Neu in der Sammlung (5)

Clarice Lispector – Der Lüster
Denis Scheck – Schecks Kanon
Mick Finlay – Arrowood
Anthony Horowitz – Die Morde von Pye Hall
Josephine Tey – Alibi für einen König
Timo Berher (Hrsg.) – Buenos Aires – Eine literarische Einladung

Es bahnt sich an, dass ich mich in Zukunft etwas mehr in der Kriminalliteratur umsehe. Bisher war ich stets ganz versessen auf Poes grandiose Detektivgeschichten und “the like” (etwa Sherlock Holmes, der im Übrigen nicht in Schecks Kanon steht (dafür aber Agatha Christie). Raymond Chandler ist mir lange her. Nun sind mit Horowitz, Finlay und Tey gleich drei Bücher aufgeschlagen, die sich erst kürzlich in meinen Radius bewegten. Demnächst mehr auf diesem Kanal.

Tontafelkalender 4 / Julmond / Mittichen

Hin-und hergerissen bin ich wegen dem Phantastikon, dem ein neues Gesicht ansteht. Vielleicht sollte ich dort einfach aufhören, über Bücher zu schreiben und es hier einrichten. Es gäbe dann alles in einem, und warum sollte das nicht besser sein? Schließlich habe ich die Abteilung “persönliche Bibliothek”, wo es ohnehin Überschneidungen gibt.

Gegenwärtig lese ich Michael Grubers “Shakespeares Labyrinth”. Nach einiger Skepsis habe ich doch hineingefunden und eine recht interessante Liebesgeschichte entdeckt, die der Autor zuwahr immer noch versauen könnte.

Die Sandsteinburg stelle ich zu Gunsten einer besseren Übersichtlichkeit als pdf in die Seitenleiste. Ob ich wirklich alles einlese, ist noch nicht ausgemacht.

Tontafelkalender 27 / Neblung / Mittichen

Durch die Lesung am Böhmwind – besser gesagt, das Schneiden – habe ich den ganzen gestrigen Tag verloren; das Ergebnis ist dennoch nicht zufriedenstellend. Das Problem ist natürlich, dass ich bei einem so langen Take und den Einschüben, die ich ich auf verschiedene Spuren legen muss – keine vernünftige Rechenleistung mehr habe. Natürlich denke ich mir dann stets, dass ich damit aufhören muss, das alles einlesen zu wollen, andererseits ist das aber ein guter Kontrollgang. Gedruckt wird das ja nie werden, also ist es so vielleicht zugänglicher (auch wenn man dann natürlich auf der anderen Seite ein guter Hörer sein müsste, wenn man schon kein guter Leser wäre). Aber darum geht es natürlich nicht. Ich habe sämtliche Freiheiten. Und gerade diese bringen mich ein ums andere Mal an die Grenzen des Machbaren. Gestern spielte ich bereits mit dem Gedanken, alles wieder neu zu zerpflücken, aber als ich die Skripte heute noch einmal durchging, wurde mir bewusst, dass an diesem einzigartigen Ding alles an der richtigen Stelle sitzt. Ich werde den zweiten Teil zum Böhmwind erst nächste Woche angehen.

Tontafelkalender 26 / Neblung / Zistag

Mit dem “Böhmwind, Erster Teil” habe ich jetzt eine Dreiviertelstunde fertig geschnitten, was mich heute den ganzen Tag gekostet hat. Zuhause ist nichts für eine solche lange Lesung ausgelegt, die Nebengeräusche alle rauszuschneiden ist eine einzige Tortur; ich könnte die Frage nicht beantworten, warum ich das mache, aber es fallen mir beim Aufnehmen die Schwankungen besser auf. Ich bin in so langen Passagen mit vielen Einschüben beschäftigt, die vor sich und um sich greifen (auch mal zurück, aber wohl erst später). Ich weiß nicht, ob hier noch von einem Erzählraum zu sprechen ist, es ist doch viel mehr ein klangliches Universum, denn manchmal denke ich, ich könnte auf jegliche Bewegung verzichten, auf jegliche Konkretion. Natürlich kann ich das hier und jetzt nicht – später in den Texten aber vermehrt. Was ich aber tun kann, ist stören.

