Venusian Summer (Lenny White)

Die sehr wenigen Menschen, die mit diesem Fusion-Meisterwerk vertraut sind, können stolz auf ihre Privilegierung sein, denn die meisten wissen überhaupt nicht, dass es existiert.

Venusian Summer

Doug Rauch am Bass, Lenny White am Schlagzeug und ein wahres Who’s Who der Jazz-Fusion-Allstars, die hier zu Gast sind, spielen alle, als ob ihr Leben davon abhinge. Allein der Song “Mating Drive” gehört zu den größten Errungenschaften der Musikgeschichte.

Venusian Summer enthält einige der erstaunlichsten Momente von Virtuosität, Leidenschaft und Schönheit, die je auf Vinyl gepresst wurden!

Lenny Whites Bandbreite als Schlagzeuger an sich ist schon unübertroffen, was ihn zu einem der dynamischsten Schlagzeuger aller Zeiten macht. Diese Veröffentlichung aus dem Jahr 1975 wurde im Juli und August 1975 während einer kurzen Pause der fabelhaften Fusion-Supergruppe “Return to Forever” aufgenommen. Das Ensemble besteht aus einer Vielzahl von Fusion-Maestros, darunter der Gitarrengott Al Dimeola, “Tony Williams Lifetime”-Tastenmeister Larry Young (an der Orgel) und der phänomenale Multi-Instrumentalist David Sancious (an der Minimoog-Orgel). Auch andere, relativ unbekannte Studiomusiker haben ihren Beitrag geleistet, vor allem Doug Rauch am Bass und Doug Rodrigues an der Leadgitarre bei mehreren Stücken – alles hervorragende Musiker. Dieses Album umfasst ein breites Spektrum an Musikstilen und Empfindungen, von Funk bis Progressive Rock und natürlich Jazz und Klassik. Obwohl alle Tracks fünf Sterne bekommen müssen, ist die Krönung das letzte Stück “Prince of the Sea”.

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Neu in der Sammlung (1)

Ich hatte einst in den Tagebüchern eine Rubrik, die Neu in der Sammlung hieß. Damals waren es Bücher. Aber um ehrlich zu sein, könnte ich ein Haus mit all den Dingern bauen und denke, dass ich habe, was ich brauche. Im Keller und überall. Zweidrittel habe ich für gute Zwecke gespendet und noch immer weiß ich nicht, wohin mit all dem Zeug. Es ist vieles leichter, seit ich den Kindle bediene. Aber Musik… nun, Musik ist etwas anderes …

Schon im letzten Jahr war Albera herzhaft unterwegs. Da ging es noch vernehmlich um Compact Discs. Jüngst aber kümmern wir uns wieder etwas mehr um die Vinyl-Sparte. Tatsächlich läuft der Fisher wieder, justamente in jenem Augenblick, als er Gefahr lief, gegen einen Pro-Ject ausgetauscht zu werden. So bleibt das Budget also erst einmal in den Tonträgern selbst hängen. Nicht alles ist sammelbar (obwohl es das theoretisch natürlich wäre). Eine Spezialisierung halte ich dennoch für unumgänglich, also bleibt es bei Jazz, Fusion, Prog, Blues und Artverwandtem. Meine Blue-Note-Lieferung trifft erst in ein paar Tagen ein, aber sie, die sie immer das Wetter zwischen den Wasserböen nutzt, konnte es für sich nicht lassen. Es ist die Jagd. Wahrscheinlich ist es immer die Jagd. Wahrscheinlich sind wir alle Großwildjäger.

Cannonball Adderley

Jazz ist dem Dichter am nächsten

Jazz zu hören ist eine ganz andere Form des Lebens. Seine Geschichte ist ebenso dunkel wie lang. Und auch wenn Puristen die akustischen Traditionen bevorzugen (die es im Jazz tatsächlich nur schwerlich zu finden gibt, weil dessen Form alles destillieren und neu erschaffen kann), fühle ich mich auch in der Fusion-Welt recht wohl. Ich glaube, der Jazz ist jene Musikform, die dem Dichter am nächsten steht. Der Jazz hat es natürlich zu etwas gebracht, die Dichtung eher nicht. Ich bin mir nicht sicher, behaupte aber, dass John Ashbery der letzte war, dem man vertrauen konnte.

Now spinning: Frank Zappa – Hot Rats (1969)

Wahrscheinlich eine meiner Lieblingsplatten von Zappa, obwohl das wirklich schwer zu sagen ist. Sie kam erst gestern an, weil Albera sie mitbrachte, während ich den Blue Note-Katalog für nächsten Monat durchsah. Zappa ist sicher nach Miles Davis und John Coltrane ein Schwerpunkt meiner Sammlung. Umso erstaunlicher, dass ich ausgerechnet dieses Album noch nicht hatte, wo es doch das erste war, das ich von Zappa einst in den Händen hielt. Vor sehr langer Zeit allerdings.

Hermann Szobel, unbekannt

Andy Edwards erzählte mir von einem österreichischen Musiker namens Hermann Szobel, der 1976 im Alter von 18 Jahren ein einziges Album aufnahm. Beim Einspielen seines zweiten Albums wurde er verrückt und verschwand. Bis heute konnte er nicht aufgefunden werden. Ich habe die Platte gefunden und sie auch sofort im Amerika bestellt. Wenige Exemplare gibt es, aber warum das Album selbst in Jazz-Fusion-Kreisen so unbekannt ist, bleibt ein ebensolches Rätsel wie Hermanns verschwinden.

Dieser Ton

im Vordergrund bin ich mit dem Ton GrammaTaus beschäftigt, diesem Hineintasten in die große Dunkelheit menschlicher Wahrnehmung, überhaupt geht es mir um diese Wahrnehmung, die so unklar gestaltet ist, dringe in Bereiche vor, wo noch nie ein Dichter gewesen ist, bleibe hier aber am Rand stehen und bröckle, doch nur oberflächlich; innerflächlich datiere ich die Ewigkeit, ich gehe fremd=chronologisch vor, bearbeite eine Vielzahl an Einschlägen, in die ich dann steigen muss, um Proben zu nehmen, ob noch eine strukturelle Semantik vorhanden sei, ob noch eine Prototypensemantik im Gestein liegt, und ob beide unter den neuen Bedingungen gehalten werden können. Mein Wort lautet deshalb diffus. Diffusion, um im Nebel zu existieren, um eine Bildstörung zu beheben, die überall ersichtlich ist. Wo man winkt, verschwindet die Hand hinter einer Wankelbewegung, diesen Ton