Es war warm. Der Himmel lose von Wolken. Zeit und Sonnenstand nachvollziehbar durch den Dauerhupton einer sich hinziehenden Hertzfrequenz, die sich zuvor durch ein alarmierendes, immer wiederkehrendes Aufheulen angekündigt, sich dann aber nach einigen Sekunden in einen asystolen Mantel verwandelt hatte, der sich nun über die ganze Stadt als Mittagssirene ausbreitete. Eine kleine Stadt muss es gewesen sein, jedenfalls fühlte sie sich klein an, als ich auf dieser Straße stand. Links von mir erhob sich eine große Mauer, die sich bis zum Horizont hinzog. Hinter ihr lag ein weites Feld mit runden Fabrikschloten, emporragende Säulen, die ihre Rauchladungen fortwährend wie niemals versiegende Geysire ausstießen. Riesenhafte Schwaden, die den Himmel durchzogen. Die aussahen, wie die zu Rauch gewordenen, sich wandelnden Seelen Verstorbener, die von den unzähligen Schäften aus der Erde befördert über die Stadt hinwegwanderten.
Kein Mensch war zu sehen, es gab nur eine Aneinanderreihung von schlichten Fachwerkhäusern zu meiner Rechten, die für das Auge ebenso endlos verlief wie die Mauer zu meiner Linken. Ich wusste nicht genau, weshalb ich hier war. Wusste nur, in welches Haus ich einkehren sollte. Es war ein Haus, das sich von den anderen Häusern äußerlich nicht sonderlich unterschied. Ich hatte nichts dabei, obwohl ich davon ausging, ich würde hier einige Zeit verweilen. Als ich es betrat, fand ich nichts weiter vor als eine kleine, vor mir liegende schmale Treppe, die offenbar ins Dachgeschoss hinaufführte. Die Stufen knarzten. Eine jede mit ihrem eigenen Ton. Auf der letzten angekommen, schritt ich einen ebenso schmalen Flur entlang, der zu einer mitternachtsblauen Tür führte, in die ein Auge mit einem gesenkten Lid eingelassen war. Darunter war ein goldenes Schild angebracht auf dem die feinziselierte Zeile stand:

Mondgärtenmol

Das hinter der Tür liegende Zimmer war geräumiger, als ich es mir vor­gestellt hatte. Ein einfaches Bett stand darin. Es gab ein Waschbecken mit einem Spiegel darüber, sowie ein kleines quadratisches Flügelfenster vor mir, das den Blick in Richtung des Fabrikgeländes freigab. Daneben ein kleiner Tisch auf dem eine Petroleumlampe stand. An den Wänden hingen viele kleine gerahmte Blätter und Blüten, ein ausgestelltes Herbarium, Pflanzen, de­ren Namen ich nicht kannte, die ich teils noch nie gesehen hatte. Fellig und urwüchsig boten sie sich mir dar. Einige waren mit seltsamen Augenfle­cken versehen. Ich lief zum Fenster. Vor mir ragte kerzengerade ein kranähnliches gelbes Gebilde in die Höhe, erstaunlicher Weise viel höher als die Schlote, die ich zuvor noch unten auf der Straße erblickt hatte. Am Ende seines in den Himmel ragenden Armes war ein überdimensionales durchsichtiges Becken in Form einer Badewanne angebracht, das, durch ein bewegliches Scharnier, gleichmäßig wie ein Metronom zu beiden Seiten schwang. Darin eine zähe rote Flüssigkeit von öliger Konsistenz, von der sich immer wieder, durch die Bewegungen, riesige Tropfen lösten, die in Zeitlupe niederfielen. Es war abzusehen, dass die Flüssigkeit unkontrolliert über die Fabriklandschaft hinwegschwappen würde. Ein großer roter Strom, der das Becken aus der Verankerung zu reißen drohte. Mir wurde schwindelig, der Dachstuhl bewegte sich mit …

Als ich auf dem Bett liegend erwachte, war es bereits dunkel. Die Flügel des kleinen Fensters waren aufgeklappt, bewegten sich langsam aber merklich. Ich erhob mich, lief zu dem kleinen Tisch und entzünde das Licht der Petroleumlampe. Kutschen- und Pferdegeklacker war von der Straße zu hören. Menschen unterhielten sich. Ich schaute hinaus. Das Fabrikgelände war tief in die Nacht gesunken. Es sah aus, als hätte es sich entfernt, als wäre es von der Dunkelheit geschluckt worden. Es prä­sentierte sich nunmehr als eine mit Sternen gespickte Schlotlandschaft, die sich im Mund der Nacht als Fata Morgana verbarg.
