Charlie Lovett: Das Buch der Fälscher

Peter Byerly, ein Antiquar, fühlt sich mit Büchern wohler als mit Menschen. Wenn er mit den Sondersammlungen der Ridgefield University arbeitet, befindet er sich in dieser Welt der seltenen Bücher in allerbester Gesellschaft. Dort lernt er das knifflige Handwerk der Buchrestauration und auch einiges über das Fälschen von Büchern. Nach dem Tod seiner geliebten Frau führt er noch mehr das Leben eines Einsiedlers in England. Beim Versuch, sein Leben zurückzugewinnen, stößt er auf ein jahrhundertealtes Aquarell-Porträt in einem Buch über Shakespeare-Fälschungen, das seiner Frau Amanda verblüffend ähnlich sieht. Als Byerly nach dem Künstler des Gemäldes sucht, stolpert er über ein Buch, das – wenn es echt wäre – nicht weniger als ein literarisches Erdbeben auslösen könnte – den “Pandosto”, jenem Buch von Robert Greene, in dem sich eine der wenigen Zeugnisse, die wir von William Shakespeare haben, finden und das dem großen Dramatiker als Vorlage seines “Wintermärchens” diente. Dieser Fund könnte den ewigen Streit zwischen Stratfordianern (jene, die glauben, der ungebildete Shakespeare habe diese Werke wirklich alle selbst geschrieben) und Oxfordianern (jene, die glauben, ein anderer hätte diese Werke geschrieben und Shakespeare wäre nur ein “Strohmann” gewesen) für immer begraben, so es denn echt wäre, denn Shakespeare hat es mit unzähligen Randnotizen versehen, als er sein eigenes Stück daraus machte. Byerly versucht also zwanghaft, die Authetizität des Buches zu klären. Wie es aber bei einer Rätselgeschichte so ist, ist nichts wie es scheint. “Charlie Lovett: Das Buch der Fälscher” weiterlesen

Das Portal zu einem alternativen Universum in “Stadt ohne Namen”

Vertraut ist dem Leser und Maniac des Kosmischen Grauens der Typus des Forschers, den Lovecraft uns vorausschickt, eine Welt zu erschließen, die gehörig an unserem inneren Wahrnehmungskosmos rüttelt. Eine, die nicht vom Menschen ausgeht. So lese ich zumeist. Die uns unser Dasein auf dem Erdball, unser Erleben und die Empfindungen, die wir daraus ableiten, mächtig dunkel einfärbt. Schon früh als „literarischer Kopernikus“ von seinen Schriftstellerkollegen eingestuft, gibt er uns den neugierigen, besonders empfänglichen Typus an die Hand. Der über so viel Wissen verfügt, dass ihm mindestens klar sein muss, oder spätestens während seiner Erkundungsodyssee absolut klar werden wird, dass er im Grunde nichts weiß. Dass er mehr und mehr erfährt, was ihm widerfährt, je weiter er sich wagt, während er die Zeit gewissermaßen hinabkriecht. Eine Figur aus sich, aus Lovecraft selbst genommen, die ihm als Schablone diente, sich seinen Yog-Sothoth-Mythenzyklus (oder, wie es dem Gros der Leser und Fans durch August Derleth, den man auch den Erdgucker schimpft, in den Mund gelegt wurde: Cthulhu-Mythos) zu erschreiben. Eine Figur, wie wir sie immer wieder in seinen Erzählungen finden. Der kosmische Archäologe. -Klar! Bedeutet ἀρχαῖος (archaios) zu deutsch nichts anderes als alt. Die Lehre vom Alten, den Altertümern. Oder: den “Großen Alten”. Also richtig alt. Fossiler als fossil. Urur sozusagen. The Beginning … vielleicht … “Das Portal zu einem alternativen Universum in “Stadt ohne Namen”” weiterlesen

