Die Veranda

Vom Leben in einer Caverna

Schlagwort: mythos Seite 1 von 2

Ich bin die Nacht / Du bist der Ort (11)

Sandsteinburg #46

Thamyris, dem die Musen in einem Wettstreit, den er verlor, die Leier zerbrachen und das Augenlicht nahmen : das ist mehr als Influenca, weil man früher an den Einfluss der Sternkonstallation auf den Ausbruch der Epidemie glaubte, und jetzt ist die Katastrophe (unsere Welt) ein Ergebnis des Wissens, das expansiv ist, und nicht konservierend wie der Mythos.

Etwa eine Stunde später hatten sie Helmuts Leiche in kleine Stücke zersägt und mit der Karre zur Jauchegrube gebracht. Richard durchtrennte alle großen Knochen, bis sie ein handliches Format besaßen, und zerkleinerte auch den Schädel, bevor er alles in das Loch warf. Die Augen hatte Dr. Hohenner fachmännisch aus den Höhlen gepult und in einem Weckglas aus Marlieses Bestand in seine Praxis nach Hebanz mitgenommen.

»Und es waren doch die Wölfe!«, beharrte Finner, als sich die Männer der Umgebung in der Scheune hinter Richard Langers Lager, randvoll mit Schiffskörpern aus Polyester, am Abend versammelt hatten. »Es geht schon wieder los.«

Der Boden war übersät mit Teppichflicken, die verschüttetes Bier ausdünsteten. Abgebrochene Geweihe klagten, an die Wand geschraubt, gegen die Jagd nach Trophäen. Darunter, auf einem halbhohen Wandschrank mit teilweise abgelöstem Furnier, stand ein mittelgroßer Hamsterkäfig, in dem die weiße Ratte Fridolin hin und her raste, die Ludwig in seiner Küche hinter dem Spülstein gefangen hatte. Sie war groß wie eine Katze, ihre glühenden blassroten Augen, die eher orangefarben in die Scheune blickten, zeugten von einer bestialischen Intelligenz. Fridolin schien geeignet, das Wappentier eines Mörders zu werden, wenn es irgendwo einen gegeben hätte. Oder waren sie jetzt alle Mörder?

Schaler Hopfensaft tropfte unablässig durch angetrockneten grauen Schaum aus einem Holzhahn, der in einem Aluminiumfass steckte, auf dem in roter Schrift EKU stand. Die Hütte war eingerichtet worden, um Freitagabends den Schafkopf, ein Kartenspiel, zu beherbergen, und um dreckige Zoten über die von unzähligen Hintern abgeriebenen Bierbänke kriechen zu lassen. Manchmal fütterte Adam Fridolin, der ihn anstierte wie eine verhexte Gottheit das wohl auch getan hätte.

»Hier ist es still«, flüsterte Adam der Ratte zu und hielt ihr ein Wiener Würstchen hin. »Ich habe von Sachen geträumt, die dir sicherlich gefallen hätten.«

Fridolin nickte: »Ich weiß. Ich war in diesen Träumen dabei. In einer anderen Gestalt zwar, aber ich war da. «

»Du würdest mir den Finger abbeißen, wenn es mir einfiele, dich zu berühren, richtig?«

»Ja, das würde ich. Es tut mir Leid, dass ich dir nichts anderes sagen kann.«

»Du beißt die Hand, die dich füttert, könnte man sagen.«

»Könnte man sagen. Das ist ganz einfach. Du kannst mich am Leben halten oder nicht. Deine Entscheidung. Aber du solltest dir im Klaren sein, dass ich ein Killer bleibe, was immer auch geschieht. Das bedeutet auch, dass ich meinen eigenen Tod in Kauf nehmen muss.«

»Weißt du, wer Helmut umgebracht hat?«

Fridolin warf ihm noch einen bedauernden Blick zu und verzog sich dann majestätisch in einen Berg aus Sägespänen, in den er sich eingrub.

Richard Finners Kopf glänzte wie eine geölte Melone, und nicht sein Mund sprach die Worte aus, sondern sein Schnurrbart.

»Wie kommst du darauf, dass es Wölfe waren? Ich glaube, mittlerweile dürfte jedem klar sein, dass dein Sohn abgeschlachtet wurde.« Ludwig war die ganze Sache unangenehm. Er hasste Finner regelrecht und wäre froh darüber gewesen, wenn er von hier für immer verschwunden wäre, mitsamt seinem Stall. Jeder wusste, dass die auf der Rückseite des Wohnklotzes lebten wie die Schweine. Die Gelegenheit war nie besser gewesen als jetzt. Nur hingen sie, was diese Sache betraf, gemeinsam drin.

