seiner Onkel Pier Ilario und Michele um 1519 die <strong>Kirche San Giovanni </strong>inmitten einer sich gegenseitig vorantreibenden, fr&#246;hlichen K&#252;nstlerschar mitgestalten. </span><em><span style="font-weight: normal">Correggio</span></em><span style="font-weight: normal">, dessen Einfluss auf Parmigianino immer wieder diskutiert wird, </span><em><span style="font-weight: normal">Michelangelo Anselmi, Francesco Maria Rondani, Gerolamo Bedoli</span></em><span style="font-weight: normal"> tauschten mit ihm Ideen aus, konkurierten nat&#252;rlich auch trotz aller Harmonie in der gemeinsamen Arbeit, brachten sich gegenseitig voran. Den Schwung, den Parmigianino dadurch erhielt, die ganze Frische der Bildfindung, die geschmeidige Flie&#223;kraft seiner Malweise, die Beredsamkeit seiner Bilder nahm er mit hin&#252;ber in das Bad der Diana. All das Hintergr&#252;ndige, das st&#228;ndige Neudenken von Mythologie- ein Wesenszug des K&#252;nstlers, das sein gesamtes Werk durchzieht- nahm hier seinen Ursprung, wurde im Laufe seines Schaffens immer komplexer. Er ahmt die Natur nicht einfach nach, sondern formt sie mit k&#252;nstlerischer Freiheit, innerer Eingebung. Eine merkw&#252;rdige Symbolik findet sich auch in den Frescen von San Giovanni- aus dem Tod erbl&#252;ht wieder das Leben; ein wei&#223;es </span><em><span style="font-weight: normal">Kaninchen</span></em><span style="font-weight: normal"> beispielsweise taucht h&#228;ufig in Bildern Parmigianinos auf (z.B. in </span><em><span style="font-weight: normal">Beschneidung</span></em><span style="font-weight: normal">). Fruchtbarkeitssymbol, Attribut der Venus, aber auch Sinnbild der Rache, der bisexuellen, hermaphroditischen Natur, der Sch&#252;chternheit, der Einsamkeit und der Wachsamkeit.<br />
<strong>Tiere</strong> sind bei Parmigianino immer auch der Vorliebe f&#252;r das Verr&#228;tselte geschuldet, wie wir auch oben bei Acteon und Diana erfahren haben. Die Benedektiner, die den Auftrag zur Ausmalung ihrer Kapelle gaben, waren daf&#252;r bekannt, dass sie sich unterschiedlichsten Philosophien hingaben, ihren Willen zum Synkretismus in einer vers&#246;hnenden, keineswegs unkritischen Form auslebten und sich einem au&#223;ergew&#246;hnlichen </span>Kult des Symbols<span style="font-weight: normal"> verschrieben. In diesem Milieu, das von der st&#228;ndigen Auseinandersetzung mit den unterschiedlichsten Texten gepr&#228;gt war, indem scharfsinnig interpretiert wurde, reifte das f&#252;r Parmigianino so typische eigenwillige/ eigenst&#228;ndige Denken, die sich in seinem k&#252;nftigen Werk widerspiegelte. Und so verwundert es nicht mehr, dass die R&#228;tselhaftigkeit ob der vielschichtigen Deutbarkeit unseres Frescos auch nach eingehender Betrachtung erhalten bleibt, dass so viele Fragen offen bleiben. Ein Grundzug f&#252;r den Spielraum des Betrachters, der mir den K&#252;nstler so sympathisch macht und der besonders f&#252;r die <em>Hundeszene</em> gilt, dem Ausgangsbild all unserer Betrachtungen&#8230; <strong>ein K&#252;nstler, der auch heute noch z&#228;rtliche Bisse aussendet.</strong><em> </em><em><span style="font-style: normal">Nichts gibt es hier zum halben Preis, der Betrachter muss sich schon einlassen&#8230; und ich hoffe, dass sich </span><strong><a href="http://blindpony.blogspot.com/"><span style="font-style: normal">Herbert Pfostl</span></a></strong><span style="font-style: normal">, wie versprochen, auch noch dazu &#228;u&#223;ert&#8230;</span><br />
</em></span></strong></p>
<p style="text-align: center"><strong><em>____________________________________</em></strong></p>
<p><strong><em>Die Besprechung des Frescos <em>Acteon und Diana von Parmigianino</em> in der &#220;bersicht:</em></strong></p>
<p><strong><em><span style="font-style: normal"><span style="font-weight: normal">Z&#228;rtliche Bisse, <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091230/zaertliche-bisse-1/">Teil 1</a><br />
Z&#228;rtliche Bisse, <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091231/zaertliche-bisse-2/">Teil 2</a><br />
Z&#228;rtliche Bisse, <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100101/zaertliche-bisse-3/">Teil 3</a><br />
Z&#228;rtliche Bisse, <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100109/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-1/">Teil 1</a> Recherche/ Aufl&#246;sung<br />
Z&#228;rtliche Bisse, <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100112/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-2/">Teil 2</a> Recherche/ Aufl&#246;sung<br />
Z&#228;rtliche Bisse, <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100122/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-3/">Teil 3</a> Recherche/ Aufl&#246;sung<br />
Z&#228;rtliche Bisse,<a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100131/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-4/"> Teil 4</a> Recherche/ Aufl&#246;sung (Ende)<br />
</span></span> </em></strong></p>
<p><strong><em> </em></strong></p>
<p><em> </em></p>
<p><em> </em></p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Brunchen mit der Feder (20. 02. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090220/brunchen-mit-der-feder/">Brunchen mit der Feder</a> (20. 02. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Z&#228;rtliche Bisse (Aufl&#246;sung/ Recherche -3-)</title>
		<link>http://veranda.michaelperkampus.net/20100122/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-3/</link>
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		<pubDate>Fri, 22 Jan 2010 19:04:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[(weiter zur Deutung des Gesamtfrescos) Paola (?), Windhunde Windhunde/ Bracken(s.o.), so Achim Gnann, leiten zu den Szenen &#252;ber, sind aber auch Symbole f&#252;r die gro&#223;e Sonnenhitze zur Zeit der Hundstage. Einer antiken Deutung gem&#228;&#223; war das Schicksal des Actaeon, des &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100122/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-3/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><em>(weiter zur Deutung des Gesamtfrescos)</em><br />
