Trouvaille

Ob man es weiß oder nicht: Ich wurde ungesehen groß, eine Pflanze in keinem Topf, umfasst nur von einem nassen Lappen, der Muttererde fern, ein nichtsnutziger Störenfried, Artefakt einer gähnenden Leere. Und das bin ich noch, einer, dessen Grab keine Räuber anlockt um etwan den Schädel zu stibitzen und zu befragen wo ist die Trouvaille. Der dann plaudert von kecken Freuden, die es in einem Jenseits gibt, das immer schon da war. Ein umgestülpter Geist – ich Knochen; ein ausgefallener Fehler, den man nur einmal begeht, weil zu Komplex, ihn jemals zu wiederholen.

ich schneid’ mir meine Stube ab
und bin im Raum ganz bar und blass
wo hängst du, wenn du hängen musst
ein Fenster ist kein Fenster gar kein
Ausblick auf das Gartenkraut
das Lüstel fehlt und liegt im Topf
im Eimer, den ich meine

Das Unheimliche (Im Garten ist was faul)

Gut zwanzig Minuten nach Beginn des Films Schloss des Schreckens, basierend auf Henry James’ verstörender Geistergeschichte Das Durchdrehen der Schraube (auch “Die Drehung der Schraube”), steht die Gouvernante, die ihr Glück, in diesem großen Landhaus arbeiten zu dürfen, nicht fassen kann, im Garten, ganz in Weiß gekleidet, und schneidet weiße Rosen. Die Kamera ruht in der Nähe ihrer voluminösen Röcke, auf einer kleinen Gartenstatue, die sich in die Sträucher schmiegt. Es ist ein Cherub, aber er sieht irgendwie deformiert aus, und sein Lächeln hat etwas Schreckliches an sich. Das wird spätestens dadurch bestätigt, als ein praller schwarzer Käfer aus seinem Mund krabbelt. Der Käfer baumelt kurz an der Lippe des Cherub, vibriert mit seinen kleinen Beinchen und fällt aus dem Blickfeld.

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Alles Geisterhafte war mir von Anfang an vertraut

Sobald man das Verschwinden zum ersten Mal beobachtet hat, weiß man einiges von der Welt. Doch wirklich reizvoll wird es erst dann, wenn die Erinnerung einsetzt und ihre Kapriolen dreht. Wenn man nicht einmal sicher sagen kann, was man eigentlich gesehen hat, ist es nahezu unmöglich, die Vergangenheit lückenlos und in richtiger Reihenfolge heraufzubeschwören. Das sind die wahren Gespenster, und die Vergangenheit ist das wirkliche Jenseits. Besessen von der Idee zurückzukehren, ging ich die Wege rückwärts. Sie wurden verbraucht und lange nicht mehr benutzt, denn eines muss man wissen: Alle Wege werden geteilt und nur die Anordnung aller Gassen, die man halbblind durchstieß, ergeben schließlich den eigenen Weg. Die meisten vergisst man und so lässt sich niemals auf das Ganze schließen.

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Die glatten Rinnsale

Die Fahrt zum Leichenschauhaus verlief ohne Zwischenfälle, kein Ast verfing sich im Getriebe und niemand choreographierte einen Untergang. Auch wir müssen den Abschied an den Händen halten (mit etwas Nagellack sind seine Finger wieder schmuck). Die Wände schwitzen ein brutales Rot.

Gespenster = Gespinster = spenstig = Gespinst = spinnen, weben, walken, wenden.

Noch einmal: die Trompete schallt (ich sag’ es dir),

die Trompete schallt (nicht fern von hier).

Da hast du sie, diese feindlichen Wände um dich herum, diese schwitzenden Brutstätten des nächtlichen Wahnsinns. Sie sondern ein Flavor künftiger Ereignisse bereits in den Morast vor der Tür.

Jedes Steinchen kennt das Wagnis, von einer Pfütze überwältigt zu werden.

Auf dem Grund hurtiger Luft.

Zementbläue bleicht den Blues. Simsala=Peng.

Bis zu einem gewissen Grad kann ich es hupen hören, dann aber verschwindet die Nacht in goldenen Pumps und schleift ihr Rückgrat hinter sich her.

Ich lebe nirgends, ich habe wirklich kein Heim.

Krettich (Vom Werden älterer Geister)

Man gerät in des Geistes Grummeltopf und hält sich den Schädel mit einem Stumpf. Der Torso wird überwacht von Schatten, die sich die Schuhe binden als hätten sie es gelernt.

Das ist nur ein kleiner Weg, aber er wird breiter und tut es den bekannten Flüssen nach. Von der anderen Seite schallt das Horn; Schaluppen quälen sich durch Hindernisse, die Münder zum Gesang bereit.

Die finsteren Gebäude schwanken in ihrem violetten Licht, geworfen von schweren Sekunden, die von Polstern prallen. Ihre Streuung scheint leblos, doch die Täuschung kann das Gefühl nicht negieren, es mit einer antiken Täfelung aufnehmen zu wollen. Aus Gesichtern tropfen dann und wann Tränenperlen, je nachdem, wer sie geschnitzt hat, und wer dann in den Feierabend hinaus lief, ein Gasthaus seiner Wahl besuchte und die Stube mit dem Dreck an seinen Stiefeln beschmutzte.