»Hier gibt’s keine Wölfe«, sagte Bergmann. »Und dass dein Sohn jetzt in seine Einzelteile zerlegt in der Scheiße schwimmt, wirst du sowieso nicht mit Wölfen erklären können. Das war eine saudumme Idee. Was will Hohenner eigentlich mit den Augen?«

»Woher soll ich das wissen!«

Die Nacht kicherte, denn die Nacht kichert immer.

»Jemand hat ihn umgebracht. Das war nicht zu übersehen«, sagte Ludwig. »Das Problem dabei ist, dass wir alle nicht nachgedacht haben. Ihr glaubt doch nicht, dass wir das einfach so vertuschen können!«

»Es war schon nicht richtig, ihn dort festzubinden. Wegen so einer Kleinigkeit, meine ich …« Ludwig wirkte beschämt.

»Kleinigkeit?!« Finners Kopf sah aus wie ein Feuerball mit Augen. »Er wollte, dass Adam sein Ding in Idas Arsch steckt!«

Ludwig wollte gerade sagen, dass darin schon ganz andere Dinge gesteckt hatten, aber er hielt den Mund. Das letzte, das sie jetzt gebrauchen konnten, war ein Streit, der aus den Fugen geriet. Er dachte an das letzte Maifeuer zurück.

Der polnische Boxer (Eduardo Halfon)

Der polnische Boxer ist eine kleine Sammlung miteinander verbundener Geschichten des guatemaltekischen Schriftstellers Eduardo Halfon. Diese Offenbarung erschien im Jahre 2014 fast unbemerkt im Hanser Verlag. Überraschend daran mag vor allem sein, dass es bereits Halfons zehntes Buch ist, aber das erste, das übersetzt wurde (ich schreibe das, während ich bereits das zweite, “Signor Hoffman”, vorliegen habe). Man kann das zeitlich berücksichtigen – das Original erschien 2008 – muss das aber nicht.

Eduardo Halfon (c) E. Halfon

In diesem kleinen Puzzle bewegen sich Halfons Fragmente mühelos von Antigua, Guatemala, einem kulturellen Transitpunkt Mittelamerikas, nach Durham, North Carolina, Belgrad und Póvoa do Varzim, Portugal. Erzählt wird das alles von dem Protagonisten “Eduardo Halfon”, einem jüdisch-guatemaltekischen Schriftsteller und Literaturprofessor (ein Zufall, diese Ähnlichkeit mit dem Autor). Die Geschichten ringen unter anderem um Themen wie Kunst und Schrift, Identität, Auschwitz, sexuelle Ekstase und Zigeunermusik. Und sie trumpfen mit dieser ganz bestimmten Art erdiger lateinamerikanischer Intelligenz; beschäftigen sich mit der Suche nach Antworten und geheimen Schlüsseln zu den Rätseln von Leben und Familie, Geschichte und Heimat, Wahrheit und Leidenschaft.

Halfons Neugier auf die Erfahrungen seines Großvaters in einem Konzentrationslager zieht sich durch jedes Kapitel, von der subtilsten Ebene bis zur tiefsten Erkundung. Halfon weiß nur, dass es ein polnischer Boxer war, der seinen Großvater Oitze in Auschwitz gerettet hat, aber die Details bleiben ein Rätsel. Oitze zeigt Halfon selbst nur die grausigsten, aber verschwommensten mentalen Dias von Auschwitz. Dieses klaustrophobische Bild der dunklen, feuchten, mit flüstern gefüllten Zelle gibt den Ton für den Großteil des Romans vor. Für Halfon (den Protagonisten) ist die Idee eines Boxers, der Oitze rettet, ein Symbol, an dem er festhält, die Hoffnung, dass etwas oder jemand ihn retten wird.

Im dritten Teil “Epistrophy”, in dem der Erzähler Milan Rakic, einem Halbzigeuner und serbischen Pianisten, der auf einem Kunstfestival in Antigua auftritt, begegnet, beginnt das Buch wirklich zu schweben. Es ist Rakic, “ein moderner Nomade, ein allegorischer Nomade”, der dieses Buch in zwei atemberaubende Kapitel führen wird. Die erste, “Postkarten”, ist eine Serie von rätselhaften Schnappschüssen über Jazz und obskure Zigeunerkünstler, die Rakic von seinen Tourneen rund um den Globus zu Halfon schickt, während der klassisch ausgebildete Musiker als wandernder Akkordeonist immer tiefer in das Geheimnis der Wurzeln seines Vaters hineingezogen wird. Und die zweite, “Die Pirouette”, beinhaltet Halfons außergewöhnliche Suche nach dem verlorenen Rakic, der in “seinem eigenen verdammten Mythos” irgendwo in der rauchigen Zigeunerunterwelt des postkommunistischen Belgrads verschwunden ist.

