Julio Cortázar (Studien zur Phantastik)

„Was nützt ein Schriftsteller, wenn er die Literatur nicht zerstören kann?“

Die Frage stammt aus Julio Cortázars Roman Rayuela aus dem Jahr 1963, dem dichten, schwer faßbaren und raffinierten Meisterwerk, das gleichzeitig ein hochmodernes Spiel  um das eigene Abenteuer ist. Es enthält eine einführende Anweisungstabelle: „Dieses Buch besteht aus vielen Büchern“, schreibt Cortázar, „aber vor allem aus zwei Büchern.“ Die erste Version wird traditionell von Kapitel eins an durchgelesen, die zweite Version beginnt bei Kapitel dreiundsiebzig und schlängelt sich durch eine nichtlineare Sequenz. Beide Lesemodi folgen dem weltmüden Antihelden Horacio Oliveira, Cortázars Protagonist, der von den lauen Gewißheiten des bürgerlichen Lebens enttäuscht ist und dessen metaphysische Erkundungen das Gerüst einer wogenden, höchst komischen Existenzkapriole bilden. Cortázar sagte lakonisch: „Ich bin auf der Seite der Fragen geblieben.“ Aber es war der formale Wagemut des Romans – seine verzweigten Wege -, der auf die hartnäckigste und persönlichste Anfrage des argentinischen Autors hinwies: Warum sollte es nur eine Realität geben?

Die verbindende Durchgangslinie im Werk Cortázars ist das Beharren  auf der Elastizität der literarischen Kunst, um damit das einzufangen, was er als flüchtige, umstrittene und immer fließende Realität sah. Irgendwann sagte Cortázar:

„Ich hatte ein Gefühl der Vertrautheit gegenüber dem Phantastischen, weil es mir so akzeptabel und echt erschien, wie die Tatsache, um acht Uhr abends Suppe zu essen“.

Das Phantastische ist also ein Mittel, um die Flachheit des weithin Akzeptierten oder nur Prosaischen zu verlassen. Das Gefühl wird so zu einem Refrain. Für Cortázar, wie für seine Schöpfung Horacio, war die freudlose Verengung der gelebten Möglichkeit eine Verschwörung der großeren Falschheit, die er „die vorgefertigte, vorfabrizierte Welt“ nannte.

Während Cortázar nicht explizit erklärte, was er damit meinte, suggeriert seine Arbeit ein tiefes Mißtrauen gegenüber der Alltäglichkeit des Lebens, einen Verdacht, daß es sich um eine Lähmung handelt, die sich als beruhigende Routine ausgibt. „Es kam mir vor wie eine Art mentaler Rülpser“, sagt Horacio in einem der langen inneren Monologe von Rayuela, „daß dieses ganze A B C meines Lebens ein schmerzhaftes Stück Dummheit war, weil es allein auf der Wahl dessen basierte, was man Nicht-Verhalten nennen könnte, anstatt Verhalten“. Anderswo schreibt Cortázar mit ähnlichen Bedenken: „Wie es weh tut, einen Löffel abzulehnen, nein zu einer Tür zu sagen, alles zu leugnen, was die Gewohnheit zu einer angemessenen Geschmeidigkeit geschleckt hat“.

Für den Ableger der literarischen Moderne, den so genannten lateinamerikanischen Boom, in dem Cortázar in seiner Blütezeit der 1960er Jahre eine entscheidende Rolle spielte, kam eine radikale Neubewertung der Wirklichkeit auf. Der Boom, der unter anderem die überragenden Werke von Gabriel García Márquez, Carlos Fuentes und José Lezama Lima umfaßte, half, die Grenzen zwischen dem Alltäglichen und dem Phantastischen zu durchbrechen. Cortázar selbst brachte eine Art kosmopolitischen Kubismus in den Roman, in dem Zeit, Ort, Sprache, ja sogar der wörtliche Text selbst zu Orten der Auseinandersetzung, Teilnahme und des Spiels wurden. Die Read-as-you-like-Anweisungen von Rayuela („Der Leser darf das, was folgt, mit reinem Gewissen ignorieren“) sollten nicht als bloße Spielkunst oder avantgardistische Haltung verstanden werden, sondern sie stellten sich aktiv gegen einen literarischen Realismus, der nicht mehr den fragmentierten Texturen des modernen Lebens entsprach.

„Wenn man an die Grenzen des Ausdrucks stößt“, sagt er in einem Vortrag, „beginnt ein Gebiet, in dem alles möglich und alles ungewiß ist.“ In Cortázars Worten haben wir dann Eden erreicht: den ultimativen Zustand der Gnade.