<a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img171.imageshack.us/i/paolai.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img171.imageshack.us/img171/2001/paolai.jpg" alt="" /></a><br />
Paola (?), Windhunde</p>
<p><strong>Windhunde/ Bracken</strong>(s.o.), so <em>Achim Gnann</em>, leiten zu den Szenen &#252;ber, sind aber auch <strong>Symbole f&#252;r die gro&#223;e Sonnenhitze zur Zeit der Hundstage</strong>.</p>
<blockquote><p>Einer antiken Deutung gem&#228;&#223; war das Schicksal des Actaeon, des Sohnes des gegen die dr&#252;ckende Hitze der Hundstage sch&#252;tzenden Gottes <em>Aristaios</em>, ein Sinnbild des durch diese Hitze zerst&#246;rten Erdenlebens. Demgem&#228;&#223; dienten die auf Bergen und Felsen aufgestellten <em>Standbilder des Actaeons</em> dazu, die <em>verderblichen Folgen der Hundstage abzuwenden</em>.</p></blockquote>
<p><strong>Einige Abweichungen zu Ovids Metamorphosen</strong></p>
<p>Zwei J&#228;ger verfolgen eine J&#228;gerin, wahrscheinlich eine <strong>Nymphe</strong>, aus dem Gefolge der Diana. Sie versuchen die J&#228;gerin aufzuhalten. Und nun kommt etwas merkw&#252;rdiges: <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100112/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-2/">Actaeon</a> tr&#228;gt in der folgenden Szene die selbe wei&#223;e Tunika, den gleichen rot gemusterten Umhang und das selbe Jagdhorn wie diese Nymphe. Nicht nur die Arme und H&#228;nde des Actaeon haben ein weibliches Erscheinungsbild. Wenn das nicht einer <strong>Gleichsetzung beider Gestalten</strong> gleichkommt&#8230;</p>
<p style="text-align: center">Nymphe / Actaeon<br />
<a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img15.imageshack.us/i/hirschkopf.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img15.imageshack.us/img15/9425/hirschkopf.jpg" alt="" /></a><br />
<a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img199.imageshack.us/i/218452438368f692a22e.jpg/" target="_blank"><img src="http://img199.imageshack.us/img199/9307/218452438368f692a22e.jpg" alt="" /></a><br />
<a href="http://farm3.static.flickr.com/2300/2184524383_68f692a22e.jpg?v=0">Bildquelle</a><br />
<a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img517.imageshack.us/i/3028411.jpg/" target="_blank"><img src="http://img517.imageshack.us/img517/9947/3028411.jpg" alt="" /></a><br />
<a href="http://static.panoramio.com/photos/original/3028411.jpg">Bildquelle</a><br />
<a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img42.imageshack.us/i/momenti25l.jpg/" target="_blank"><img src="http://img42.imageshack.us/img42/5982/momenti25l.jpg" alt="" /></a></p>
<p><em>G. Copertini </em>beschreibt die J&#228;gerin mit <em>feminin</em>- weibliche Gesichtsz&#252;ge, offenes, langgelocktes Haar, Brustansatz- zwar fliehend, aber <strong>mit zur&#252;ckgewandtem, verf&#252;hrerischen Blick, ja nachgerade zur Verfolgung einladend.</strong></p>
<p>Frage: Warum sollte zwischen Actaeon und seinen Gef&#228;hrten eine erotische Spannung entstehen, warum sollte er fliehen- also doch keine identischen Hauptfiguren, wie es vielleicht die beigef&#252;gten Attribute suggerieren k&#246;nnten? Wenn Actaeon und Nymphe in identischen Kleidern auftreten, bekommen wir dadurch vielleicht doch eher einen Hinweis auf das tragische Ende des J&#228;gers: <strong>Der J&#228;ger wird zum Opfer.</strong> Vom J&#228;ger der zum Opfer wird, dessen Tod ein &#220;bergang zu einem besseren, humaneren, bewussteren Leben wird, spricht auch<em> U. Davitt Asmus</em>. Er verbindet dies mit zeitgen&#246;ssischen Texten der Renaissance, in denen h&#228;ufig das Thema <em>caccia d´amore</em> behandelt wird.</p>
<p><em>Giordano Bruno</em> interpretiert den Diana-Mythos als <em>Degli Eroici Furori</em>, die Verwandlung als eine andere, h&#246;here Art von Jagd, in der</p>
<blockquote><p>&#8230; der J&#228;ger andere Dinge f&#252;r sich zu erbeuten sucht, &#8230; um sie mit dem Munde seiner eigenen Intelligenz zu verzehren; aber bei jener g&#246;ttlichen und universellen ergreift und erfasst er die Beute derma&#223;en, dass er notwendigerweise auch selber erfasst, verzehrt und mit ihr geeint wird.</p></blockquote>
<p>Dann kommen wir auch zu der Auffassung, dass diese Frescen doch <strong>speziell</strong> <strong>auf</strong> die beiden <strong>Eheleute</strong> <strong> (Galeazzo Sanvitale und Paola Gonzaga) zugeschnitten</strong> worden sind: es handelt sich um <strong>Liebesallegorien</strong>, die Eheleute sahen sich hier wiedergespiegelt. Der Liebende sah sich von der Geliebten g&#228;nzlich verzehrt. Und er <em>wird eins mit ihr</em>- die tiefste, innigste Form der Verbindung, die zu seinem Tod f&#252;hrt, der <strong>Tod als h&#246;chster Liebesbeweis</strong>. Meditationszimmer&#8230; hmm&#8230;</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img194.imageshack.us/i/momenti25e.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img194.imageshack.us/img194/4743/momenti25e.jpg" alt="" /></a><br />
Paola (?)</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img189.imageshack.us/i/aehnlichegewaender.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img189.imageshack.us/img189/5694/aehnlichegewaender.jpg" alt="" /></a></p>
<p><em><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100131/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-4/#more-1285">Fortsetzung</a></em></p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Brunchen mit der Feder (20. 02. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090220/brunchen-mit-der-feder/">Brunchen mit der Feder</a> (20. 02. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Z&#228;rtliche Bisse (Aufl&#246;sung/ Recherche -2-)</title>
