Neu in der Sammlung (7)

(c) Bildrechte der einzelnen Cover, von links nach rechts: Heyne; Hanser; Fischer

Das neue Jahr läuft vorwärts und die Bibliothek hat nun auch wieder zu wachsen. Unterschiedlicher könnten die Neuankömmlinge nicht sein. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich das neueste Buch von Eduardo Halfon endlich angehen konnte, mein Lese-Labyrinth war zeitweise etwas außer Kontrolle geraten. Gleiches lässt sich für die anderen beiden Bücher sagen. Brandon Sanderson fehlt mir in meiner phantastischen Abteilung zur Gänze, ich kann nicht im Geringsten erschließen, wie mir dieser hochgelobte Autor bekommen wird; stünde jedoch keines seiner Werke auf meinen Holzbrettern, wäre mir das nicht recht. Zu Reiner Stachs monumentaler und vermutlich definitiven Kafka-Biographie, die aus drei Bänden besteht, kann ich nur sagen, dass ich es über all die Jahre bewusst vermieden habe, mich diesem definitiven Werk zu nähern. Der Grund ist einfach: heute wissen wir, dass durch Stach die ganze Biographik auf ein neues Level gehoben wurde, und es würde einer intensiven Beschäftigung bedürfen, diese Supernova auch gebührend aufzunehmen. Ich kam nicht umhin, den Prolog zwischen Tür und Angel zu lesen, zu lange lebte ich diesbezüglich abstinent. Ein Rausch, bereits jetzt.

Eduardo Halfon: Der polnische Boxer

Der polnische Boxer ist eine kleine Sammlung miteinander verbundener Geschichten des guatemaltekischen Schriftstellers Eduardo Halfon. Diese Offenbarung erschien im Jahre 2014 fast unbemerkt im Hanser Verlag. Überraschend daran mag vor allem sein, dass es bereits Halfons zehntes Buch ist, aber das erste, das übersetzt wurde. Das Original erschien bereits 2008 und im September 2019 erscheint – nach “Signor Hoffman” von 2016 – sein lang erwartetes “Duell”.

In dem vorliegenden kleinen Puzzle bewegen sich Halfons Fragmente mühelos von Antigua, Guatemala, einem kulturellen Transitpunkt Mittelamerikas, nach Durham, North Carolina, Belgrad und Póvoa do Varzim, Portugal. Erzählt wird das alles von dem Protagonisten “Eduardo Halfon”, einem jüdisch-guatemaltekischen Schriftsteller und Literaturprofessor (ein Zufall, diese Ähnlichkeit mit dem Autor). Die Geschichten kreisen unter anderem um Themen wie Kunst und Schrift, Identität, Auschwitz, sexuelle Ekstase und Zigeunermusik. Und sie trumpfen mit dieser ganz bestimmten Art erdiger lateinamerikanischer Intelligenz; beschäftigen sich mit der Suche nach Antworten und geheimen Schlüsseln zu den Rätseln von Leben und Familie, Geschichte und Heimat, Wahrheit und Leidenschaft. “Eduardo Halfon: Der polnische Boxer” weiterlesen

Die agonale Kraft

Jetzt also kann ich mich in den sprachmächtigen u. detaillierten Roman von Alan Pauls – Die Vergangenheit – begeben, ein kleines Ausweichen von Roberto Bolaños Gesamtwerk; Casas Fabian und Eduardo Halfon sind bereits auf dem Weg (und mit etwas Verzögerung Carlos Busqueds Unter dieser furchterregenden Sonne). Sätze studieren, der Poesie auf die Schliche kommen, ohne sie in eine Theorie zu packen, was ja der Tod der Poesie selbst ist. Aus Lateinamerika war ich nie weg, auch wenn ich zwischenzeitlich interessiert daran war, was die Amerikaner so treiben, hier vornehmlich Ashberys Gedichte (“Mädchen auf der Flucht” – eine unfassbare Zusammenstellung des Unbegreiflichen). Europa? Nö. Wenn, dann Enrique Vila-Matas. Ansonsten bleibt hier nur das Alte, das man ja ohnehin kennt. Trotzdem nützt es nichts, zu sagen: so ist es eben. Ich frage mich also, woran liegt das? Das ist aber so unergründlich wie die Liebe selbst. Ich glaube, es ist der Nihilismus, gegen den man sich sträubt, und der mit Leben beantwortet werden muss.

Erfolg ist Verrat, Scheitern die agonale Kraft.

Las ich vor kurzem über Bolaños Wilde Detektive.