Chimären (Poetik zur Quantenpoesie)

Neben meinen phantastisch-surrealen Kurzgeschichten, die sich nicht begrenzen und abgrenzen lassen, arbeite ich seit geraumer Zeit an einer Sammlung Chimären, die man der Flash Fiction oder den Microrrelatos zuordnen kann. Dennoch gibt es Unterschiede, die oft in der Sprachgestaltung selbst begründet sind. Oft genug versuche ich, die Regelpoetik zugunsten einer Tiefensprache auszusetzen. Oft genug geht es dabei um Komposition, Rhythmus und Bruch der Konsensrealität. Dass sie in den Labyrinthen der Sandsteinburg auftauchen, macht sie an dieser Stelle zu Streukapiteln.

Quantenpoesie

Nichts entsteht im luftleeren Raum. Meine Ästhetik, völlig auf sich bezogen, steht in der Tradition – und all ihren Brüchen – der romantisch-symbolisch-surrealen Schule des Pfades zur linken Hand (Left Hand Path). Es handelt sich um eine Literatur der Wahrnehmung und meint somit Ästhetik in ihrer Reinform. So also ist meine Prosa keine Prosa, sondern Textur, denn nichts anderes sind wir überhaupt imstande wahrzunehmen. Das hört sich zunächst an, als gäbe es, wie die Vertreter des Nouveau Roman behaupteten, nur Oberfläche. Dabei ist allerdings zu beachten, dass es überhaupt nirgends eine Oberfläche gibt. Das Erscheinende ist interpolierter Bestandteil unseres Wahrnehmungsapparates. Die Textur, die an die Form eines Leistungsdichtespektrums erinnert, wird in der menschlichen Expression meist zu Text oder Musik oder Bild. Ähnlich aber wie ein Atomkern nicht dargestellt werden kann indem man ihn fixiert, kann eine Szene (Sequenz) nicht dargestellt werden, ohne Partei zu ergreifen für das, was sich in Gattungen widerspiegelt. Die Textur ist gattungsfrei – ihr Gegenteil ist „Ablauf“. Und auch die Quantenpoesie ist gattungsfrei – ihr Gegenteil ist Regelpoetik. Aber hat nicht bereits die „Movens“ – Gruppe auf den „Nur-Text“ hingewiesen? Gewiss. Aber ähnlich wie der Kahlschlag aus Gründen einer Reduktion auf angeblich Wesentliches. Textur jedoch ist das Gegenteil von Reduktion; man könnte sagen, Textur ist alles – und das schließt das Unbekannte mit ein. „Bekannt“ nämlich kann uns nichts sein, was sich nicht in unserem Takte bewegt (in Relation zu absoluter Bewegung). Textur bewegt sich absolut. Unsere Wahrnehmung wäre demnach der Takt, mit dem wir dieser Textur etwas für den Augenblick entnehmen. Das ist Quantenpoesie.

Wissenschaft und Philosophie; neben der Poesie sind sie die beiden anderen „großen Fiktionen“. Sobald man sich daran gemacht hat, ungelöste Fragen zu beantworten, zerstört man das axiomatische Fundament. Die Quantenpoesie fragt nicht, klärt nicht (außer in ihrer immanenten Rhetorik), weil sie schon allein Seelensprache ist, also die Ursprache, die weder Gattungen noch Konventionen kennt. 

Ein Kleid spricht, ein Haus fährt nach Amerika.

Das absolute Buch

Mallarmé, der uns eine völlig neue Dichtung brachte, träumte von einem absoluten Buch, das er nie schrieb. Vielleicht aber war der Charakter des Werkes, zu dem er uns hunderte von Zetteln und Motiven hinterließ, das Scheitern. Einerseits das Scheitern am Schweigen, denn er erzählt uns, wie das Buch beschaffen sein sollte: aus losen Blättern, die bei jeder Lektüre so angeordnet werden sollten, dass sich immer ein anderer Text ergibt. Er erzählt uns von seinen Zweifeln; Fragmenten. Er hinterlässt uns Satzfetzen – das Buch aber schreibt er nicht. Er kann es nicht, denn er scheiterte nicht nur am Schweigen sondern ebenfalls am Werk, das er mit dem der Alchemisten vergleicht. Dem Dichter kann es immer nur um den Prozess gehen. Das Ergebnis ist völlig belanglos. Genau dieser Prozess aber, der ein Ergebnis außer Acht lässt, schneidet den Poeten von der Welt ab.

Wie sie einst im „Grenier“ miteinander diskutierten, meinte Zola zu Mallarmé, dass in seinen Augen ein Dreck und ein Diamant gleichviel wert seien. — „Kann sein“, antwortete Mallarmé, „aber der Diamant ist — seltener.“

Degas ließ es sich nicht nehmen, Mallarmés Poesie zur Zielscheibe verschiedener boshafter Witze zu machen. So erzählte er zum Beispiel, wie Mallarmé seinen Jüngern einst ein Sonett vorgelesen habe, worauf diese in ihrer Bewunderung das Gehörte in Worte zu fassen versucht und es, jeder auf seine Weise, interpretiert hätten: die einen sahen darin einen Sonnenuntergang, die anderen den Triumph der Morgenröte; Mallarmé erklärte ihnen: „Aber ganz und gar nicht … es ist meine Kommode.“

