Fremder Kuchen

Dieser Artikel ist Teil 18 von 36 der Reihe Gespenstersuite
Sie schlenderte die Straße entlang; und
als es sich herumgesprochen hatte, war sie bereits wieder
in den Wäldern verschwunden. Es gab
eine Kordel an ihr, an der man ziehen konnte,
aber niemand wagte zu behaupten, es getan zu haben,
weil nicht herauszufinden war,
wer sie überhaupt gesehen hatte.

Er hatte dieses stampfende Gesicht,
das auf einem Zwirn saß, besser gesagt:
auf einer ganzen Spule. Die berechtigten Zweifel
standen noch im Sandkasten, belauert
von einer bedeutungsschwangeren Umfriedung.
Und die Kinder taten sich fremden Kuchen an.

Im Roastbeef-Center

Dieser Artikel ist Teil 5 von 36 der Reihe Gespenstersuite

Mit sehr geschmeidigen Rückschlägen in der Tasche fuhr es sich diesmal leichter. Niemand hatte etwas davon erwähnt und alle Kammern waren leer. Für einen Morgen wie diesen musste man nur zwei und zwei zusammenzählen, um hinter der Tür ein Stoppschild zu finden. Mit einfachen Bestandteilen lernt man seine Sinne zu kontrollieren. Es war diesmal so schwer wie nie gewesen, da aber alle Anwesenden schwiegen, glaubte ich zu wissen, wo ich war und würde schnell wieder auf die Hauptroute zurückfinden. Die Sonne stand ungünstig im Nebel herum, ein Auge wie aus einer Beutesammlung. Drei Stufen und ich war da, setzte mich und betrachtete die Wand, die ich schöner in Erinnerung hatte. Sollte das Ereignis spurlos an mir vorübergezogen sein? Ich konnte keinerlei Spuren entdecken, nahm zum Schluss aber dennoch eine Art Kuchen zu mir, um nicht aufzufallen, Wir hatten damals nicht geglaubt, uns jemals von vorne zu sehen, mit deiner Eitelkeit zogst du die Schmetterlinge an, und sie kamen, trugen aber nichts zu unserer Habhaftwerdung bei. Ein Schluck von dir war lauter als die vermeintliche Stille, ein Schuss fegte aus einer Dose und stob nur sehr selten am Ohr vorbei, das schon lange im Sand lag. Es mochte einst dir gehört haben, aber wer konnte das jetzt noch wissen? Einmal – ich erinnere mich – trafst du zu später Stunde einen Mann In einem Roastbeef-Center und fragtest ihn nach der Zeit, bis er genug davon hatte und über einen unbekannten Berg floh. Der ist nun das Wappen aller vergessenen Dünkel. Schick, wie man es anzieht, schick – schick, wie man davon spricht: wo man gewesen ist, warum man sich nie die Schuhe abputzt, bevor man nach draußen geht. Ein Wiehern verstört uns, aber wir wissen: es ist nicht der Tag. Kennst du Stellen leichten Regens?

Mia Marple

Dieser Artikel ist Teil 15 von 36 der Reihe Gespenstersuite
1 Der Staub, nur die Uhr

Wenn im Fenster keine Katzen zu sehen sind, hat man
nichts als die falsche Zeit gewählt, hat man nichts
als einen umständlichen Weg zurückgelegt, die Bekanntheit
der Fassaden, kühl; die Gärten im Schlaf, die Dornen
ungefährlich bis zum nächsten Frühling. Da schleiche ich
mir hinterher und gehe mir auch vornweg. Ich kenne mich
nicht, aber ich habe mich schon einmal gesehen, als ich
in Farben taumelte, als Katzen in den Fenstern saßen,
als Lichter im Hintergrund einer Unendlichkeit schienen,
als noch Treppen in die Höhe führten; dort wähnte ich
mein Revier, meine Schritte ohne Echo. Dort wähnte ich
die Leinwand der Vergangenheit im Keller hängen, Nägel
verfinsterten die blanke Wand, in alten Schränken bleibt
nichts zurück; der Staub vielleicht, der nur die Uhr ersetzt. 

2 Stillstand, ich verlasse dich

Ich denke an die Traube, die du mir bist
dein Schatten kursiert hinter jedem meiner Lichter
dich will ich sehen in Gesichten, was geschieht hat einen Namen nicht
Stillstand, ich verlasse dich 
trunkene Stille, illusorische, mächtige, waghalsige, gefährdete 
was dich berührt, verdient dich
wieviel Zeit benötigt man, um einen Blick zu beschreiben?

3 Die Mälz

Dein glattes Kleid, sein Kleid so glatt,
unter dir die Wogen einer persönlichen Sintflut.
Dein Habitat verloren,
Reste einer imaginären Welt, einer mündlichen Keuschheit,
einer Restauration der Einsamkeit. In dir mag
tausendfach ein Sturm Getreide mälzen
und sich gegen Häute werfen, ein Abfluss fängt die Winde auf.