Ich sah mich in meinem Zimmer um, konnte mich nicht erinnern, dass ich das Fenster geöffnet hatte. Ich betrachtete die aufgehängten Rahmen. In jedem war nun, anstelle einer sonderbaren Pflanze, ein har­lequinähnliches Wesen zu sehen, das in jedem eine andere akrobatische Disziplin vollführte und mich dabei anblickte, als wolle es mir den Sinn dieser Figuren bedeuten. In der Weise wie ein Pantomime es tun würde. Es kam mir vor wie eine in Fleisch und Bewegung übergegangene Essenz jener urwüchsigen Pflanzen, die nunmehr verschwunden waren. Eine Mimikry, die sich in der Nachahmung ihres Stoffes in Gebärden überset­zte. Ich musste an die faszinierenden Beispiele der Natur denken, an eine Orchideenart, die ihre Blüten nach der Gestalt einer Bienenkönigin aus­prägt, die sogar deren Duft während des Hochzeitsfluges nachahmt. Oder an die Augenflecke, die als Nachahmung von Wirbeltieraugen interpre­tiert werden können, die ich auch auf den felligen Blüten der Pflanzen bemerkt hatte. Und an noch viel mehr dergleichen. Aber diese Art von Mimikry schien mir eine völlig andere zu sein, anders motiviert als jene im Verlauf der Evolution von der Natur jemals hervorgebrachte. Sie schien dem Zwecke zu dienen, ein tieferes Verständnis beim Betrachter der akrobatischen Figur und ihrer ausgeführten Bewegung zu erzeugen. Diese Mimikry war eine Übersetzung von etwas in die Sprache der Bewe­gung eines Körpers. Sie stellte etwas dar, an das ich mich nicht mehr er­innern konnte, zeigte mir etwas, das ich offenbar vergessen hatte. Und doch schie­nen mir diese Figuren nicht fremd.
Ich verließ das Zimmer, verließ das Haus. Die Straße war belebt und von Laternen hell beleuchtet. Passanten schlenderten in ihr in beide Richtungen. Auffallend jedoch war, dass diejenigen, die nach links liefen, sich Zeit zu lassen schienen, schläfrig wirkten sie, während jene, die nach rechts eilten, sich eines Schrittes bedienten, der etwas Tänzeri­sches hatte. Auch flammten ihre Augen dabei auf. Es sah aus, als hätte et­was einen Funken in sie getan, der sie nun lodern ließ. Ihre Arme rissen sie dabei in die Luft, als wollten sie anheben zu fliegen. Wild wirkten ihre Gesichter. Wild und vergessen. Die Straße selbst, ich konnte kein einzi­ges Schild entdecken, das mir ihren Namen verriet, bestand aus vielen kleinen roten Pflastersteinen, die sich hier und da hügelig wellten, als befände sich alles Leben, dass sich durch sie in die Nacht begab, im Ma­geninnern einer Schlange, die keine Enden hatte.
