<?xml version="1.0" encoding="UTF-8"?>
<rss version="2.0"
	xmlns:content="http://purl.org/rss/1.0/modules/content/"
	xmlns:wfw="http://wellformedweb.org/CommentAPI/"
	xmlns:dc="http://purl.org/dc/elements/1.1/"
	xmlns:atom="http://www.w3.org/2005/Atom"
	xmlns:sy="http://purl.org/rss/1.0/modules/syndication/"
	xmlns:slash="http://purl.org/rss/1.0/modules/slash/"
	>

<channel>
	<title>Die Veranda &#187; poesie</title>
	<atom:link href="http://veranda.michaelperkampus.net/tag/poesie/feed/" rel="self" type="application/rss+xml" />
	<link>http://veranda.michaelperkampus.net</link>
	<description>literarisches Weblog/poetisches Hauptquartier</description>
	<lastBuildDate>Sun, 05 Sep 2010 10:57:30 +0000</lastBuildDate>
	<language>en</language>
	<sy:updatePeriod>hourly</sy:updatePeriod>
	<sy:updateFrequency>1</sy:updateFrequency>
	<generator>http://wordpress.org/?v=3.0.1</generator>
<xhtml:meta xmlns:xhtml="http://www.w3.org/1999/xhtml" name="robots" content="noindex" />
		<item>
		<title>Von der kleinen alchimie</title>
		<link>http://veranda.michaelperkampus.net/20100827/von-der-kleinen-alchimie/</link>
		<comments>http://veranda.michaelperkampus.net/20100827/von-der-kleinen-alchimie/#comments</comments>
		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 11:32:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Perkampus</dc:creator>
				<category><![CDATA[journal]]></category>
		<category><![CDATA[literatur]]></category>
		<category><![CDATA[poesie]]></category>
		<category><![CDATA[Sprache]]></category>
		<category><![CDATA[surrealismus]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://veranda.michaelperkampus.net/?p=6373</guid>
		<description><![CDATA[Es sind die gesteckten grenzen, die mich interessieren. Mit der sprache sind wir noch nicht am ende. Die literatur kann uns alles &#252;ber wahrnehmung sagen, &#252;ber beobachtung. Weder interessiert mich die unterdr&#252;ckung anderer, noch die unterdr&#252;ckung des eigenen selbst. Puritanische &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100827/von-der-kleinen-alchimie/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Es sind die gesteckten grenzen, die mich interessieren. Mit der sprache sind wir noch nicht am ende. Die literatur kann uns alles &#252;ber wahrnehmung sagen, &#252;ber beobachtung. Weder interessiert mich die unterdr&#252;ckung anderer, noch die unterdr&#252;ckung des eigenen selbst. Puritanische werte wie konkurrenzdenken, ordnung und selbstkontrolle laufen der natur des menschen v&#246;llig zu wider, sind pathologisch.</p>
<p>Wir erkaufen unsere heutige auffassung von der wirklichkeit zu einem astronomischen preis. Vor jahrzehnten mag das noch als prophetisch gegolten haben, jetzt aber erleben und leben wir die katastrophe, die ja auch in dem, was sprache ist und soll, was schlussendlich die literatur angeht, kein halten kennt. Andere k&#252;nste m&#246;gen sich da besser befreit haben, mutiger gewesen sein (und das trotz aller literarischen errungenschaften und experimente). Es liegt nahe: ein gem&#228;lde wird nicht von justiz, industrie und politik missbraucht, um in konkurrenz mit dem k&#252;nstler zu treten. Sicher werden bilder anders und auch vergewaltigt, aber das gem&#228;lde, die plastik, die musik usw. werden nicht in s&#228;mtliche menschlichen niederungen gezerrt, mit ihnen wird die bourgeoisie keinen kampf um weltbilder fechten. Die literatur aber ist nicht so frei. Daf&#252;r aber f&#252;rchtet man sie mehr, sie kann wesentlich verst&#246;render