Die Veranda

Das phantastische Leben in der alten Spinnerei

Kategorie: sigillum (Page 1 of 17)

Irisierend die Pforte

GrammaTau #63

Wenn man wirklich wüsste, was man zu sagen hat,
Wenn die Augen sich öffnen und zu galoppieren beginnen,
Eine Rutschbahn voller Eisperlen, an den Planken gefrorene Hände, Luftschiffe Im April mit gewetzten Messern als Krallen.
Die Motoren jaulen wie verbrannte Leichen, ihre Seele
In den Seitentaschen verstaut unter Münzen, Schnipp-Gummis,
Abgelaufene Eintrittskarten für das Spektakel ‘Yesterday’.

Das alles in den Augen zu sehen, die im Bett liegen,
Ganz friedlich die Stimmung ändern, um an ein weit
Entferntes Frühstück zu gelangen, ist dem Mondschein
Vorbehalten, der etwas damit anzufangen weiß, aber nie
Darüber spricht. Das Rauschen der Spülung
Schließlich, das Schaben an den angetrockneten Wänden,
Kann denjenigen verrückt machen, der nichts davon versteht.

Wanderer, Siecher

GrammaTau #62
Nehmen wir Unruhe an, nehmen wir 
Einen verbotenen Blick in die Truhe
Beringter Gestalten von ganz besonderer
Kraft. In dieser Form haben wir noch
Niemals dabei zugesehen & werden
Es nie wieder können.

Dabei ist der Spaltungsgrad auf einer
Skala von 1 bis 0 abzulesen &
Einzutragen. Schritte, meist purpur
Farben, rastlos, ein Wink des Schicksals
Mit ondulierter Figur, ein Winkelmesser
Mit zentrisch angehängtem Lot.

               „Schieben Sie bitte
               Den Riegel vor“

Damals gelang es uns, den Berg so
Zu sehen, als wäre er gemalt. Die
Hand die Kralle, nachsintflutig,
Bunt-brisig, Regenbogen-Absent,
Dafür aber unmittelbar. Der Gipfel
Trägt einen aufgespießten Delinquenten,
Darunter einen Kasten Bier für den
Wanderer, den Siecher.

Oh bewundere Kunst!
Oh bestaune ihren Wert!

Der Garten vor dem Haus vor dem
Fluss vor der Fassade plustert sich
Auf, pumpt in seinen Drüsen :
Ein Kessel, der den Druck beneidet,
Aber näher kommt, außer sich gerät.

Eine Entwicklung ist so gut wie
Jede andere, Blaupause des Gesangs
Vom Werden der Ohnmacht. Das kleine
Märchen spricht uns an durch wilde Gestik.

„Wartet, bis es so und so ist!“

Die verpumpte Dellenmaschine

GrammaTau #61

Weil nun einmal jedes Auge auf dem anderen sitzt,
merkt man sich deinen Namen zur genüge. Andersherum
wäre es zugegebenermaßen peinlich. Aber deine
Strümpfe sind ein Unikat aus Gedankenverlorenheit
und Avocadoduft, das Atmen ist also noch
inbegriffen, aber was geatmet wird, davon
handeln Legenden, die, wie wir hörten, den
Horizont verstopfen.

Um die Ecke gebogen ist das Glas, das Nowhere
einer degenerierten Generation. Halt gibt ein
Schlips um den Hals, der Kopf eine Dimension des
Garnichts. Sollten wir Brüder sein, verzeihen wir
nicht das gemeinsame Blut, dass dem Individuum
widerspricht, dem glatten Sein, eine Burg im Himmel,
mit Toren aus Plüsch und geborgten Ansichten.

Die Torten aus dem Stall reiten stuckwärts
den Bächen entlang, so dass der Durst abgeschreckt
wird durch faustdicke Chemikalien, die im Nebel
schwimmen, sich Tropfen leisten
                          (und diese unter den Teppich kehren)

Quellmaterial findet sich weiter oben, zum Bau
einer weiteren Säule gedacht, die hier die Erde
durchpflügen, sie sozusagen aufnähen und spreizen.
                          Die Eine stolpert gerade über hartnäckige
                          Blumen, spricht aus, was niemand denkt :
                          “Was ist das für eine Maschine?”