Tontafelkalender vom 18ten Hornung xx20, einem Zistag

Mir sind jene Geschichten lieb, in denen jemand nach seiner verlorenen Vergangenheit sucht. Herausgefunden habe ich diese Vorliebe für diese spezielle Form der Queste, als ich vor Jahrzehnten Tabucchis Indisches Nachstück las. Es war mir stets ein Ereignis, von einer melancholischen Vergesslichkeit zu träumen, die unmittelbar auf die Vergänglichkeit verweist. Es mag wohl daran liegen, dass sich hinter meinem Rücken selbst viele Rätsel aufgestaut haben. So gibt es zum Beispiel eine Fotografie, die sich in meinem Besitz befindet, auf der ein in den 1960er Jahren junger Mann zu sehen ist, wir er neben meiner damals ebenfalls jungen und unverheirateten Mutter steht; leicht versetzt zu ihr hakt er sich mit der einen Hand bei ihr ein (die andere ist nicht zu sehen) und könnte sie sogar am Fallen gehindert haben, denn sie deutet einen Ausfallschritt an. Das wäre an sich nichts Ungewöhnliches, wenn nur überhaupt jemand wüsste, wer dieser Bursche ist. Es soll sich wohl um einen ihrer Verehrer gehandelt haben, aber wodurch ließ er sich vertreiben? Diese Frage ist eine Kleinigkeit innerhalb der Fakten der Zeit, die empfindlich auf nur die kleinsten Impulse reagiert; größer ist sie, wenn sie die Wahrscheinlichkeit meiner Existenz berührt. Die Idee, dass ich ein anderer hätte sein könne, macht mich schaudern, aber nur deshalb, weil es dieses Foto gibt und ich es habe, denn alle, die es betrifft, sind tot und wussten zu Lebzeiten kaum etwas von seiner Existenz. Ich halte den Augenblick einer Unmöglichkeit in der Hand, der ich kaum weiter nachspüren kann.

Während ich nachts auf dem Kackbecken hockte und las, hörte ich den Wind durch die Rohre nach oben durch den Abfluss granteln. Es hörte sich in etwa so an, als ob ein Elefant ein Zelt anbläst, dessen feine Wände zu flattern beginnen.

Der Ursprung der Geister und berühmte Darstellungen in der Literatur

Seit der Mensch sich selbst bewusst ist, scheint er sich auch der Geister bewusst gewesen zu sein. Das Konzept der Geister, aber auch der Geistergeschichten, lässt sich bereits in den Anfängen der Menschheitsgeschichte finden und hat die Menschheit seit Generationen gefangen und mystifiziert.

Ein Rascheln in den Büschen, ein knarrendes Geräusch, und die Angst, die sich mit unserem Instinkt zum Überleben verbindet, der uns Dinge sehen oder fühlen lässt, die vielleicht nicht da sind. Aber auch der menschliche Glaube, dass etwas jenseits des Todes existieren könnte.

Was ist ein Geist?

Was wir heute als Geist interpretieren, hat seine Wurzeln in den Mythen und Überzeugungen der alten Kulturen. Geister oder Gespenster waren und sind manchmal immer noch der Geist einer Person oder eines Tieres, der nach dem Tod des Körpers weiterexistiert. Es liegt zum Teil an diesem Glauben, dass viele Beerdigungsrituale ursprünglich stattfanden und praktiziert wurden, um zu verhindern, dass der bestehende Geist auf der Erde verbleibt und die Lebenden verfolgt. “Der Ursprung der Geister und berühmte Darstellungen in der Literatur” weiterlesen