4 Wenn wir wollten

Wenn wir wollten, könnten wir ja noch einmal von diesem Flughafen trinken,
sagte sie. Ich sagte nichts. Sie nahm meine Hand, die eingeschlafen
in meinem Schritt verharrte, und führte mich auf das Gelände,
die Betonplatten im Gras. Nachdem wir ein Stück Erinnerung ausgepackt hatten,
teilten wir sie in zwei gleiche Teile. Wir sprachen.
Und dann tranken wir.

5 Mundtuch

Jetzt sind wir wieder beim Teich angelangt
und betrachten unsere Gesichter durch die Forellen schwimmen. Wenn du
hinein willst, gehst du hinein; wenn dir kalt wird,
schwimmst du zur Sonne. Deine Hülle ziert den Damm, eine starke Schnur
verbindet die Ufer - ich finde dich nicht mehr. Sag,
sind die Rosen angekommen? Ich nahm sie mit aus dem Garten,
dem sie Wächter waren, und nun - der Garten ohne sie -
verwandelt sich in Glas und Stein. Sag,
sind die Briefe angekommen? Schrieb sie auf Tische und Servietten
und hinterließ auch deinen Namen dort.

6 Die Zeiten falsch wählen

Die Nächte waren nicht wirklich Nächte, das Licht
hatte Lampen besetzt - nicht wirklich Lampen, aber Schattenwürfe
durch sie hervorgebracht, Silhouetten; und eine fing ich - deine war's.
Aber dann kamen die Zweifel, denn wie wärst du ohne Haken gewesen?
Ohne im Kummer zu verharren? Durchscheinend warst du nie. Wie
wärst du gewesen, wenn du mich nicht angesehen hättest? Wie
wärst du gewesen, wenn ich dich nicht entdeckt hätte? Die Bestürzung
wärt ewig, das heißt: bis heute. Und wenn heute alle Zeit ist,
dann ist das, was war, immerzu. Den Stoff, den du streichelst,
die Niederlage der Sinne. Meine Antwort an dich: ein Wimmern.
Die Handbewegung, der Kuchen, die Lippen, geöffnet, halb geöffnet,
die Zunge: ein Spiel um Welten. Ein Spiel aber nicht, was ich entdecke,
ein Spiel aber nicht, was vor uns lag. Im Kummer verharren, weil man ihn kennt.
Die Namen falsch sprechen, die Zeiten falsch wählen.

7 Weiter Winkel

Was geschieht, wenn ich dich kenne? Was, wenn ich überhaupt nicht weiß,
wer du bist? Deine Unruhe als Teil meiner Wahrnehmung. Ungezügelt 
das Laster der Empfindungslosigkeit. und ich sage dir: Das ist nicht die Welt,
die es kleinzureden gilt. Es war nicht viel, es waren kaum Stunden. Der
Donner brachte die Nacht, ich habe bewiesen, dass alles ohne Beweis ist.
Ich zersetze - eins, zwei - die Moleküle ihrer winkenden Hand, als gäbe
es mir das Recht, sie anzusehen, weiter Winkel; nichts wird sich je verändern, 
alles bleibt.

8 Verlässlich haben wir uns nie gekannt

Es ist nicht die Dauer, es ist der Sand. Und es ist nicht die Begegnung,
sondern ihr Ende. Es ist das, was bleibt, und sei es nichts. Es ist
das Angleichen der Tür, denn sie schließt gegenwärtig anders; es ist
die stehengelassene Tasse, die nie mehr benutzt werden kann. Setzt sie Staub an
ist es nicht die Dauer, es ist der Sand. Schafft man sie beiseite, bleibt sie dort,
nie wird sie wieder diese Tasse sein, unbedeutend, auf etwas verweisend,
das nie geschehen ist. Kein Tag geht je vorbei. Es stauen sich die Augenblicke,
stapeln sich, ohne sich je zu berühren. Es sieht nur so aus,
als wären sie aus Sand, angespültes Gelingen, Misslingen - kein Schiff
wird kommen, kein Tun wird Tatkraft werden, kein Vorhang hält uns davon ab,
die Gespräche zu vergessen, die nutzlosen Worte zu erinnern und zu vergessen.
Verlässlich haben wir uns nie gekannt.

Serial-Kuchner (1): Schokobanane in der Brachgasse

Dieser Artikel ist Teil 1 von 1 der Reihe Serial Kuchner

Nach dem Serial Killer ist jetzt der Serial Kuchner das neue Phänomen. Zugegeben, das ist eine etwas merkwürdige Umschreibung, wenn man bedenkt, dass ein Serial Killer seriell Leichen hinterlässt, die er gekillt hat. Man könnte jetzt nicht wirklich behaupten, dass ich andere Menschen kuchne, anstatt sie zu killen. Nun ja, ich kille sie natürlich auch nicht, aber viel weniger kuchne ich sie. Aber unterm Strich kuchne ich eben doch. Die Verwandtschaft zum Serial Killer besteht also darin, dass ich mir gerne Kuchen einverleibe. Ihr seht es? Leib, einverleiben? Das folgende Porträt ist schon etwas älter, aber als Beweis durchaus annehmbar, die Opfer eindeutig und klar zu erkennen.