Wie groß müsste ein Briefkasten sein, um alle Briefe, die je geschrieben wurden, zu fassen? Oder: alle Briefe, die geschrieben wurden und noch existieren, denn die meisten dürften weggeworfen, verbrannt worden, verloren gegangen sein. Oder sollten uns nur die verschollenen Briefe intersssieren, aufgeteilt in die Zerstörung durch die Elemente – morgen alle verbrannten, übermorgen alle durch Wasser enttinteten, übermorgen die davongewehten, und am Tag danach die vergrabenen? Die mit einer beigeletgten Fotografie sind gesondert zu betrachten, ‚denk an mich‘, denn auch ein Bild ist eine Schrift.
Ich habe alle Briefe der Welt geschrieben und auch alle empfangen. Wie groß wäre mein Briefkasten, wenn sie alle nur ausgedacht worden wären, ein Raum, der das Ausgedachte enthält, ohne Schrift, wie ein endloser Wurm, wie lang wäre dieser Wurm? Wir wären der Sonne schon längst auf die Pelle gerückt mit ihren zehntausend Grad.
: was ich schrieb, trieb mich weiter in den Abgrund, in die Kellergefüge kein schöner Land, wohl nicht mehr und nie mehr wie aus idealen Erzählungen entnommen, kein Rätsel außer dem des Lebens, kein Bleiben außer dem Vergehen, den gewaltigen Umbrüchen auf einen Pukt gebracht, geschrumpft, so klein wie man es bei dieser Größe vermutet. Die glatten Wände sind des Geistes Tod, die schlanken Gärten voller Steine, die sich unendlich wiederholen, eine Kloake in hohen Stiefeln
ich setze einen Fuß über die Schranke Ich glaube nicht, dass man einen abgestimmten Ort verlassen sollte, wo jeder Baum einen Namen trägt und Zeuge von uns allen ist
Als ich las, las ich von Zeremonien, ich las von Morden (diejenigen, die einen Abdruck hinterlassen)
ich wollte Dichtung immer als etwas begreifen das ich nicht begriff wir waren nie auf dieser Klippe von der man alles überblicken konnte ich habe die Erinnerungen mit viel Blut gepachtet trug es wie einen Sack dem Horizont zu und als ich schaute war da nichts
als wäre man in seinen Geheimnissen schön trug ein Moment dem anderen ein Flüsterraunen zu und wie es gewesen wäre wäre man geblieben und hätte sich nie sehen lassen – das berühmte ‚unter den Linden‘ – nur ein Traum den die Zeit in eine Wolke hüllt
Ich kam an und es war dunkel, alles war in leblose Schatten gehüllt und die Fenster waren geschlossen; es war, als ob hier nie jemand gelebt hätte, und wenn ich nicht da war, lebte hier auch niemand, aber diesmal war man nicht vorbereitet, man hatte die Fenster nicht geöffnet, die Gardinen nicht zurückgeschlagen, den Kuchen nicht gebacken, die Post nicht aus dem Briefkasten geholt, man war nicht rechtzeitig zurück aus dem Nirgendwo, um mir meine Kulisse zu stellen.
Es fehlte das, was nicht mein Leben war, wo wir an der Kreuzung unterschiedlich abbogen. Ich war jetzt mit diesem stillen Anblick konfrontiert, und ging die Stufen zum Garten hinunter, ich hakte ein Fenster aus und schlüpfte in den Raum, ich musste zum ersten Mal die Erinnerung tragen, und ich steckte sie schnell in meine Tasche, um sie an einem anderen Ort ausgiebig zu betrachten.
Man sagte mir, ich solle ruhig zugreifen, am besten mit beiden Händen, da sonst die Gefahr bestünde, das ganze Spektakel nicht wirklich fassen zu können. Aber meine Arme wurden allein schon bei dem Versuch schwach, sich degeneriert zu zeigen, ein Muster, das die Altvorderen in ihre Hügel und Kuppen einbauten, damit wir es eines Tages finden und sagen können, was wir fanden. Die Zungen waren viele, zu viele, wie sich herausstellte.
Aber ohne sie wäre der Wind niemals von Westwärts gekommen. Nicht, dass ich etwas dagegen gehabt hätte, aber eine stille Verabredung rettete mich von allen Gebräuchen, säuberte mich von den Stallgerüchen, die über mir ein neues Zimmer zementierten. Der Lärm war nicht zu verachten, er konnte sich – wie man sagt – sehen lassen. Hätten wir unsere Bürsten geschultert, dann hätten wir natürlich unsere Rüssel frei gehabt. Aber wir taten selten, wie uns geheißen. Lag das am Sonnenstand?
Über die Heide schließlich sahen wir sie kommen. Wir mussten noch etwas graben, um unseren Fixpunkt zu verbessern, aber dann waren sie heran, ihre Peitschen hatten sie zum Trocknen an den Seiten der Pferde aufgehängt. Ich hätte an ihrer Stelle das Gleiche getan, aber ich war nicht an ihrer Stelle.
Ich betrachtete gerade eine neue Situation, als wir auch schon fliehen mussten. So war es schon immer gewesen, die gemachten Betten zerwühlt von kreidebleichen Gesichtern, aber mit Gefühl in der schimmernden Brust. Man könnte leicht auf die Idee verfallen, es gäbe nur Mehlspeisen, die sich unter der besonderen Bläue des Tages zu einer neuen Form aufraffen. Die Steintreppen hinab gerann der Luftzug an den Wangen, einzelne Hinweise lagen verstreut an den Rändern der Gassen oder lehnten für einen kurzen Augenblick an den wankelmütigen Gebäuden. Es wäre uns recht gewesen, wenn zumindest irgendwo irgendjemand am Fenster gestanden hätte, aber die Uhrzeit war noch nicht reif.