Käte Hamburger hat in ihrer Logik der Dichtung den dankbaren Begriff des Epischen Präteritum geschaffen, der unter anderem einen Satz wie: Morgen war Weihnachten erklärt. In der Dichtung ist es freilich notwendig, einer anderen Grammatik zu folgen, weil auch diese bereits in der Fiktionalität existiert. Die Zeiten, die ja nur für unser Verständnis eines Ablaufs erfunden wurden, kaum aber etwas mit der Tropik zu tun haben, müssen sich in jedem Fall der Dichtung unterordnen. Ich benutze dieses Epische Präteritum kaum, befürworte im Gegenzug die radikale Lösung, alle Tempora der Tropik unterzuordnen, wie sie Harald Weinrich formulierte. Auch in der Prosa, die für mich im günstigsten Fall ein breitgewalztes Gedicht ist. Gedicht und Kurzgeschichte, um mit Poe zu sprechen, sind die eigentlichen Ausleger der Poesie. Die Gemeinsamkeiten sind ja auch unverkennbar. Ziel ist die Stimmung, die Reflexion, die Musikalität.

Der Dichter

Lesen und schreiben sind ein und das gleiche. Das ist keine besonders neue Erkenntnis, fundamental aber wurde sie bei Borges. Jeder Dichter ist inspiriert von seinem eigenen Leben und von den Beobachtungen, die er durch andere Autoren macht. Vornehmlich durch die toten. Denn jeder andere lebende Dichter ist ihm Ärgernis, abgemildert dadurch, dass der Betreffende vielleicht in einer anderen Sprache schreibt. Warum? Weil, wenn der Dichter schreibt, nur er schreibt. Diese Aussage ist selbstredend völlig vermessen, trifft aber auch auf den Leser zu (und damit ist ganz und gar nicht unser Marktleser gemeint).

Mit wem würden Sie das Buch, das Sie gerade lesen, im selben Augenblick, da Sie es lesen, teilen wollen?, fragte einst eine Journalistin auf einer Lesung. Einzig mit dem geliebten Menschen, wäre für die Fragende die richtige Antwort gewesen, aber der so Gefragte sagte nichts. Die Journalistin wiederholte ihre Frage, aber der Dichter sagte noch immer nichts, bis er in seine Manteltasche griff, ein Buch von Maurice Blanchot herauszog, und damit begann, die Seiten herauszureißen und sie sich in den Mund zu stopfen. Ich will nicht, dass Sie das lesen, wenn wir nachher miteinander im Bett liegen, sagte er dann; denn ich liebe Sie ja nicht. Und damit gab er die einzig mögliche Antwort also doch (abgesehen davon, dass er sich eine Ohrfeige einfing und später mit niemandem im Bett lag, das Buch also nicht hätte aufessen müssen).

Wer, wann, was, und warum, spielen hier keine Rolle, das wäre nur reiner Informationsfluss, folglich: völlig unbedeutend. Warum ist „mit dem geliebten Menschen“ die richtige Antwort gewesen (wenn auch nicht die einzig mögliche)? Hier geht es nicht um romantische Beseeltheit, das steht fest. Das ganze Prozedere hat egoistische Gründe, denn auch die Liebe ist egoistisch, sie ist außerdem verschwörerisch, unduldsam, herrschsüchtig, sie ist ein Rausch des Exzesses. Und sie beruht auf Projektion. Wie die Literatur. Im besten Fall denkt man das, was man liest. Und man fühlt das, was man liebt. Fühlt man das, was man liest und denkt das, was man liebt, sind die Unterschiede kaum mehr auszumachen. Sie münden vielleicht in der Auseinandersetzung mit dem eigenen Werk, das ist alles.

Ada, oder Das Verlangen

1959 arbeitete Nabokov an mehreren Projekten gleichzeitig: „The Texture of Time“ und „Letters from Terra“. 1965 war er der Meinung, dass die beiden Ideen, die er verfolgte, miteinander kompatibel seien und machte daraus Ada, oder das Verlangen. Der Roman erschien 1969 und wurde zunächst mit gemischten Gefühlen rezipiert, bis die New York Times konstatierte, dass sich dieses Werk neben den größten Arbeiten von Kafka, Proust und Joyce einreiht.

Wie jedes gute Buch ist Ada eine Herausforderung. Hier gibt es keine lineare Geschichte, ganz im Gegenteil mäandert sie, unterbrochen von Brüchen in der Zeitlinie und Anmerkungen über das Konzept der Zeit an sich, und entfaltet so seine phantastische Größe.

Das Buch erscheint in der Hauptsache als die Memoiren von Van Veen, einem erfolgreichen und verwöhnten Aristokraten, der hier seine Erziehung auf dem Familenbesitz, seine langjährige Liebesbeziehung mit seiner Schwester Ada, die Liebe der anderen Schwester Lucette, die er nicht erwidert, und andere Angelegenheiten und Intrigen der Familie auf dem Planeten Antiterra, eine Variante unserer Erde, beschreibt.