Ich überlegte, in welche Richtung ich gehen sollte, sah dem Treiben zu beiden Seiten zu. Ein in einiger Entfernung stehender Mann in der Ge­stalt eines Schwanes erregte meine besondere Aufmerksamkeit. Er war unter den dahintänzelnden Federlosen der einzige, der nicht zu fliegen versuchte, der einem Vogelwesen jedoch zur Hälfte nahe kam. Hätte er statt seiner Beine schwarze Füße mit ledernen Schwimmhäuten gehabt, wäre er ohne Zweifel eines gewesen. Aber so identifizierte ich ihn ein­fach als eine weitere merkwürdige Gestalt, die die Nacht auf eine Reise geschickt hatte, die ebenso wie die Straße kein Ende zu haben schien. Ich versuchte zu ihm zu gelangen, doch die papagenen Tänzer liefen bereits zu Hunderten neben mir her. »Wir gehen von etwas aus! Deswegen sind wir hier«, flüsterten sie, einer nach dem anderen, immer dann, wenn ich sie fragend ansah. Ich schaute nach dem Gefiederten und sah ihn zu meinem Erstaunen durch die Mauer gehen, hinter der das Fabrikgelände lag. Schnell bugsierte ich mich auf das davorliegende Trottoir, tastete mit meinen Händen die Mauer entlang. Ich hoffte, ich würde ihn noch fin­den. Die Meute zog weiter gen Horizont, mehr und mehr von ihnen strömten aus den Häusern, um diesem Zug auf diese eigentümliche Wei­se zu folgen. Und obwohl ich das hinter der Mauer liegende Gelände scheute, hatte ich das Gefühl, mich Heim zu tasten, und fand sogleich eine schmale Bruchstelle, die gerade einmal so breit und so hoch war, dass ich durch sie hindurch passte. Wie es der Schwan hingegen ge­schafft hatte, blieb mir ein Rätsel.

Es ist finster auf dem Gelände, ich kann kaum die Hand vor Augen sehen. An meine Ohren dringt ein Klang, der sich am ehesten ergibt, wenn man John Cages Bird Cage von 1972, Bernd Alois Zimmermanns Me­tamorphose von 1954 und Schoenbergs Pierrot Lunaire, op. 21, dirigiert von Simon Rattle, dargeboten von Jane Manning, simultan laufen lässt. Ich bewege mich langsam vorwärts, spüre, wie der Boden unter meinen Fuß­sohlen weicher und weicher wird. Fast tänzelnd reiße ich meine Arme in die Luft, in der irren Hoffnung, ich würde mich in der Luft halten kön­nen. Ich lache, als ich bemerke, wie hoffnungslos es ist, um wieviel hoffnungsloser auf diesem Gelände, da die Schwerkraft hier in einem höhe­ren Maße ihre Wirkung zu entfalten scheint. Fußknöcheltief eingesun­ken schaue ich nach oben. Über mir prangt nun ein zunehmender, sich mehr und mehr ausdehnender Mond, so als hätte er sich aus meiner Pu­pille soeben erst in den Nachthimmel gestülpt. Fein wie Staub fällt sein Licht über das Gelände, über all die Häuser, Kessel, Schäfte und Rohre, Kräne und Wägen, ummantelt nach und nach ihre in der Schwärze lie­gende Anatomie. Eine Bestie nach der anderen tritt mit leuchtenden Gebeinen sichtbar in die Nacht. Riesenhaft thronend, versammelt auf ei­nem Areal. Eine jede in ihrer eigenen funktionalen Figur verharrend und doch durch die vielen Rohre mit der nächsten verbunden. Unfähig sich aus dem Staub zu machen. Darauf wartend, dass man sie alle bedient, ihr gemeinsames teerschwarzes Herz anwirft, um die schwarze Galle zum Kochen zu bringen. Versorgt von einem Netz von Lastkraftstraßen, von fleißigen und ölverschmierten Händen unablässig gefüttert. Bis sie ir­gendwann, tief in die Zeit hinein, brüchig werden, ohne dass ihr Hunger je versiegt wäre.
