PerkampusMichael Perkampus wurde 1969 in Selb im Fichtelgebirge geboren und wuchs in Kaiserhammer/Schwarzenhammer auf. Noch seine Ureltern lebten im Küchenflügel des dortigen Schlosses, das in seiner Arbeit eine zentrale Rolle einnimmt, wie überhaupt das ganze Fichtelgebirge. Das Geheimnisvolle an einem ruralen Umfeld ist in fast jedem Satz zu spüren.

Hierzu sagt der Autor in einem Interview:

Eine Kulisse ist mir oft alleiniger Beweggrund; das stimmt insofern, als dass colëiz das Flüssige meint. Anfangs dachte ich mir ein Kaleidoskop, doch das wiederum bezeichnet in seinem griechischen Urgrund eine schöne Gestalt. Auch Jigsaw Puzzle wäre eine trächtige Bezeichnung, denn Rätselhaftes und Wunderliches sind präsent, allerdings nicht im Sinne eines Ratespiels. Nein, es ist die Kulisse, die eben auch die Atmosphäre mitbetont. Meine Urgroßmutter Johanna Specht lebte und starb in diesem Schloss (das nur noch einen Flügel besitzt); dieses Gebäude illuminiert mein ganzes Werk, wie ebenfalls die Eger, Schwarzenhammer und Kaiserhammer.

Perkampus schreibt in einem eigenen mystischen Flair, weit abseits des Mainstreams und ebenfalls jeden Genres.
Tobias Reckermann, Herausgeber der ersten Storysammlung, die der Autor trotz einer dreißigjährigen vielfältigen Publikationsgeschichte je veröffentlich hat, schreibt im Vorwort dazu:

Seht nur, wie er die Dinge des Alltags geisterhaft animiert, wie Schultz in seinen Zimtläden und Krokodilstraßen, auch wie Cortázar beim Pullovermord und einem Blick ins Aquarium, die uns bereits näher an Ligottis seltsame Inseln heran führen. Einflüsse sind offensichtlich, doch Perkampus entwirft von langer Hand seine ganz eigene Literatur, sein eigenes Genre. Dunkelviolette Geschichten. Der Gedanke an Schwarzlicht blitzt auf. Ultraviolett ist Licht mit extrem kurzer Wellenlänge und hoher Frequenz. An sich unsichtbar für das menschliche Auge, lässt es doch in seinem Randbereich Dinge aus dem Hintergrund vortreten, die in normalem Licht unscheinbar bleiben. Wie in Lovecrafts Erzählung „From Beyond“ überwiegt in Perkampus‘ Geschichten das Unsichtbare.

Was wenig bekannt ist, aber auf der Hand liegt, ist die Verbindung des Autors zur Romantischen Schule, die selbst einen langen Weg über den Expressionismus und Surrealismus nahm, bis sie heute in großen Teilen der Phantastik ihren Stellplatz gefunden zu haben scheint. Für Perkampus ist sie jedoch mehr als nur dieser Stellplatz, sie ist der Höhenkamm deutscher Sprache und Geisterschau.

Perkampus lebte von 1993 – 1994 in Mexiko und von 2005 – 2010 in der Schweiz.  Nach Mexiko zogen ihn die indigenen magischen Welten, die er als Kulturanthropologe studieren wollte, in die Schweiz seine literarische Tätigkeit. Zu dieser Zeit gab er noch Lesungen (zum Beispiel dem Theater am Gleis in Winterthur), wo er seine “Tonskulpturen” vorstellte, die er auf drei Alben veröffentlichte. Das erste – Ouroboros Stratum – erschien 2005, Timber 2006, und Die Gilde der pechschwarzen Liebe 2007.

Seit sein erstes Buch, Equipe Propheta, 1991 als Privatdruck erschienenen war, suchte er nach einer Möglichkeit, Lyrik und Prosa in eine neue Form zu gießen, doch er merkte schnell, dass er auch eine erzählerische Seite hatte. Sein erster Roman “Seelen am Ufer des Acheron” wurde 2007 zwar nur in einer Probeauflage veröffentlicht, doch kurz darauf entstanden erste Erzählungen, die den hybriden Gedanken von erzählten Szenen und formellen Spielen vereinten. Er moderierte in Winterthur die Literatursendung “Seitenwind” im Radio Stadtfilter und war an einigen Hörspiel-Produktionen beteiligt. Dort las er auch die Tagebücher des James Cook anlässlich des des Jubiläumsjahres 2009. Wieder in Deutschland erschien ein weiteres Hörbuch mit 21 Fazetien bei der edition taberna kritika, wo 2015 auch sein experimentelles Werk Entropia oder Hochzeit auf dem Lande veröffentlicht wurde, in dem er sich die von Arno Schmidt eingeführte Ethym-Methode zu eigen machte. Für das heutiges Publikum eine völlig unlesbare Angelegenheit, die allerdings die Dichterin Friedrike Mayröcker begeisterte, zu der Perkampus zu dieser Zeit schriftlich Kontakt hielt.

Mein Unglück war von jeher, in eine Zeit geboren worden zu sein, in der Sprache nur noch als Transportmittel betrachtet wird, in der wir tatsächlich sprach=los geworden sind.

Es schien beinahe als Kontrastprogramm, als Perkampus im selben Jahr das eZine für phantastische Literatur (phantastikon.de) gründete und sich als Literaturkritiker versuchte. Tatsächlich aber war die dunkle Phantastik schon immer der Ort, wo der Autor sich wiederfand, auch wenn er sprachlich völlig andere Wege einschlug. Im Zuge des Phantastikon lernte Perkampus Tobias Reckermann kennen, selbst Autor und Herausgeber des IF-Magazins für angewandte Fantastik. Reckermann wurde der Verleger der ersten regulären Storysammlung – Mummenschanz in großen Hallen -, die 2020 erschien.

2021 fand Perkampus zum KOVD-Verlag, wo gegenwärtig die Novelle “Ich bin die Nacht, Du bist der Ort” vorbereitet wird.