Die Veranda

Das phantastische Leben in der alten Spinnerei

Gespenster und Umzugsmöglichkeiten

 

für Manfred M.

Er wollte noch den Baum zurückrufen
und einspreizen und die Tür war offen,
zeigend auf den Atomtod. Ihm hatte das
Frühstück nachträglich gut geschmeckt,
was für eine Frage, hoffte, daß er seinen

Hund, der vor ein paar Millionen Jahren gelebt,
wieder treffen werde, schließlich kannte
er noch alle Bedienungen an der Tankstelle.
Hat die Wissenschaft sich so potenzieren
können, daß ein paar davonkamen? Ein Ge

räusch wie das Krümeln von Keksen. Die
Flutwelle, die er nicht sah, setzte mit
Überschallgeschwindigkeit auf; es tat einen
furchtbaren Wasserschlag. Erneut ließ er
die Tür auf, lehnte sich an einen Baum, der

sonst umgefallen wäre. Der Rhythmus, mit dem
gesprochen wird, richtet sich gegen das Hören.
Ein Erguß von Einzelheiten, Farbe färbt sich
rot. Wir sprechen so miteinander, als
hätten wir eine Fremdsprache wiederbelebt. Die

Unmöglichen mußten wir kopieren durch Humor.
Sie hatte mich auf die wesentlichen
Zusammenhänge so oft hingewiesen, in meinem
vorigen Leben, daß ich der geeignetste
Kandidat schien. Rüttelprinzip Nr. 2. Untertage,

Übertage, auf dem Berg, mit ausgebauten Städten.
Flora und Fauna waren vor sich selber so
erschrocken, daß sie nicht mehr weitersprechen
konnten. Er wollte seine Knochen in die richtige
Überlebensstellung schieben. Es war wie Fasching

und Weltuntergang. Ich möchte zu Bett
gehen (ich weiß nicht, ob das möglich ist),
aber die Gummistiefel anbehalten, weil
sie mir so gut tun.

Michael Perkampus

1969 im Fichtelgebirge geboren, Schriftstseller, Musiker und Übersetzer, Studium der (Experimental)Psychologie in München. 2005-2010 Moderator der Literatursendung “Seitenwind” (Winterthur, CH). Herausgeber der „Miskatonic Avenue“. Von 2015 – 2018 Chefredakteur des „Phantastikon“.

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