Indem er sich selbst als Protagonist darstellt, vermischt Halfon die Fiktion mit der Realität. Er spielt explizit allwissender Erzähler und den im Dunkel Tastenden. Er vermischt auffallend diese beiden Ebenen und sagt uns: “Literatur ist nicht mehr als ein guter Trick, den ein Magier oder eine Hexe ausführen kann, um die Realität als Ganzes erscheinen zu lassen und die Illusion zu schaffen, dass die Realität eine einzige Einheit ist”. Er wird selbst dieser Zauberer, wenn er nach Milan sucht und versucht, eine Postkarte zu rekonstruieren, die er von ihm bekommen hat: “Es gibt immer mehr als eine Wahrheit in allem”.

Die Geschichten sind geschickt und kunstvoll miteinander verbunden – eine amerikanische akademische Konferenz über Mark Twain (der zufällig 1866 durch Nicaragua reiste); ein literarisches Symposium in Portugal, wo Halfon über die leidige Beziehung zwischen Literatur und Realität nachdenkt; Nächte am Strand mit seiner Freundin Lía verbringt, die danach versucht, Ebbe und Flut ihrer Orgasmen auf Papier festzuhalten, als ob sie Wellen oder Träume skizzieren würde. Die Geschichte von Halfons Großvater, der von seinem Zellengenossen, einem Boxer aus der polnischen Stadt Lodz, vor Auschwitz gerettet wurde, weil er  ihn in einer lange Nacht auf eine Untersuchung durch die Nazis vorbereitet.

Im weiteren Verlauf des Romans wird sein metafiktionaler Farbton stärker und heller. Sein unergründlicher Wunsch, Milan zu finden und Oitzes Vergangenheit aufzudecken, wird als surreales Verlangen dargestellt. Seine Fantasie überschlägt sich, und in dem Versuch, ihre Geheimnisse zu lösen, umarmt er deren Geschichten als seine eigenen. Er vergleicht seine Besessenheit, mehr über ihr Leben zu erfahren, mit der Art und Weise, wie ein neugieriges, krankhaftes, leicht ängstliches Kind unter dem Bett nach Geistern sucht.

Tatsächlich ist es die begrabene Vergangenheit des Großvaters, die schließlich enthüllt wird, die das kraftvolle zentrale Bild des Buches liefert: die “fünf mysteriösen grünen Ziffern, die mir viel mehr auf einen Teil seiner Seele als auf seinen Unterarm  tätowiert zu sein schienen”. Als Junge wurde Halfon gesagt, das Tattoo sei gemacht worden, damit sein Großvater seine Telefonnummer nicht vergessen würde. Nach dem Tod seines Großvaters im letzten Akt des Buches “Sonnenuntergänge” schwingt sich Halfon von den in sein Fleisch eingebrannten Figuren über Lias Zeichnungen und Visionen zu Maya-Tempeln in der Abenddämmerung und sucht atemlos nach einem verbindenden Faden im Gewirr der Elemente des Buches: “Ich dachte an die fünf  blassgrünen Zahlen, die jetzt auf dem Unterarm meines Großvaters, unter der dicken schwarz und dunkelviolett karierten Decke, dabei waren, zu sterben. Ich dachte an Auschwitz. Ich dachte an Tätowierungen, Nummern, Zeichnungen, Tempel, Sonnenuntergänge.”

Der polnische Boxer ist ein Buch der kleinen Wunder. Dabei erinnert Halfons Werk in gewisser Weise an andere Autoren, etwa an die Würzigkeit des Kubaners Pedro Juan Gutierrez oder auch Henry Millers (von dem ein Zitat das Buch eröffnet) bis zu den eindringlichen Stimmen von John Berger und dem Argentinier Edgardo Cozarinsky. Auch für die schiere erzählerische Dynamik und Faszination der Mischung aus Leben und Büchern, Sex und Kunst gibt es Echos des chilenischen Meisters Roberto Bolaño.

Der guatemaltekische Autor glaubt wie Platon, dass “die Literatur eine Täuschung ist, in der der Betrüger ehrlicher ist als der, der nicht betrügt; und der, der betrogen wird, ist weiser als der, der sich nicht betrügen lässt”.

