Der Däumling

Die Geschichte des Däumlings, von den Gebrüdern Grim auch “Daumesdick” oder “Daumling” genannt, ist das älteste englische Märchen, das in gedruckter Form vorliegt. Sicher gibt es Märchen, die älter sind; so zum Beispiel lässt sich das Motiv von Rumpelstilzchen über 4000 Jahre zurückverfolgen, aber das älteste erhaltene Druckexemplar eines Märchens ist Richard Johnsons “The History of Tom Thumbe”. Es wird angenommen, dass nur ein einziges Exemplar des Originaldrucks aus dem Jahre 1621 erhalten ist. Dennoch besteht die Möglichkeit, dass es sich bei diesem Druck bereits um einen Nachdruck handelt.

Daumling

Und so alt die gedruckte Geschichte vom Däumling auch ist, die (mündliche) Legende von Tom Thumb ist noch älter, denn in Texten aus dem sechzehnten Jahrhundert finden sich zahlreiche Hinweise darauf.

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Nur ein Haus kann uns trennen

Ich konnte das Haus nur sehen, wenn ich schlief.
Doch näherkommen konnte ich auch dann nicht.
Ich versuchte es in jedem Tempo und sogar
rückwärts schlug ich aus, aber es war jedes mal vergeblich.
Ich fragte mich, wo das Haus wohl stehen mochte, warum es
mich zu sich zog, wenn es doch nicht zuließ, ihm zu nahe zu kommen,

aber alle Antworten darauf stammten von mir selbst. Es gab
darunter keine Stimme, der ich vertraute,
weil all die Häuserstimmen, die ich in mir trug, für sich sprechen wollten.
Räume schlagen Falten, aber ich habe noch nie jemanden gesehen,
der diese Falten gerade rücken könnte in der Hoffnung,
danach wäre alles wieder ordentlich wie ein Sonnenzimmer,

das man seinen Gästen zumuten kann. Der Staub einer Woche
zum Fenster hinaus gejagt, alles an seinem Platz.
Vielleicht war das Haus nicht für mich bestimmt
und ich konnte es deshalb nur von einer gewissen Entfernung aus betrachten.
Aber ich spürte, dass sich etwas Bedeutendes in seinem Innern abspielte
und hätte viel dafür gegeben, zumindest durch die Fenster sehen zu können.

Bestimmt hätte ich etwas gesehen, das ich nicht verstand.
Im Grunde ist es nicht notwendig, sich vollständig an ein Ereignis zu erinnern.
Herausgelöst aus den großen Kontenten,
kann man es hinter der richtigen Falte im Raum für sich
betrachten und studieren, auch wenn man nur Symbole erkennt:
Haar, das sich wie wildes Heu bewegt, eine Tänzerin,

deren Gesicht nie zu sehen war, schwarze Magie
hat sich ihrer Glieder bedient, dabei war es nur ein Blues,
ein Vorgeschmack auf die gedankliche Ödnis, die auf
ein verlorenes Ereignis folgt. Man spricht, man tollt
und gleitet aus dem Bild, dem man Beobachter war
und für sich ein Dirigent; auch wiederholt man

seine Erwartungen und ist in manchen Dingen der letzte Geist,
der sich an eine Beschreibung wagt. All das würde ich
durch die Fenster des Hauses sehen können, denn es wäre
kein Hineinblicken in verborgene Kammern, auf halbdunkles Mobiliar,
es befände sich ein gestauchtes Theater dahinter und nichts im
Innern könnte den Voyeur vor der Fassade erkennen oder gar identifizieren.

Er wäre gar nicht da.
Diesen Eindruck kann ich nicht von mir wenden,
aber ich freue mich auf jeden neuen Schlaf,
auf dieses Haus, das ich umkreisen, aber nicht betreten kann.

Die Leute im Schloss

Miskat Erz

Die Burg stand auf einem steilen Hügel oberhalb der Stadt. Um den Fuß des Hügels verlief die äußere Burgmauer mit einem massiven Tor, und innerhalb dieses Tores befand sich das Haus des Arztes. Die Leute konnten sich dem Schloss nur nähern, indem sie durch die Tür seiner Praxis hineingingen, durch die Gartentür hinausgingen und hundert Stufen hinaufstiegen; aber niemand machte sich die Mühe, dies zu tun, weil es im Schloss angeblich spukte, und wer will schon hingehen und ein leeres altes Haus sehen, das in Trümmer fällt? Soll der Doktor doch selbst herumspazieren, wenn er will.

Der Arzt wurde von den Stadtbewohnern für ziemlich seltsam gehalten. Er war sehr jung, um so etabliert zu sein, er war ständig damit beschäftigt, irgendetwas zu schreiben, und er war oft ziemlich unhöflich zu seinen Patienten, wenn sie zu lange brauchten, um ihre Symptome zu beschreiben, und sagte ihnen dann unvermittelt, sie sollten weitermachen und nicht um den heißen Brei herumreden.

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Der Solomensch von Java

Ein Ort, in Länge und Breite begrenzt, nach oben unendlich. Die Abende schossen aufs Dach, also setzten sich die Schindeln auf die Fensterbank, um Goldvögel zu beobachten, von oben nach unten.

Auf diesen Straßen führen die Löcher an einen Platz, der verborgen im Herzen des Wahrnehmenden liegt, ums Bezaubernde, Zaubern, um Allmagie um uns herum.

Movemento: bewegt im Raum, Zeitketten anorganisch, Urgesichter, Uhrengesichter, Wildwechselmimik, die schönsten Regenschauer auf einen Blick. Ich bin jetzt niemand mehr und das ist die Knute der Vergeltung.

Aufgepelltes Rosenrot, die tonnenschwere Last des unbeachteten Geschirrs, die molesten Stufen; kein Stock wird mich führen, kein Geländer mich hangeln.

Auf und Ab ekstatischer seelischer Zustände, Gleichnisse, Traumgesichte in einem absoluten Tanz.

Aussehen: wie der Solomensch von Java.