Spintisera

Zunächst war es nur seine rechte Hand, die in einem Buch verschwand,
und er dachte sich nichts dabei, da er übermüdet und unkonzentriert
las. Es musste ihm also nur so vorgekommen sein, als wäre die Hand
beim Umblättern verschwunden. Im nächsten Augenblick war alles wieder
wie gewohnt und er fühlte das raue Papier mit seinen Fingerkuppen.
Doch blieb das eigenartige Gefühl zurück, für kurz eine Reise
unternommen zu haben, und der Holzgeschmack auf seiner Zunge sprach
ebenfalls dafür, dass etwas anders war als zuvor. Plötzlich glaubte
er die Worte schmecken zu können, die er gerade gelesen hatte oder
im Begriff war noch zu lesen, er wusste, wie vergänglich die Ein-
drücke von einer festen und gelehrigen Sprache waren, und wie es im
Buch selbst aussehen musste, so beladen zu sein, so übervoll an Be-
deutung; und das alles nur wegen einer kaum zu bemessenden Zeit-
spanne, während der er sich eingebildet hatte, er griffe in den
Kern der fremden Existenz, die er bisher nur als Fetisch oder Nutz-
objekt verstand, als Medium, den den Geist in einer Trance badete,
die selbstverständlich war und darüber hinaus voller merkfähiger
Gedanken, aus der Gruft der Vergangenheit herangeweht, aus den
Nischen der Körperlosigkeit und des bloßen Einfalls. Er versuchte
es erneut, bei vollem Bewusstsein, aber das Buch, das wieder Gegen-
stand geworden war, wies seine erwartungsvoll tastende Hand zu-
rück. Die Verhältnisse waren geklärt; und er konnte zwar tun, was
immer mit einem Buch anzufangen ihm in den Sinn kam, das meta-
physische Momentum jedoch schien verloren. Während er weiter las,um
zu erahnen, welche Zaubersprüche seine Hand durch Materie gezogen
und seinen Geschmack entfacht hatte, bemerkte er, wie die Ober-
fläche des Blattes in eine Dreidimensionalität glitt und dahinter
sich Buchstaben drehten und verrenkten wie im Veitstanz. Ein gan-
zes Alphabet an dicken Bäuchen und schlanken Hälsen räkelte sich
auf einem gepflegten Rasen, zum Turnsport versammelt, bis er er-
kannte, dass es sich um Fracks und Ballkleider handelte, die um
Leiber geschlungen waren, die geschnitzten Figurinen ähnelten
Ihre Bewegungen blieben abstrakt und im Grunde nicht nachvollzieh-
bar. Außer diesem beweglichen Tableau sah er nichts, denn er
wusste ja dass er las und sich die Zeichen in seinem Schädel erst
eine merkwürdige Pläsanterie erlaubten. Auch schmeckte und roch
er wieder Holz, zu dem sich Gallussäure und Speck gesellte, denn
natürlich hatten seine unvorsichtig unsauberen Finger seit der
letzten Mahlzeit kein Handwasser gesehen und etwas Fett auf die
Kanten und den Umschlag übertragen. Doch das Atmen fiel ihm
leichter in seiner ungelüfteten Stube, denn hier stand, dass jeder,
der sich bewegte, auch etwas Luft zugefächelt bekam. Er sah, wie
die Buchstaben atmeten, wie sie groß wurden und wieder in ihre
ursprüngliche Form zurückfederten, wie sie Lerchenstimmen lauschten,
um dann die Bedeutung für ihn zu turnen, weshalb er überhaupt
wusste, dass es sich eben um diesen Vogel handelte.

Die Domäne der heißeren Zerstörung hatte das Land ergriffen, in das
er jetzt hinein trat und ihm war es, als fiele er von einem heißen
Sommermonat in ein kaltes Kneippbecken, um ihn vom Leben selbst zu
kühlen, denn als er gerade noch das Grün einer wilden Botanik durch-
streifte, war er von einer Sekunde zur nächsten der blühenden Pflanzen-
gesellschaft verloren. Noch dachte er, dass sich das Land schnell ver-
ändert haben musste, während er in Gedanken war, denn der Keim aller
Trostlosigkeit steckte in diesem abrupten Wechsel, und es wollte ihm
gar nichts nützen, dass er zunächst instinktiv zurückschreckte und
überrascht hinter sich blickte: der Eindruck blieb nämlich bestehen,
so als habe er sich mit der Vorstellung des Üppigen selbst getäuscht.
Er war wie so oft an eine Seifenblase gekettet, die von innen unzer-
störbarer anmutete als das von außen der Fall war. Diese zerstobene
Blase ließ ihn jetzt die Wahrheit erkennen und zum ersten Mal in sei-
nem Leben fragte er sich, wo er war und wie er dort hin gekommen sein
konnte. Seine Vergangenheit war ein plötzlicher Morast, bestehend aus
Winkelzügen einer unzuverlässigen Erinnerung, die ihn bedrängte und
zur Selbstbefragung nötigte, ob er sich nicht ebenfalls seine Wanderungen
eingebildet haben könnte, ob er nicht wie im Traum nur durch Fassaden
eines Gedankenpulvers gefallen war, dessen Millionen Körner ihm eine
feste Welt vorgegaukelt hatte. Womöglich war er farbenblind geworden,
oder war er es schon immer gewesen? War denn die Erinnerung überhaupt
in einer Strecke zu fassen, im Vorbeigleiten der Geschehnisse, die wie
Gebäude in Reih und Glied am Saum einer Straße aufgeknüpft standen,
einer Trabantenstadt so ähnlich wie er selbst der fernen Beschreibung
eines nur vage wahrgenommenen Tiers?

