Ocean Avenue 112

Das Haus ist eine Persönlichkeit
wie du, wie ich.

Lebt das Haus also in uns, wie wir
glauben, in ihm zu leben?

Sind unsere Zimmer bewohnbar
und ist der Staub der Rest, der 
von Sekunden übrig blieb?

Der Knopf, der noch dort liegt, hat einst
geschlossen Jackentaschen
gegen Hände, die am Suchen waren.

Das ist der Tod, aber er vollzieht sich nicht,
bleibt so lang allein, bis er aufgelöst in
allem schwimmt, über allem schwebt,
seine Larve ist Kaminholz, geschminkt.

	Kannst du mich erkennen, auch wenn
	nichts mehr übrig ist von diesem Ort,
	nichts mehr übrig ist von diesen Spuren,
	ausgelegt, um mir zu folgen, in den
	selben Traum von einer Nacht,
	schlaflos durchwacht, eine Aubade angestimmt?

	Kannst du mich also erkennen, wie
	ich Jahrhunderte niederlege, tief in das
	Polster greife, um ein weiteres Stück
	von mir daraus hervorzuholen? Noch
	sieht der Tag mich nicht erwachen, sieht
	dich niemand aus meinem Zimmer 
	kommen. Du könntest bleiben, schließ
	die Tür.

Ich komme aus Feenlanden,
dort rührt sich kaum ein Zweig,
kein Wasser fließt,
kein Brunnen löscht
der Erde Durst
und mich.

Der Mann im Regen

Ein Mann läuft im Regen herum,
Zwischen Hammerschlägen der Dunkelheit eingefaßt.
Alles ist vage, der Nebel ist vage und schwarz.
Tropfen fallen seitwärts aus der Öffnung,

Vorgesehen, der Zukunft zu entkommen.
Andere Schritte gibt es nicht, nicht jene,
Die lautlos schleichen, auch nicht jene, die
Auf dem Tablett geliefert werden,
Auf dem er Nahrung zu sich nimmt wie Licht.

Die Stadt mehrt sich durch Spiegelung,
Schließt nahtlos dort an, wo alles endete,
Wo jetzt eine ausgeweidete Tanne auf ihre
Beerdigung wartet, Luftschlangen sich

Tarnen als Tang. Die Lippen sind
Fürchterlich anzusehen, geöffnet in einen
Stillen Bereich hinein; dort kam es niemals
Zu einer Begegnung zwischen dem Wunsch,

Das Richtige zu tun, und dem Taxifahrer,
Der den Pfützen ausweicht, der die Welt
Aus Bilderbüchern kennt, deren Texte
Ausradiert wurden, um damit

Anzudeuten, es sei egal.
Ein verbündeter der Schnecken und der
Lokomotiven. Im abgestorbenen Gras
Vergnügen sich die Mücken damit, einen

Kadaver zu besiedeln, eine neue Metropole aus
Dem Nichts oder aus einem gebrochenen Schädel
Heraus. Es wird Zeit, eine Pause zu machen,
Den Hut zu wechseln, die Schuhe allein

Weiter gehen zu lassen. Der eigene Schatten
Überfällt dich in einer unbelebten Seitenstraße
Dieser Welt. Ein Klingelschild läßt ahnen,
Wer einst hier sein Domizil suchte,

Dann aber doch nicht einzog. Der Blitzableiter
Am Bett wehrt manche Träume ergebnislos ab.
Es regnet hier in der Küche durch das Loch im Kamin.
Schwarze Tropfen, die du als Tinte verwenden

Wirst, wenn du eines Tages aufschreibst,
Was das alles soll.

allerlei zu versuchen

achja asfaltschleim, eine bitumie
bergteer, satanspech gegen aller
lei gebrechen (sie gingen die end
lose allee entlang unter den
schwarzen platanen) musik ála
zingarese betäubte die ohren in
ihrem halfter, zum schumann’schen
rotationstachistoskop, mit dem
der umfang der aufmerksamkeit
gemessen werden soll

ist nicht so / dass wir kühlen könnten
ist nicht so / dass wir ober=räubern
abrammen, umtafeln, um tafeln
herum : waffeln / dass wir
ohnsägliches gespür, entrinnen
mimenzwecke im spiegelfleisch
hören wir bitteren fuchsjagten zu

Choks

Die Verstiegenheit, die uns zu Mördern macht,
wie wir noch nie welche gewesen sind,
die wir noch nie in Worte fassen konnten,
die wir noch nie in einem Zug tranken, das
Glas noch am Ast,
der Ast noch im Auge,
das Blut noch im Glas;
diese Verstiegenheit, die sich äußert,
wenn wir Mörder jedweder Art sind.

Die Lichtung ist schwarz, ein	Ort der Ekstase, ein
Ballsaal für Wünsche, die	sich nicht einschließen lassen,
sich reproduzieren lassen.
Vermehrung ist Auszehrung,	hierzulande
Verdoppelung Beliebigkeit	muß man müssen,

Der Flaneur, ein Kaleidoskop, das mit
Bewußtsein versehen ist, läßt abklatschen die Gestalt
der offenbarten Dinge.

				      sonst darf man nicht.

Die Schrecken der Reise

Die Schnecke erfährt ihr Tempo hinter vorgehaltener Hand.
Heimlich bekommt sie dafür ein Haus, das wie ein Trichter
Zum Kleinsten und zum Größten hin führt, aber langsam.
Langsamer als die Farben aus Gesichtern rutschen,
Die auf der gleichen Strecke unterwegs sind,
In einem Raum, der abstrakt scheint, mehrteilig,
Wie es die optische Täuschung oft vormacht,
Wenn die Perspektive, von der nun alle reden,
Nicht mehr vorhanden ist, wenn sie dem Ultraschall
Des Gehörten, dem Infrarot der Nacht, durch ihre Wärmepausen weicht.

Dann bleiben gesprochene Worte auf der Strecke liegen,
Keiner kümmert sich um das Gepäck des anderen. Im
Forst sitzen die Tafeln mit den Umsteigemöglichkeiten fest,
Behaupten sich nicht gegen Bäume oder Gräser, haben
Es aufgegeben, die richtige Stelle mit einem X zu
Markieren. Sie werden kaum aufgedeckt, gefunden werden.
Deine Hand leuchtet einen Ballon an, aber auch diese
Geste bringt keine Zeit zurück, die auf der Reise verloren
Ging. Trotzdem folgen die Vögel dem Licht zurück in
Ihre Nester, die jetzt, da sie älter sind, bereits
Vertrocknet und mit eingeworfenen Fenstern einen Tanzsaal
Abstrakter Gerüche bilden.

Nehmen wir auch nur ein einziges Muster fort, hebt sich
Die Distanz bereits wieder auf, alles ist dann nur
Ein einziger Ort, der Trichter der Schnecke zum
Kleinsten, zum Größten hin. Dieses mathematische Rätsel
Schreckt die Reisenden, die wissen, dass sie sich
Nicht mehr bewegen dürfen. Es steht in ihrem Gepäck
Geschrieben, aber auch auf unzähligen Urlaubskarten,
Die an der Wand neben Faltern ihren Platz behaupten.