Die Mondmacher (Reprise)

Promethisches Geschöpf (ich) Feuer=Mit=Stehler (auch) hermetischer Mit=Rinderdieb, Originalsünder, fleischlustiger Innen­schenkel=Zwicker Ziffer nicht Zahl (sifr) die Form einer geschlos­senen Muschel bei den Maya, Sunya der Inder Zephirum die Null (universelle Gebärmutter) meine Einkaufszeit die ich immer sehr fürchte lege ich sehr früh in den Morgen, stürze ins Geschäft hetz­te durch die Straßen der Verpackungen der frisch zu kaufenden Müllhalde mit wohldosierten Industrieabfällen zumbeispiel men­schenzurechtgemachte Milch ihr gekalbten Kälber kalbt (yo) Kälber kalbt (schon Kuh noch Kalb?) spurte schleunigst wieder hin­aus in einer Seitengasse verschnaufen / Au reboirs : würde mit ei­ner Kutsche anfahren wollen Flaubert besuchen (oder Emma) ma­laise mystérieux in einer Kutsche mit Bang & Olufson CD=Wechs­ler darin Scriabin-Sonaten ein roter Zylinder der auf den Kopf passt Handschuhe schneeweiß wie manche Schwäne singen Fleischkugeln in einer Muskat=Brandy Beize (Liebe & Traum : die beiden bedeutendsten ästhetischen Phänomene) noch zu besor­gen : Dahlien Typ Mystery Day, einen Olivenbaum. Jene runden Türme sind entdeckt in welchen der Vollmond Mondnatt für Mondnatt gegossen wird mit einem großen Katapult in den Himmel geschossen (geworfen) die Mondmacher am Werk, ihre chy­mische (Hochzeit) Mixtur der Mond erkaltet unter der Erde wird fest in den Tiefen Basalt und Eisen. Wollt ihr, ja oder nein, alles aufs Spiel setzen, einzig und allein um der Freude willen, tief unten am Grun­de des Schmelztiegels, in den wir unsere armselige bürgerliche Bequemlich­keit, den Rest unseres guten Rufs, unsere Zweifel, das radikale Bewusstsein unserer Ohnmacht, die Albernheiten unserer angeblichen Pflichten, kunterbunt mitsamt den feinen, zarten, zerbrechlichen Gläsern werfen wollen, jenes Licht aufleuchten zu sehen, das nie mehr verlöschen wird ? / Breton ich habe heute Nacht eine Muschel gefunden, in der Gespräche aufgezeichnet wurden, die man vor 17 Millionen Jahren in einer Höhle führte und festgestellt, dass dies nicht nur sehr verblüffend ist, sondern dass die Kommunikation auf Poesie beruht den Weg weiter runter legt sich zur rechten Seite eine Um­friedung in die Landschaft, in der sich ein öffentliches Bad befin­det, eine Installation die Mädchen hüpfen nach dem Volley sandig und Pärchen beugen sich übereinander da am Zaun die Menschen die aus dem Wasser stammen dort steckt die Erinnerung dort vi­sionierte ich.

Neu in der Sammlung (3)

Bildrechte der Cover, von links nach rechts: Knaur; Moewig; Bastei

Lisa Tuttle – Das Böse wartet auf dich, Sarah (Moewig)
Die besten Horror-Stories (Knaur)
Spuk-Roman Nr. 1 – Der Fluch der Totenmaske

Lisa Tuttle, die eigentlich für ihre hervorragenden Science Fiction bekannt ist, hat auch einen starken Hang zur Phantastik. Gelesen habe ich davon bisher noch nichts, aber da mir ohnehin eine Komplettierung der Moewig Phantastica vorschwebt, ist das nur noch eine Frage der Zeit. Sie wird ja auch immer wieder in Bezug auf die New Weird genannt.

Der Spuk-Roman von Bastei (hier die Nr. 1 vom Januar 1979) ist eigentlich die einzige Gothic Novel-Reihe, die es je in Heftform gab. Nicht zu vergleichen mit dem Geheimnis-Roman, der hauptsächlich in das heutige Mode-Genre “Romantasy” passen würde. 1985 – im Zuge des Seriensterbens – wurde die Reihe eingestellt. Zu Beginn gab es viele Übersetzungen, bis der Anteil deutscher Autoren immer mehr zunahm und schließlich komplett von ihnen übernommen wurde. Gleichzeitig ging damit auch der schleichende Niedergang der Reihe einher.

