Ich bin die Nacht – 3 –

Jetzt trippelte Lukas, den sie alle Lucki nannten, neben Roland her. Er hielt kaum Schritt mit dem Älteren, den die langen Beine der Neugier trugen. (Lucki, Lucki, fahr ma nach Kentucky …) Das weißblonde Haar wippte über seinem Silberblick. Auch er war neugierig, wie sich sein für ihn über Jahre entwachsener Bruder gemacht hatte, aber er war es auf eine ganz andere Art und dachte, dass er eines Tages vielleicht auch einmal dort hängen würde, wenn er, rebellisch wie er war, nicht ins Bett wollte, oder nicht den höflichen Appetit nach Gebackenem Blut verspürte, den Liter zu Einermarkfuffzich an einem Donnerstag, dem Schlachttag. Dann nämlich zog sich stets seine Kehle zusammen und sein Magen ging auf Reisen, ohne Bescheid zu geben, wohin. Er wusste nicht, warum Helmut dort festgebunden worden war, aber er spürte eine mächtige Energie, die in der Antwort steckte.

Vielleicht sind wir Indianer wie im Film, Helmut schießt mit Pfeilerbogen auf Scheiben und er schießt auch ins Feld, wenn da was raschelt wie Mäuse, aber er trifft nie auch nur irgendwas, und deshalb vielleicht … deshalb hängt er da – oder er hat was angestellt, aber er isst sein Blut eigentlich immer auf … aber vielleicht hat er wieder mit Ida was Komisches gemacht, wo ich nicht wissen darf, weil es bei Lebensgefahr verboten ist, zu wissen, was er da macht, wenn ich dann mal da hänge, dann wird vielleicht Claus mir das Frühstück an den Baum bringen, wenn es vorbei wär’, so wie Roland das für Helmut macht, so sind beste Freunde, die sind einfach so, und Claus ist ja mein bester Freund; weil er nicht mit einem Schnuller aus dem Haus darf, nimmt er manchmal meinen, und das sind Freunde wie jetzt Roland ein Freund von Helmut ist.