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		<pubDate>Tue, 12 Jan 2010 18:10:23 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Geschichte des Bildes Der gerade mal 20 gewordene Parmigianino wurde vom Grafen Galeazzo im Jahr 1523 berufen, diesen versteckten Raum auszugestalten. Hinrei&#223;end malte der junge K&#252;nstler dort seine Version der Ovid-Metamorphose. Der mit einer Inschrift an Diana gerichtete Vorwurf kann &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100112/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: center"><span style="font-weight: bold">Geschichte des Bildes</span><br />
<a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img692.imageshack.us/i/jagdunbekannt.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img692.imageshack.us/img692/125/jagdunbekannt.jpg" alt="" /></a></p>
<p>Der gerade mal 20 gewordene Parmigianino wurde vom Grafen Galeazzo im Jahr 1523 berufen, diesen <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100109/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-1/">versteckten Raum</a> auszugestalten. Hinrei&#223;end malte der junge K&#252;nstler dort <span style="font-style: italic">seine</span> Version der Ovid-Metamorphose. Der mit einer Inschrift an <strong>Diana</strong> gerichtete Vorwurf kann als Ausdruck des Zweifels an der g&#246;ttlichen Gerechtigkeit, betrachtet werden, denn den Spiegel ziert ein Spruch an der Raumdecke: &#8220;<span style="font-style: italic">et respice finem</span>&#8220;.</p>
<blockquote><p><em>An Diana</em>: Sag G&#246;ttin, wenn der Zufall den ungl&#252;cklichen Actaeon hierher gef&#252;hrt hat, warum wird er von dir seinen Hunden zum Fra&#223; vorgeworfen? Es ist nur bei einem Verbrechen erlaubt, dass die Sterblichen die Strafe zu tragen haben: auch geziemt solch ein Zorn G&#246;ttinnen nicht.</p></blockquote>
<p>Diese Texte weisen den Raum m&#246;glicherweise als <em>Meditationsort</em> aus. Doch zur Deutung sp&#228;ter mehr.</p>
<p><strong>Inhalt des Gesamtfrescos<br />
</strong></p>
<blockquote><p>Erst am Ende des Lebens steht fest, wer wirklich gl&#252;cklich war, so Ovid.</p></blockquote>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img190.imageshack.us/i/roccabild.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img190.imageshack.us/img190/13/roccabild.jpg" alt="" /></a></p>
<p><strong>Deutungsebenen</strong><br />
Das Fresko widmet sich dem antiken Mythos von Diana (<em>Artemis</em>), die den J&#228;ger (*1) als Strafe in einen Hirsch verwandelte, nachdem dieser sie zuf&#228;llig beim Nacktbaden &#252;berrascht hatte.<br />
Die Geschichte entwickelt sich bei Parmigianino als eine Art <em>nat&#252;rliches Theater</em>: eine Decke mit einer gr&#252;nen Laube und Masken mit Mosaiken, offenbarte Einblicke in Himmel, einem runden Spiegelgew&#246;lbe in der Mitte, wie oben gesagt, mit den Worten &#8220;<em>respice finem</em>&#8221; (<em>Look to the end</em>).</p>
<p>Angeblich ist der <strong>Auftraggeber</strong> im Spiegel selbst abgebildet. An drei der vier W&#228;nden, werden Verse aus Ovids Metamorphosen, die unsere Geschichte szenisch erz&#228;hlen, dargestellt: die Jagd in den W&#228;ldern, die Begegnung mit der badenden G&#246;ttin, die Actaeon emp&#246;rt mit Wasser des Heiligen Sees vollspritzt, bis hin zur schrecklichen Szene, wo Actaeon von Diana zur Strafe als Hirsch verwandelt, von seinen eigenen Hunden zerfleischt wird- genau die Szene, die ich herausgel&#246;st aus ihrem urspr&#252;nglichen Zusammenhang bei <a href="http://papergraveyard.blogspot.com/">Herbert Pfostl</a> fand und weswegen wir uns hier so ausf&#252;hrlich um Aufkl&#228;rung bem&#252;hen.</p>
<p>Auf der vierten Wand stellte Parmigianino eine charmante, weibliche Figur dar, die vermutlich <strong>Paola Gonzaga</strong>, die Gemahlin des Grafen Galeazzo, zeigt, in ihren H&#228;nden die Symbole des Lebens und des Opferns haltend:<em> &#196;hren und ein Gef&#228;&#223; mit Wein</em>.</p>
<p>War die vierte Wand tats&#228;chlich der <em>Gr&#228;fin oder der ehelichen Leidenschaft</em> gewidmet? Sehen wir hier wirklich eine <em>Studie des Grafen</em> oder vielmehr einen <em>Tribut an die Alchemie</em> &#8211; eine Leidenschaft von Parmigianino &#8211; wie vielleicht die reinigenden Elemente Wasser und andere nat&#252;rliche Elemente in ihrem Verwandlungsprozess? Oder ist vielleicht die <em>mahnende Inschrift</em> nicht in erster Linie der G&#246;ttin gewidmet, sondern eher an die <em>Nachfahren des Adels</em> gerichtet, eine Erinnerung an die schweren menschlichen Verluste dieser Familie, die sie in dieser Zeit erleiden musste? Die Experten sind sich unsicher, wem oder was dieses magische Zimmer gewidmet wurde, die Realit&#228;tsebenen scheinen nicht stark voneinander gefasst worden zu sein.</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img35.imageshack.us/i/momenti25h.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img35.imageshack.us/img35/4026/momenti25h.jpg" alt="" /></a><a href="http://www.arengario.net/momenti/imm/momenti25h.jpg">Bildquelle</a><br />
___________________________________</p>
<p>*1 <strong>Actaeon</strong><br />
- vom Kentaur Cheiron erzogen worden, welcher ihn besonders in der Kunst der Jagd unterrichtete<br />
- nur sein Verstand blieb nach Metamorphose unver&#228;ndert, er &#252;berlegte, was er tun solle<br />
- vor Scham begab er sich nicht zum Palast seines Vaters; hielt sich in den dichten W&#228;ldern der Umgegend auf<br />
- seine Hunde ersp&#228;hen und verfolgen ihn, angespornt von den Freunden , die bedauern, dass Actaeon diese Jagd vers&#228;umt; sie rufen ihn und bemerken nicht, <strong>dass der Hirsch noch auf den Namen lauscht, w&#228;hrend ihn seine eigenen Hunde zerfleischen</strong> eine der Deutungsm&#246;glichkeiten, die auf unseren Bildausschnitt zutreffen mag<br />