in uns w&#252;ten. Die sprache n&#228;mlich ist die ursubstanz innerer bilder. Sogesehen ist jedes bildnis <em>nur</em> ein platonisches. Ich habe absichtlich nicht den film erw&#228;hnt, denn f&#252;r mich ist er eine kunstform, die sich in seinen gelungensten f&#228;llen der sprache der literatur bedient. Trotzdem musste der n&#228;hrboden f&#252;r den erfolg dieser kunstform erst erschaffen werden, er geht hand in hand mit der zerst&#246;rung unserer pers&#246;nlichen imagination &#8211; mit der zerst&#246;rung der sprache als poesie.</p>
<p>Im privaten bereich &#252;berlebte das partizipierendes bewusstsein (oder nennen wir es die alchimistische dialektik) in tr&#228;umen und in der psychose. &#214;ffentlich hat es nur eine dom&#228;ne: die surrealistische kunst. &#220;ber 99% der menschheitsgeschichte waren verzaubert, und der mensch sah sich selbst als einen dazugeh&#246;rigen teil. Die v&#246;llige umkehrung dieser vorstellung in nur etwa 400 jahren hat die kontinuit&#228;t der menschlichen erfahrung und die integrit&#228;t der menschlichen psyche zerst&#246;rt. Sie hat ebenfalls beinahe den planeten vernichtet. Es hat seinen grund, warum gerade der surrealismus zum erfolgreichsten &#8220;kunstkonzept&#8221; avancierte.</p>
<blockquote><p>&#220;ber das geheimnis kann man nicht sprechen,</p></blockquote>
<p>sagte rené magritte,</p>
<blockquote><p>man muss von ihm ergriffen werden.</p></blockquote><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Skizze Brief 1 (07. 09. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090907/skizze-brief-1/">Skizze Brief 1</a> (07. 09. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://veranda.michaelperkampus.net/20100827/von-der-kleinen-alchimie/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Begleitender Brief DTDS (12)</title>
		<link>http://veranda.michaelperkampus.net/20100216/begleitender-brief-dtds-12/</link>
		<comments>http://veranda.michaelperkampus.net/20100216/begleitender-brief-dtds-12/#comments</comments>
		<pubDate>Tue, 16 Feb 2010 13:55:08 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Perkampus</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>
		<category><![CDATA[poesie]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://veranda.michaelperkampus.net/?p=1593</guid>
		<description><![CDATA[Die Tafeln des Symballousa: &#8220;Ich will immer daran denken, dass Literatur auf der H&#246;he wissenschaftlicher Erkenntnis spielt. Dann ist poesie die sprache im grunde. Ich erforsche mich, wenn ich schreibe. Die welt wird da nicht mitgenommen. Was vor zweihundert jahren &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100216/begleitender-brief-dtds-12/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Die Tafeln des Symballousa:<br />
<em>&#8220;Ich will immer daran denken, dass Literatur auf der H&#246;he wissenschaftlicher Erkenntnis spielt. Dann ist poesie die sprache im grunde. Ich erforsche mich, wenn ich schreibe. Die welt wird da nicht mitgenommen. Was vor zweihundert jahren erneuert und gewusst wurde, ist heute ganz genauso neu, als g&#228;be es kein dazwischen; die leute verwundern sich, was in meinem spiel zu finden ist. Was durch meinen apparat flie&#223;t, ist mir erkennen, dass etwas schreibt. Wom&#246;glich schreiben mehrere perkampus gleichzeitig dasselbe. War ich da und schrieb? War ich nur da, weil ich schrieb? Bin ich weil ich schreibe?<br />