Es gab einen Sturm (7)

Sandsteinburg #9

Horrido Krippner ging nicht gleich ans Telefon in seinem Haus, einem Wald­chalet von einer Größe, als ob der fränkische Hubertus selbst drin residierte. Gerade noch durchwühlte er das Hirschfleisch und befingerte die perlmutt­glänzenden Organe, ob er nicht eine Vision erhaschen könnte, wenn er, wie an der Wunderlampe, daran rieb. Er fand nicht gleich das Handtuch, um sich den roten Saft von den Fingern zu wischen. Verärgert über die Störung, die an diesem Tag nicht die letzte bleiben sollte, bellte er ins Telefon: »Ein Wolf? Warʼs nicht vielleicht ein Hund oder ein Fuchs? Die Sauferei macht dir die Augen fertig, dies ließ mich selbst schon manche Geister sehen, das Moos­weiblein nicht zuletzt genannt.«

Jetzt gehen die Jäger noch einmal den Waldrand ab. Sie glauben nicht an einen Mythos, würden verrückt werden, wenn sie wüssten, was sich in ihren Wäldern abspielt, wollten den Schädel mit den Pfoten und dem Balg, abgezo­gen und gesalzen, auf einem Tisch präsentieren. »Da habt ihr euer Monster!« Lachend, scherzend, aber noch war es nicht soweit.

Kaum zurück, poltert es an des Hubertus Tür. Krippner schielt sehnsüch­tig zu den Eingeweiden hinüber, bevor er irritiert öffnet. »Fortuna! Die Wit­we Gräf!«

Er erstickt fast an seinem Speichel, der plötzlich aus allen Drüsen spült. Jetzt weiß er nicht mehr weiter, wie formuliert man das? Da hebt sie schon ihre faltige Hand.

Keine Frage, sie zetert mit ihm, ein Loch in einer Felswand der Mund. Ich habʼs gewusst, da drin ist alles schwarz! Die alte Gräf, wie alt mag sie sein? 102, 104? Es gibt niemand im Dorf, der nicht erst ankam, als sie bereits da war. Jahre später würden sich die latenzperiodischen Kinder in dem zu dieser Zeit schon leerstehenden Haus am Mühlgraben darüber unterhalten, wie sie einst die Asche ihres Alten getrunken habe und ihre Kleider davon für immer schwarz geblieben seien.

Esrabella Gräf, die viele für die Jezi Baba hielten, von der die meisten dachten, sie sei stumm wie ein Fisch, sprach in Wahrheit mit ihren Hühnern. Manchmal konnte man sie hören, wenn sie sich unbeachtet fühlte, wie sie nach Elster und Fango rief, den beiden Ausreißern ihrer Zucht. Esrabella Gräf also erwähnte gegenüber Krippner, dass die Wölfe einen menschlichen Ge­fährten hatten, der ihnen den Weg in den Schwarzenhammer wies. Erstaunt lauschte der Jäger dem rostigen Knarzen und dachte darüber nach, was sie denn damit meinte, wenn sie sagte: »Då Wulf is niert ålloi kummer!«

»Schau mal, Elster, wenn ich jetzt nicht den Mund aufmache, wird das in die­sem Leben gar nicht mehr geschehen«, sprach sie ihr Huhn an. »Diese Tölpel denken, es hätte etwas mit dem Winter zu tun. Natürlich, das hat es auch, aber …« Sie fährt dann noch etwa fünf Minuten damit fort, ihrem Lieblings­huhn Anweisungen zu geben, für den Fall, dass sie unterwegs der Schlag treffen sollte. Das war allerdings unwahrscheinlich, sie würde eher dann um­kippen, wenn sie ihren Schubkarren nicht mehr durch die Wiese manövrie­ren konnte, ihre Hände, schwielig wie die Landstraße um die Ecke, die nach Hebanz hinaufführt, nicht mehr durch gekutterte Würmer fahren ließ. Tat­sächlich wird sie eines Tages, wir greifen vor, im Stehen sterben, nicht aber schwerkrafthörig zu Boden sinken. Sie wird einfach aufhören, sich zu bewe­gen, das Blut wird erkalten. Von frühmorgens um dreiviertel sechs bis zum Sonnenuntergang gegen neunzehn Uhr zehn wird sie von allen möglichen Leuten gesehen werden, die Mistgabel im Heu, unbeweglich wie eine Statue in Witwentracht, ihren Porzellanfigürchen nicht unähnlich. Nur die Gummi­stiefel sind grün wie tiefsitzender Rotz. Elster wird von diesem Tage an den Tretakt mit dem Hahn verweigern. Ein halbfertiges Ei ohne Kalkschale wird sie sich noch abzwingen, dann ist Schluss.