Vor mir, inmitten dieses grotesken Reiches, kniet der Schwan mit dem Rücken zu mir vor einer großen dunklen Lache, die das Ausmaß ei­nes kleinen Teiches hat. Ich sehe ihn seinen linken Flügel spreizen, sehe, wie er sich mit seinem Schnabel ins Fleisch beißt, trete näher an ihn her­an. Gewebige Fetzen hängen von seinem Flügel herunter. Ölig schwarz tropft es von seinem Schnabel. Ölig schwarz wie der Teich, der vor ihm ersteht. Ich muss an die beiden Schwäne denken, die damals im großen Teich meines Dorfes schwammen, an deren unerbittliche Gebärden, so­bald Gefahr drohte. Wie zwei stille Wächter kamen sie mir stets vor, ma­jestätische Tiere, die ihr eigenes Lied hinter ihren schwarzen Augen ver­bargen. Stoisch ihre Bahnen auf dem Spiegel der Zeit ziehend.
»Was tun Sie da?« Nicht wissend, ob er mich bereits anwesend weiß und ob er mich überhaupt versteht, bleibe ich eine Schrittlänge neben ihm entfernt stehen. Nach einem Moment des Verharrens nimmt er sei­nen Kopf unter dem Flügel hervor, schaut über den Teich hinweg und zieht langsam seinen blutenden Fittich nah an seinen Körper heran. »Ich zehre mich auf.« Seine Stimme ist dunkel und samten.
»Um Himmelswillen, warum tun Sie das?«
Er dreht sein Gesicht zu mir. Sehnig und ausgezehrt wirkt er unter seinem Gefieder. »Ich komme aus den Tagen. Mein Leib ist mein Brot. Meine Tränen sind mein Wasser.«
Ich weiß kaum welche Frage ich ihm als nächstes stellen soll, da sich ein Gedanke an den nächsten reiht, anflutet als würde in einem unendli­chen Strom eine Blütenform die nächste ablösen. Ich weiß weder ein noch aus. »Aber es ist doch tiefe Nacht. Unfassbar unendlich tiefe Nacht!«, beharre ich und schaue dabei in den Himmelsraum als könnte ich damit meinem Ausruf noch mehr Wahrheit verleihen.
Er hält inne und nickt zu meinem Erstaunen. »Ja! Und deshalb muss ich mich aufzehren, bis nichts mehr von mir übrig ist.« Er deutet mit sei­nem unverletzten Flügel auf die schwarze sterngespickte Lache. Seine schwarzen Augen flackern. »Immer wieder komme ich hierher, esse und zehre erneut von mir, und mit jedem Mal und jedem Bissen, den ich von mir zu mir nehme, wird dieser Teich größer und größer, bis er irgend­wann ein See, ein Meer oder gar ein Ozean geworden ist.«
Seine Worte geben mir aus irgendeinem Grund, den ich nicht verste­he, ein Gefühl der Urvertrautheit. Wieder deutet er zu der großen Lache. »Geh’ hinein. Dein Leib ist dein Brot. Deine Tränen sind dein Wasser. Dein Blut ist dein Haus.«
Ich steige in den Teich, seine letzten Worte, die ich höre, bevor es mich hinab in die Tiefe zieht, sind jene Worte, die auch die dahin­tänzelnden Federlosen mir zugeflüstert hatten: »Wir gehen von etwas aus! Deswegen sind wir hier.«

Tageshelle dringt in meine sich öffnenden Augen. Ich blinzele, spüre wie sich eine Träne löst und meine Schläfe herabrinnt. Ge­dämpfter Vogelgesang schlingt sich um meine Ohren. Das ge­schäftige Pfeifen des Teekessels in der Küche ruft mich von meiner Reca­miere. Müde aber flink laufe ich zum Herd, um das Feuer zu drosseln, ich schenke mir eine Tasse blauen Fellmanteltee ein und steige die wohligknarzenden Stufen hinauf zu meinem Schlafzimmer. Das Lid des mitternachtsblauen Auges scheint weiter geöffnet zu sein als sonst. Zart wirbelt der Staub beim Öffnen der Tür vor meinen Augen in der Helle des Zimmers, als wäre das Sonnenlicht nichts anderes als eine luzide Wiese, die den Dingen ihre Spielereien und Tänze erlaubt, sie