Die Veranda

Das phantastische Leben in der alten Spinnerei

Schlagwort: rache (Page 1 of 7)

Wer vollkommen ist, hat keinen Namen

Sandsteinburg #32

Die Frage, ob denn hier in der Rhode, im baumbestrumpften Reuth die Menschlein herausgeschwemmt, oder ob sie doch von hier in die Stadt gespült werden, auf den verborgenen Lippen. Die Startposition ist LOS, die Spielregeln ungültig, das Atemloch ganz rotplärrig schon. Im Wald und auf der Heide, Transport mit einem NSU Fiat 1100 in das Vakuum, in dem du der Beweis einer absoluten Leere bist, klitzeklein in der Wiege gehätschelt, starre Augen auf die Puppe, die eine Rasselschnur durch den Leib gespannt trägt. Es ist noch ein weiter Weg. Du könntest damit beginnen, zu kriechen, heute durchs Heute, morgen durchs Morgen, dich nicht von der Stelle rühren. Die Welt zieht an dir vorbei, strömt spielend durch dich, den nichtisolierten Leiter, hindurch. Strahlende Erlebnisse, mümmelnde Gesichter vor deinen runden Backen. Merke sie dir gut, es sind alles zukünftige Leichen. Du wirst sie nur auf Fotografien wiedersehen: Aufgestellt wie Zinnsoldaten, die jungen Fähnriche von Langemarck zu Beginn des ersten Weltkriegs, das Deutschlandlied auf den Lippen. In offener Formation, ohne Deckung marschieren sie in die feindlichen Gewehrsalven hinein und werden allesamt wie die Fliegen niedergemacht. Das Blut spritzt fröhlich über sich kräuselndes Gedärm, aus dem sich die marmorierte Scheiße herauswälzt, den jähen Pulvergeruch annimmt, um sich zu tarnen. Wer vollkommen ist, hat keinen Namen.

… und frisch bläst uns der Wind ins Gesicht, als wir vom Walde her die freie Flur betreten. Leise steigt er heraus aus dem Tal der Eger, raunt und wipfelt in den Schattenseiten der Fichtenschonung. Packt er aber härter zu, schüttelt die wetterzerzausten Kronen der alten Überhälter und erstickt das hohe Trommeln des Buntspechtes, dann empfindet man es gerade hier, als gingen die Geister noch um von der Herren Raitenbach aus der Burg Graßlitz, den Grafen von Liebenstein aus dem alten Schloss oder den rauflustigen Forstern aus der Burg Neuhaus auf dem Schlossberg, die aus ihren Raubnestern ausgezogen, um sich zu ergötzen am gruseligen und grausamen Spiel, das sie trieben, als sie hier und in der ganzen Umgebung die Kaufleute und sonstiges fahrende Volk ausraubten und ausplünderten. Bis es den Egerern zu dumm wurde und sie sich mit einer Reihe von Fürsten, darunter Herzog Ludwig von Bayern, die Markgrafen von Weitzen, ferner die Städte Eger, Zwickau, Ölnitz usw. zusammenschlossen, um den Landfrieden wieder herzustellen und zu erhalten. 1412 wurde Graßlitz geschleift. Dann kam die Rache auf Neuhaus zu. Alle Zünfte, voran die Tuchmacher und Metzger aus Eger, erstürmten die Burg und zerstörten sie vollständig.

Der Geburtstag der Friederike (2)

Sandsteinburg #29

Von wahrer Bedeutung fand sie das, was die Bauernmädchen hier veranstalten würden. Heute vielleicht schon. Bei Hofe wurde unter die Kleider geschaut; pralle Früchte zeigte nur das Land. (Arkadia liegt, auf unserer Weltkugel daheim, etwa 1741 km südöstlich von Paris; in der Phantasie ist Arkadia überall.)

Da drüben räubert jemand tageslichtscheu aus dem Küchenflügel, ungelegen geknöpft, ein missglücktes Schauspiel aller Heimlichkeit – (die Speisen müssen auch immer durch den Garten spalieren, was den Vorteil hat, dass keiner unangemeldet nachsehen kommt, was die Küchenkobolde für Hexentaten unterm/aufm Tisch veranstalten : bar=pedes im Pudding passiert scho’Mahl, wenn man so unkommod auf dem Tisch genommen wird!) – schlitternd auf Gekrös’, das ansonsten aus den Fenstern baumelt, auchMahl die Schwerkraft nutzt.

