Neu in der Sammlung (8)

Goethe war eine Anomalie. Und Nicholas Boyle hat das vollbracht, was Reiner Stach mit Kafka gelang: eine definitive Biografie vorzulegen, den Künstler nicht wie ein Objekt innerhalb einer kulturellen, geistigen und gesellschaftlichen Suppe zu behandeln, sondern als Markknochen seiner Zeit. Haben wir auf der einen Seite das Kunstwort kafkaesk erhalten, ist es auf der anderen die nicht weniger prägnante Goethezeit von 1770 bis 1830. Es ist dies die erste Zeit einer Welle, die bis heute parallel läuft, während sich – eben seit Kafka – die Zeit in unübersehbare Kleinstteile zersplittert hat. Das aber war schon bei den Romantikern angelegt. Was Goethe betrifft, bin ich längst nicht komplett, trotz der Gesamtausgabe und einiger Biografien, die mich alle nur partikular überzeugen konnten. Von dieser hier verspreche ich mir berechtigter Weise mehr.

Neu in der Sammlung (7)

(c) Bildrechte der einzelnen Cover, von links nach rechts: Heyne; Hanser; Fischer

Das neue Jahr läuft vorwärts und die Bibliothek hat nun auch wieder zu wachsen. Unterschiedlicher könnten die Neuankömmlinge nicht sein. Es hat ein bisschen gedauert, bis ich das neueste Buch von Eduardo Halfon endlich angehen konnte, mein Lese-Labyrinth war zeitweise etwas außer Kontrolle geraten. Gleiches lässt sich für die anderen beiden Bücher sagen. Brandon Sanderson fehlt mir in meiner phantastischen Abteilung zur Gänze, ich kann nicht im Geringsten erschließen, wie mir dieser hochgelobte Autor bekommen wird; stünde jedoch keines seiner Werke auf meinen Holzbrettern, wäre mir das nicht recht. Zu Reiner Stachs monumentaler und vermutlich definitiven Kafka-Biographie, die aus drei Bänden besteht, kann ich nur sagen, dass ich es über all die Jahre bewusst vermieden habe, mich diesem definitiven Werk zu nähern. Der Grund ist einfach: heute wissen wir, dass durch Stach die ganze Biographik auf ein neues Level gehoben wurde, und es würde einer intensiven Beschäftigung bedürfen, diese Supernova auch gebührend aufzunehmen. Ich kam nicht umhin, den Prolog zwischen Tür und Angel zu lesen, zu lange lebte ich diesbezüglich abstinent. Ein Rausch, bereits jetzt.