Die besten Horrorstories ist als Buch ein Pfund, und eine der besten Anthologien modernen Horrors, entstanden in einer Phase, da es vor vorzüglichen Horror-Anthologien geradezu wimmelte. Selbstverständlich ist auch hier eine Story von Sterphen King enthalten, das ging auch zur Hochzeit werbetechnisch gar nicht anders.

Das Ringlein

Den Borgias war bekannt, daß ihr Christus ein Fresser und Weinsäufer war; reicher Gastgeber, der die Liebesgespielinnen ganz besonders achtete, denn sie hatten ja viel geliebt. Von Gott berührt wird der Mensch im Safte, das Glockengeläut der Eingeweide kennt keine Grenzen der Moral. Im Vieh ruht Gott, im Euterspritzen, in den Schlingen des Universums behält er sich vor, uns durch Lust zurück zur Quelle zu führen. Das Geheimnis der Beschneidung ist das Geheimnis des Eherings, der zelebrierten Hochzeit; der Jüngling Jesu gab seine Vorhaut seinen Bräuten, die das höchst kostbare Präputium, mit sardischem Stein gerötet, trugen, auf dem zu lesen stand : ›Wegen des vergossenen Blutes‹. Der Hersteller dieses Rings ist der Heilige Geist, seine Werkstätte Marias reinster Schoß. Zuletzt gesehen wurde das Ringlein zu Zeiten Katharinas von Siena, die sich kreischend auf dem Boden wälzte und um die Umarmung ihres süßen, geliebten Jünglings Jesu bettelte. Als verzückte Jungfrau trug sie seine Vorhaut am Finger, warf sich mit Schaum vor dem Mund herum, völlig der Hysterie ihrer Geilheit ergeben.

Geschichten in Geschichten in Scott Lynchs Gentelman Bastard-Serie

Geschichten in Geschichten. Dies ist eine der ältesten Strukturen des Geschichtenerzählens, die bis ins alte Ägypten reichen. Allein der westliche Kanon hat – beginnend bei den Canterbury-Erzählungen über Hamlet bis zu Italo Calvons Unsichtbaren Städten – eine Fülle namhafter Werke hervorgebracht, die dem Reiz, Narrative ineinanderzuschachteln, nicht widerstehen konnten. Autoren spekulativer Literatur wie Margarete Atwood oder Neil Gaiman sind ebenfalls in der Lage, diese Disziplin anzuwenden und dadurch mit einer wunderbaren Wirkung zu versehen.

Scott Lynch mag noch nicht ganz in dieser Elitegruppe mitwirken, aber es mangelt ihm weder an Talent noch an Ambitionen. Seine Gentleman Bastard-Serie (Die Lügen des Locke Lamora; 2006, Sturm über roten Wassern; 2007, Die Republik der Diebe; 2013 – und vier weitere geplanten Romane) besteht aus umfangreichen Büchern. In ihnen leben ein Gauner namens Locke Lamora und sein bester Freund, der Trickbetrüger Jean Tannen, in der flirrenden Metropole Camorr, die stark an das mittelalterliche Venedig erinnert. In dieser Hinsicht unterscheidet sich dieses Werk nicht von anderer zeitgenössischer Epic Fantasy, die George R. R. Martin oder Joe Abercrombie schreiben. Aber Lynch bringt in Die Republik der Diebe eine weitere Dimension in sein witziges, freches, pikareskes Epos ein: eben jene Geschichte in einer Geschichte, die mit Eleganz und Komplexität vorgetragen wird. “Geschichten in Geschichten in Scott Lynchs Gentelman Bastard-Serie” weiterlesen

Stephen King: Blut (Skeleton Crew)