Schinkenklopfen : ein Spiel für kraftstrotzende Backen und einer eleganten Hand beim Versuch, die Poularde schneller einzumürben als der Nacktarschige ein Glas Wein verkosten kann! : Ernst Buguslaw Wobeser! Diese Hofschranze, die ihren weißgepuderten Schwanz, die fettigen Finger obendrein, in jede Öffnung steckt; ein dämmerungsaktiver Buntmarder, der die angekündigte Sonne verschlafen will, an den Fingern suckelnd, den angetrockneten Traubenmatsch ablutschend einschläft.

Die üppig hinunter zu Tisch triefenden Rinnsale ausgestülpter inkompetenter Lippen (und auch Wildbart). Besteckfinger greifen abgekühltes Kochgut Kran Schaufel zwick zwack Wein Bier Kelch Steingut, überschwänglich berankt dicker süßer Blätter, lutherisch lüstern platscht plantscht das Fußbad (Kamillenschaum, Lavendelwasser) die Knochen fallen wo die Hunde lappend Boden suchen züngeln um das Hühnerbein.

Von außen fand man sich gleich in der Welt Carl Gontards wieder, aber die Spiegelscherbenkabinette im Innern waren doch ganz und gar ähnlich vorzüglich wie in der Schlossanlage zu Bayreuth, die man in den ausgewogensten Verhältnissen vorfindet : ein feines, zartes Relief der Gliederung. All das würde sich die Natur eines Tages wieder holen, Busch und Baum, aufsteigend in Fontänen von Strahlen und Strahlenfiguren.

Sie hatte im Traum etwas Orphisches gelesen: »Oh meine liebliche jüngere Schwester! Die Länder, die wir beide gemacht haben, sind noch nicht vollendet. Kehre also zurück!«

Und sie, die Schwesterbraut, antwortet: »Es ist wirklich bedauerlich, dass Ihr nicht früher gekommen seid, denn ich habe bereits von der Nahrung der Unterwelt gegessen.«

Sollte sie jemals ein Schloss ihr Eigen nennen, würde sie es ›Fantaisie‹ nennen; ›Schloss Fantaisie‹. À la longue sollte ihr das gestattet sein. (In Donndorf bei den Kyffhäusern wird sie’s finden und dort Blütenteppiche weben.)

Dann tauchte, wo sie sich gerade zum Pudern aufraffen wollte, diese Person auf, die eine Aura wie ein Geist um sich herum drapiert spazieren führte, ganz adrett gekleidet, aber mit den merkwürdigsten Verzierungen. Nicht wie ein Bauernbursche, aber auch niemand, der sich so bei Hofe sehen lassen konnte : die Arme frei wie ein Ausmister. Ganz durchscheinend näherte er sich, schien zu staunen, als wisse er gar nicht, wo er sich befand.

»Gehört das alles Ihnen?«, sagte er, deutete auf den Gebäudekomplex. ›Von Robbie Schumann zu den Crossroads‹ stand auf seinem Oberkleid mit den abgetrennten Ärmeln. Sollte sie ihn ohrfeigen? Durfte sie sich derart ansprechen lassen von einem Gogue?

»Wie heißt du?«, fragte sie ihn barsch, denn die Situation kam ihr nicht geheuer vor.

»Adam. Aber Sie können mich anders nennen!«

Und wie er spricht, gehört er zum Küchenpersonal; aber wie durchscheinend er ist!

»Solltest du nicht bei der Arbeit sein?«

»Ich arbeite doch noch nicht!«

Er kicherte, er lachte sie aus.

»Ich liege in meinem Bett und schlafe. Gar nicht weit von hier.« Er drehte den Kopf eulenhaft in alle Richtungen, deutete dann zum Jagdgarten hin. »Dort oben an der Eger. Nicht eine einzige Hütte!«

Wenn nur jetzt jemand käme, das Gespenst des Morgens von ihr zu nehmen, denn ganz sicher erkannte sie die Umgebung durch ihn hindurch. Schließlich fragte sie ihn nach seinen Absichten.

»Herausfinden, wo ich lebe. Aber Sie sind neu in meinem Traum!«

Burschen jagten beritten durch die Gänseschar, hackten nach den aufgereckt-aufgeregten Hälsen, die fliegenden Köpfe beschrieben perfekte Parabeln, wurden in den Achselgewölben gesammelt. Rotes Lärmen zementierte die Schau der juvenilen Schweinerei, markierte den Schlachtplatz für die Bauerndirnen, die sich etwas abseits bereits angifteten, während sie noch damit beschäftigt waren, sich jene Kränze aufzusetzen, die sie sich in Augenblicken wieder herunterreißen würden.