Schreiben; der fokus fl&#252;chtiger gedanken, die unm&#246;glichkeit des reinen bildes, schreiben als ver&#228;nderung des erinnerten. Systemdenken ist reine buchst&#228;blichkeit, der lebende geist ist auf der seite des fragmentarischen witzes zu finden. Au&#223;erdem zielt die autonome individualit&#228;t des fragments auf unendlichkeit. Meine poesie neigt zur verr&#228;tselung und hermetik, sie denkt sich den idealleser als hermeneutisch geschulten leser, der die rolle des erweiterten autors einnimmt. Die imagination des autors rechnet mit derjenigen des lesers. Beide leistungen, das schreiben und das lesen poetischer texte beruhen auf h&#246;chst komplizierten psychischen operationen, die wechselseitig aufeinander bezogen bleiben und dem akt der halluzination gleichen.<br />
Das meer macht keinen punkt (aber klammern und kursiva, die sprachfetzen kommen aus dem nichts, denn da ist ja nichts, wo alles her kommt).&#8221;</em></p><p class="postmetadata">Im Rückspiegel:&nbsp;<a title="Kopernikanische Wende (21. 02. 2009)" rel="bookmark" href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090221/kopernikanische-wende/">Kopernikanische Wende</a> (21. 02. 2009)<!-- wprvm cached --></p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://veranda.michaelperkampus.net/20100216/begleitender-brief-dtds-12/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Begleitender Brief DTDS (10)</title>
		<link>http://veranda.michaelperkampus.net/20100102/begleitender-brief-dtds-10/</link>
		<comments>http://veranda.michaelperkampus.net/20100102/begleitender-brief-dtds-10/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 02 Jan 2010 16:10:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Perkampus</dc:creator>
				<category><![CDATA[poetik]]></category>
		<category><![CDATA[poesie]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://veranda.michaelperkampus.net/20100102/begleitender-brief-dtds-10/</guid>
		<description><![CDATA[Warum sollte es nicht m&#246;glich sein, ein labyrinth zu formen! Wer das sprache-sein entschl&#252;sselt, hat den menschen entschl&#252;sselt. Man kann den zufall nicht darstellen, denn in dem man das anstrebt, h&#228;lt man bereits willentlich die nichtdurchf&#252;hrbarkeit des experiments in der &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20100102/begleitender-brief-dtds-10/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Warum sollte es nicht m&#246;glich sein, ein labyrinth zu formen! Wer das sprache-sein entschl&#252;sselt, hat den menschen entschl&#252;sselt.<br />
Man kann den zufall nicht darstellen, denn in dem man das anstrebt, h&#228;lt man bereits willentlich die nichtdurchf&#252;hrbarkeit des experiments in der hand. Auch wenn man machen kann was man will, hat das nicht etwas mit chaos zu tun. In einem chaos, in einem zufall k&#246;nnen wir uns gar nicht artikulieren. S&#228;mtliche widerspr&#252;che w&#228;ren momentan und unverg&#228;nglich.<br />
Schreibe ich<br />
ich gehe und ich gehe auch gleichzeitig nicht<br />
entsteht bereits die poesie der unaufl&#246;sbarkeit, der unendlichkeit.<br />
Ich bin ein bettler und deshalb k&#246;nig.<br />
Die T&#252;r war aus metall weil sie aus holz war.<br />
Nur so gelingt es, dem irrsinn ausdruck zu verleihen. Konstrukt, relation. Daran werden wir kaputt gehen. Die liebe ist ohne wenn und aber. Weder ist sie relativ noch statisch, und &#228;hnelt deshalb der geisteskrankheit. Etwas unverbindliches will sich verbinden &#8211; und scheitert bis in alle ewigkeit. Nur so entsteht poesie.<br />
