TF Episode #4: Nighttrain – Nachtschatten

Der 1. September 2019 war ein Festtag für alle Liebhaber der Weird Fiction und der Essenz der Horrorliteratur. Tobias Reckermann gab in seinem Imprint Nighttrain eine ungeheuer wichtige Anthologie heraus, die als Reminiszenz an Thomas Ligotti zu verstehen ist. Gleichzeitig war das die Gelegenheit für mich, etwas über den Einfluss Ligottis und die hier versammelten Autoren zu sprechen.

Da ich selbst übersetze und weiß, was das für eine Arbeit ist, darf auch die Leistung von Christian Veit Eschenfelder nicht unterschlagen werden, genau sowenig aber die grandiose Coverillustration von Jörg Vogeltanz.

Das Buch könnt ihr als Taschenbuch oder eBook hier beziehen.

Natürlich habt ihr auch wieder die Gelegenheit, das Skript für den Podcast nachzulesen, das ich euch auf meiner Webseite zur Verfügung stelle.

T. E. D. Klein – Botschafter des Grauens und der Romantik

1.

QUAL DES SCHREIBENS

Die gesammelten Widersprüche des T. E . D. Klein

 Wenn es in der zeitgenössischen Literatur einen Autor gibt, der sich dem Schreiben durch puren Masochismus verbunden fühlt und sich in seiner Qual trotzdem wegweisende Werke abringt, dann ist das wohl T. E. D. Klein, der Autor eines bemerkenswert schmalen aber wahrlich nicht unbedeutenden Œuvres.
„Ich bin einer dieser Leute, die alles tun würden, um dem Schreiben auszuweichen. Alles!”1,  sagt er. „Ich finde das Schreiben von Fiktion irrsinnig hart. Ich denke, ich bin ein extrem guter Lektor für anderer Leute Werke, […] aber es ist eine entsetzlich harte Arbeit für mich, irgendetwas Eigenes zu produzieren.“2
In einem Zeitraum (wir sprechen von mehr als 25 Jahren), in dem Stephen King ein ganzes Hochregallager mit seinen Büchern füllen kann, hat T. E. D. Klein einen Roman (The Ceremonies), fünf längere Erzählungen bzw. Novellen („The Events at Poroth Farm“, „Petey“, „Black Man With a Horn“, „Children of the Kingdom“ und „Nadelman’s God“) und etwas Kleinzeug (ein paar Kurzgeschichten, Essays und Rezensionen) zustande gebracht. Warum das so ist, erklärt er Carl T. Ford, dem Herausgeber des britischen Fanzines Dagon wie folgt:

Ich lese schnell, viel zu schnell und schreibe viel zu wenig und viel zu langsam. Ich bin ein Zeitschriften-Junkie, und ich kann Stunden glücklich damit verbringen, mich durch einen Berg von Zeitschriften zu lesen. Ich unterbreche nur mal kurz, um ein paar Artikel herauszuschnippeln, die es wert sind, sie zu behalten oder einem Freund zu schicken. Du würdest entsetzt sein, wenn du sehen würdest, was ich jede Woche über in der Post habe: Literatur-Magazine, Finanz-Magazine, regionale Magazine, politische Magazine jeglicher Färbung3, Reise, Humor, Wissenschaft, Film, sogar Magazine über Postkartensammeln und Fliegen (was ich beides nur in meiner Phantasie tue).4

“T. E. D. Klein – Botschafter des Grauens und der Romantik” weiterlesen