___________________________________</p>
<p>Ovid war der erste Dichter, der die <em>Verwandlung in einen Hirsch</em> beschreibt, bildliche Darstellungen vor ihm zeigen Actaeon ausschlie&#223;lich in menschlicher Gestalt. Fr&#252;here Darstellungen gehen davon aus, dass urspr&#252;nglich lediglich die Hunde behext wurden und glaubten, einen Hirsch vor sich zu haben. Parmigianino folgt in seiner Darstellung Ovids Textvorgabe, er zeigt auch den phasenbedingten Verwandlungsprozess &#8211; nicht nur das Ergebnis der Metamorphose.</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img15.imageshack.us/i/hirschkopf.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img15.imageshack.us/img15/9425/hirschkopf.jpg" alt="" /></a></p>
<p>In den Metamorphosen werden die Namen all seiner Hunde wiedergegeben: Aello, Agre, Agriodus, Alce, Asbolus, Conace, Dorceus, Dromas, Harpalos, Harpyia, Hylactor, Hyl&#228;us, Ichnobates, Labros, Lachne, Lacon, Ladon, Laelaps, Leucon, Lysice, Malampus, Melanchaetes, Melaneus, Nape, Nebrophonus, Oresitrophus, Oribasus, Pamphagus, Poemenis, Pterelas, Stilbe, Theridamas, Theron, Thous, Tigris &#8211; ein Beweis f&#252;r die gro&#223;e Bedeutsamkeit unserer herausgel&#246;sten Hunde- Hirsch -Szene, die die Unfassbarkeit von Actaeons Schicksal vollends erfasst.</p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img341.imageshack.us/i/3parmigianinol.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img341.imageshack.us/img341/5377/3parmigianinol.jpg" alt="" /></a></p>
<p style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img96.imageshack.us/i/levrierodiana.jpg/" target="_blank"><img class="aligncenter" src="http://img96.imageshack.us/img96/7858/levrierodiana.jpg" alt="" /></a></p>
<p><em><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100122/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-3/">Fortsetzung</a></em></p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Brunchen mit der Feder (20. 02. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090220/brunchen-mit-der-feder/">Brunchen mit der Feder</a> (20. 02. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Z&#228;rtliche Bisse (Aufl&#246;sung/ Recherche -1-)</title>
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		<pubDate>Fri, 08 Jan 2010 23:30:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Vorbemerkung Was f&#252;r eine Freude! Nun erhielt ich doch noch die ersehnten Daten zum vorgestellten Bild von Herbert Pfostl, dem Betreiber der Webseite, mit dem bis eben noch unbekannten Bild. Ich war davon so begeistert, dass ich sofort nach dem &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100109/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-1/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<div style="text-align: center"><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img190.imageshack.us/i/roccabild.jpg/" target="_blank"><img src="http://img190.imageshack.us/img190/13/roccabild.jpg" alt="" /></a></div>
<p><span style="font-weight: bold">Vorbemerkung</span><br />
Was f&#252;r eine Freude! Nun erhielt ich doch noch die ersehnten Daten zum vorgestellten Bild von <a href="http://blindpony.blogspot.com/">Herbert Pfostl</a>, dem Betreiber der Webseite, mit dem bis eben noch unbekannten Bild. Ich war davon so begeistert, dass ich sofort nach dem Gesamtbild recherchierte, was sich als sehr schwierig herausstellte. Im Netz gibt es fast nichts Lesbares dazu. Nun, ich denke, die M&#252;he hat sich gelohnt, denn in der Kunstbibliothek wurde ich schlie&#223;lich in einem nicht ausleihbarem Prachtband (Achim Gnann, <span style="font-style: italic">Parmigianino</span>, Michael Imhof Verlag, 2007, S. 62ff.) f&#252;ndig. Diese Lekt&#252;re ergab, dass die in den <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100101/zaertliche-bisse-3/">Teilen 1 bis 3</a> ge&#228;u&#223;erte Vermutungen doch ziemlich nahe liegen.</p>
<p><span style="font-weight: bold">Aufl&#246;sung </span><br />
Wie angedacht, handelt es sich um einen <span style="font-style: italic"><span style="font-weight: bold">Bildausschnitt</span></span>- uns liegt ein Detailbild vom <span style="font-style: italic"><span style="font-weight: bold">Bad der Diana</span></span> vor, etwa zwischen <span style="font-weight: bold">1524-1527</span> entstanden, allerdings ein <span style="font-style: italic">Fresco</span> und keine Holztafel, zu finden in <span style="font-style: italic">Sanvitale castle bei Fontanellato</span>, gemalt von einem bis dato noch h&#228;ufig untersch&#228;tzten Manieristen namens <span style="font-weight: bold">Parmigianino</span> (1503 &#8211; 1540)- eigentlich Sohn des Malers Fillippo <span style="font-weight: bold">Mazzola</span>, der aber kurz nach der Geburt des Sohnes starb. Parmigianino wurde von zwei Onkeln, Michele und Pierre Ilario, erzogen, die auch beide Maler waren.<br />
Eine interessante K&#252;nstlerpers&#246;nlichkeit, die u.a. in schriftlichen &#220;berlieferungen als <span style="font-style: italic">schlimmer Alchemistenfinger </span> betitelt wurde, der &#252;ber seine fragw&#252;rdigen Experimente die Malerei vergisst, ein Topos von K&#252;nstler, der sein <span style="font-style: italic">Talent anderweitig verschwendet</span>, was auch eine genauere Untersuchung wert w&#228;re, fr&#252;hzeitig, im Alter von 37 Jahren, gestorben.</p>
<blockquote><p>Die einfallenden Protestanten st&#246;ren Parmigianino nicht beim Malen, so wie Plinius bei der Schilderung der Belagerung Rhodos’ den K&#252;nstler Protogenes ruhig weiterarbeiten l&#228;sst. Noch pr&#228;senter d&#252;rfte allerdings der im Kommentar gezogene Vergleich mit Archimedes sein, von dem sich Vasari allerdings abhebt: Der Legende nach soll der Grieche einen r&#246;mischen Soldaten aufgefordert haben, ihn in Ruhe zu lassen – und wurde prompt von ihm erschlagen.<a href="http://www.satt.org/kunst/04_08_vasari.html"> Quelle</a></p></blockquote>
<p>Unser Bild befindet sich hier, in der <span style="font-style: italic">Rocca</span>, einem kleinen 3,90 m hohen Raum mit den Ma&#223;en von ca. 3,50 m x 4,35 m, im Erdgeschoss, zu dem eine kleine Treppe f&#252;hrt:</p>