Der Gänsehüter, ein Jüngelchen von blassem Hager, hasste diesen Tag, aber an Rache war noch nicht zu denken, also wendete er sich ab, stopfe Margeritenknospen in seine Ohren, bemüht, nicht zu erbrechen.

Das schönste Mädchen der Stadt wurde prächtig aufgeputzt, man legte ihm ein niedliches Knäblein in den Arm und setzte beide auf einen kostbar aufgeschirrten Esel. Die Glocken läuteten und mit großem Pomp wurde die Messe gelesen. Der Eingang, das Kyrie, das Gloria und das Credo wurden jedoch mit dem Ruf des Esels beendet.

Jetzt gingen sich die Maiden an; die eine versuchte, das Gesicht einer anderen zwischen die Hinterbacken zu nehmen, der Kranz fiel von selbst aus dem nassen Kopfgestrüpp. Sie teilten sich platschende Hiebe, grunzende Knietritte und Stampfer ins Abdominale. Wasserfontänen sprotzten Gansfedern auf, die sich im Puls des Furientanzes verhakten oder einfach auf’s Gekrön setzten. Wieder fiel eine in die angerichtete Pfütze und wurde von Zweien gepackt, die selbst über die Gefallene hinweg krakten. Der Spaß war freilich, ihr im Gesicht zu sitzen, der Anderen vielleicht mit einem Knacken die Nase zu brechen, was beiden nicht gelang. ›A mock heroic poem‹ auch hinter deren Rücken, wo man schon Einer die Haut zerkratze, um sie auf einen Balken zu schnallen, um sie also restlos aufgebracht dem Adel darzubieten. Nun war diese keine Diana, unterm Adel kein Aktaion zu finden; der Fleischbeschau blieb ungesühnt, diente nur dem einen Zweck, sich Demut zu erzwingen. Wo alles sich in Fetzen reißt, wo alles übereinander fällt. Nur ein kurzes mörderisches Spiel.

Notizen zur Sandsteinburg

Seit heute morgen um sechs Uhr lese und schneide ich mich bis zum 8.Juli vor; das bedeutet, dass ich 10 Texte aufgenommen habe – die allerdings zur kürzeren Sektion gehören, das sei dazu gesagt. Überhaupt ist der Aufbau der einzelnen Bücher so, dass nach einer “Kardinalerzählung” (jüngst “Es gab einen Sturm“), die eigentlichen “Kardinalitäten der leeren Menge” folgen, die ich vormals unter dem Arbeitstitel “Hundertprosa” schrieb, bis ich bemerkte, dass sie Splitter der fragmentierten Sandsteinburg sind. Manche von ihnen arbeitete ich dann explizit für ihr Themengebiet aus, andere ließ ich in dieser vagen Sprache, die sich erst später als Ganzes erschließt (wenn überhaupt, denn es gehört Aufmerksamkeit dazu, die ich glaube nirgendwo mehr entdecken zu können – was mir persönlich freilich wurscht ist). Meine rastlosen Nächte bringen mich entweder früh aus dem Bett oder spät, wobei ich selten nach halb zehn aufstehe. Heute lag die Schuld jedoch an einem “Monster-Nachbarn”, der bei offenem Fenster “Born to be Wild” brüllen ließ. Nun will es vielleicht der Zufall, dass dieses Lied – und ich zitiere eine Menge Songs in der Sandsteinburg – in der Urfassung des Romans vorkam, bevor es durch “The Ostrich” (ebenfalls von Steppenwolf) ausgetauscht wurde. Vielleicht war es die Rache des Aussortierten. Weil ich nun schon einmal wach war, konnte ich mich gleich an die Arbeit machen, die jetzt, mit diesem Eintrag, für heute endet.

Oder die Stimme in der Wand

GrammaTau #51

Dies geht schon deshalb nicht, weil sie
weiterhin einfach nicht mehr da sind.
Blockweise, Straßenweise etwa einen Besen quer
hinter Kühe legen. Welten sind versunken,
neue entstehen. Schall tropft von der Höhe,
die noch einige Stockwerke hat; wo Ohren
nichts hören, sind sie personell taub.
Gesundschrumpfen. Oh Klänge!
Tucker tucker Motoren!