Nach vielen Verzögerungen, bleiben er und Ada für immer zusammen und leben fast ein halbes Jahrhundert in inzestuöser Glückseligkeit.

Nabokov prangerte oft den sozialen und psychologischen Realismus an und reicherte seine Bücher mit Verfremdungseffekten und Distanzierungsvorrichtungen an – was ihn zu einem der größten Schriftsteller aller Zeiten machte. Hier aber warf man ihm interessanter Weise vor, den Realismus völlig abzuschaffen.

In schelmischer und magisch fließender Prosa geschrieben, ist Nabokovs längster, reichhaltigster Roman eine Liebesgeschichte, aber auch ein Märchen, eine historische Parodie, eine erotische Satire, eine Erforschung des Zeitkontinuums und eines der herausragendsten Werke der Phantastik, vermutlich das schönste, mitreißendste, außerweltlichste Buch in englischer Sprache.

Eine alternative Geschichte

Lange hat man sich darüber gestritten, ob das hier vollendete Science Fiction sei, was vornehmlich am Konzept einer alternativen Geschichte festgemacht worden war. Die meisten Kommentatoren zogen es jedoch vor, den Genrebegriff herunterzuspielen und suchten stattdessen ungeschickt nach Wegen, das Eindringen „trivialer“ Literatur in ein literarisches Meisterwerk zu entschärfen. Der Gipfel der Absurdität wurde dann auch erreicht, indem man erklärte, Nabokov sei ein Autor von „Physics Fiction“. Andere Kritiker bestanden darauf, dass Ada ein Roman über Sprache sei, oder eine Liebesgeschichte, oder ein Puzzle, das sich als Geschichte ausgibt, oder ein Kommentar zur Erschaffung literarischer Werke.

Wir sollten uns stets daran erinnern, dass ein Kunstwerk immer die Schaffung einer neuen Welt ist, so dass wir als Erstes diese neue Welt so gut wie möglich untersuchen und sie als etwas ganz Neues betrachten sollten, ohne offensichtliche Verbindung zu den Welten, die wir bereits kennen. – Nabokov in „Die Kunst des Lesens“

Das Buch beginnt im frühen 19. Jahrhundert, aber die Charaktere beziehen sich immer wieder auf anachronistische Technologien – darunter Flugzeuge und Filme. Dennoch haben sie keinen Strom und halten das strenge Tabu aufrecht, überhaupt davon zu reden. Es ist das Ergebnis einer mehrdeutigen historischen Katastrophe, die als „das L-Desaster“ bezeichnet wird. Seitdem ist die Elektrizität in eine spirituelle Obszönität gewandelt, über die man nicht sprechen kann. Viele der Technologien in Ada werden mit Wasser betrieben – Menschen sprechen durch ein wasserbetriebenes „Dorophon“ miteinander, anstatt ein Telephon zu benutzen, und bekommen Licht von einer plätschernden Lampe.

Der Roman spielt auf einem Planeten, der der Erde geographisch ähnlich ist, aber Antiterra genannt wird. Vieles, was wir als Nordamerika kennen, insbesondere Teile Kanadas, offenbaren einen ausgeprägten russischen Kulturgeschmack – ähnlich dem französischen Einfluss auf die heutige Québécois-Kultur. Die Vereinigten Staaten selbst erstrecken sich bis nach Südamerika. England ist eine Monarchie, die von König Victor regiert wird, und viele Teile der Welt – einschließlich Frankreich und Indien, Südafrika und Skandinavien stehen unter britischer Kontrolle.

Die Menschen auf diesem Planeten haben ein gewisses Bewusstsein für unsere eigene Erde, die sie Terra nennen, und die ihrer Vorstellung von einem Paradies entspricht. Nach dem Tode, so glauben sie, werden sie dorthin gehen. Einige Fanatiker oder Okkultisten haben Träume oder Visionen von Terra, aber ihre Schilderungen werden verspottet. Reden sie zu viel und zu leidenschaftlich von Terra, werden sie sogar als Wahnsinnige bezeichnet.

Dieses phantastische Setting durchwebt Nabokov mit einer grenzüberschreitenden Liebesgeschichte, die sich zwischen Van Veen und seiner Schwester Ada entwickelt hat. Diese Affäre zwischen minderjährigen Geschwistern, die intime Details präsentiert, ist noch weitaus unkonventioneller als selbst Humbert Humberts Beziehung zu Lolita. Zwischen den beiden Romanen liegen elf Jahre. Wir sprechen hier von einer Phase, in der sich die Durchsetzung der Zensur erheblich verändert hat, die noch in den 50er Jahren zu Verhaftungen, Buchverbrennungen und öffentlichem Aufschrei geführt hätte. Aber selbst diese Liebesgeschichte ändert wenig an den Anomalien des alternativen Universums, in dem sie angesiedelt ist und die dem Leser quasi auf jeder Seite vor Augen geführt werden. Denn natürlich hatte Nabokov als Geschichtenerzähler nur ein halbherziges Verhältnis mit der sogenannten Realität. Dennoch durchzieht Nabokovs Interesse für Wissenschaft den Roman.