Zwei Tage nach dem stante pede intermorior wird sich Elster einer Katze anbieten, aber verschmäht werden. Auch unter Tieren gilt die Furcht vor dem Fluch. Die Spur des treuen Tieres verliert sich im Gestöber der Unschär­fe, mit der jegliche Geschichtsschreibung zu kämpfen hat. Auch der Verbleib des statarischen Leichnams packt sich zu den Mirabeln, reiht sich spielend ein in die Liste der Rätsel, die hier offenkundig gar nicht abreißen.

Aber all das ist Zukunftsgeheul, und keiner weiß, ob es wirklich so ge­schehen wird.

»Sie muss verrückt geworden sein vor Trauer«, erzählte man im Dorf. Die Wahrheit aber ging anders.

Sandsteinburg (Inhaltsverzeichnis)

Die Tableaus sind fertig und warten nur noch auf ihre Silbetrennung. Die aber füge ich gleichzeitig mit den Aufnahmen ein, die zu machen sind. Die beiden Stücke der “Prenunzion” stehen ja bereits zur Verfügung, mit dem “Elvegust” beginne ich morgen. Allerdings werde ich bis in den Juni hinein die Serie GrammaTau nicht unterbrechen, so dass auch hier etwas Vorlauf entstehen wird.

Inhaltsverzeichnis
Prenunzion 5
Dort beim Hexenkraut 7
Seit wann schaukeln meine Schafe? 10
Der Elvegust 13
Es gab einen Sturm 15
Die hohe Hand des Helden 43
Die Schnitt die Zunge leidet 44
Der epikureische Garten 45
Vir Desideriorum 46
Ungesehene Winkel 52
Frikative Labiale 54
Die Gefilde Roms 55
Der Turm der höchsten Trümmer 56
Im Mundrot der morgendlichen Brise 57
Mistsudel 59
Vor uns der Kickertisch 60
Scheiterboden 62
Die Einsamkeit langer Distanz 63
Ein ellenlanger Korridor 64
Der Geburtstag der Friederike 68
Die Kusskelbertate 73
Haderlumpen in der Küche beim Schmacken 74
Wer vollkommen ist, hat keinen Namen 75
Pissstand 76
Die Engelmacherin 77
Meister Vollpferd hat ein Ziel 79
Ich bin die Nacht / Du bist der Ort 81
Ich bin die Nacht 83
Jitterbug 111
Falter aus nächtlichem Horn 113
Walden 115
Das letztliebliche Tal 117
Das eingeschworene Raupenmaß 118
Gambrinus 119
Der Hase 120
Ein Hungerleider am Straßenrand 121
Anton Reisers Auffinden 123
Turmzimmer zu Karstenfels 124
Terra finestre 126
Mitternacht in einer perfekten Welt 127
Die Kleider dem Huhn 129
Lacus Mortis 132
Zitterhexchen 134
Die Reise 137
Ein Eintopf voller Rätsel 138
Die Bananenkisten des Physikers 139
Die Wäsche wird nass und du wirst nass 140
Die Romantische Zeit 141
Das Katzengold ihres Herdes 142
Die Mondmacher 143
Der verbrannte Mann 144
Bartholomäus 146
Cornelius liegt wach 173
Morena 174
Die Zimtweiber 175
Grummetschober 176
Ödmarken der Dunkelheit 178
Das Singen niederstürzenden Regens 181
Stimmgewirr der Toten 182
Schweins drüber 183
Der Zuchtstuten Zunder 184
Pellkartoffelzucht 185
Der ewige Wanderer 186
Rache für den Marmortraum 187
Niemand betritt das Haus des Gestern 190
Ein Regenwurm ist reinster Magen 191
Das unzerbrochene Kirschlgas 192
Der Pfeifer an den Toren 193
Die Pest der Vernunft 198
Die Ankunft des Genies 201
Diese Alpträume reisen viel 202
Haus der 1000 Köpfe 204
Das Arganöl der Anständigkeit 206
Pechrabella 207
Wolf aus Erz 216
Wolf aus Erz 218
Der Brief des Cornelius 238
Im Wald von Ypern 240
Der kolossale Weltenschwund 241
Die Servierdame 244
Das blaue Kleid 245
Der Magier 253
Sonnenpolierte Nymphen 254
Sterntaler 256
Der Solomensch von Java 259
Die Rektaszension 260
Trolle & Barstukken 261
Vom Horizont walzt immer noch Licht 263
Ich kenne eine Stadt 268
Triumphator 269
Das Od 271
Was Weniges von Nachtkrappens Fauna 278
Märchenseher 279
Die Zentrifuge 280
Überschüsse im Gesicht eines Mannes 286
1 Zauber 287
Airus 288
Urgrund 289
Wismutoxyd 290
Quellen aus Mondlicht 291
Gelächter hinter den Schächten 292
Georg Heyms Verschwinden 293
Das knappe Wunderhorn 294
Flamboyant 296
Der Volontär 298
Amt für Halluzination & Psychonautik 332
Duft des Narkotikums 333
Der Tag, an dem die Nacht nicht mehr verging 334
Felsen der Bayonner 339
Es stinkt nach Gift 340
Trümmer des Schlafs 342
Der Mythos eines Gesangs 345
Felder, verrutschende Äcker 346
Das direkte Streuen der Herzen war grundlos 347
Pechbrand 349
Schlamm der Knochen 350
Trunken 351
Die letzte Herbaria 353
Ein Haus zu umarmen 354
Stubenfragment (Vergiftete Kekse) 355
Ohne Gewicht und ganz von irdischer Hefe geläutert 356
Gesang über dem Odfeld 358
Plüschbalkone 360
Lupinenhonig 361
Diabolus in Musica 362
Die Gasse der sprechenden Häuser 363
Erschrockener Brief mit folgendem Aufatmen, der Falle entkommen zu sein 366
Unter Huf & Egge 367
Quadratwurzel minus 1 368
Spukhafte Fernwirkung 369
Affentheuerlich & Naupengeheuerlich 370
Wir betraten den Schrank 372
Der Gänsehüter 373
Die Veranda 377
Der Taubenfütterer 379
Ilenes Lieblingsgeschichte 415
Nimrod 417
Unter der Chamäleonsonne 418
L´amour gout 420
In puris naturalibus 423
Halkyonische Tage 424
Sequena 425
Monstra Sunt 426
Ein alter Schuh 427
Nachtwach unter Himmels Schwärze 428
Untreulich 430
Süßes & Bitteres 431
Walditalien 432
Gezirp schüchterner Lippen 436
Messer Gabel Leffel 437
Das Experiment mit Eisen 438
Der Abgrund 444
Muttermörder 451
Feldpost 452
Landschaft mit Saft 454
Inwanderers 455
Messing der Lampe 456
Titanomachia 457
Erste Erwähnung des Vielgereisten Mantels 460
Schlanker Versucher Wind 461
Ockermoos 462
Tiefsitzende Verwebnisse 463
Der Weg nach Raha 464
Früher war das ein Hotel dʼAmour 466
Evaluation 483
Ein alter Bahnhof 486
Madame Blandot 490
Neonfragmente 494
Leichenfest 495
Gondel 497
Guter heißer April 498
In der Gesellschaft von Bildern 499
Nekyia 500
Dreh- und Engelpunkt 501
Parahotelzimmer 502
Geruch frischer Krapfen 503
Das süße Gift der Adoleszenz 504
Gliese 518 c 512
An einem weinroten Tag 513
Terra Incognita 517
Staffellauf der Abendlichter 518
Walden (Reprise) 520
Paradies aus Schwefel 522
Ödium des Verrats 523
Gliederlose Schweißperlen 526
Die Boten 527
Die Geröllhalden von Herculaneum 528
Die Fliegenpilzin 529
Kenorland 535
Pupillenängste 537
Pferdeköpfe 538
Die latenzperiodischen Kinder 540
Im Atelier 542
Gewalt über deine Ohren 545