Die Erinnerung verblasst langsam, die
Geschehnisse aber bleiben bestehen, vielleicht
sogar die exakten Temperaturen, die in der Mitte
der Schatten gemessen werden. Worte versteifen.
Wie kommt es, daß Texte fließen? Über die Jahre
verwandelt sich das Inventar in einen großen Klumpen,
Materie, die sich kaum ablecken lässt.

Aus den Katakomben

GrammaTau #60

Absorbiert von Gedanken, die sich darum drehen,
was man getan hat, ob man stehen
bleiben könnte

                              Jetzt auch noch das :

Hinabgestiegen in den Sumpf der löchrigen Wirklichkeit,
in der Kanalisation steht
das Orchester Spalier und die Trompeten beginnen
               damit, nachzudenken, welches Stück
               sie nicht zusammen mit den Oboen blasen.

               Es könnte nicht schaden, die Deckel von den
               Straßen zu nehmen, den verkehr umzuleiten,
                                          in den Nebel hinein.

              Was an meiner Kleidung klebt, wird bitter,
              aber die Musik webt neue Instinkte,
              dem Gericht fehlt Koriander. Das grün furnierte
              Fleischbrett spiegelt das Halbzehn des Tages.

              Nur fünf Minuten später trägt der Wind
              den Geruch von nassem Fell herein,
              legt es auf den Tisch, setzt sich
              zwischen Sprossen, unzugänglich, mürrisch.

Superrealistisches Kabinett

GrammaTau #59

Beim betreten der Knochenkammer helfen Schuhe
die an den Fesseln sehr eng geschnürt sind
dabei französische Automobile darzustellen.

Die Luftlöcher
bleiben weiterhin ein Ärgernis
aber keines
das nicht durch eine Partie Schach
aufgelöst werden kann
vorausgesetzt, die Miniaturen werden
von jener Dame abgestaubt
die uns von der anderen Straßenseite aus zuwinkt.

Geben wir uns nicht der Illusion hin
mit Steinen gefüllte Blusen
könnten jetzt
da wir den Tee aus Marmorvehikeln schlürfen
ihre Taktik ändern.

Wir lernen
die Keuschheit in einer Pillendose unterzubringen
die uns zum nächsten Punkt bringt –
der Heiterkeit des Telefons.

Wir hatten von dir gehört.
Du seist mit exotischen Soßen sehr spendabel
würdest, angenommen, das stimmt
auch auf die Gabeln verzichten
die sich unkontrollierbar vermehren.

Also holen wir unsere Affen hervor
und zeigen ihnen leise
wo der Notausgang einen Knick vorsieht
es wäre schließlich unvorstellbar
eine Tube Salz in der trockenen Wäsche zu lagern
obwohl wir unsere Namen noch nicht vergessen haben.

In diesem Buch stehen noch immer dieselben zwei Wörter
die sie schon auf die Innenschenkel von Grashüpfern
tätowieren wollten
damit sie von der Wissenschaft
nicht vergessen werden können.

Niemand kam auf die Idee
ausgerechnet jetzt den Keks
über die am Boden Liegenden zu krümeln.

Das würde morgen zwar in der Zeitung stehen
aber nicht so sehr
wie deine Tanzschritte
unsere neuen Gäste beeindrucken.

Greife doch bitte kurz hinter dich
und reiche uns von dieser köstlichen Farbe
einen Zentimeter mehr Geschick.

Das Klingeln im Ohr war hausgemacht, ein
Manucaptus voller Überraschungen, die nach der
Wahrheit streben, sie aufgrund des
staubigen Bodens aus den Augen verlieren.