Unser Protagonist Van Veen ist ein renommierter Wissenschaftler auf den Gebieten der Expertise literarischer Techniken, philosophischer Überlegungen und der Umgestaltung der Konzepte von Raum und Zeit. Veen nimmt den Leser dann auch häufig – abschweifend von der Geschichte seines Liebeslebens – auf Abstecher zu seinen Theorien der physikalischen Realität mit. Das mag sich manchmal so anhören, als würde Nabokov vergessen haben, dass er da einen Roman schreibt, aber er hat eindeutig die Vorarbeiten etwa von Proust und Thomas Mann im Sinn, die ja bereits vor ihm Reflexionen über die Zeit in ihre Romane aufgenommen hatten. Tatsächlich kommt Nabokov darauf auch auf den ersten Seiten zu sprechen. Deren poetische Reflexionen sind allerdings mehr Kunst als Philosophie, während Nabokov in diesen prallen Abschnitten den strengen Ton eines Pedanten annimmt und seine größte Stärke schrulliger Ausdrucksweisen hier gar nicht erst in Erwägung zieht.

Denn wenn er nicht gerade versucht, Einstein zu verbessern, verblüfft Nabokov mit all seinem Können in Sachen Witz, Wortspiel, Sex und Zynismus mit einer an Parodie grenzender Präzision und einem Vokabular voller Anspielungen, die selbst eine ganze Bibliothek voller Lexika herausfordern würde. Wer nicht bereit sein sollte, das Spiel nach Nabokovs Regeln zu spielen, sollte sich ein anderes Buch zur Lektüre suchen. Viele Dinge in Ada sind auf den ersten Blick obskur, werden später im Buch aber deutlich, während wieder andere Geheimnisse versunken bleiben oder nur halb erklärt im Hintergrund schweben.

Haderlumpen in der Küche beim Schmacken

Spaziergang; ’s Wonnestündlein hat geschlagen; Magd, gezwickt ins feiste Fleisch unter der Wolle, das sich rosend durch die Maschen zeigt. Willst du, dass man dich niederreißt, auf Schößen zappeln? Titt tatt tatt die Sauce aus den Ärmeln pludert buttert, schmiert und suppt, Gerüche vieler Zecher Dunst und vieler Mägde Beine schwitzen sich beim Kochen knochenglatt. Fisch mit Salbei und Lorbeerstrunk / Blanc Manger / Gesulztes Ochsenmaul / Karmeliter-Torten / Kälberbriesen & Euter / Kuttelflecke / Nierenomelette / Trauben in brauner Sauce / Jagdpasteten / Markmelonen / Böflamod.

Trippel trappel Mäuse klackern in den Ecken (Josefine, die Sängerin) hinterm Spülstein, Katzen wetzen schlanke Messer (vom Fressen auf den Schlachtfeldern: die Speisekarte – das blutigste Blatt das wir schreiben) schneller Marmortopf; Filme vom Fressen : der Projektor malt stümpernde Kochweisen an die Küchenwand. Im Einkauf nicht bekommen : diese Kapern oder Rosenblätter für den bitter’n Salat, den frischen Lorbeer-Kranz, den Karpfen mit dem tollen Namen und das Brot aus Themenreuth. Aber die Feste sind verändert worden, der Industriefraß dominiert, was frisch ist, wird gleich weggeworfen. Eis am Stiel : früher trug man eine gefrorene Wasserpfütze wie einen Lolli-Pop, die Geschmäcker, dann zertanzte sie einen Beutel Kakao, das anregende Zahlungsmittel der Inka, oder zerbiss eine von Rilkes geliebten Erdbeeren, Saft spritze druckvoll über Finger, klebte an den Lippen, die Zunge tat einen Salto (wie ein Frosch das Insekt).

Die Kußkelbertate

Wenn’s uns mit dem Kuss so ergeht, als wär’s zunächst ein Gruß von Innigkeit, sind wir vom Schlemmerwort ›Lecktschmandt‹ nicht mehr weit entfernt. Die Kußkelbertate ist nicht weit von der Hintertür entfernt und uns soll jetzt gar nichts anderes jucken als den Kuss auch auf die Liebe zu verweisen – mit deren Intension wächst auch die Bezeichnung des Kusses selbst.

Der Gruß von Innigkeit fliegt meist nur durch die Luft oder wird angedeutet, der Kuß der Verehrung wird uns erst die Brücke basteln, die bereits das Lustgefüge gewähren lässt, also bereits den Wechsel zwischen Gruß und lippender Inbesitznahme für das eigene Empfinden meint.