Die nächste Frage: Mit wem rede ich hier eigentlich? Natürlich rede ich mit mir selbst; muss ich mir die Dinge bereits selbst erklären? Muss ich mir jetzt wirklich sagen, wo meine Brille ist? Sollte ich hier an Ort und Stelle einen Ort vereinbaren und muss mir dann nur merken, wo diese Vereinbarung steht?

Tontafelkalender 24 / Neblung / Sonnentag

was will man ist immer auch die Frage : was müll=mann? Ich habe da Texte entdeckt, die ich lange nicht mehr bearbeitet habe; manchmal will ich es, manchmal will ich es nicht. Das wird umso schwieriger, desto mehr Möglichkeiten ich habe, denn kaum habe ich einen Text beendet, schwebt mir sogleich eine andere Version vor. Oft will ich alles klein halten, nicht zu viel Bewegung außer in der Sprache, das mögliche Erzählen in Stillstand verwandeln, besser verweilen als irgendwo hingehen, immer das Tableau vor Augen. Manchmal muss ich mir selbst sagen, das ich Themen ketten muss, Themen, die mir Szenen sind, Einblicke, Hineinblicke und Hinausblicke. Ich bin über die Langform hinaus, die ich probieren wollte, die aber lauter Luftlöcher riss, ich hätte mich verkehren müssen. Ich kann also nur wieder und wieder beginnen und ändere damit nur die Anfänge, bis alles einmal Anfang gewesen ist. Zwar dachte ich mir : wenn etwas gedruckt ist, gilt es als fertig, aber ich drucke ja sehr wenig und eigentlich gar nichts mehr; es sind immer nur die “anfallenden Produkte”, die hinausschießen, das, was von der Arbeit übrig bleibt. Man darf sich in einer Situation wie dieser nichts vormachen : man wird – so wie ich arbeite – nirgendwohin geraten, es gibt kein Zielfeld, das die Schüsse abfängt, außer man wird verrückt, dann hat man sich ganz gut erledigt. Wenn die Textmasse wächst, muss es ein Entkommen geben.

Tontafelkalender 23 / Neblung / Sonnabend

Mit Elvia Wilk bespreche ich letzte Details zu meiner Übersetzung ihres Artikels “Tod durch Landschaft”. So wandern elektronische Briefe zwischen New York und Kempten, und wir kommen der Veröffentlichung Stück für Stück näher.

Darüber hinaus sind wir hier im K’ground mit Ars Acustica beschäftigt. Als ich mich – damals noch in der Schweiz – damit beschäftigte, waren die Klangskulpturen noch eng an meine Texte gehalten, aber Albera hat eine eigenwillige Erzählung im Sinn, die im ersten Take “Hexenwerch” nur Environment Ambience verwendet.

12.03

Avantgardismus ist ein Genre, keine Frage des Stils. Ist es ein Genre für schlechte Schriftsteller? Es ist natürlich leicht, ein mangelndes Talent hinter einem scheinbaren Experiment zu verbergen. Eine konventionelle Geschichte ist hingegen schnell identifiziert. Andererseits geht es bei experimenteller Literatur nie um den Leser, nicht einmal dann, wenn man metafiktional wird. Es geht rein und ausschließlich um den Text. Ich wäre ein lausiger konventioneller Schriftsteller, eben weil mir der Begriff des “Lesers” wie das Synonym für einen Idioten erscheint.

Lese ich in einer Besprechung: “Der Leser …”, denke ich: Aha, der Hundsfott. Tatsächlich war das nicht immer so. Als Leser vor 200 Jahren etwa war man anderen Geistes, heute müsste man von einem “guten Leser” sprechen. Aber die wenigsten wollen das Buch, das sie lesen, schreiben – und verstehen somit ihre Aufgabe nicht.

Tontafelkalender 20 / Neblung / Mittichen

Die Zahnbahn war wieder unterwegs in Richtung Franzosenbauer. Diesmal aber war nicht mein eigenes Maul schuld=und-sühnig, sondern Alberas Schnütchen. So schipperten wir hinaus hinaus, um ihr eine Zahnreinigung zukommen zu lassen. (Ich bekam anbei mein Schatüllchen mit Beruhigungspillen zurück, schönes ziseliertes Ding, Pillending, Pilendingering, Pillpill – Schluss jetzt!