<div><a href="http://img138.imageshack.us/i/rocca.jpg/" target="_blank"></a><br />
<a href="http://www.camping-arizona.it/Fontanellato.php?language=en"> Quelle </a></div>
<p style="text-align: center"><img src="http://img138.imageshack.us/img138/5185/rocca.th.jpg" alt="" /></p>
<p>Die <span style="font-weight: bold">Funktion des Raumes</span> ist bis heute unklar, da er sich in nicht repr&#228;sentativen, versteckten Gem&#228;chern befindet (und nicht Bestandteil des <span style="font-style: italic">camerino</span> ist). Einige Autoren (M. Thimann) vermuten, dass es ein <span style="font-style: italic">studiolo</span> gewesen sein k&#246;nnte (wechselnde Nutzung, kein einseitig zweckbestimmter Raum), andere (A. Ghidiglia Quintavalle) sprechen von einer Nutzung als Boudoir, Badezimmer, <span style="font-style: italic">stufetta</span>.</p>
<p><span style="font-weight: bold">Auftraggeber</span> war wahrscheinlich Galeazzo Sanvitale, 6. Graf von Belforte, 5. Graf von Fontanellato (Parmigianino hatte ihn portr&#228;tiert, sein Wappen erstellt). Als <span style="font-weight: bold">Entstehungszeit</span> wird 1523/ 24 angegeben, die Zeit unmittelbar vor der Abreise des Malers nach Rom. Es existieren noch zahlreiche Detailentw&#252;rfe.</p>
<div><a href="http://img85.imageshack.us/i/imagename1gif.jpg/" target="_blank"></a><br />
Rocca Sanvitale di Fontanellato &#8211; Affresco del Parmigianino (f&#252;r die Grossansicht bitte kleines Bild anklicken)<br />
<a href="http://www.castellidelducato.it/CastelliDelDucato/fullImage.action?id=601"> Quelle </a></div>
<p style="text-align: center"><img src="http://img85.imageshack.us/img85/6306/imagename1gif.th.jpg" alt="" /></p>
<p>Die <span style="font-weight: bold">Art und Weise der Umsetzung von Ovids Metamorphosen</span> ist immer noch Anlass f&#252;r interessante Spekulationen. Parmigianino wich teilweise von der literarischen &#220;berlieferung ab und brachte (wie vermutet) zus&#228;tzliche Metaebenen ein, die Gegenstand einer weiteren <span style="font-style: italic"><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100112/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-2/">Fortsetzung</a></span> werden. Dann k&#246;nnen auch einige der selbstgestellten Fragen beantwortet und neue werden aufgeworfen&#8230; soviel steht bereits fest.</p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Leuchtspur vom Januar 09 (17. 01. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090117/leuchtspur-vom-januar-09/">Leuchtspur vom Januar 09</a> (17. 01. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
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		<title>Z&#228;rtliche Bisse? (3)</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Jan 2010 00:01:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[IV.Sicherlich handelt es sich bei den dargestellten Hunden um Windhunde- eine der &#228;ltesten Jagdhunderassen (s.u.). Windhunde sind nach den Geparden die schnellsten Landtieren der Erde, wiederum eine Tatsache, die den K&#252;nstler anscheinend nicht zu beeindrucken schien, weil er die Tiere &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100101/zaertliche-bisse-3/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><a target='_blank' title='ImageShack - Image And Video Hosting' href='http://img692.imageshack.us/i/jagdunbekannt.jpg/'><img src='http://img692.imageshack.us/img692/125/jagdunbekannt.jpg'></a></p>
<p><span style="font-weight:bold">IV.</span><br />Sicherlich handelt es sich bei den dargestellten Hunden um <span style="font-style:italic"><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091230/zaertliche-bisse-1/">Windhunde</a></span>- eine der &#228;ltesten Jagdhunderassen (s.u.). <br />Windhunde sind nach den Geparden die schnellsten Landtieren der Erde, wiederum eine Tatsache, die den K&#252;nstler anscheinend nicht zu beeindrucken schien, weil er die Tiere nicht in schnellem Lauf (wie viele seiner Kollegen) sondern in vollkommener Ruhe darstellte. <br />Windhunde wurden speziell zur <span style="font-style:italic">Hetzjagd auf Sicht</span> gez&#252;chtet, d.h. sie verfolgten ihre Beute nicht mit Hilfe des Geruchssinns, sondern mit Hilfe des Sehsinns, die schweren Varianten wurden f&#252;r die Jagd auf Schwarz- und Rotwild eingesetzt (Veltrus porcarius). Seit der Pharaonenzeit holten diese Hunde als lautlose Sichtj&#228;ger das Wild schnell ein und fingen es ab. </p>
<p><a href='http://img63.imageshack.us/i/2862157870978512d32f.jpg/'><img src='http://img63.imageshack.us/img63/6453/2862157870978512d32f.jpg' border='0'></a><br /><span style="font-weight:bold">Whippet</span>, kleiner englischer <a href="http://www.flickr.com/photos/83654635@N00/2862157870"> Windhund </a> (okzidentaler Typ)</p>
<p><a target='_blank' title='ImageShack - Image And Video Hosting' href='http://img503.imageshack.us/i/greyhound.jpg/'><img src='http://img503.imageshack.us/img503/9076/greyhound.jpg'></a><br /><span style="font-weight:bold">Greyhound</span>, gro&#223;er englischer <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:GraceTheGreyhound.jpg&amp;filetimestamp=20070808184826"> Windhund </a>, dessen Vorfahren die Kelten bei ihrer Einwanderung auf die britischen Inseln im vierten Jahrhundert v. Chr mitbrachten</p>
<p>Und auch ein der Jagd unkundiger Bildbetrachter muss sich wenigstens ansatzweise mit dem Thema besch&#228;ftigen. So ist es f&#252;r eine Interpretation bedeutsam, zu ergr&#252;nden, um <span style="font-style:italic">welche Art Windhund</span> es sich im Bild handeln k&#246;nnte. Vermutlich (aufgrund &#228;u&#223;erlicher Merkmale) kommen die beiden oben vorgestellten Typen in Frage. Sie geh&#246;ren zu einer <span style="font-weight:bold">Rasse, die ihre Beute einholt und t&#246;ten soll und nicht zur Rasse, die ihre Beute einholt und anschlie&#223;end „nur“ festhalten soll, bis der J&#228;ger eintrifft und sie selber t&#246;tet (z. B. Azawakh und Deerhound). </span><br />Und nun schauen wir uns unsere drei Windhunde noch einmal an: hier wird nicht einfach das „Einholen“ und schon gar nicht das „T&#246;ten“ gezeigt- h&#246;chstens eine Form des „Innehaltens“, unvorstellbar, dass der Hirsch im n&#228;chsten Moment von ihnen get&#246;tet wird.</p>