Der Nihilismus des Rust Cohle

Dieser Artikel schließt hier an: Der König in Gelb

Es gibt Filme und Serien, die pumpen die Erwartungshaltung von Beginn an über jeden erwartbaren Horizont. Die meisten ambitionierten Werke – und das trifft ebenso auf Literatur zu – scheitern, wenn sie scheitern, am Ende. True Detective 1 scheitert nicht wirklich, aber die letzte Folge der Mini-Serie hält der unglaublichen Dichte nicht stand, was wirklich schade ist, denn bis dahin hat man nicht weniger als das Beste, was eine Mystery-Serie überhaupt aufs Parkett bringen kann vor Augen. Nicht weniger als eine Sensation.
Die Storyline, die sich an das moderne Erzählen durch Verschachtelung hält, die erzeugte, dichte Atmosphäre, die Wahl der Musik, sowie die fabelhafte Leistung der beiden Hauptdarsteller (Woody Harrelson, Matthew McConaughey) sind in der Summe nicht weniger als perfekt.

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Der König in Gelb

Die Sammlung seltsamer Jugendstil-Geschichten des amerikanischen Autors Robert W.Chambers blieb nahezu für ein ganzes Jahrhundert ein ungelesenes Buch. Die erste Hälfte des Buches besteht aus vier unheimlichen Geschichten, die, außer der losen Verbindung des Königs in Gelb, nichts miteinander zu tun haben.

