Damals auf dem Schrank

Damals auf dem Schrank wähnte ich mich unsichtbar, denn auch den Staub hatte niemand bemerkt, seine Jahresschichten intakt. Es fehlte nicht viel zur geweißten Rauhputzdecke. Das Gesicht in Deckennähe, der Grund und Boden so weit unter mir. Wenn ich über den Holzrand spähte, überkam mich das Gefühl der Fremde, wenn ich fallen würde, fiele ich in eine Welt, die ich augenblicklich verlassen hatte, um Höhe zu spüren, die Stimmlage dieser Höhe, ein Käfer, der sich tarnt, an Ort und Stelle verharrt. Da hatte ich einen kurzen künftigen Blick erhaschen können, nichts daran war spektakulär, keine Posaune, keine Hydra, die ein Tor bewacht, kein epileptischer Anfall, nur die Wand mit ihren Poren, ein Wink aus der Zukunft. Das konnte nur bedeuten: es gab diese Zukunft, ich war bereits dort zugange, darauf wartend, dass ich aus dem Jetzt ankam. Dort angekommen widerfährt mir ein Déjà-Vu, ein Dopplereffekt im Hirn, jedoch keine ‘Fausse reconnaissance’, nichts, was da nicht sein dürfte. Die wichtigste Frage an die Vergangenheit lautet: Was ist in diesem Schrank? Die Einnerungsmoleküle müssen früh ausgestreut werden, sie bestehen aus Gerüchen und Symbolen, aus Standbildern (alles Fließen ist ein Trug).