Um schließlich in den Bau zu gelangen, sollten noch einige Enten gescholten werden. Sie waren durch ein Gatter entkommen, das hinter allen Fassaden stand und dort auf uns wartete, kaum wahrnehmbar an einer Grenze zwischen Nebel und Dunkelheit. Wenn es Winter wurde, packten wir unsere Kaleidoskope aus, damit wir die Kälte aus einer anderen Perspektive wahrnehmen konnten, doch sie waren zu dieser Zeit nicht besonders zuverlässig, weshalb wir uns um Alternativen bemühten, die wir hinter Schornsteinen fanden. Mal waren sie da, mal waren sie absichtlich absent, indem sie sich versteckten, um uns zu zeigen, wer sich bereits nach Norden aufgemacht hatte.
Nichts an uns war maßgeschneidert, die Lumpen besaßen ihr Eigenleben. So kam es vor, dass sich die Nahten selbständig machten, wenn sie an Ort und Stelle gebraucht wurden, um jene Teile zusammenzuhalten, die ebenfalls entschlossen waren, eine ganz andere Party zu feiern. Niemand kümmerte sich in jenen Tagen um die Reste der Nacht, die auf den Fensterbrettern lagen und bereits damit begannen, sich in den Urmorast zu verwandeln. Es wäre ein seltsamer Anblick gewesen, verkleinerte Darstellungen geschuppter Reptilien über den Teppich laufen zu sehen, denn es spukte ohnehin in all den Köpfen. Es wäre durchaus möglich gewesen, verschiedene Tassen umzudrehen, um Eindringlinge davon abzuhalten ihren Tee daraus zu trinken, aber wir fanden die Schlüssel nicht, die eine andere Welt aufsperrten, also beließen wir es bei der bloßen Hoffnung, es möge etwas geschehen, das mit uns rein gar nichts zu tun hatte.
ich kann nicht an etwas denken das nicht bedacht werden will, das hinter der Mauer aus Schlaf existiert. Es gibt ein Reich ohne Worte, ein Transportmittel fährt exakt um 3 Uhr 13 ab. Der Bahnsteig nirgendwo, aber ich erreiche ihn kurz nachdem ich mich erbrach. In mir bleiben nur Dinge, die schon immer zu mir gehörten. Der Wecker klingelt und man zieht sich eine Realität über, die man bereits gestern trug, vorgestern – all die Tage in der Bettritze
Schwärzer als die Textur der Nacht schält sich ein Symbol aus der dunklen Leere.
Was würdest Du tun, wenn die Skepsis uns fräße, wenn unsere eigene Natur eine Barriere bildete, die zu überwinden unmöglich ist? Das Paradoxon anerkennen, oder zurückkehren, in den Traum vergangener Ungewissheiten kriechen, die allesamt besser sind als die Tatsache einer Endgültigkeit? Das Scheitern eines Planeten ist nicht laut. Aber in diesem Orkan schreibe ich mich warm.
Die Kerntransplantation der Sinne, eine Oktavenleiter hinauf oder hinab (so genau lässt sich das nicht feststellen), das löchrige Netz der Spinne, die ihren Preis durch ihr Verschwinden bezahlt. Dieser Ausgang als eine neue, elementare Währung, wahrhaftiger als die jeweilige Wahrheit. Kaum sind wir hier, sind wir auch schon wieder verschwunden, das Leben als webender Minotaurus, als Spinne, die zur Jagd nur Ruhe benötigt.
Manche Gedanken sind donnernde Vasallen, aber: ein Maulbeerbaum erblüht und die Hufe sind geschwächt.
Ich habe vieles vergessen, von den Taten weiß ich nichts und immerfort zähme ich meine Erinnerung aus bunten Strukturen in einem gläsernen Gewand. Ich könnte nicht sagen, was es mir bedeutet, selbst vergessen zu sein, obwohl niemand je von mir gehört.
In einem maskierten Universum ist der klare Verstand eine Verwässerung der Illusion, so machen wir ihn unrein und der Schmutz will unsere Augen schützen vor den Dörfern, die nach uns geworfen werden.
Man kann sich dann am besten sehen, wenn man sich nicht erwartet, ein Flirren in den Winkeln der Dimensionen, die ihre Handtücher falten. Diese ganzen Farben schau schau. Im Innern der Blutbahn fängt man sich an den Wänden wieder ein. Ich habe schon einmal gesagt, dass ich es brauche. Ein Heldenepos liegt auf dem Küchentisch. Bring es doch bitte nach nebenan.
Die Gespenster verschwinden, sie werden als Erinnerung blass, Gedanken gehen schon fehl, krachen an die Wand ein Durchdringen jetzt nicht ein Raum wie eine Barke verschwindet sie, bleibe ich zurück das Lebhafte ist nirgendwo verzeichnet, kein Abspielgerät zumindest der wichtigsten Knotenpunkte kein Infostand – mit Reklame für den Frieden kein Rückspulsekret – verteilt um den Lautstärkeregler und dann erst das Bild
Es ist die Freude der Erde, wenn sich die Würmer dazu erbarmen, die Abfälligkeiten zu beseitigen oder Noblesse walten zu lassen, gelb schon, Zeit schon aber alles parkt auf dem Rücken der Niederlagen und der Wettkampf hat begonnen, nicht schnell genug, Bursche, du wirst noch mehr Kartoffelsuppe vertragen müssen, wirst dir andere Schuhe, denn Wandern ist des Windmühlenbesitzers Lust, wirst nicht mehr am Rückspulsekret schaben