Der König in Gelb ist ein Buch, das jeden, der es liest, in den Wahnsinn treibt. Chambers’ Sammlung war für damalige Verhältnisse seiner Zeit weit voraus. Sie ist einer der ersten literarischen Metatexte, einer Form, die bei so verschiedenen Autoren wie Franz Kafka, H.P. Lovecraft und Vladimir Nabokov Verwendung fand. Das Spiel mit Andeutungen, der literarische Isis-Schleier wurde hier geboren. Im letzten Jahr (2014), wurde dieses Buch, das zum Zentrum der HBO-Serie “True Detective” avancierte, an die Spitze der Amazon-Bestsellerlisten katapultiert. Aber auch in dieser ersten Staffel bleibt der König in Gelb ebenso ungesehen wie im Buch. Aufreizend angedeutet zwar, aber nie aufgedeckt.

“True Detective” ist ein düsterer, existentieller Neo-Noir-Stoff, der zahlreiche Hinweise auf den König in Gelb ausstreut. Angesiedelt ist der Mehrteiler im Louisiana Bayou. Die Detectives Rust Cohle und Martin Hart jagen einen Serienmörder, bekannt als der Gelbe König. Die Referenzen an Chambers Werk sind mannigfaltig, ob es sich nun um Symbole handelt, die auf den Leichen hinterlassen werden oder um direkte Zitate, die in den Dialogen vorkommen (Rust Cohle werden dabei jedoch hauptsächlich Sätze aus Thomas Ligottis “The Conspiracy Against The Human Race” in den Mund verfrachtet). Auch finden die beiden Detectives ein Notizbuch, in dem Texte aus Der König in Gelb stehen. Selbst das Wall Street Journal hat einige Artikel veröffentlicht, die sich auf die Verbindung zwischen Buch und Serie beziehen. So blieb das literarische Phänomen nicht aus: ein Buch, hundert Jahre nach seiner Veröffentlichung, wird zum Bestseller und greift um sich wie ein Virus. (Ich spreche hier vornehmlich vom angelsächsischen Raum, in Deutschland hinkt man traditionell allem hinterher.)

Dennoch bleibt die grundsätzliche Frage nach dem Warum dieses merkwürdigen Erfolges. Die Antwort dürfte in dem liegen, was Lovecraft sagte. Es geht um die Kraft, mit der ein Mythos gezeichnet wird: Geschichten, die ein literarisches Universum miteinander teilen, definiert von der unerklärlichen Furcht vor äußeren, unbekannten Kräften des unauslotbaren Raums.

In Brooklyn 1865 geboren, war Robert W. Chambers ein in Paris ausgebildeter Schriftsteller, der dutzende Romane und Sammlungen in den unterschiedlichsten Genres veröffentlichte. Seine größten Erfolge aber hatte er mit Romanzen und seinen Erzählungen im Bereich des Übernatürlichen. Obwohl Chambers den Leser nie mehr sehen lässt als ein Bruchstück, deuten seine Geschichten doch an, dass sie sich einer ähnlichen Handlung bedienen wie Poes “Maske des roten Todes”. Wie in Poes Erzählung scheint der König in Gelb eine Larve zu sein, die sich unter den dekadenten Adel mischt, eine schreckliche Gestalt, von der man nicht sicher sein kann, ob sie nun eine Maske trägt oder nicht. Noch bizarrer hingegen wirkt Carcosa, eine verfluchte Stadt in einer fremden Welt.

Aus heutiger Sicht ist das Bemerkenswerteste an Der König in Gelb nicht der literarische Wert der Geschichten. H.P. Lovecraft, der stark beeinflußt war von Chambers’ Arbeit, nannte ihn einen “gefallenen Titanen”, der mit guter Bildung und Herkunft ausgestattet, dennoch unfähig blieb, diese zu nutzen. Die beste Geschichte im König in Gelb ist “Der Wiederhersteller des guten Rufes”, eines der großen Beispiele eines unzuverlässigen Erzählers. Der Rest ist bestenfalls Durchschnittskost. Dennoch war Der König in Gelb in einer weiteren Sache bahnbrechend: 27 Jahre bevor H.P. Lovecraft sein Necronomicon ersann, enthüllte Chambers’ “Zauberbuch” unwiderstehliche Wahrheiten über den Kosmos all jenen, die mutig genug waren, es zu lesen. Es hat zu allen Zeiten Autoren gegeben, die fiktive Bücher erfanden, aber keiner ist dabei so weit gegangen, um deren Existenz glaubhaft zu machen. Nach S.T. Joshi, einem Literaturkritiker und führender akademischen Figur, der eine Studie über phantastische Geschichten schrieb, baut True Detective auf die Kraft einer Idee, die seit mehr als einem Jahrhundert gewachsen ist.