Wenn die poesie nun das eigentlich sch&#246;ne ist &#8211; und damit meine ich nicht ausschlie&#223;lich die literatur, ist sie &#252;berall zu finden, und es kommt nicht darauf an, wie sie dargestellt wird. Die poesie und die liebe, das ist alles, was mich in meiner arbeit interessiert.</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://veranda.michaelperkampus.net/20100102/begleitender-brief-dtds-10/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>1</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Wirklichkeit und Gegenteil</title>
		<link>http://veranda.michaelperkampus.net/20090530/wirklichkeit-und-gegenteil/</link>
		<comments>http://veranda.michaelperkampus.net/20090530/wirklichkeit-und-gegenteil/#comments</comments>
		<pubDate>Sat, 30 May 2009 09:11:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Perkampus</dc:creator>
				<category><![CDATA[journal]]></category>
		<category><![CDATA[poesie]]></category>
		<category><![CDATA[seneca]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://veranda.michaelperkampus.net/20090530/wirklichkeit-und-gegenteil/</guid>
		<description><![CDATA[Wenn wir von Zeit reden, reden wir auch von der Wirklichkeit. Wir k&#246;nnen sagen, Wirklichkeit ist das, was wirkt – und h&#228;tten damit nichts gesagt, wir h&#228;tten einfach nur auf eine banale Faktizit&#228;t verwiesen. Wirklichkeit ist vielmehr das, was auf &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090530/wirklichkeit-und-gegenteil/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir von Zeit reden, reden wir auch von der Wirklichkeit. Wir k&#246;nnen sagen, Wirklichkeit ist das, was wirkt – und h&#228;tten damit nichts gesagt, wir h&#228;tten einfach nur auf eine banale Faktizit&#228;t verwiesen.<br />
Wirklichkeit ist vielmehr das, was auf die richtige Weise geschieht und das setzt voraus, da&#223; es einen bereits geschehenen Akt erneuert. Nat&#252;rlich will ich auf den Mythos hinaus. Die richtige Weise kann nur eine zeit&#252;bergreifende G&#252;ltigkeit meinen, Wiederholung ist demzufolge ein Ritual. Wiederholung ist jedoch nur dann ein Ritual, wenn die damit verbundene Aktion einen klar umrissenen Sinn aufweist, sich also auf ein mythologisches Vorbild beruft.<br />
Nun aber ist die Wirklichkeit vielmehr durch ihr Gegenteil zu begreifen. Es ist oft so, dass man erst durch den Antipoden den eigentlichen Sinn umrei&#223;t – und oh wie oft wissen wir den Gegenpart gar nicht zu benennen. Man mag also schnell bei der Hand sein und sagen: Das Gegenteil von Wirklichkeit sei allemal die Phantasie. Damit aber, das wird man wissen, sagt man, da&#223; die Welt, wie sie ist, nicht wirkt, denn die Phantasie hat uns die Welt so gestaltet. Ich will es aber nennen, ich will sagen: Das Gegenteil von Wirklichkeit ist das Profane, das Belanglose, das Fl&#252;chtige. Ein fl&#252;chtiger Schmerz ist keiner, eine fl&#252;chtige Liebe ist keine… Das Gegenteil der Wirklichkeit ist all das Arme, das ohne mythische Vorbilder auskommen mu&#223;.</p>
<p>Das Zeitverst&#228;ndnis der Antike war ein zyklisches, ein r&#252;ckw&#228;rts gewandtes, aus dem sich die Zeitstr&#228;nge in die Jetztzeit emporschwingen, aus der &#220;berlieferung, aus dem Urgrund l&#228;sst sich alles ableiten, die Zukunft verhei&#223;t hier nur den Untergang – da wird die Zeit zu Ende sein, der Zusammenbruch ist nahe, alles versinkt, um neu zu erstehen. Oh ja – dort brennt bereits der Horizont und nur die Urflut wird die Flammen l&#246;schen, aber nur, um das ganze Universum zu &#252;berschwemmen. Doch zyklisch meint eben: Der Spatz wird wieder fliegen und ein kleines Gr&#252;n ragt wieder vor, um alles neu zu beginnen. In diesem Sinne feierte man Hochzeit, Geburt, ein neues Jahr, und &#252;berhaupt jedes Ereignis, denn es ist wortwahr ein Zyklus.<br />
