Neu in der Sammlung (8)

Goethe war eine Anomalie. Und Nicholas Boyle hat das vollbracht, was Reiner Stach mit Kafka gelang: eine definitive Biografie vorzulegen, den Künstler nicht wie ein Objekt innerhalb einer kulturellen, geistigen und gesellschaftlichen Suppe zu behandeln, sondern als Markknochen seiner Zeit. Haben wir auf der einen Seite das Kunstwort kafkaesk erhalten, ist es auf der anderen die nicht weniger prägnante Goethezeit von 1770 bis 1830. Es ist dies die erste Zeit einer Welle, die bis heute parallel läuft, während sich – eben seit Kafka – die Zeit in unübersehbare Kleinstteile zersplittert hat. Das aber war schon bei den Romantikern angelegt. Was Goethe betrifft, bin ich längst nicht komplett, trotz der Gesamtausgabe und einiger Biografien, die mich alle nur partikular überzeugen konnten. Von dieser hier verspreche ich mir berechtigter Weise mehr.

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