Man kann sich kaum vorstellen, wie groß Stephen King im Jahre 1985 wirklich war. Er hatte vier Bücher gleichzeitig auf der Bestsellerliste der New York Times und zwei neue kamen gerade auf den Markt. Außerdem riss man sich um die Filmrechte an seinen Werken. Etwas Vergleichbares hatte es zu diesem Zeitpunkt noch nicht gegeben. Nach eigenen Angaben war dieser Schriftsteller, der da im Mittelpunkt stand ein absolut Süchtiger, der monströse Mengen an Kokain schnupfte und jede Nacht literweise Bier in sich hinein schüttete. Mitten in diesem unvorstellbaren Chaos veröffentliche King Skeleton Crew, eine Sammlung mit Kurzgeschichten, die in deutscher Sprache in drei Ausgaben gepackt wurden (Im Morgengrauen, Der Gesang der Toten, Der Fornit), bevor 1992 die Gesamtausgabe als “Blut” erschien. Über Sinn und Unsinn der deutschen Titel müssen wir uns ohnehin nicht unterhalten. “Stephen King: Blut (Skeleton Crew)” weiterlesen

Der Bienenstock

[… UND ICH SAUSE HINAB IN DEN TIEFEN SCHLAF, MEIN BLUT, MEIN REGENBOGEN-STREBEN; ICH ERKENNE ALL DIE BUNTEN HORTE DORT – UND BIN DOCH NICHT WENIGER ALS FINST’RE NACHT, AUS NACHT GEBOREN, GEZEUGT VON FINSTERNIS …]

Früher hatte man die Gegend, in der nun der Bienenstock stand, den Venusberg genannt. Dorthin flüchtete sich nämlich die Göttin einst vor dem Christentum, wurde von Hulda versteckt und hielt dort gemeinsam mit Nymphen und Nixen ihren legendären Hof, von dem lange nichts mehr bekannt geworden ist. Die Menschenzeit hat alle Schönheit aus der Welt hinfort getupft, und so tauchte über die Jahre das Volk der Ratten in die unterirdischen Verbindungsgänge und fand sich wohl im Unterbewusstsein der Erde. Und in dieser chtonischen Welt gediehen sie manniglich und unbeeindruckt von den Geschehnissen des Tages, die nicht anders als Verheerend genannt werden dürfen. (Sollte sich je ein Schreiber finden, der davon noch Erinnerungen hat, so möge er die Götter überraschen und die Schrift neu ersinnen, denn die wenigen Menschen, die ihre eigene Katastrophe überlebt hatten, kamen – aus anderen Gründen als dazumal die Kelten – gänzlich ohne sie aus.)

Mellonia, die Göttin, die einst Zeus vor seinem Vater Cronos rettete und ihn mit der Milch der Ziegengöttin nährte, mag hier niemals erinnert gewesen sein unter den Frauen, die im Bienenstock lebten und dort all ihre weiblichen Fertigkeiten anwandten, von der Fütterung der Säuglinge angefangen, die sie als Gemeingut betrachteten, über die Säuberung der Waben, dem Nähren der Drohnen bis hin zu der Empfängnis, die man auch hier wie in alter Zeit die Hochzeit nannte.

Die Ratten gaben sich dem Kellergewölbe hin und profitierten von den Frauen, die nichts von ihrer Vergangenheit wussten, durch eine Merkwürdigkeit, die dem überlebenden Matriarchat zu Buche stand. Deren Säuglinge nämlich sonderten eine Flüssigkeit ab, eine erste Milch, die aus dem Überschuss der Ammentätigkeit bestand. So wurde in die Menschenkinder so viel Lebensflüssigkeit hinein gespendet, dass diese die – nun so genannte – Rattenmilch aus jener Öffnung, die auf der linken Seite ihres Abdomens zu finden war, wieder ausschieden. Im Laufe der rättischen Evolution: Schlitzrüssler, Spitzmäuse, die vom Rattenvolk in einer Endschlacht auf den Karibischen Inseln besiegt wurden, näherten sie sich dem Menschen durch ihren gemeinsamen Vorfahren, Juramaia sinensis, wieder an, denn während die Krone der Schöpfung weiter und weiter degenerierte, gelang es dem Rattenvolk, den umgekehrten Weg zu gehen, so dass sie den wenigen Überlebenden dieser verwandten Spezies in nichts mehr nachstehen mussten.