<p>Wenn ein Jagdhund die Beute festh&#228;lt, sich instinktiv nicht an ihr „vergreift“, dann hat er seine Aufgabe gemeistert. Sogesehen, hat es der K&#252;nstler geschafft, dieses Wunder an Selbstbeherrschung tierischer Triebe darzustellen- den inneren Kampf, das Begehren, den Hirsch zu rei&#223;en&#8230; diese Meisterleistung an (h&#246;fischer?) Dressur aufzuzeigen, denn es ist ein Riesenunterschied, ob ein Hund etwas hinterherl&#228;uft, etwas tr&#228;gt, ob er etwas packt und die Beute – mit der Endhaltung <span style="font-style:italic">Sch&#252;tteln</span> apportiert. Beim erfolgreich dressierten Jagdhund ist das Sch&#252;tteln beim Apport (&#8220;Beute ludern&#8221;) eine Tods&#252;nde. <br />Die <span style="font-style:italic">Hetzjagd</span> mit der Hundemeute ist seit dem Mittelalter beliebt, daf&#252;r wurden urspr&#252;nglich Wind- und Laufhunde gemischt eingesetzt und das Wild wurde am Ende von der Meute zerrissen. Nichts dergleichen sieht man im vorgestellten Bild, die Hunde scheinen sehr gut ausgebildet, die Meute besteht im Bild (Ausschnitt?) „nur“ aus Windhunden. <br />Jagdhunde sollen sich heutzutage durch <span style="font-style:italic">dosierte Wildsch&#228;rfe,</span> d. h. Angriffslust oder mutiges Verhalten gegen&#252;ber dem Wild, Schussfestigkeit (Gleichg&#252;ltigkeit bei der Abgabe von Sch&#252;ssen aus n&#228;chster N&#228;he) und Vertr&#228;glichkeit mit Artgenossen auszeichnen- Eigenschaften, die zum Teil auch im Bild zum Ausdruck kommen.</p>
<p>Auch ein professioneller J&#228;ger oder Ausbilder bzw. Z&#252;chter von Jagdhunden, der mit der Psyche dieser Tiere, mit ihren nat&#252;rlichen Instinkten vertraut ist, wird wohl nicht verkennen, dass das Verhalten dieser Hunde &#252;ber eine gute Abrichtung hinausgeht. Das begehrenswerte Objekt zeigt keinerlei Spuren von Angst oder Panik- es k&#246;nnte seine Lage sogar genie&#223;en, still von der Macht &#252;ber die anderen zu kosten, auch eine Art Gleichnis f&#252;r menschliches Verhaltens, das uns hier auf der Metaebene ausgesandt wird?</p>
<p><span style="font-weight:bold">V. </span><br />Ein Windhund konnte ebenfalls bei einer <span style="font-style:italic"><a href="http://www.zeno.org/Pierer-1857/A/Parforcejagd"> Parforcejagd</a><br /></span> eingesetzt werden, die bereits den Normannen bekannt war. Oben sprachen wir bereits davon, dass ein N&#228;he zu barocken Bildteppichen angenommen wird, Parforce-Jagden hatten ihren H&#246;hepunkt im 17./18. Jahrhundert. Auf diesen Jagden zu Pferde hetzte man das Wild solange, bis es ermattet war und von den J&#228;gern gestellt werden konnte. Nach ihrem Zielwild wurden die Perforcehunde in Hirschhunde (Canes cerviciis), Hunde f&#252;r die Damhirschjagd (Canes damariciis), Fuchs- (Canes vulperettis) und Hasenhunde (Canes herethioris) eingeteilt. Gro&#223;, kr&#228;ftig und sehr gehorsam jagten sie stets in der gro&#223;en Meute und frei zwischen den Pferden, angef&#252;hrt vom „Kopfhund“ (Hund mit besonders guter Nase). Ihr Hetzlaut – ein spezieller Ton- zeigte an, dass sie sich hinter dem gejagten Wild befanden. <br />Die schnellsten Hunde bekamen wahrscheinlich ein St&#252;ck <span style="font-style:italic">Tuch</span> od. einen <span style="font-style:italic">Riemen</span> (Cravate) angeh&#228;ngt, um ihren Lauf zu hemmen- in unserem Bild tr&#228;gt der rechte Hund ein <span style="font-weight:bold">Halsband</span>, vielleicht ein Hinweis auf eine <span style="font-style:italic">Perforcejagd</span>? Aber von Hetze keine Spur- also nicht besonders bildrelevant.</p>
<p><span style="font-weight:bold">VI.</span><br />Ein wertvolles <span style="font-style:italic">Lederhalsband mit Kordel/ Quaste</span> am Hals des rechten Hundes k&#246;nnte also auf eine h&#246;fische Jagd deuten. <br />Mittelalterliche Bildteppiche vom Oberrhein, die Wildleute und/ oder Fabeltiere zeigen, spiegeln beispielsweise Aufforderungen, ein Leben nach h&#246;fischen Gesetzen zu leben, wieder. Die wilden Gestalten stehen f&#252;r das h&#246;fisch-ritterliche Ideal, dem der Betrachter nacheifern soll. Wem soll der Betrachter hier in unserem Bild nacheifern? Erlaubt sich diese Frage &#252;berhaupt, wenn es sich „nur“ um einen „Bildausschnitt“ handelt? Wir unternehmen hier einfach k&#252;hn den Versuch, auch in diesem Bedeutungsumfeld zu forschen. <br />K&#246;nnten die drei gut ausgebildeten Hunde, die sich nicht an der Jagdbeute vergreifen, f&#252;r „<span style="font-weight:bold">zuht</span>“- Erziehung nach festen Regeln, Anstand, Wohlerzogenheit des Ritters, der bei Hofe zuverl&#228;ssigen Dienst tut/ f&#252;r „<span style="font-weight:bold">mâze</span>“- ein ma&#223;volles Leben, Zur&#252;ckhaltung/ f&#252;r „<span style="font-weight:bold">triuwe</span>“- Treue/ f&#252;r „h&#246;veschkeit“- H&#246;fischkeit, H&#246;flichkeit oder/ und „<span style="font-weight:bold">diem&#252;ete</span>“- Demut stehend?<br />Wir wissen es nicht, aber es erscheint zumindest denkbar, genauso wie die Bejahung der Frage nach der N&#228;he des Bildes zu ber&#252;hmten h&#246;fischen Liebesallegorie-Teppichen des Mittelalters oder des 17./ 18. Jh., will man die Gesten der Tiere als Symbole menschlicher Gesten, als verstecktes Liebesspiels (mit sadomasochistischen Ankl&#228;ngen) ausdeuten? Also z&#228;rtlich &#8211; derbe Liebesbisse am Hals des Hirsches?</p>
<p>Auch zahlreiche Liebesallegorien derselben Provenienz zeugen davon. Ich gehe nicht davon aus, dass der K&#252;nstler in naiver Art und Weise eine realistische Szene unbewusst verkl&#228;rte oder in Unkenntnis des nat&#252;rlichen Jagd- und Beuteverhaltens von Tieren malte. Das begehrenswerte Objekt zeigt keinerlei Spuren von Angst oder Panik- es k&#246;nnte seine Lage sogar genie&#223;en, still von der Macht &#252;ber die anderen zu kosten, auch eine Art Gleichnis f&#252;r menschliches Verhaltens, das uns hier auf der Metaebene ausgesandt wird?</p>
