Hallo Lulu,

ich bin wieder da. Und bei Kräften. Ich weiß, du hast mich vermisst, meine Saugfischin, und immer wieder rumgekruscht.

Und ja, ich habe sie ausprobiert: Die Aigaverschwundenheitsmaschine, wie du sie nennst. Das gefällt mir. Sie funzt. Steig’ ein und verschwinde! Nur bei dir offenbar nicht. ‘s babbt, sagt J. immer und wedelt mit einem ihrer Stofftiere. Ein weiterer, recht häufiger Ausspruch von ihr ist: Freund Freund Freund! Muss ich jetzt immer an dich denken, du Stofftier. Auf jeden Fall bin ich wieder auf einem aufsteigenden Ast (als Astreiterin). War über eine Woche lang in einem viralen Cocon aus Schleim gefangen, in dem ich mich durch die Weltgeschichte geschleppt habe. J. ist in meinem Alter und lebt in einem Kuckucksnest, in dem ich nun seit einem Monat arbeite. Nahe an einem See gelegen, an dem tatsächlich ein Kuckuck wohnt. Man hört ihn ständig rufen, egal zu welcher Tageszeit:

Kuckuck!
((((Hai))))! -fischfrau

Bin wirklich happy damit und frisch verknallt in 15 ‘Kuckuckskinder’ unterschiedlichen Alters, die in jeweils sehr eigenen Welten leben. Teilweise schwer zugänglich. Zum ersten Mal habe ich das Gefühl einem Beruf nachzugehen, der mir durchweg Freude bereitet. Das war vorher nicht so. Jetzt weiß ich wenigstens, warum ich müde ins Bett falle. Ach ja, und ich habe etwas Kurioses geträumt: Ich drang in ein Haus ein, um den ‘Hirschjungen’ zu befreien. Ein Mongole, stellte ich fest. Er sprach nicht, sah dem Treiben eher mit Argwohn zu. Heißt: Ich habe ungefähr 10 Menschen, die ihn gefangen hielten, mit einem Draht den Kopf vom Körper getrennt. Einfach so. Ohne mit der Wimper zu zucken (was mich allerdings im Wachzustand durchaus zucken lässt, denn auch im Traum nahm ich mich nicht als kalten Menschen wahr: also nicht anders als sonst). Als wäre ich eine Art alleinige SWAT-Einheit (irgendwie peinlich). Special weapons and tactics. Lach! Ehrlich gesagt, ich weiß nicht so genau, was die Action soll (woher sie kommt, ist was anderes), warum mein Unterbewusstsein meine Kampfmieze lädt. Naja, der Traum ging noch weiter: Ich wollte gerade mit dem Jungen das Haus verlassen, da sah ich einen vorauslaufenden Schatten über die Türschwelle gleiten. Ich versteckte mich wieder ums Eck, der Hirschjunge hinter mir. Ich hoffte, dass er ruhig bleiben würde, uns beide nicht zu verraten. Das blieb er auch. Ich kann gar nicht genau sagen, was da auf uns zukam, ich wusste nur, es war uralt und ich hörte, dass es lahmte. Wachte aber auf, bevor ich es zu Gesicht bekam. Das Interessante jedoch ist, mir war sofort klar, das würde nicht so einfach werden. Empfand es als etwas Kraftvolles, Wendiges (trotz dessen, dass es lahmte). Etwas, das zigfach mehr Kraft hatte als ich. In jeglicher Weise.

Schade bei solchen Träumen ist nur, diesen Urweltwesen oder -kräften nie gegenüberzustehen. Stets aufzuwachen, bevor sie mich sehen oder ich sie. Es ist immer nur eine gegenseitige Wahrnahme der Anwesenheit. Ein Ablauf von Zeit. Hin auf etwas Unvermeidliches. Ein Kurz-Bevor. Andererseits, ich habe den Hirschjungen gesehen. So hat ihn mein Unterbewusstsein benannt. Im Gameplay wäre er wohl die Prinzessin, die vom Endgegner gefangen gehalten wird. Oh Diane, ich hab’s weiter pervertiert.

Wer weiß, vielleicht war es der von den Hunden, die ich getötet habe, gehetzte und gerissene Hirsch. In Menschengestalt. Genommen vom Schatten.

Träumst du, Lu?

(P.S. Überlege dir doch schon einmal, warum die Kombi: obenrum Schwein, untenrum Engel nicht sehr lebenskonstituierend ist. Die umgekehte Variante, das verrate ich dir schon mal, ist auch nix. Um losen Cock-&-Muschi-Konsum geht es dabei nicht. Rauch’ deine Puppstrings und versuche alles als ein Loft wahrzunehmen. Bewusstsein an vorderster Front natürlich. Klar! Dein Schiffchen, deinen Körper solltest du allerdings mitbedenken und was er fürs Bewusstsein bedeutet. Körper ist Seele. Jedenfalls behaupte ich das. Aber du kannst natürlich auch Margie befragen. yer best. yer black pearl.

Es ist und bleibt doch dein derzeitiges (ein Jahrzehnt) Überlebenskonzept, das sich als Konsequenz aus deiner bisherigen Biographie ergibt, es so zu halten, wie du es schaffst dich eben durchzubringen. Für mich in Ordnung. Nur vergesse nicht, es ist deines. Offenheit, Francis, sie vor allem mal durch- und aushalten. Auch in deinem Korsett (nette Vorstellung). Und ich schau dir dabei zu.

Schaffst du das?

Erklär’ mir dein ‘Kranksein’. Und ja, ich weiß, dass du der Meinung bist, alles ist krank, der Mensch ist krank. Auch ich empfinde Ekel vor Verhaltensweisen, verstehe also durchaus, was du meinst. Dennoch ist das eine arg faule Aussage von dir.)