Es gab in diesem geordneten Gefüge einen Betrieb, der sich in allen Punkten den Belangen des Bienenstocks unterwarf, wie es der Instinkt der Melipona vorsah, der eigentlich nicht auf den Menschen übertragen werden konnte, denn ein Instinkt wurde sich noch niemals abgeschaut. So mag es sein, dass von einem Matriarchat dieser Ausprägung auf ein anderes geschlossen werden kann – aber das hieße, die Logik zu bemühen, die schon bei den überkommenen Menschen ein hilfloses Unterfangen darstellte, von dem aus sie vielleicht begannen, sich aufzulösen, denn die Ratio ist dem Traume eine Schande – und die Natur neigte schon immer dazu, ihre eigene Schande in Fossilien zu verwandeln.

Die Arbeiterinnen des Baus bildeten fast regelmäßige wächserne Zellenkuchen mit zylindrischen Zellen aneinander, worin die Jungen gepflegt wurden. In eine dieser Zellen entschwand alsbald, nach getaner Arbeit im Hauptsaal, die Kollegin unserer jetzt erst zur Sprache kommenden Protagonistin. Es wird nur ein schwaches Licht benötigt, ihre Form aus dem Schlaf zu schälen, der allgegenwärtig ist (ich selbst habe die Hoheit meiner Schwingen nie als Last empfunden). Die Drohnen, männliche Säuglinge, benötigen eine andere Pflege als die fleißigen Arbeiterinnen; sie werden gefüttert und gehegt, denn außer zur Zeugung sind sie in dieser neuen Welt von keinerlei Nutzen, außer: die Ratten mit zu ernähren, wozu besagtes Loch im Körper dient. Und nun bemerkt die Amme, die sich zu einer dieser Drohnen legt, das nahe Versiegen des Nährflusses, der gewöhnlich über das Bett hinunter zu Boden läuft, um in einer eingelassenen Schale zu entschwinden, die durch zeitgetaktete Rohrmünder gestaut und regelmäßig in den Keller hinab geführt wird. Wohl ist sie erschöpft, wohl nicht Willens, der Jüngeren ihren Dienst zu übergeben, ohne sie genötigt zu haben, das Büblein zu bemilchen. Doch, hören wir recht? Diese lehnt es ab.

So ist es unter Bienen nie üblich gewesen, zu streiten, denn das Chaos wäre die Folge, wenn nicht jede Arbeiterin ganz genau wüsste, was in jeder Situation zu tun ist. Doch vergessen wir nicht, dass es sich bei unserer Betrachtung um Menschenreste handelt, die wohl auch nach der finalen Katastrophe nur eine kleine Abschwächung erfuhren. So blieb es bei Forderung und Zurückweisung – wir werden nie erfahren (nein, auch wir Götter nicht) – warum sich manche Pflichten derangieren lassen; denn zum einen lag das Hin und Her in der konstanten Waage wie unsere geliebte Straße von Kertsch, zum anderen öffnete sich die Wabentüre und eine andere Arbeiterin trat hinzu, ging an den Pflichtringenden vorbei und steuerte auf das eingelassene Fenster zu, das sie sperrangelweit öffnete, bevor sie sich umdrehte, um dem bereits ins Stocken geratenen Gespräch eine gänzlich neue Wendung zu geben. Sie nämlich führte ein junges Rattenkind in ihren Armen, hievte es allein mit der Gewalt in ihren Fingern über den Sims und ließ es über dem nun für das Geschöpf zu Tage tretenden Abgrund baumeln. Dabei sprach sie die einzigen Worte, die wir in dieser Abhandlung hören werden: “Wenn ich das Tier jetzt einfach fallen ließe, dann würde sich kein Mensch darum scheren.”

Ixtapunk 2

Da unsere Welt nur ein Klobus ist …
der Erde bitte nichts clown.
Der Zufall ist zu schön, als dass man ihn nur tankt.
Kommen Sie alle zu Ficker-Oh’s Hochzeit.
Wichsen Sie der Damen Schuhe.
Ein Arschloch ist eine Rose ist eine Rose.
Sieht es nicht aus wie ein nasser Sarg?
“Sie sind spät, kommen Sie endlich hintrein! Die Lahmen warten schon längst ungenuttig!”
“Kann ich mir vorher noch etwas Fisch machen?”
“Nun gut – Sie wissen ja, wo der Bart ist.”