Die Stalkerin

Dass ich schon des öfteren in meinem Leben bestalkt wurde, ist kein Geheimnis. Den letzten Fall gab es in der Schweiz, wo einige Damen, die in meine Lyrik verliebt waren, meine Telefonnummer auskundschafteten. Ein weit aus denkwürdiger Fall ereignete sich in den 90iger Jahren, als ein krankhaft eifersüchtiges “Liebchen” in mein WG-Zimmer

einbrach und die Seiten einiger meine Notizbücher mit schwarzem Autolack zuschmierte (andere zerriss) … denn die Notizen, das hatte sie ganz richtig erkannt, waren nicht für sie bestimmt … Am Rande kann man darüber lachen, dass sie meinen Teddybär aufhenkte, das Plüsch im Inneren herausnahm und ihn abfackelte, bizarr war es allemal. Nun müsste man meinen, kann ich mich doch sehr gut wehren, aber so einfach verhält es sich eben nicht. Ich kann nicht gut hingehen und meinen blinden Verehrerinnen die Zähne durch die Hintertür schicken.

Gegenwärtig gibt es wieder einen Fall krankhafter Liebe (die freilich gar keine ist). Und es scheint diesmal nicht an meinen Liebesgedichten zu liegen, sondern an mir selbst, was mir noch viel verblüffender erscheint. Dass ich hin und wieder mit Mails zugespamt werde, nehme ich hin, das ist der Preis, den man zahlt. Mein rüdes Abwehrverhalten hat hier natürlich nichts gebracht. Die neueste Mail nun lautet:

willst du meine liebe auf deiner haut spüren?
deine antwort werde ich am 28ten in kempten suchen.
R.

Da werden nicht wenige im Netz, die ich gerne “Pornorunterlader” nenne, jetzt schmachten und denken: Verdammt ja! Ich würde das wollen! 
Könnte ich, meine lieben, würde ich gerne alles abgeben, was da so auf mich zukriechen möchte. Wie das ausgeht, wissen wir im Moment noch nicht, glauben Sie aber nicht, dass diese … ich gebe es zu … zum schmunzeln reizende Penetranz mancher Frolleins … nicht ganz harmlos ist, dessen dürfen Sie sicher sein.
Die Schlagzeilen könnten lauten:

Dichter in sexueller Raserei erstochen (oder ersatzweise …. ‘mit Schenkeln erwürgt)