Nur ein Haus kann uns trennen

Dieser Artikel ist Teil 32 von 36 der Reihe Gespenstersuite
Ich konnte das Haus nur sehen, wenn ich schlief. 
Doch näherkommen konnte ich auch dann nicht. 
Ich versuchte es in jedem Tempo und sogar 
rückwärts schlug ich aus, aber es war jedes mal vergeblich. 
Ich fragte mich, wo das Haus wohl stehen mochte, warum es 
mich zu sich zog, wenn es doch nicht zuließ, ihm zu nahe zu kommen, 

aber alle Antworten darauf stammten von mir selbst. Es gab 
darunter keine Stimme, der ich vertraute, 
weil all die Häuserstimmen, die ich in mir trug, für sich sprechen wollten.
Räume schlagen Falten, aber ich habe noch nie jemanden gesehen, 
der diese Falten gerade rücken könnte in der Hoffnung, 
danach wäre alles wieder ordentlich wie ein Sonnenzimmer, 

das man seinen Gästen zumuten kann. Der Staub einer Woche 
zum Fenster hinaus gejagt, alles an seinem Platz.
Vielleicht war das Haus nicht für mich bestimmt 
und ich konnte es deshalb nur von einer gewissen Entfernung aus betrachten. 
Aber ich spürte, dass sich etwas Bedeutendes in seinem Innern abspielte 
und hätte viel dafür gegeben, zumindest durch die Fenster sehen zu können.

Bestimmt hätte ich etwas gesehen, das ich nicht verstand.
Im Grunde ist es nicht notwendig, sich vollständig an ein Ereignis zu erinnern. 
Herausgelöst aus den großen Kontenten, 
kann man es hinter der richtigen Falte im Raum für sich 
betrachten und studieren, auch wenn man nur Symbole erkennt: 
Haar, das sich wie wildes Heu bewegt, eine Tänzerin, 

deren Gesicht nie zu sehen war, schwarze Magie 
hat sich ihrer Glieder bedient, dabei war es nur ein Blues, 
ein Vorgeschmack auf die gedankliche Ödnis, die auf 
ein verlorenes Ereignis folgt. Man spricht, man tollt 
und gleitet aus dem Bild, dem man Beobachter war 
und für sich ein Dirigent; auch wiederholt man 

seine Erwartungen und ist in manchen Dingen der letzte Geist, 
der sich an eine Beschreibung wagt. All das würde ich 
durch die Fenster des Hauses sehen können, denn es wäre 
kein Hineinblicken in verborgene Kammern, auf halbdunkles Mobiliar, 
es befände sich ein gestauchtes Theater dahinter und nichts im 
Innern könnte den Voyeur vor der Fassade erkennen oder gar identifizieren. 

Er wäre gar nicht da.
Diesen Eindruck kann ich nicht von mir wenden, 
aber ich freue mich auf jeden neuen Schlaf, 
auf dieses Haus, das ich umkreisen, aber nicht betreten kann.

Veröffentlicht von

M.E.P.

Wenn es kein Buch ist, dann ist es ein Hörbuch. Und wenn es kein Wort ist, dann ist es der Jazz.

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