Bossen, Guschl, Tunsch, und Schmatz sind nur einige seiner sonderbaren Namen, und wo immer wir auch den Gruß des Kusses finden mögen, soll nicht das darin ausgedrückte Besiegeln von Frieden und Freundschaft uns für den Moment interessieren, sondern das Schlemmen des anderen, geliebten Parts. Da wird es nicht wunderlich sein, wenn selbst das höhere »Leck mich« doch eigentlich den Kuß bezeugt, denn ob man einen Arsch nun leckt oder küsst, macht der Frivolität keinen Umstand.

In Wahrheit geht das Küssen an der richtigen Stelle bereits notwendig in ein forderndes Schlecken über, das nun auf Speisʼ und Trank – du bist mir also Speisʼ und Trank – verweist, auf das Vernaschen. So wird deutlich, dass jemand von der Lust und von der Liebe zu leben vermag, er nascht vom dargebotenen Leib der Inbrunst, der Brunft; von der Aura des oder der Geliebten wird er sich be=essen.

So wie ebenfalls der Thanatos dem Eros nicht weit, so ist es auch das Essen aus dem Munde. Die orale Befriedigung des Kindes ist auch die Befriedigung des neuen Zustands der Liebe.

»Gott, wie bin ich beschmetterlingt!« (– statt ›beflügelt‹.)

Der Geburtstag der Friederike 2

Von wahrer Bedeutung fand sie das, was die Bauernmädchen hier veranstalten würden. Heute vielleicht schon. Bei Hofe wurde unter die Kleider geschaut; pralle Früchte zeigte nur das Land. (Arkadia liegt, auf unserer Weltkugel daheim, etwa 1741 km südöstlich von Paris; in der Phantasie ist Arkadia überall.)

Da drüben räubert jemand tageslichtscheu aus dem Küchenflügel, ungelegen geknöpft, ein missglücktes Schauspiel aller Heimlichkeit – (die Speisen müssen auch immer durch den Garten spalieren, was den Vorteil hat, dass keiner unangemeldet nachsehen kommt, was die Küchenkobolde für Hexentaten unterm/aufm Tisch veranstalten : bar=pedes im Pudding passiert scho’Mahl, wenn man so unkommod auf dem Tisch genommen wird!) – schlitternd auf Gekrös’, das ansonsten aus den Fenstern baumelt, auchMahl die Schwerkraft nutzt.

Schinkenklopfen : ein Spiel für kraftstrotzende Backen und einer eleganten Hand beim Versuch, die Poularde schneller einzumürben als der Nacktarschige ein Glas Wein verkosten kann! : Ernst Buguslaw Wobeser! Diese Hofschranze, die ihren weißgepuderten Schwanz, die fettigen Finger obendrein, in jede Öffnung steckt; ein dämmerungsaktiver Buntmarder, der die angekündigte Sonne verschlafen will, an den Fingern suckelnd, den angetrockneten Traubenmatsch ablutschend einschläft.

Die üppig hinunter zu Tisch triefenden Rinnsale ausgestülpter inkompetenter Lippen (und auch Wildbart). Besteckfinger greifen abgekühltes Kochgut Kran Schaufel zwick zwack Wein Bier Kelch Steingut, überschwänglich berankt dicker süßer Blätter, lutherisch lüstern platscht plantscht das Fußbad (Kamillenschaum, Lavendelwasser) die Knochen fallen wo die Hunde lappend Boden suchen züngeln um das Hühnerbein.

Von außen fand man sich gleich in der Welt Carl Gontards wieder, aber die Spiegelscherbenkabinette im Innern waren doch ganz und gar ähnlich vorzüglich wie in der Schlossanlage zu Bayreuth, die man in den ausgewogensten Verhältnissen vorfindet : ein feines, zartes Relief der Gliederung. All das würde sich die Natur eines Tages wieder holen, Busch und Baum, aufsteigend in Fontänen von Strahlen und Strahlenfiguren.

Sie hatte im Traum etwas Orphisches gelesen: »Oh meine liebliche jüngere Schwester! Die Länder, die wir beide gemacht haben, sind noch nicht vollendet. Kehre also zurück!«

Und sie, die Schwesterbraut, antwortet: »Es ist wirklich bedauerlich, dass Ihr nicht früher gekommen seid, denn ich habe bereits von der Nahrung der Unterwelt gegessen.«

Sollte sie jemals ein Schloss ihr Eigen nennen, würde sie es ›Fantaisie‹ nennen; ›Schloss Fantaisie‹. À la longue sollte ihr das gestattet sein. (In Donndorf bei den Kyffhäusern wird sie’s finden und dort Blütenteppiche weben.)

Dann tauchte, wo sie sich gerade zum Pudern aufraffen wollte, diese Person auf, die eine Aura wie ein Geist um sich herum drapiert spazieren führte, ganz adrett gekleidet, aber mit den merkwürdigsten Verzierungen. Nicht wie ein Bauernbursche, aber auch niemand, der sich so bei Hofe sehen lassen konnte : die Arme frei wie ein Ausmister. Ganz durchscheinend näherte er sich, schien zu staunen, als wisse er gar nicht, wo er sich befand.