Ein Lied hackt einem anderen Lied ein
Auge aus, auf den Lippen geschlüpft, dort
im Gestank zerhackter Momente geadelt.
Es musste Strophen lassen wie viele,
summende Phrasen, nackte Fersenschau,
immer aber kanonisch wertvoll in seiner schlichten Existenz.

Marodierende Meinungen wachsen im Unkraut dazwischen.
Die Blüte beugt ihre blanke Körpergestalt nach vorne,
verliert auf dieser Strecke so einiges an Talenten,
die gerne in Bordellen verprasst werden. Du
nimmst den Schrecken wahr, der an der
Wünschelrute hängt,
um nicht ins Wasser zu fallen.
Karierte Momente platzen, betäuben den Abtritt
der berühmten Gasse, links neben dem Schwur nach Rache.
Das sollte nicht umsonst gewesen sein.

Sandsteinburg (Inhaltsverzeichnis)

Die Tableaus sind fertig und warten nur noch auf ihre Silbetrennung. Die aber füge ich gleichzeitig mit den Aufnahmen ein, die zu machen sind. Die beiden Stücke der “Prenunzion” stehen ja bereits zur Verfügung, mit dem “Elvegust” beginne ich morgen. Allerdings werde ich bis in den Juni hinein die Serie GrammaTau nicht unterbrechen, so dass auch hier etwas Vorlauf entstehen wird.