<p>Alles in allem also eine bewusst verkl&#228;rte Darstellung, ev. aus der Zeit des Barock (in barocken Schl&#246;ssern waren Tapisserien mit Jagdszenen beliebt) oder einer sp&#228;teren, vielleicht romantischen Richtung (Gedicht s.o.)? Die Jagd nach dem Tier als Gleichnis f&#252;r das Streben nach romantischem Wunsch- und Traumerleben? Wir haben uns einigen Deutungsm&#246;glichkeiten angen&#228;hert- letztendlich liegt es im Auge des Betrachters, was er hier erlebt, empfindet und sieht. Ich w&#252;rde nun jedoch zugern wissen, wer dieses Bild wann gemalt hat, wie es hei&#223;t und ob es sich um einen Bildausschnitt handelt.<br />
<blockquote>&#8220;Es z&#228;hlt doch nur, was nicht gewusst wird&#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p> (Michael Perkampus)<br />In diesem Sinne bleibt die Neugier erhalten&#8230;</p>
<p><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100109/zaertliche-bisse-aufloesung-recherche-1/">Zur Aufl&#246;sung</a></p>]]></content:encoded>
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		<title>Z&#228;rtliche Bisse? (2)</title>
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		<pubDate>Thu, 31 Dec 2009 00:00:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[II.Die k&#252;nstlerisch betonte, feine Physiognomie der Wind(?)hunde (feine Pinselstriche), ihr graziler K&#246;rperbau, die beschriebenen Gesten unterstreichen symbolisch, dass es dem K&#252;nstler anscheinend nicht um das Wilde, Blutr&#252;nstige, Animalische oder Brutale einer Jagdszene ging. Worum ging es ihm? Vielleicht wird uns &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091231/zaertliche-bisse-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><center><a target='_blank' href='http://img686.imageshack.us/i/stagkrev.jpg/'><img src='http://img686.imageshack.us/img686/6069/stagkrev.th.jpg' border='0'/></a></center></p>
<p><b>II.</b><br />Die k&#252;nstlerisch betonte, feine Physiognomie der Wind(?)hunde (feine Pinselstriche), ihr graziler K&#246;rperbau, die beschriebenen Gesten unterstreichen symbolisch, dass es dem K&#252;nstler anscheinend nicht um das Wilde, Blutr&#252;nstige, Animalische oder Brutale einer <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091230/zaertliche-bisse-1/">Jagdszene</a> ging. Worum ging es ihm? Vielleicht wird uns deutlicher, wenn wir andere Jagdszenen vergleichend heranziehen:</p>
<p><center><a target='_blank' href='http://img63.imageshack.us/i/hamiltonhirschhetzeb.jpg/'><img src='http://img63.imageshack.us/img63/4009/hamiltonhirschhetzeb.th.jpg' border='0'/></a></center></p>
<p>Was f&#252;r Unterschiede!<br />Im Vergleich mit <b>Johann Georg de Hamiltons</b> <i>&#8220;Hirschhetze&#8221;</i>von 1710 (s.o.), und im Vergleich mit vielen &#228;hnlichen Jagdszenen aus feudaler Zeit, sollte das Besondere des eingangs vorgestellten Bildes noch deutlicher werden. Wir sind es gewohnt, auf Jagdbildern Wald, J&#228;ger und jagende Hundemeuten, gehetztes Wild zu sehen- oder das erlegte Wild, die feine Jagdgesellschaft- nicht aber das jagende Tier im Mittelpunkt des Geschehens, das bestimmte Aufgaben zu „erf&#252;llen“ hat, gut abgerichtet und dressiert seiner Bestimmung folgt oder das gar in einer psychologischen Tierstudie verwurzelt ist.</p>
<p>Doch was wollte der unbekannte K&#252;nstler hier wirklich ausdr&#252;cken? </p>
<p><i>Vermenschlichung&#8230;?</i> Die Tiere bilden merkw&#252;rdigerweise auch so etwas wie eine homogene Gruppe, ein Rudel, eine Gemeinschaft, wenngleich auch aus sehr unterschiedlichen Wesen. Steht der Hirsch nicht wie eine (begehrenswerte) Leitfigur in ihrer Mitte, legt nicht der rechte Hund seine Tatze vertrauensvoll auf dessen Schulter, ber&#252;hrt der linke Hund nicht scheinbar mit gesenktem Kopf liebevoll seine Schnauze und erwartet der Hund in der linken Ecke nicht sehns&#252;chtig die Zuwendung des Hirsches (wie die eines Herrchens) von oben. Also doch eine symbolische <i>Genreszene</i>?</p>
<p><b>III.</b><br />Vorgestellte Mimik und Gestik bringen mich allerdings darauf, auch in Richtung eines anderen Kontextes zu suchen:</p>
<blockquote><p>&#8220;Wie ein Hirsch sich sehnt nach frischer Quelle, so verlangt meine Seele nach dir, o Gott. (* Psalm 42, 2)</p></blockquote>
<p>Im fr&#252;hen Christentum gewann das Tier neue Symbolkr&#228;fte. In der Tradition des Alten Testamentes, war beispielsweise der <i>Durst des Hirsches ein Zeichen f&#252;r die Sehnsucht der Menschen nach Gott</i>, stand f&#252;r das Verlangen nach der Taufe. Der <i>Hund</i> hingegen stand f&#252;r <i>Treue und Wachsamkeit</i>. <br />In der christlichen Ikonographie wird der Hirsch sowohl als Symbol f&#252;r <i>Christus</i>, als auch f&#252;r die <i>Apostel bzw. die gl&#228;ubigen &#8220;J&#252;nger&#8221;</i>angesehen. Versammeln sich auf unserem Bild die gl&#228;ubigen J&#252;nger um die Christusgestalt in Form von Symboltieren oder soll mit ihnen eher die <i>Bedrohung/ Hetze des Erl&#246;sers (Hirsch)</i> durch <i>ungl&#228;ubige Heiden/ antike Herrscher ( Juden?)</i> ausgedr&#252;ckt werden?<br />Deutet man die Blicke der Tiere voller <i>Ehrfurcht und Anbetung</i>, stehen die Hunde dann nicht f&#252;r die J&#252;nger/ Apostel sondern f&#252;r die Heiden, die gerade von Christi (Hirsch) bekehrt werden? (s.u.<b>*1</b>) </p>
<p>Die N&#228;he zu christlicher Ikonographie bleibt Spekulation, da wir noch keinerlei Angaben zum Bild besitzen.</p>
<p><center>____________________________</center></p>