»Gehört das alles Ihnen?«, sagte er, deutete auf den Gebäudekomplex. ›Von Robbie Schumann zu den Crossroads‹ stand auf seinem Oberkleid mit den abgetrennten Ärmeln. Sollte sie ihn ohrfeigen? Durfte sie sich derart ansprechen lassen von einem Gogue?

»Wie heißt du?«, fragte sie ihn barsch, denn die Situation kam ihr nicht geheuer vor.

»Adam. Aber Sie können mich anders nennen!«

Und wie er spricht, gehört er zum Küchenpersonal; aber wie durchscheinend er ist!

»Solltest du nicht bei der Arbeit sein?«

»Ich arbeite doch noch nicht!«

Er kicherte, er lachte sie aus.

»Ich liege in meinem Bett und schlafe. Gar nicht weit von hier.« Er drehte den Kopf eulenhaft in alle Richtungen, deutete dann zum Jagdgarten hin. »Dort oben an der Eger. Nicht eine einzige Hütte!«

Wenn nur jetzt jemand käme, das Gespenst des Morgens von ihr zu nehmen, denn ganz sicher erkannte sie die Umgebung durch ihn hindurch. Schließlich fragte sie ihn nach seinen Absichten.

»Herausfinden, wo ich lebe. Aber Sie sind neu in meinem Traum!«

Burschen jagten beritten durch die Gänseschar, hackten nach den aufgereckt-aufgeregten Hälsen, die fliegenden Köpfe beschrieben perfekte Parabeln, wurden in den Achselgewölben gesammelt. Rotes Lärmen zementierte die Schau der juvenilen Schweinerei, markierte den Schlachtplatz für die Bauerndirnen, die sich etwas abseits bereits angifteten, während sie noch damit beschäftigt waren, sich jene Kränze aufzusetzen, die sie sich in Augenblicken wieder herunterreißen würden.

Der Gänsehüter, ein Jüngelchen von blassem Hager, hasste diesen Tag, aber an Rache war noch nicht zu denken, also wendete er sich ab, stopfe Margeritenknospen in seine Ohren, bemüht, nicht zu erbrechen.

Das schönste Mädchen der Stadt wurde prächtig aufgeputzt, man legte ihm ein niedliches Knäblein in den Arm und setzte beide auf einen kostbar aufgeschirrten Esel. Die Glocken läuteten und mit großem Pomp wurde die Messe gelesen. Der Eingang, das Kyrie, das Gloria und das Credo wurden jedoch mit dem Ruf des Esels beendet.

Jetzt gingen sich die Maiden an; die eine versuchte, das Gesicht einer anderen zwischen die Hinterbacken zu nehmen, der Kranz fiel von selbst aus dem nassen Kopfgestrüpp. Sie teilten sich platschende Hiebe, grunzende Knietritte und Stampfer ins Abdominale. Wasserfontänen sprotzten Gansfedern auf, die sich im Puls des Furientanzes verhakten oder einfach auf’s Gekrön setzten. Wieder fiel eine in die angerichtete Pfütze und wurde von Zweien gepackt, die selbst über die Gefallene hinweg krakten. Der Spaß war freilich, ihr im Gesicht zu sitzen, der Anderen vielleicht mit einem Knacken die Nase zu brechen, was beiden nicht gelang. ›A mock heroic poem‹ auch hinter deren Rücken, wo man schon Einer die Haut zerkratze, um sie auf einen Balken zu schnallen, um sie also restlos aufgebracht dem Adel darzubieten. Nun war diese keine Diana, unterm Adel kein Aktaion zu finden; der Fleischbeschau blieb ungesühnt, diente nur dem einen Zweck, sich Demut zu erzwingen. Wo alles sich in Fetzen reißt, wo alles übereinander fällt. Nur ein kurzes mörderisches Spiel.

Der Geburtstag der Friederike 1

Elisabeth Friederike Sophie von Brandenburg-Bayreuth geistert in den frühen Morgenstunden ihres 25. Geburtstages in der Waldmulde an den Ufern der Eger herum wie ein Firmamentgespenst auf Erden, tastet verschlafen den noch gar nicht fertigen, kühlen Triumphbogen, den man ihr zu Ehren hastig vor das Schloss gezimmert hat. Ein finsterer Schatten flaniert über die Weiden, hat sich in den zahlreichen Zimmern verschanzt und kriecht über die Uferwände des Flusses. Immer wieder schallte ein körperloses Rufen aus den offenstehenden Türen, versteckte sich unter Flechtenmänteln.

Sie befindet sich nun seit einem Jahr im Walditalien des Bayreuther Kreises. Vergessen ist, dass sie je nach Wirtenberg zurückkehren soll, wo sie ihr einziges Kind verloren, ein Totenhemdchen nach dem anderen genäht, die Segel in den Tod gestellt hat, den schwarzen, heimlichen Wind.