Inhaltsverzeichnis
Prenunzion 5
Dort beim Hexenkraut 7
Seit wann schaukeln meine Schafe? 10
Der Elvegust 13
Es gab einen Sturm 15
Die hohe Hand des Helden 43
Die Schnitt die Zunge leidet 44
Der epikureische Garten 45
Vir Desideriorum 46
Ungesehene Winkel 52
Frikative Labiale 54
Die Gefilde Roms 55
Der Turm der höchsten Trümmer 56
Im Mundrot der morgendlichen Brise 57
Mistsudel 59
Vor uns der Kickertisch 60
Scheiterboden 62
Die Einsamkeit langer Distanz 63
Ein ellenlanger Korridor 64
Der Geburtstag der Friederike 68
Die Kusskelbertate 73
Haderlumpen in der Küche beim Schmacken 74
Wer vollkommen ist, hat keinen Namen 75
Pissstand 76
Die Engelmacherin 77
Meister Vollpferd hat ein Ziel 79
Ich bin die Nacht / Du bist der Ort 81
Ich bin die Nacht 83
Jitterbug 111
Falter aus nächtlichem Horn 113
Walden 115
Das letztliebliche Tal 117
Das eingeschworene Raupenmaß 118
Gambrinus 119
Der Hase 120
Ein Hungerleider am Straßenrand 121
Anton Reisers Auffinden 123
Turmzimmer zu Karstenfels 124
Terra finestre 126
Mitternacht in einer perfekten Welt 127
Die Kleider dem Huhn 129
Lacus Mortis 132
Zitterhexchen 134
Die Reise 137
Ein Eintopf voller Rätsel 138
Die Bananenkisten des Physikers 139
Die Wäsche wird nass und du wirst nass 140
Die Romantische Zeit 141
Das Katzengold ihres Herdes 142
Die Mondmacher 143
Der verbrannte Mann 144
Bartholomäus 146
Cornelius liegt wach 173
Morena 174
Die Zimtweiber 175
Grummetschober 176
Ödmarken der Dunkelheit 178
Das Singen niederstürzenden Regens 181
Stimmgewirr der Toten 182
Schweins drüber 183
Der Zuchtstuten Zunder 184
Pellkartoffelzucht 185
Der ewige Wanderer 186
Rache für den Marmortraum 187
Niemand betritt das Haus des Gestern 190
Ein Regenwurm ist reinster Magen 191
Das unzerbrochene Kirschlgas 192
Der Pfeifer an den Toren 193
Die Pest der Vernunft 198
Die Ankunft des Genies 201
Diese Alpträume reisen viel 202
Haus der 1000 Köpfe 204
Das Arganöl der Anständigkeit 206
Pechrabella 207
Wolf aus Erz 216
Wolf aus Erz 218
Der Brief des Cornelius 238
Im Wald von Ypern 240
Der kolossale Weltenschwund 241
Die Servierdame 244
Das blaue Kleid 245
Der Magier 253
Sonnenpolierte Nymphen 254
Sterntaler 256
Der Solomensch von Java 259
Die Rektaszension 260
Trolle & Barstukken 261
Vom Horizont walzt immer noch Licht 263
Ich kenne eine Stadt 268
Triumphator 269
Das Od 271
Was Weniges von Nachtkrappens Fauna 278
Märchenseher 279
Die Zentrifuge 280
Überschüsse im Gesicht eines Mannes 286
1 Zauber 287
Airus 288
Urgrund 289
Wismutoxyd 290
Quellen aus Mondlicht 291
Gelächter hinter den Schächten 292
Georg Heyms Verschwinden 293
Das knappe Wunderhorn 294
Flamboyant 296
Der Volontär 298
Amt für Halluzination & Psychonautik 332
Duft des Narkotikums 333
Der Tag, an dem die Nacht nicht mehr verging 334
Felsen der Bayonner 339
Es stinkt nach Gift 340
Trümmer des Schlafs 342
Der Mythos eines Gesangs 345
Felder, verrutschende Äcker 346
Das direkte Streuen der Herzen war grundlos 347
Pechbrand 349
Schlamm der Knochen 350
Trunken 351
Die letzte Herbaria 353
Ein Haus zu umarmen 354
Stubenfragment (Vergiftete Kekse) 355
Ohne Gewicht und ganz von irdischer Hefe geläutert 356
Gesang über dem Odfeld 358
Plüschbalkone 360
Lupinenhonig 361
Diabolus in Musica 362
Die Gasse der sprechenden Häuser 363
Erschrockener Brief mit folgendem Aufatmen, der Falle entkommen zu sein 366
Unter Huf & Egge 367
Quadratwurzel minus 1 368
Spukhafte Fernwirkung 369
Affentheuerlich & Naupengeheuerlich 370
Wir betraten den Schrank 372
Der Gänsehüter 373
Die Veranda 377
Der Taubenfütterer 379
Ilenes Lieblingsgeschichte 415
Nimrod 417
Unter der Chamäleonsonne 418
L´amour gout 420
In puris naturalibus 423
Halkyonische Tage 424
Sequena 425
Monstra Sunt 426
Ein alter Schuh 427
Nachtwach unter Himmels Schwärze 428
Untreulich 430
Süßes & Bitteres 431
Walditalien 432
Gezirp schüchterner Lippen 436
Messer Gabel Leffel 437
Das Experiment mit Eisen 438
Der Abgrund 444
Muttermörder 451
Feldpost 452
Landschaft mit Saft 454
Inwanderers 455
Messing der Lampe 456
Titanomachia 457
Erste Erwähnung des Vielgereisten Mantels 460
Schlanker Versucher Wind 461
Ockermoos 462
Tiefsitzende Verwebnisse 463
Der Weg nach Raha 464
Früher war das ein Hotel dʼAmour 466
Evaluation 483
Ein alter Bahnhof 486
Madame Blandot 490
Neonfragmente 494
Leichenfest 495
Gondel 497
Guter heißer April 498
In der Gesellschaft von Bildern 499
Nekyia 500
Dreh- und Engelpunkt 501
Parahotelzimmer 502
Geruch frischer Krapfen 503
Das süße Gift der Adoleszenz 504
Gliese 518 c 512
An einem weinroten Tag 513
Terra Incognita 517
Staffellauf der Abendlichter 518
Walden (Reprise) 520
Paradies aus Schwefel 522
Ödium des Verrats 523
Gliederlose Schweißperlen 526
Die Boten 527
Die Geröllhalden von Herculaneum 528
Die Fliegenpilzin 529
Kenorland 535
Pupillenängste 537
Pferdeköpfe 538
Die latenzperiodischen Kinder 540
Im Atelier 542
Gewalt über deine Ohren 545

Das Spukhaus

Seit der Antike bereichern Geisterhäuser unsere Vorstellungskraft: knarrende Treppen, zuschlagende Türen, flüsternde Stimmen, raschelnde Geräusche, zerbrechende Vasen, gurgelndes Pfeifen, klopfende Zweige am Fenster, huschende schwarze Katzen, klagende Hunde sausen schon ziemlich lange durch die Gänge unserer kollektiv erträumten Behausungen. In jedem Kulturkreis erzählt man sich Geschichten darüber, denn selbst, wenn wir uns zuhause und in Sicherheit wähnen, erkennen wir tief in uns an, dass es dort Dinge geben könnte, die nach uns greifen.

