Neu in der Sammlung (9)

Bildrechte der Cover von links nach rechts: Insel; Diogenes; Diogenes; Reclam; Kiepenheuer & Witsch

Penelope Fitzgerald, deren ‘Blaue Blume’ ich bereits mit Gewinn gelesen habe, schlägt Töne an, die man in der Literatur schwer findet (und in der heutigen ohnehin nicht mehr). Da schwingt immer eine Klasse mit, die hinter den Kulissen arbeitet. Steven Price kannte ich bis dahin nicht; der Kanadier rückte in mein Gesichtsfeld, weil er Lyriker und Dozent für Poesie ist, und jetzt war ich doch gespannt darauf, wie er die Geschichte William Pinkertons als solcher angeht. Paricia Highsmith ist natürlich die bekannteste Autorin der heutigen Neuankömmlinge, gelesen habe ich sie nie. Um das zu ändern versuche ich es zunächst mit den Kurzgeschichten aus “Der Schneckenforscher”, denn in der Kurzgeschichte liegt die Meisterschaft aller Literatur. “Treffpunkt Weimar” gehört in die Abteilung meiner Studien der Goethezeit und – Volker Kutscher hätte ich niemals in Erwägung gezogen, wenn mich nicht eine besondere Art des Kriminalromans begonnen hätte, zu interessieren. Dazu wird es später noch viel mehr zu sagen geben.

Tontafelkalender vom 11ten Hartung xx20, einem Sonnabend

So sehe ich es als wesentlich an, meine Emanzipation von der Epoche, in der ich lebe, voranzutreiben. Das beginnt bei Ritualen, die nicht mitgemacht werden (so besaß ich z.B. noch niemals ein Funktelefon. Versuche, das Festnetz analog zu halten, scheiterten jedoch, bzw. würden einen Adapter erfordern, der in keinem Verhältnis zum Gefühl der Wählscheibe steht). Man wird schnell zum Technikverweigerer, was in meinem Fall gar nicht so ist, aber ich vergesse nicht, dass alles nur Werkzeug ist, nichts anderes als ein Hammer, mit dem man einen Nagel in die Wand treibt). Es geht also weniger um Technik als um Haltung.


Man liest eine Menge Unfug im Netz, wenn der Unfug jedoch bezahlt wird, ist es ein Ärgernis:

Edgar Allan Poe war der erste Autor, der auf die Idee kam, einen Krimi zu schreiben und zu veröffentlichen. Und tatsächlich erfüllte bereits dieser erste Roman mit dem Titel „Der Doppelmord in der Rue Morgue“ aus dem Jahr 1841 ein zentrales Merkmal der Noir Krimis: die Stilisierung der Nacht als Symbol der finsteren Seite der menschlichen Seele.

Warum ärgere ich mich über solche Sachen? Weil man von einer, die für ein “Literatur- und Kulturmagazin” schreibt, erwarten kann, dass sie das, über was sie schließlich Auskunft gibt, begreift. Und man muss kein großer Vogel sein, um zu wissen, das Poes “Doppelmord” kein Roman ist, sondern zum einen eine Kurzgeschichte und zur engeren Klassifikation eine Detektivgeschichte, noch genauer: eine Tale of Raticination. Natürlich skizziert Poe hier Elemente, die zukünftige Schriftsteller weiterentwickeln würden, aber primär stellte Poe hier die Methode zur Debatte. Poe stellt während der gesamten Geschichte Hinweise zur Verfügung und bietet dem Leser damit die Möglichkeit, das Rätsel zu lösen. Das Noir-Genre hingegen setzt auf ganz andere Elemente und lässt sich auf Cornell Woolrich zurückführen. Benötigt man einen Proto-Noir-Stoff, schlägt man bei James M. Cains nach. Tatsächlich beherrscht diese Gattung ein ausgeprägter Sinn für Protagonisten, die oft Opfer oder Täter sind, selbstzerstörerisch, mit einem Hang zur Gewalt. Die Dunkelheit allein kann kein Grund dafür sein, Poe dafür verantwortlich zu machen.


Prosa wie ein Dichter behandeln, aber nie das innere Geleit verlieren.


Ich wollte mir darüber klar werden, was ein Leser überhaupt ist, denn ich bin davon überzeugt, dass der Schriftsteller nur in eine andere Form des Lesens verwickelt ist. Ohne das Lesen gibt es kein Schreiben. Um herauszufinden, was es mit dem Lesen auf sich hat, konsultiere ich oft Borges, in diesem Falle aber Ricardo Piglia, von dem bereits einige wenige Absätze genügen, um herauszufinden, warum man überhaupt lesen möchte. “Der letzte Leser”: Die Frage “Was ist ein Leser?” ist daher letzten Endes die Frage nach der Literatur.”


Um zehn (und nach einem wirklich miesen Film), kam Albera auf die Idee, meine “Blitz-Muffins”, die ich unbedingt noch backen wollte, M.U.F.O.s zu taufen, weil ich keine Backformen habe und – allein gelassen auf Backpapier – könnten sie zerlaufen und aussehen wie fliegende Untertassen; es wurde dann aber nur ein einziger MUFO, weil ich das wenigelchen Teig in einen kleinen Topf pfropfte und buk.