Ist aber nun unsere Zeit gefragt, so wird man leicht erkennen, da&#223; die emotionale Besetzung die Zeitachse geradezu umdreht. Da ragt die Zukunft als ein neues Ereignis in die Luft, ein F&#252;llhorn geradezu – wir sehen ja nur dem Besseren entgegen, da vorne liegt das mit zimtenen Griesbrei umfriedete Schlaraffenland. Die Zukunft ist kein seit Urzeiten vorbestimmtes Schicksal, tr&#228;gt nicht das Gewandt verg&#228;nglichen Moders, sondern ist ein Spielraum von Freiheit, beeifert den Modus der M&#246;glichkeit – und diese M&#246;glichkeit ist eben auch – das Gegenteil von Wirklichkeit, in diesem Falle eine seelenlose Tatsache. Dann, noch etwas weiter – wir &#252;berschreiten diese Grenze – es ist JETZT – wir gehen hindurch, und: Das M&#246;gliche wird Geschichte und verbleibt auf ewig unver&#228;ndert hinter uns zur&#252;ck. Und Fakt wird Tod. Was sich nicht mehr &#228;ndern l&#228;sst, steht still, erstarrt und Stillstand ist freilich der Tod.<br />
Mit Seneca rufen wir hinunter ins Tal:</p>
<blockquote><p>„Darin t&#228;uschen wir uns n&#228;mlich, dass wir den Tod vor uns sehen: Zu einem gro&#223;en Teil ist er schon vorbeigegangen. Alles, was von der Lebenszeit hinter uns ist, hat der Tod in Besitz.“</p></blockquote>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://veranda.michaelperkampus.net/20090530/wirklichkeit-und-gegenteil/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>0</slash:comments>
		</item>
		<item>
		<title>Erz&#228;hlen</title>
		<link>http://veranda.michaelperkampus.net/20090524/erzaehlen-2/</link>
		<comments>http://veranda.michaelperkampus.net/20090524/erzaehlen-2/#comments</comments>
		<pubDate>Sun, 24 May 2009 10:18:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Perkampus</dc:creator>
				<category><![CDATA[journal]]></category>
		<category><![CDATA[edgar allan poe]]></category>
		<category><![CDATA[felix karlinger]]></category>
		<category><![CDATA[friedrich schlegel]]></category>
		<category><![CDATA[gian battista basile]]></category>
		<category><![CDATA[hawthorne]]></category>
		<category><![CDATA[herodot]]></category>
		<category><![CDATA[odysseus]]></category>
		<category><![CDATA[poesie]]></category>
		<category><![CDATA[roman]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>

		<guid isPermaLink="false">http://veranda.michaelperkampus.net/20090524/erzaehlen-2/</guid>
		<description><![CDATA[Schriften zur Literatur Der Roman, der noch von Friedrich Schlegel als Universalpoesie gedacht wurde, innerhalb der Romantik aber kaum wirklich als solche durchschlug, dort n&#228;mlich nur den Grundstein f&#252;r das legte, was der Postmoderne dann hier und dort tats&#228;chlich gelang, &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090524/erzaehlen-2/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><span style="font-size: 85%;">Schriften zur Literatur</span></p>