Drachen

Diese seit menschengedenken in allen Kulturkreisen bekannten Wesen, die die Länder und Lüfte spielend eroberten wie kein anderes, sind in den Köpfen der Menschen, besonders in Literatur und Film, bis heute existent. Faszinierende Mischwesen mit einem großen langen Schwanz, die manchmal ihren Gegnern sogar vielköpfig Feuer unter’m Hintern machten. Manchmal mit einem Löwenkopf, manchmal mit einem Krokodils-, Panther- oder Wolfskopf. Einem Vogel gleich seien sie, da sie Flügel (häufig Flughäute) hätten, mit denen sie fliegen könnten. Schuppige Reptilien seien sie, die einer Schlange sehr ähnlich sähen. Ebenso aber seien sie Raubtiere mit riesigen greifartigen Klauen oder Tatzen an den Vorder- und Hinterbeinen, die verspeisen würden, was sie fassen könnten. In Klassen unterteilt wurden sie. Und so gab es auch jene, die man zu den Wyvern zählte, die vor allem in der Heraldik Einzug hielten, die nur zwei Vorderbeine, Flügel und einen schlangenartigen Unterleib hatten. Als auch jene, die man den Kriechdrachen zuordnete, die ganz ohne Füße auskommen mussten.

Im Lateinischen draco genannt, im Altgriechischen δράκων, was häufig mit “Schlange” übersetzt wird, jedoch streng genommen “der starr Blickende” bedeutet. Also dem Blick einer Schlange verwandt. So will man uns weismachen. Jedoch ist bedenkenswert, dass das, was uns den Blick einer Schlange als “starren” erscheinen lässt, auch von einer anderen Tatsache herrühren könnte, der Tatsache nämlich, dass sie über keine Augenlider verfügt, die sie vor ihrer Umwelt schützen. Weshalb wir uns überlegen können, ob dem so ist oder war. Oder ob es nicht durch viele Zeiten hindurch unserem Blick zuzuschreiben ist, der starr erblickte, was er, mindestens seit den Babyloniern, erblicken wollte. “Drachen” weiterlesen

Die Herberge

Es war warm. Der Himmel lose von Wolken. Zeit und Sonnenstand nachvollziehbar durch den Dauerhupton einer sich hinziehenden Hertzfrequenz, die sich zuvor durch ein alarmierendes, immer wiederkehrendes Aufheulen angekündigt, sich dann aber nach einigen Sekunden in einen asystolen Mantel verwandelt hatte, der sich nun über die ganze Stadt als Mittagssirene ausbreitete. Eine kleine Stadt muss es gewesen sein, jedenfalls fühlte sie sich klein an, als ich auf dieser Straße stand. Links von mir erhob sich eine große Mauer, die sich bis zum Horizont hinzog. Hinter ihr lag ein weites Feld mit runden Fabrikschloten, emporragende Säulen, die ihre Rauchladungen fortwährend wie niemals versiegende Geysire ausstießen. Riesenhafte Schwaden, die den Himmel durchzogen. Die aussahen, wie die zu Rauch gewordenen, sich wandelnden Seelen Verstorbener, die von den unzähligen Schäften aus der Erde befördert über die Stadt hinwegwanderten.
Kein Mensch war zu sehen, es gab nur eine Aneinanderreihung von schlichten Fachwerkhäusern zu meiner Rechten, die für das Auge ebenso endlos verlief wie die Mauer zu meiner Linken. Ich wusste nicht genau, weshalb ich hier war. Wusste nur, in welches Haus ich einkehren sollte. Es war ein Haus, das sich von den anderen Häusern äußerlich nicht sonderlich unterschied. Ich hatte nichts dabei, obwohl ich davon ausging, ich würde hier einige Zeit verweilen. Als ich es betrat, fand ich nichts weiter vor als eine kleine, vor mir liegende schmale Treppe, die offenbar ins Dachgeschoss hinaufführte. Die Stufen knarzten. Eine jede mit ihrem eigenen Ton. Auf der letzten angekommen, schritt ich einen ebenso schmalen Flur entlang, der zu einer mitternachtsblauen Tür führte, in die ein Auge mit einem gesenkten Lid eingelassen war. Darunter war ein goldenes Schild angebracht auf dem die feinziselierte Zeile stand: “Die Herberge” weiterlesen