Der Stuck, der kühl unter ihrer Berührung keine Anstalten macht, ihr Trost zu spenden, ihre entweichende Klarheit aufzuhalten, verlottert bereits unter ihren Augen. Stummer Zeuge Mörtelkranz. Nur ein temporäres Sandsteinhäufchen, in Model gebracht.

Dass sie bereits so früh in der stillen Kühle, dem Niemandsland des Tages, herumstromerte, hatte mit den rappelnden Geräuschen in den Wänden ihrer Kobe zu tun. Schlaflosigkeit verstärkt, wie ein Brennglas jeden Luftzug, der ohne eine Öffnung keine Stimme hätte. Vom Schlüsselloch kommen kaum Weisheiten gesagt, wie denn in einen seligen Schlaf zu finden ist, also vermischen sich die Gedanken mit dem unheimlichen Klang und vergrotten. Vielleicht ist es schon der letzte Atemzug der ›Pirkerin‹, die in Hohenasperg ihre Kerkerrunde dreht, begleitet von den Ratten und ihrem Gesang, der sich den Lüften offenbart und von ihnen davongetragen wird, einst lieblich, jetzt schmerzvoll und ohne Takt, sinnlos; wie im Hildebrandslied: ›sunufatarungo!‹ Wie wohl hätte sie sich jetzt hier umgesehen, die Gedanken geschnürter Wind, der in ihrer Kehle Klänge schuf? Vor allem hätte ihr die mütterliche Freundin wohl angeraten, nicht so unbekleidet vor den Zinnen herumzugeistern.

Fünfundzwanzig Sommer mischten ihren Teint (ihr Gesicht war um diese Zeit noch gar nicht aufgetragen!); kein Satz wie dieser : »Ach Keuschelchen! Jetzt sei doch wieder schnuck!«

Ihr Vater nannte das hier die Wildkammer seines Landes – und vornehmlich waren das der Selber Forst, das Egertal mitsamt der Zuflüsse, die Moorgebiete der Häuseloher Verebnung, die Weiherketten am nördlichen und südlichen Rand des Wellertales, das Hengstberggebiet und die Schneeheide-Kiefernwälder; während ihre Mutter ständig unzufrieden über den popeligen, primitiven Landadel schnaubte, der sich hier fand.

Hier waren sie nicht nach der französischen Mode gekleidet, sprachen kein Französisch, und die Läuse in den Perücken dieser Leute hatten wohl einen älteren Stammbaum als die Adeligen selbst. Außerdem lebten sie wie die Phäaken.

Seit einem Jahr stand dieses neue Jagdschloss nun im lernäischen Gebiet des großen Hercynischen Waldes. Der Geruch orgiastischer Riten hing über dem Ort. Selbst die Mägde torkelten trunken-zerrauft einher. Casanova, der Sophie ›das bezauberndste und hübscheste Mädchen der deutschen Lande‹ genannt hatte, als sie noch ein Mädchen war, hätte dies hier nicht besser ersinnen können für seine Liebesmahlzeiten mit Grog und freiem Unterkörper, Schwert und Gewürzwein. Freilich war er nur ein Claquer, wenn auch ein Galan, der dem Hühnerstall nie entwachsen konnte, dem das Leben ein Abenteuer mit höchstem Einsatz blieb.

Doch was geschah mit dem bei der Jagd erlegten Wildbret? Nur ein geringer Teil davon wanderte in die Kaiserhammerer Schloßküche. Bei einem Aufenthalt Markgraf Friedrichs mit seinem Hofstatt vom 19. – 25. Oktober 1760 waren es gerade einmal 159 Pfund Hirsch und 22 Pfund Reh und 13 Hasen gewesen, während in derselben Zeit 1118 Pfund Hammel- und Lammfleisch, 657 ½ Rindfleisch, 426 ½ Kalbfleisch und 18 Pfund Forellen verzehrt wurden. Serviert wurde damals an 11 Tafeln. Das meiste Wildbret wurde an die Untertanen verkauft.

Die Stimmung des Suchens

Die Stimmung des Suchens. Als ob immer etwas verloren bleiben müsste, um das Leben in Gang zu halten. Als ob man es nie finden dürfte, um diese Gewisse Stimmung nicht zu verlieren, die sich in der Oktoberweite verliert, die sich in Herbstgedanken über die Unterweltsonne eines Cromm Cruach äußert. Hat man verloren, was man nie sah, an das man sich nicht erinnert, kann auch das Vergessen nicht trösten. Das Phantom bleibt uns, huscht aus dem Blick, wenn wir die nächste Schneise erreichen, den nächsten Gipfel passieren, das nächste Meer überqueren. Mir kommt das Nichts ungeheuerlich vor, aber ein Nichtmehr zermartert das Gemüt.

So viele Bücher gibt es, die sich mit der Suche beschäftigen. Wie die Stationen eingesetzt werden, ist bedeutend. Hier kann sich eine ganze Sphäre verändern.