<p><b>*1</b> Und schlie&#223;lich: Im <i>Physiologus</i> t&#246;tet ein Hirsch einen Drachen, indem er ihn mit Quellwasser bespeit und dann niederschl&#228;gt- ein Symbol f&#252;r die &#220;berwindung des B&#246;sen, als Sieg Christi gegen&#252;ber dem Teufel (weil er ihn mit himmlischem Wasser t&#246;tete). Aus der allegorischen Gleichsetzung von Hirsch und Christus bzw. von Schlange /Drache mit dem Teufel wurde die Hirschjagd immer wieder als die Verfolgung Christi durch den ungl&#228;ubigen Heiden interpretiert, der Hirsch als Symbol der Sehnsucht nach Gott, nach dem rechten Leben und dem wahren Glauben.<br />In dieser Bedeutung finden sich im Mittelalter einige Reliefs und Mosaikdarstellungen der Hirschjagd.</p>
<p><i><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100101/zaertliche-bisse-3/">Fortsetzung folgt</a></i></p>]]></content:encoded>
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		<title>Z&#228;rtliche Bisse? (1)</title>
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		<pubDate>Tue, 29 Dec 2009 23:34:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Julia</dc:creator>
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		<description><![CDATA[Der J&#228;ger Was Segeln der W&#252;nsche durch luftige H&#246;h&#8217;! Was bildendes Tr&#228;umen im bl&#252;henden Klee! Was Hoffen und Bangen, was Schmachten, was Weh! Und rauscht nicht die Erde in Bl&#252;ten und Duft? Und schreitet nicht H&#246;rnerklang k&#252;hn durch die Luft? &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091230/zaertliche-bisse-1/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Der J&#228;ger</strong></p>
<p><span style="font-style: italic">Was Segeln der W&#252;nsche durch luftige H&#246;h&#8217;!<br />
Was bildendes Tr&#228;umen im bl&#252;henden Klee!<br />
Was Hoffen und Bangen, was Schmachten, was Weh!</span></p>
<p>Und rauscht nicht die Erde in Bl&#252;ten und Duft?<br />
Und schreitet nicht H&#246;rnerklang k&#252;hn durch die Luft?<br />
Und st&#252;rzet nicht jauchzend der Quell von der Kluft?</p>
<p>Drum jage Du frisch auch Dein fl&#252;chtiges Reh<br />
Durch W&#228;lder und Felder, durch T&#228;ler und See,<br />
Bis Dir es erm&#252;det in Armen vergeh&#8217;!</p>
<p>Joseph von Eichendorff (1788- 1857)</p>
<blockquote><p>&#8220;Es z&#228;hlt doch nur, was nicht gewusst wird&#8230;&#8221;</p></blockquote>
<p>(Michael Perkampus)</p>
<p>Die Neugier auf das Unbekannte ist es, was den Menschen vorantreibt.<br />
Mir geht ein kleines, noch unbekanntes, Bild nicht aus dem Sinn:</p>
<p><a title="ImageShack - Image And Video Hosting" href="http://img692.imageshack.us/i/jagdunbekannt.jpg/" target="_blank"><img src="http://img692.imageshack.us/img692/125/jagdunbekannt.jpg" border="0" alt="" /></a></p>
<p>F&#252;r Jagdszenen interessiere ich mich, zugegebenerma&#223;en, eigentlich nicht sonderlich. Dieses Kunstwerk scheint eine Ausnahme zu sein, es fesselt mich, ich m&#246;chte es ergr&#252;nden. Die Suche nach einem unbekannten Bild macht es nat&#252;rlich noch spannender, denn weder K&#252;nstler, Bildtitel, Entstehungsjahr, noch Originalma&#223;e oder Technik sind mir bekannt. Ich fand es unbeschriftet in einem <a href="http://bp0.blogger.com/_JigBVpS4jm8/SGm7zA_xP8I/AAAAAAAACJU/2RqhlItN5l8/s1600-h/stag_k-REV.jpg"> Blogg </a> und erhoffe diese Angaben noch zu erhalten.</p>
<p><strong>I.</strong><br />
Zun&#228;chst stellt sich die Frage, ob uns hier der Ausschnitt eines gr&#246;&#223;eren Bildes vorliegt oder ob es sich bei dieser Darstellung um eine kleine eigenst&#228;ndige Szenerie handelt.<br />
In der hochformatigen Abbildung sind neben einem in Dreiviertelansicht stehenden, hellbraunen Hirsch drei wei&#223;e Hunde zu sehen, die ihre Jagdbeute aus verschiedenen Richtungen umzingeln und auf den Betrachter zuzukommen scheinen.<br />
In n&#228;chster N&#228;he zu ihrer Beute stehend, hat man- und das ist wahrscheinlich auch das Frappierende an diesem Bild- dennoch nicht den Eindruck, dass die J&#228;ger dem Hirsch sonderlich &#8220;schaden&#8221;, &#8220;drohen&#8221; bzw. dass sie festsetzen werden, noch erscheint der Hirsch &#252;berhaupt als Beutetier. Der Betrachter muss sich schon M&#252;he geben, um &#252;berhaupt zu entdecken, dass entweder der linke (mit leicht r&#246;tlich gef&#228;rbter Schnauze) oder der rechte Hund ihm eine Bisswunde zugef&#252;gt hat, die mit einer d&#252;nnen Blutspur, eher dekorativ &#252;ber den Hals des Hirsches spritzt.<br />
Der junge, kr&#228;ftig gebaute Hirsch zeigt ansonsten keinerlei Spuren von Kampf, Hetze oder witternder Gefahr- im Gegenteil- die Runde wirkt, in menschlichen Kategorien ausgedr&#252;ckt, beinahe friedlich, spielerisch- ja, man k&#246;nnte meinen- beinahe z&#228;rtlich. Vermenschlichte Mimik und Gestik der vier Tiere tragen ein &#220;briges dazu bei, dass man sich in einer intimen Situation wiederzufinden scheint, in der Z&#228;rtlichkeit und Gewalt eng beieinander liegen. Die Hunde kl&#228;ffen nicht, keiner zeigt eine Bei&#223;haltung und selbst die Pfote des rechten Hundes am Hals des Hirsches liegt eher vertraulich an, als dass sie zupacken oder rei&#223;en w&#252;rde. Der rechte Hund blickt die Beute sehns&#252;chtig von unten an, &#228;hnlich wie der Hund in der linken unteren Bildecke, der dem Hirsch mit ausgestrecktem Hals, aber mit geschlossenem Maul entgegen kommt.</p>
<p>Eine sonderbare Darstellung, deren Deutung nicht auf der Hand liegt. Wurden hier Genre- Bilderfahrungen einfach auf die Tierwelt &#252;bertragen?<br />
Oder- k&#246;nnte dies- n&#252;chterner betrachtet- einfach der Blick auf das begehrte Jagdopfer sein, der uns hier vorgef&#252;hrt wird? Der gut dressierte Jagdhund darf sich nicht an der Beute vergehen, er muss sich entgegen seinen Instinkten zur&#252;ckhalten. Hier im Bild k&#246;nnte also vermutlich auch der innere Kampf dieser Hunde sichtbar gemacht worden sein.</p>
<p><em><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091231/zaertliche-bisse-2/"></a><a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20091231/zaertliche-bisse-2/">Fortsetzung</a></em></p>]]></content:encoded>
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