Tontafelkalender vom 1ten Hartung xx20, einem Mittichen

Zum Lorebuch:

Das Reisen und das Vergehen der Zeit sind große Beschäftigungen der Dichtung. Räumliche und zeitliche Bewegungen sind miteinander verbunden, wobei der Reise-Impuls eine kathartische Funktion gegen die Last der vergehenden Zeit hat. Zugleich steht das Wandern aber auch für das permanente Gefühl des Verlustes, die typisch metaphysische Angst. Doch es geht mir um eine metaphysische Ästhetik – diesen vagen Begriff, den Giorgo de Chirico prägte -, und der eine Sensibilität gegenüber jenen privilegierten Momenten der zufälligen Überschneidung von Unheimlichem und Alltäglichem meint. Im Grunde war ich immer der Auffassung, dass man sich alles in der Welt nicht nur als Rätsel vorstellen muss, sondern dass alles auch ein großes Rätsel ist. Dabei geht es nicht nur um die Fragen, die uns seit Anbeginn unseres Denkens beschäftigen, sondern gerade darum, die Rätsel der Dinge zu verstehen, die allgemein als unbedeutend angesehen werden.


Der Berg wurde es gestern nicht; wir verschanzten uns in unserer Kobe, aßen und wollten von der Außenwelt genauso wenig wissen, wie all die Jahre zuvor. Weder fühlten wir uns in der Verfassung, uns der allumfassenden Böller-Idiotie auszuliefern, noch überhaupt dazu bemüßigt, einen Fuß vor die Tür zu setzen. Dieser Krawall hat etwas Entsetzliches, und die Zeit ist überreif, den Arschlöchern diesen Scheißdreck zu verbieten; der Mensch ist dümmer als zu jeder Zeit seiner Existenz, man muss wieder dahin zurückkehren, ihn zu behandeln wie das zurückgebliebene Kind, das er ist.

Samanta Schweblin: Sieben leere Häuser

Im Grunde ist die ganze phantastische Literatur geprägt von der kurzen Form. Hier sind die eigentlichen Meisterwerke zu finden. Viele Literaturkritiker weltweit sind davon überzeugt, dass Samanta Schweblin zu diesen Meistern gehört. Man hat die Autorin bereits in eine Reihe mit Borges und Cortázar gestellt, hat David Lynch bemüht und – fast schon konsequent – Kafka. Sicher, diese ganzen Aussagen werden vom Feuilleton getroffen und entsprechen selten der Realität (was jedem klar sein muss); man möchte den Verlagen in erster Linie Futter für ihren Umschlagtext liefern, aber auf ein paar dieser kanonischen Meister hat Schweblin als Einfluss selbst hingewiesen. “Samanta Schweblin: Sieben leere Häuser” weiterlesen

Zu vernachlässigendes Vorwort (Notiz)

Nach meinem Dafürhalten ist uns das Phantastische durch die Romantische Schule überliefert. Nicht das Wunder oder das Unheimliche selbst, das wir seit dem Beginn unserer Existenz verorten müssen, sondern das intensive Nachdenken über die Bedeutung unseres Bewusstseins. Wenn wir Vergnügen am Rätselhaften haben, schließt uns das selbst mit ein.