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	<title>Die Veranda &#187; seneca</title>
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		<title>Wirklichkeit und Gegenteil</title>
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		<pubDate>Sat, 30 May 2009 09:11:00 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Michael Perkampus</dc:creator>
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		<category><![CDATA[poesie]]></category>
		<category><![CDATA[seneca]]></category>
		<category><![CDATA[theorie]]></category>

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		<description><![CDATA[Wenn wir von Zeit reden, reden wir auch von der Wirklichkeit. Wir k&#246;nnen sagen, Wirklichkeit ist das, was wirkt – und h&#228;tten damit nichts gesagt, wir h&#228;tten einfach nur auf eine banale Faktizit&#228;t verwiesen. Wirklichkeit ist vielmehr das, was auf &#8230; <a href="http://veranda.michaelperkampus.net/20090530/wirklichkeit-und-gegenteil/">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wenn wir von Zeit reden, reden wir auch von der Wirklichkeit. Wir k&#246;nnen sagen, Wirklichkeit ist das, was wirkt – und h&#228;tten damit nichts gesagt, wir h&#228;tten einfach nur auf eine banale Faktizit&#228;t verwiesen.<br />
Wirklichkeit ist vielmehr das, was auf die richtige Weise geschieht und das setzt voraus, da&#223; es einen bereits geschehenen Akt erneuert. Nat&#252;rlich will ich auf den Mythos hinaus. Die richtige Weise kann nur eine zeit&#252;bergreifende G&#252;ltigkeit meinen, Wiederholung ist demzufolge ein Ritual. Wiederholung ist jedoch nur dann ein Ritual, wenn die damit verbundene Aktion einen klar umrissenen Sinn aufweist, sich also auf ein mythologisches Vorbild beruft.<br />
Nun aber ist die Wirklichkeit vielmehr durch ihr Gegenteil zu begreifen. Es ist oft so, dass man erst durch den Antipoden den eigentlichen Sinn umrei&#223;t – und oh wie oft wissen wir den Gegenpart gar nicht zu benennen. Man mag also schnell bei der Hand sein und sagen: Das Gegenteil von Wirklichkeit sei allemal die Phantasie. Damit aber, das wird man wissen, sagt man, da&#223; die Welt, wie sie ist, nicht wirkt, denn die Phantasie hat uns die Welt so gestaltet. Ich will es aber nennen, ich will sagen: Das Gegenteil von Wirklichkeit ist das Profane, das Belanglose, das Fl&#252;chtige. Ein fl&#252;chtiger Schmerz ist keiner, eine fl&#252;chtige Liebe ist keine… Das Gegenteil der Wirklichkeit ist all das Arme, das ohne mythische Vorbilder auskommen mu&#223;.</p>
<p>Das Zeitverst&#228;ndnis der Antike war ein zyklisches, ein r&#252;ckw&#228;rts gewandtes, aus dem sich die Zeitstr&#228;nge in die Jetztzeit emporschwingen, aus der &#220;berlieferung, aus dem Urgrund l&#228;sst sich alles ableiten, die Zukunft verhei&#223;t hier nur den Untergang – da wird die Zeit zu Ende sein, der Zusammenbruch ist nahe, alles versinkt, um neu zu erstehen. Oh ja – dort brennt bereits der Horizont und nur die Urflut wird die Flammen l&#246;schen, aber nur, um das ganze Universum zu &#252;berschwemmen. Doch zyklisch meint eben: Der Spatz wird wieder fliegen und ein kleines Gr&#252;n ragt wieder vor, um alles neu zu beginnen. In diesem Sinne feierte man Hochzeit, Geburt, ein neues Jahr, und &#252;berhaupt jedes Ereignis, denn es ist wortwahr ein Zyklus.<br />
Ist aber nun unsere Zeit gefragt, so wird man leicht erkennen, da&#223; die emotionale Besetzung die Zeitachse geradezu umdreht. Da ragt die Zukunft als ein neues Ereignis in die Luft, ein F&#252;llhorn geradezu – wir sehen ja nur dem Besseren entgegen, da vorne liegt das mit zimtenen Griesbrei umfriedete Schlaraffenland. Die Zukunft ist kein seit Urzeiten vorbestimmtes Schicksal, tr&#228;gt nicht das Gewandt verg&#228;nglichen Moders, sondern ist ein Spielraum von Freiheit, beeifert den Modus der M&#246;glichkeit – und diese M&#246;glichkeit ist eben auch – das Gegenteil von Wirklichkeit, in diesem Falle eine seelenlose Tatsache. Dann, noch etwas weiter – wir &#252;berschreiten diese Grenze – es ist JETZT – wir gehen hindurch, und: Das M&#246;gliche wird Geschichte und verbleibt auf ewig unver&#228;ndert hinter uns zur&#252;ck. Und Fakt wird Tod. Was sich nicht mehr &#228;ndern l&#228;sst, steht still, erstarrt und Stillstand ist freilich der Tod.<br />
Mit Seneca rufen wir hinunter ins Tal:</p>
<blockquote><p>„Darin t&#228;uschen wir uns n&#228;mlich, dass wir den Tod vor uns sehen: Zu einem gro&#223;en Teil ist er schon vorbeigegangen. Alles, was von der Lebenszeit hinter uns ist, hat der Tod in Besitz.“</p></blockquote>]]></content:encoded>
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