heraus­lockt, sich aufzuführen, der Schwerkraft auf eine übereinkommende Weise die Führung zu überlassen, sich ihr huldigend darzubieten, da nur sie jeder Bewegung eines Körpers einen wahren Ausdruck verleiht. Eine kosmische Chiffre, die das durch Bewegung erzeugte Bild als universelle Sprache nutzt, sobald die Dinge sich in Fühlung miteinander begeben. Durch die samtene Wärme schreitend, stelle ich den Tee auf dem kleinen Tisch neben dem Fenster ab, ziehe die kleine in ihm verborgene Schubla­de hervor und nehme aus ihr den alten, bereits gilbfleckigen Brief her­aus, den ich seit Jahrzehnten in ihr verwahre, um ihn erneut, seit Weilen einmal wieder zu lesen:

Liebster,
erinnerst du dich, wie oft wir dort waren? Wie oft wir uns in der Mittagspause vom Gelände der Fabrik gestohlen hatten, um beieinander zu sein. Wir gingen damals von etwas aus. Du sagtest: »Deswegen sind wir hier.« Und so spazierte ich mit dir durch eine mitternachtsblaue Mondlandschaft mit Bergen, die uns umga­ben. Wir liefen an weiten Weizenfeldern vorbei, die ein paar Schritte später ei­nem Meer gewichen waren, das aufgrund des Lichts kaum von der restlichen Mondlandschaft zu unterscheiden war. Ich entdeckte eine blaue Blume am Wegesrand. Erkannte sie sofort als eine mir bekannte. Ich zeigte sie dir. Sie war hel­ler als das dunkle Blau der Mondlandschaft. Ich dachte fast an Aquamarin, du aber meintest: Preußenblau. Ihre vielen kleinen Blüten, die Augen glichen, waren von einem feinfelligen Mantelblatt umgeben.
Wir sprachen beide viel miteinander. Liefen und liefen. Ich drehte mich um 180°, spazierte weiter mit dir, lief nun aber rückwärts und bog mich langsam in der Manier einer sterbenden Schwänin mit geschlossenen Augen in Zeitlupe nach hinten. Schwerkraftlos, bis ich fast den Boden berührte. Ich sah, wie es dich verängstigte. Du standest daraufhin diagonal im Raum, berührtest den Boden nicht mehr. Ein Ausdruck des Erschreckens hielt sich in deinen Gesichtszügen. Auch du warst nun in Zeitlupe. Ich hob mich schnell wieder auf, dich zu beruhigen. Ich hatte dir wohl spielerisch etwas gezeigt, das dir Angst machte. Und so verstand ich selbst erst in diesem Moment, was für eine Gebärde ich da vollzog. Eine, die ich auch nur durch den Vollzug selbst als eine Übersetzung des Sich-ge­wahr-Werdens der Endlichkeit eines Lebens mit dir begriff. Denn an einem ande­ren Ort, würden wir in dieser Gebärde vielleicht doch nicht viel mehr als eine Akrobatin entdecken …

An dieser Stelle enden die Zeilen, sind kaum mehr lesbar, da sich das Pa­pier am unteren Ende irgendwann einmal mit dem ›Schwarzen Gold‹, wie sie es nannten, vollgesogen hatte. Mit jenem der Erde abgetrotzten, das wir damals in den Kupferkesseln zum Sieden brachten. Ich versuche mich zu erinnern, was dort stand, doch es gelingt mir nicht, wie mir seit einiger Zeit vieles nicht mehr gelingt, da mir Dinge entfallen, ich sie, bis auf dich, einfach vergesse. Und so falte ich den Brief wieder und lege ihn zurück in sein hölzernes Bett. Betrachte dabei die kleinen hellbraunen Flecken auf meinen Handrücken, meine pergamentartige durchsichtig gewordene Haut. Ich öffne das kleine Fenster, sehe die alte, schon lange in Ruinen stehende Erdölraffinerie, werfe meine Hände in die Luft und beobachte, wie sie fedrig durch den grauen Schlaf der Welt flattern. Ich warte auf den Sonnenuntergang. Warte darauf, dass sie zurückkehren: zwei Vögel, die sich niederlegen.