Spukhäuser stellen einen faszinierenden psychologischen Raum dar und erschrecken uns aus sehr ursprünglichen und tief verwurzelten Gründen. Auf einer Ebene verkörpern sie Freuds Konzept des “Unheimlichen”, in dem ein solcher Raum “seinen Terror nicht von etwas Fremdem oder Unbekanntem ableitet, sondern – im Gegenteil – von etwas Fremdem, das unsere Bemühungen, sich von ihm zu trennen, vereitelt”.

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Omphalos

GrammaTau #36

Es gab einen Tanz im Gesicht, aber
die Rache war ein Ballspiel am Abend.

Der rechte Arm wird ihm Taub wenn der
Frühling beginnt, so nimmt
überhand, was restlos ausverkauft erscheint.

Ein Wald, seine Bäume, Stafette der
oberen drei Bolzen, lose am Ärmel hängend,
nicht gerade voreingenommen, was die
folgende muntere Talfahrt betrifft.

Immer dann, wenn er Blumen pflückte, sah
eine Kuh in der Wohnung nach dem Rechten.
Die Bezahlung blieb asbsurd gering, fand
sich in Ahnungen bestätigt, in Trauben
gespiegelt, schließlich in Zinn gegossen.

Das Wort des Einen gegen das Wort
eines anderen Einen : so sollte es niemals
wieder sein, doch war das nichts, was
sich kontrollieren ließ. War das der Grund
für die Fälschungen der Daten, vielleicht
der Geburt, wie sie in diesem geheimnisvollen
Brief (jedoch ohne Unterschrift) nachzuspielen
war? Die Weinlese begann, begleitet von
Hindernissen, die aus der Nachbarstadt
herbeigeschafft wurden. Der Ertrag ging an
eine von Rentnern betriebene Metzgerei.

Sie wickelte Mäntel in Pullover, stopfte
Hemden in Socken. Nur so konnte er
aufgehalten werden – er und sein Pferd,
das einem Pony glich, zumindest aber einem
berühmten Hund, der Schneebälle aß. Was
daran ordinär sein sollte, fand man nie heraus.

Sie schloss die Scheune ab und legte das
Feuer in einem Beet, verbrannte aber nicht
vollständig. Ihren Kürschnerhandschuh fand man
zuletzt mit einem Honigdocht stranguliert auf.
Er röchelte noch, ein Stück vom Frieden hing
ihm an den Lefzen, ungeachtet dessen, wessen
Frieden es war. Das Mindeste, das man jetzt
noch tun konnte, war es, eine Wärmflasche
zu baden, wenn man sie nur aus dem richtigen
Stoff gefertigt fand. Man sah in Zigarren
Kisten nach, denn dort sollte das Klima
besonders mild sein. Ob und warum, derlei
Fragen beschäftigten ihn noch lange.

Durst – Ein Vampirfilm ohne Klischees

Als Park Chan-Wook seinen Vampirfilm “Durst” drehte, wollte er die Knoblauchzehen, Opernumhänge, Holzpfähle und andere schimmelige Genre-Stereotypen weglassen. Er beabsichtigte auch nicht, der gegenwärtigen Flut an Blutsauger-Fabeln mit ihren pubertierenden Helden und Heldinnen, wie etwa “Twilight” oder “True Blood”, noch ein weiteres Kapitel hinzuzufügen. “Im Westen gibt es diese große Ansammlung von Klischees in Vampirfilmen”, sagte der südkoreanische Autor und Regisseur.

“Ich dachte, mir könnte etwas Einzigartiges einfallen, indem ich diese Klischees wegließ.”

Aus diesem Grund sollte “Durst” als scheinbar erster Vampirstreifen in Erinnerung bleiben, in dem der Protagonist ein asiatischer römisch-katholischer Priester ist, der sich wegen seiner bisherigen Hilflosigkeit schuldig fühlt. Dieser bescheidene Mann des Glaubens, der vom führenden koreanischen Schauspieler Song Kang-Ho gespielt wird, wird aus Versehen zu einem sinnlichen nächtlichen Raubtier, als er freiwillig an einem Impfstoff-Experiment teilnimmt, das einen tödlichen Virus bekämpfen soll. Stattdessen erhält er eine ansteckende Transfusion, die ihn zum Vampir macht.

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