Bin noch drei Seiten vom ersten Teil des “Böhmwind” entfernt, den ich noch heute Abend einmeisle, damit ich das in den nächsten Tagen als Tondokument hinterlassen kann.

Sonst heute nichts außer einiger Bücher.

Tontafelkalender 18 / Neblung / Mentag

Heute recht früh zugange. Aufstand um sechs, sozusagen. Albera at School. Rosinenbrot in ihrer Tasche, auch für morgen noch. Mit Herbst ist – wenn man so raussieht – nicht viel los in diesem Jahr (dafür gabs Frühling).

Die “letzte Hand” Böhmwind bleibt jetzt auch letzte Hand Böhmwind (“Der katabatische Elvegusterschien mir als Titel zu exzentrisch, was im Angesicht des ganzes Skripts etwas lustig anmutet)

Derweil plätschert noch der frühe Jazz von Jelly Roll Morton, Duke Ellington und Earl Hines aus den Sprechern, alles von der legendären “Jazzuela”. Bevor ich jedoch zum Tagwerk übergehe, lese ich noch (und endlich) Elizabeth Kostovas “Der Historiker” fertig, das ging mir gestern Nacht nicht mehr vor lauter Müdigkeit. Interessanterweise hat mich der Beruf des Historikers schon immer interessiert, weil er mit meinen persönlichen Interessen (I’m Old Fashioned) gut übereinstimmt. Für mich gibt es die Zeit des Millenniums nicht, ich mache bereits in den 1980er Halt, lebe aber im 19. Jahrhundert (so gut es eben geht).

Tontafelkalender 17 / Neblung / Sonnentag

Es es tatsächlich skurril, wie fremd mir das kulturelle Gebaren der Republik vor Augen liegt, wenn ich denn überhaupt einmal kurz nachsehe, was mich umgibt. Das ist nicht unproblematisch, andererseits kann und will ich mich nicht dazu äußern, was gerade im Munde aller geführt wird. Damit entziehe ich mir meine eigene Stimme, die aber auch keine Wand durchbricht. Der Zeit um mich herum kann ich zwar nicht entkommen, aber ich kann sie verachten, auch und gerade mit meiner radikalen Abgeschnittenheit. Das führt zu neunen Wegen der Wahrnehmung. Man empfindet alles nur noch als äußerst lächerlich. Gefährlich wird mir die Welt nur dann, wenn ich mich in ihr zu bewegen habe, was aber nur ganz selten der Fall ist. Und auch die Frage, inwiefern man den in der Zeit zurückreisen kann, beschäftigt mich. Ich liebäugle natürlich mit Landflucht-Gegenden, was immer einer Aussteigerei gleicht (nur bin ich nie irgendwo “eingestiegen” und kann deshalb auch nirgends “aussteigen”).

Neuorganisiert

Ich kann jetzt, da die Maschine wieder in Schuss ist, zu einer allerletzten Runde zur Sandsteinburg ansetzen. ‘Dort beim Heksenkraut’ ist in seiner erweiterten Fassung getippt, das ‘x’ wurde eingetauscht. Das macht die ältere Fassung obsolet, inklusive der Einlesung, die ich ebenfalls noch einmal neu angehe. ‘Der katabatische Elvegust’, vormals ‘Der Böhmwind’ oder ‘Es gab einen Sturm’ wurde gestern Nacht bereits skizziert, auch hier gibt es erhebliche Änderungen. Das Problem mit den Zettelkästen vs Notizbüchern löse ich mit Heftstreifen, in die ich Abschriften und Skizzen an die richtige Stelle ordne. Später bekommt jeder dieser Streifen ein thematisches Register. Das Problem mit den Zettelkästen war stets, dass längere Passagen über mehrere Zettel verteilt werden mussten, das ging dann schnell durcheinander. Und die Notizbücher, von denen ich hunderte besitze, sind ein einziges Durcheinander.

Links der bereits ausgedünnte Zettelkasten, rechts das neue Heftsystem (noch nicht ausgeführt).