“Mit Der König in Gelb stellt Chambers eine flüchtige Verbindung zwischen Geschichten her, die ansonsten nichts miteinander zu tun haben. Er tut das auf eine sehr indirekte Weise, tröpfchenweise, und hat somit viele spätere Schriftsteller mit dem fasziniert, was er nicht schrieb.”

Das macht den Mythos als literarische Form so gewaltig. Es gilt, damit einen fruchtbaren Boden für künftige Autoren zu schaffen.

“Schriftsteller wie Chambers waren sehr zurückhaltend, wenn es darum ging, jedes Detail des Universums, das sie entworfen hatten, auszuarbeiten, während sie gleichzeitig darum bemüht waren, zu erklären, dass da noch so viel mehr unter der Oberfläche lauert,”

sagt Joshi.

“Es ist dieser Mangel an Definition, das anderen Autoren erlaubt, die Lücken zu füllen, die Themen und Ideen für eine neue Zielgruppe neu zu interpretieren.”

Das ist es, was True Detective mit dem König in Gelb so faszinierend macht. Während Chambers mit nur ein paar Dutzend Sätzen seinen Mythos skizzierte, nutzt die Idee des gelben Königs unsere existentiellen Ängste, unsere Zurechnungsfähigkeit, unsere Handlungsfähigkeit und unseren Platz in einem Universum, dass sich nicht im mindesten um uns schert. Mehr als die spezifischen Handlungsdetails der Geschichte selbst, ist es der Abgrund, den die Protagonisten von True Detective untersuchen. Blickt man in Cohles Augen, sieht man die unausgesprochene nihilistische Verzweiflung. Man sieht dort gespiegelt die Seele eines Mannes, der den König in Gelb gelesen hat – nicht als billiges Taschenbuch, sondern geschrieben auf den Seiten unseres modernen Lebens. Ob es da unten im Abgrund wirklich einen Gelben König gibt, ist dabei völlig nebensächlich.

Erotik im literarischen Horror

American Horror Story © FX

Der Sexus bestimmt unser Handeln.

Das jedenfalls nehme ich stark an, entspringt meiner Wahrnehmung, die ich habe, blicke ich mich um, beobachte ich, wie Wesen und Dinge auf mich wirken. Was mit mir und ihnen geschieht, interagiere ich, empfange ich – ganz nüchtern formuliert – Informationen, die mir meine Umwelt bietet, weil ich ihr meine anbot und versendete. Meine Umwelt. Eine Welt um mich herum. Eine, in der ich jemand anderem Umwelt bin. In der mir der Andere Umwelt ist. Und das in aller Pluralität.

Der Andere. Die Anderen. Das Andere. Das Unbekannte, das mich konfrontiert.

Das im Dunkeln Liegende. Zu Erforschende. Nicht selten Angst machende. Der Horror in der Welt. Der Horror in mir. Die Fähigkeit zur Furcht, die uns angeboren ist. Die im Laufe unseres Lebens, über ein kollektives Gedächtnis hinaus und sich doch aus diesem speisend, die verschiedensten Gestalten und Formen annehmen kann, die in unserem Handeln ihren Ausdruck findet. Sich gar in unserer Erscheinung, unseren Verhaltensweisen, ganz allgemein in Codes niederschlägt. Nicht zuletzt in den Künsten. Wie z.B. der Literatur, die dem Horror und der Erotik ganz eigene Zweige und Nischen gönnt. Eros (Amor) und Psyche. Wie sie in der griechischen Mythologie beschrieben sind. Und im Grunde von nichts anderem erzählen als vom Resultat der Trennung des Kugelmenschen in Mann und Frau. In zwei sich Suchende, die sich wieder vervollkommnen und erkennen wollen. Zwei Körper, die sich zwar wesentlich aber doch nicht so wesentlich unterscheiden, als dass sie nicht auch als ein Gleiches zu verstehen sind. So könnte z.B. der Penis des Mannes auch als ausgestülpte Vagina gesehen werden.

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metaphysische Not
ist so. Achte Nymphe
pachtet Sehmyosin.
Hostienamt. Psyche.
MythOsTeiche Pans.
Typschema ist ohne
Noete sympathisch.
Ach hey, Miss Potent
misst Naechte. Hypo-
hypnose. Taste mich
heim. Tat. Psychosen.
Schamestinte. Hypo-
typische ohne Samt.

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