Wo zum Teufel kommt es her? Wer steht
hinter den Blechfiguren, versucht, sie anzumalen
während voller Fahrt, Dampf im Kessel,
Himmel unter den Füßen? Eines Tages sollten
wir es erfahren, das Begehren hintanstellen,
austreten aus den Sümpfen, den Sumpfgasen, Verballhornungen
ewiger Ruhe, dem Garten, der darin steht, um
uns mit Schall und Rauch, mit Tafelwasser
und einem niederträchtigen Pudding zu versorgen.
Dann werden wir einsehen, wie schwer es ist,
der Milchmann der Zeit zu sein.

Zorn entweicht den Lippen inniger Küsse,
ihr Gehege wird durch echte Zeitlupe enttarnt,
epochenschwer weitergeführt auf rutschigem Eis.
Du malst dieses Bildnis zu Ende, ich weiß,
dass in den Briefen von dir Zeichen von bescheidener Kraft
darauf warten, zerkleinert und als Pulver geschnupft zu werden.
Die Vielfalt ist also nicht nur ein Traum, der
auf 30 Grad Celsius heruntergekühlt wurde, kein
wuchtiger Schlag mit der Suppenkelle gegen
die Brandung ordinärer Musikstücke,
von zwei Meistern im Delir zusammengegeigt,
aber nutzlos, wenn es darum geht, dem einen
nicht das Geld des anderen zukommen zu lassen.

Nature morte

GrammaTau #58

Stuhlbeine
           ein künstlicher Wald
                         auf dem Parkett
der Wunsch, besessen zu sein
oder nichts
           mit Bequemlichkeit
                         zu tun zu haben

Willkürliche Anordnung
           von Händen, die sich
                         Platz schaffen
von dort unten
schaut niemand
           nach oben
                         darüber hinaus nicht.

Der Ruß im Raume wogte

GrammaTau #57

: temperamentvoll hatte sie auf einer ihrer
vierzehn Harfen gespielt, das geschnitzte
Cherubpaar über der Wendeltreppe aufgehäuft.

Taxierungen mit rascher Abschiedsszene &
1 Schlafzimmer im ersten Stock, zwischen all
den wurmstichigen, mottenzerfressenen Reliquien,

doch der Ruß im Raume wogte.

Man könnte uns das eigene Ich
wegnehmen wie ein Taschentuch.

: zündete ein Streichholz an &
in seinem flackernden Licht

               Demnächst
wird die Bestie sich unter Betten ver
stecken, Stücke aus den Füßen beißen. Seiten
Sprünge eines abenteurlustigen Otters auf
der Suche nach abwechslungsreicher Nahrung.

Man fixiert nicht seine Gedanken auf das
Inventar, trägt kaum braunen Schorf
zu eingefärbten Tennis-Socken (oder, wie
heute so oft gesehen, mit Schönschrift auf
dem Hosenbund. Die Gedanken agieren
freiheitlich & was das Wichtigste ist : pervers.)

Noch einmal steht uns der Sinn nach
               diesem Mischgetränk :

                              Zufälle sind meine Heimat,
                              Heimat ist Menschsein

Zwangsräumung und Willkommensgrüße warten
                              bis sie dran sind

Ich könnte jetzt aus dieser Perspektive
                              einmal noch an mir zweifeln
                              & der Dichter fährt beckleckert
zurück nach New York, das er zuerst für einen Haufen
von Schafen gehalten hat

Am Brunnen vor der Lore

GrammaTau #56

 

Wir schmierten Welpenbutter auf ein schornsteindunkles Brot
Nichts kann uns die Nacht erklären, die im Eise schwelgt
Und sich im Fieder wiegt wie leise auch die Motten
Von Firsten bluten Hirschdämonen ihre Kabel-Adern leer
Walmblechuhren schnabeln turteltaub auf diesem Dach
An einem garngesprenkelt kühnen Silberknauf, das Tor, das Tor

Ahndungsgepeitscht, Du Miozän, goschen mundlos sich die Jäger wach
Tragen Aschefleisch durch Schimmelstein
Aus Pferdenüstern steingeworden Atem pumpt hinauf

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