<p>Der Roman, der noch von Friedrich Schlegel als Universalpoesie gedacht wurde, innerhalb der Romantik aber kaum wirklich als solche durchschlug, dort n&#228;mlich nur den Grundstein f&#252;r das legte, was der Postmoderne dann hier und dort tats&#228;chlich gelang, ist niemals eine Gattung gewesen, die poetisch ernst zu nehmen war. Im besten Fall ist der Roman ein Album, in dem Gedichte, Essays, Erz&#228;hlung, Dialog (Drama) und weiteres mehr, vermischt werden. Wenn man den Roman ablehnt, so nur deshalb, weil es ihn eigentlich nicht gibt, weil ein Roman nur das ist, was als Roman etikettiert wird. Es mag oberfl&#228;chlich erscheinen, wenn ich hier behaupte, da&#223; man den Roman in seinen Niederungen gerade daran erkennt, weil er von der Masse als haupts&#228;chliches Etikett verwendet wird, weil von der Verlagswirtschaft der Roman streng durchgesetzt wurde (denn nicht der Leser bedarf des Romans). Nat&#252;rlich kann man alle innerhalb eines gewissen Zeitraums angefallenen Fragmente, Skizzen undsoweiter, sammeln und sie unter dem Begriff Roman zusammenfassen. Der Roman ist nichts als ein Album (sic!), dessen Schriften sich manchmal um ein gewisses Thema ranken, schlechterdings ist dieses Album das unn&#246;tige Auswalzen, das geschw&#228;tzige Breittreten von Banalit&#228;ten, rundgelutscht und mit subjektiver Einheitlichkeit angeboten.</p>
<p>Freilich hat man sich auch dazu verstiegen, eine lange Erz&#228;hlung als Roman zu bezeichnen. Der Begriff Roman ist ein marktf&#228;higer Name geworden. Dabei ist anzumerken, da&#223; auch die Kurzformen der Prosa, Novelle, Erz&#228;hlung, Kurzgeschichte, Short Story, ihre Probleme aufzeigen, wenn man sie in ein Korsett zu zw&#228;ngen versucht. Die besten Vertreter einer Gattung sind immer jene, die die aufgezeigten Grenzen sprengen und dar&#252;ber hinaus gehen.</p>
<p>Erz&#228;hlen</p>
<p>Im Anfang war das Wort. Das Wort kommt ohne den Menschen aus. Die Welt allerdings konnte nur dadurch entstehen, da&#223; der Mensch zum homo narrens wurde. Das Erz&#228;hlen ist die Erschaffung der Welt, das Wort lediglich der Urstoff, aus dem die Welt wurde. Das Symbol des Erz&#228;hlens ist der Ouroboros, denn wo immer der Menschengeist es unternommen hat, sich das R&#228;tsel der Weltentstehung verst&#228;ndlich zu machen, wo immer er nach der arché, dem Urstoff forschte, blieb die Suggestivkraft eines Bildes von einem kosmogonischen Urmedium ungebrochen. Dieses Bild ist der Ozean und nicht zuletzt ein Seeungeheuer in Form einer gewaltigen Schlange. Und darin steckt bereits das Erz&#228;hlen. Man erz&#228;hlt sich von einem hermaphroditischen Drachenwurm, der sich zum Kreis schlie&#223;t, indem er seinen eigenen Schwanz verschlingt. Erz&#228;hlungen funktionieren so. Sie kehren wieder in unendlichen (ozeanischen) Variationen.</p>
<p>Dabei ist erz&#228;hlen Kommunikation, ohne jedoch in der Pragmatik zweckbestimmten Mitteilens aufzugehen. Die Funktion dieser Art einer sprachlichen Handlung ist nicht in ein plausibles System zu sperren.<br />
Ein gutes Beispiel ist Herodots Bericht von dem &#196;gypterk&#246;nig Psammenitos, der von dem Perser Kambyses besiegt worden ist. Er mu&#223; mit ansehen, wie seine Tochter als Magd zu dienen hat und wie sein Sohn hingerichtet wird. Beide Male bleibt er unbewegt. Erst als er seinen Diener unter den Gefangenen entdeckt, gibt er seiner allergr&#246;&#223;ten Trauer Ausdruck. Montaigne hat sich gefragt, warum Psammenitos den Anblick seiner eigenen Kinder gefa&#223;t ertrug, nicht aber den seines Dieners. Walter Banjamin sah gerade darin, da&#223; Herodot diese Frage offenlie&#223;, das Kriterium authentischen Erz&#228;hlens.</p>
<p>„Eine Geschichte, indem man sie wiedergibt, von Erkl&#228;rungen freizuhalten“, darin bestehe schon die halbe Kunst der Erz&#228;hlung. Benjamin unterschied das Erz&#228;hlen von dem, was in der Moderne als Nachricht oder Neuigkeit in Umlauf gebracht wird. Wir sind reich an Informationen &#252;ber das Weltgeschehen, aber arm an merkw&#252;rdigen Geschichten aus dem Lauf der Welt. Jeder Reporter, meint Benjamin, w&#252;rde die Geschichte von Psammenitos im Handumdrehen erkl&#228;ren und ihr damit die W&#252;rde einer Erz&#228;hlung rauben. Ist Erz&#228;hlen also eine archaische Praxis, deren Tage gez&#228;hlt sind? Oder l&#228;&#223;t sich deren reine, absichtslose Intensit&#228;t immer wieder neu verwirklichen, so wie dich die Schlange in den Schwanz bei&#223;t?</p>
<blockquote><p>&#8220;M&#228;rchen bestehen eben nicht prim&#228;r aus Texten. Erst die vielseitige Umsetzung eines Sinnzusammenhanges durch das Zusammenspiel von stimmlichen, mimischen und gestischen Ausdrucksmitteln und deren Einbettung in die jeweilige Situation ergeben jene Faszination, die beim Lesen kaum erlebt werden kann.&#8221;<br />
Felix Karlinger</p></blockquote>
<p>In obigem Zitat treffen wir auf das Erz&#228;hlen als eine vorliterarische Form, Erz&#228;hlen als Reden, lange bevor diese verschriftlicht werden kann. All das, was in diesem Zitat angemerkt wird, habe ich selbst oft genug bemerkt. Dann n&#228;mlich, wann immer man sich mit meinen Texten schwer tat, stand ich auf und las sie vor, erz&#228;hlte sie. Die Wirkung ein und desselben Textes war nicht selten verbl&#252;ffend, wenn ich ihn vortrug. Ich nehme an, es liegt an der Melodie, die das Wesen eines jeden Menschen voneinander unterscheidet, um nicht gar zu sagen: Jeder Mensch ist Klang, seine Seele ist Musik, das, was es zu erz&#228;hlen gibt, ist eine Partitur – und die wird von unterschiedlichen Orchestern nun einmal auch unterschiedlich interpretiert. Ich unterscheide mich in erster Linie also von anderen Menschen durch eine eigent&#252;mliche Melodie, in der mein Denken, mein Wesen, mein Erz&#228;hlen steckt.</p>
<p>Ganz am Anfang der Literaturgeschichte, im Erz&#228;hlen des Epos, wird dieses Erz&#228;hlen selber zum Thema der Literatur. Man macht heute ein gro&#223;es Aufsehen &#252;ber das werkimmanente Reflektieren des Erz&#228;hl/Schreibprozesses, man tituliert es als Ausdruck der Moderne. In Wirklichkeit jedoch steht dieses Verfahren nicht auf dem Gipfel unserer Zeit und unserer Auffassung, sondern – wenn man so will, ist es eine R&#252;ckkehr zu den Anf&#228;ngen.<br />
Als Odysseus an den Hof des Phaiakenk&#246;nigs Antinoos gelangt, h&#246;rt er, wie der Rhapsode Demodokos vom Untergang Trojas berichtet: seine eigene Heldentat also. Im achten Buch der Odyssee hei&#223;t es:</p>
<blockquote><p>„Aber Odysseus schmolz hin, und Tr&#228;nen quollen ihm aus den Lidern hervor und benetzten seine Wangen. Und wie eine Frau weint, die sich &#252;ber den eigenen Gatten geworfen, der vor seiner Stadt und den M&#228;nnern seines Volkes gefallen ist (…) – so lie&#223; Odysseus zum Erbarmen unter den Brauen die Tr&#228;ne flie&#223;en.“</p></blockquote>
<p>Der Grund, warum der Held hier weint, ist dieser: Er erf&#228;hrt sein Handeln von einst als ein Tun, in das er jetzt nicht mehr einzugreifen vermag. Er begegnet sich im Erz&#228;hlen als einem Toten. Die Erz&#228;hlung enteignet ihm sein eigenes Leben.<br />
Odysseus entschlie&#223;t sich dann, sein eigenes Leben vorzutragen: Er will seine Lebensgeschichte zur&#252;ckgewinnen. Doch damit beschw&#246;rt er sie Ambivalenzen allen Erz&#228;hlens „aus dem Leben“ herauf: Wer seine eigene Geschichte in Worten fa&#223;t, erz&#228;hlt immer auch etwas anderes als sein Leben; der Erz&#228;hler verf&#252;gt &#252;ber sein Thema niemals souver&#228;n. Im Erz&#228;hlen wird er selber erz&#228;hlt.</p>
<p>Die Theorien des Erz&#228;hlens sind mannigfach. Das Erz&#228;hlen ist, wie das Leben auch, st&#228;ndigen Wandlungen unterworfen, ist vielleicht das Leben selbst, so wie der Eros die arché darstellt, Urstoff des Lebens, aber auch des Erz&#228;hlens. Das Erz&#228;hlen ist nicht weniger als ein Trieb, der sich insbesondere im Trennungsmythos offenbart, in dem sich das ganze Konzept der Liebesenergie als Wiederaneignung finden l&#228;&#223;t.</p>
<p>Ich sage in verwandelter Form, da&#223; jene Dichter, die keine Erotik besitzen, schlechte Dichter sind – und ich irre mich diesbez&#252;glich nie. Doch das ist ein Kriterium, das ich anderen &#252;berlassen mu&#223;, denn auch schlechte Literatur kann gemocht werden und wird gemocht, n&#228;mlich von Lesern, die ihrerseits keine Erotik besitzen oder sie vielmehr nur als Gemeinplatz kennen.</p>
<p>Wenn Poe, richtigerweise, in seiner ber&#252;hmten Besprechung der Twice Told Tales Hawthorns (erschienen 1842 im Graham’s Magazine ) seine Theorie &#252;ber die kurze Prosaerz&#228;hlung (short prose narrative) in seiner Hierarchie die Form, die er hier zu begr&#252;nden sucht, gleich nach dem kurzen lyrischen Gedicht (dem er hier den h&#246;chsten Rang zuordnet) einordnet, und den Roman aufgrund seiner leseorientierten Uneinheitlichkeit verwirft, dann tut er, ohne da&#223; er es an dieser Stelle wei&#223; oder beabsichtigt, der Erz&#228;hlung als einer Gattung des Traumes einen gro&#223;en Gefallen. Poe f&#228;nde an dieser Deutung keinen Gefallen, er war ein Freund des Handwerks, dessen also, was die H&#228;nde tun, w&#228;hrend die Poesie – und das hat sie mit der Erotik gemein – ein Diener der Imagination ist. Niegeh&#246;rtes h&#246;rbar machen und nichtwahrnehmbares sehend machen, das geschieht im Traum und in der erotischen Begegnung.</p>
<p>Die Erz&#228;hlung ist l&#228;ngst nicht mehr normativ (wenn sie es je war), sondern deskriptiv, ihre Voraussetzung ist l&#228;ngst nicht mehr eine einstr&#228;ngige Handlungslinie und das Fehlen abschweifender Episoden. Ich habe das in einigen Erz&#228;hlungen selbst vorgef&#252;hrt, nicht zuletzt im Uhrentr&#228;ger, der eben Kein Kurzroman ist.<br />
Deskriptiv: Die Erz&#228;hlung schreibt &#252;ber das, was sie tut. Erz&#228;hlungen &#252;ber Erz&#228;hlungen (Lo cunto de li cunti) hei&#223;t ein Buch von Gian Battista Basile (1575 – 1632), dessen Erz&#228;hlspektakel in seiner literarischen Pracht un&#252;bertrefflich ist, obwohl es nur popul&#228;re M&#228;rchenstoffe aneinanderreiht. Hier feiert das Erz&#228;hlen seinen eigenen Triumph, nicht mehr als &#228;sthetisierte Askese oder kunstvolle Allegorie des Menschenlebens, sondern in einer Handlung, die selbst M&#228;rchen ist: das M&#228;rchen vom Erz&#228;hlen selbst, das hier auf den Gewinn des Lebens abzielt, auf die Lebensrettung (die wir auch von Scheherazade kennen, ein Buch, das jedoch erst im 17. Jahrhundert bekannt wurde).</p>]]></content:encoded>
			<wfw:commentRss>http://veranda.michaelperkampus.net/20090524/erzaehlen-2/feed/</wfw:commentRss>
		<slash:comments>5</slash:comments>
		</item>
	</channel>
</rss>

<!-- Performance optimized by W3 Total Cache. Learn more: http://www.w3-edge.com/wordpress-plugins/

Page Caching using disk (user agent is rejected)
Database Caching 17/63 queries in 0.133 seconds using disk

Served from: veranda.michaelperkampus.net @ 2010-09-05 16:53:14 -->