Komposita über das Sterben im Gemäuer

Die möglicherweise bekannteste Daguerreotypie von Edgar Poe ist die Ultima Thule genannte vom 9. November 1848, entstanden vier Tage nach seinem Selbstmordversuch. Dieses Portrait wurde nach einem Zitat aus Poe’s Gedicht Traumland (orig. ›Dream-Land‹) so bezeichnet, weil man in ihm einen Ausdruck trotziger Verzweiflung am Rande des Todes gesehen haben will. Für die meisten Poe-Liebhaber ist dies das Bildnis, das am ehesten zum Charakter seines Werkes zu passen scheint.

Baudelaire bescheinigt dem Bildnis, dass Poe dort ein recht französisches Aussehen an den Tag lege, in Wahrheit war der Dichter vom Alkohol gezeichnet. Das ursprünglich recht feminine Gesicht weißt tiefe Furchen auf, die Augenpartien zeichnen sich unsymmetrisch ab.

Doch nun geschieht etwas Merkwürdiges in einem Leben voller Merkwürdigkeiten. Am 13. November, also vier Tage später, sieht Poe bereits wesentlich erholter aus. Zu sehen auf dem Whitman-Daguerreotypie bezeichneten Portrait. “Komposita über das Sterben im Gemäuer” weiterlesen

Alfred Hitchcock: Der Mann, der zu viel wusste

In Alfred Hitchcocks Film von 1956 verliert ein amerikanisches Ehepaar, das eigentlich nur Urlaub machen wollte, ihren Sohn an Entführer, die an einem Attentat im Ausland beteiligt sind. Obwohl Der Mann, der zu viel wusste keiner von Hitchcocks beliebtesten Filmen war, beinhaltet er doch die typische von ihm erfundene „Suspense“ und eine der dramatischsten Wendungen von Doris Day.

Hitchcock hatte den Film zweimal gedreht, zuerst 1934 in England mit britischen Bühnenschauspielern (und Peter Lorre) als schwarzweiß-Thriller. Doch der gefiel Hitchcock nicht, und als Paramount 1956 grünes Licht für ein amerikanisches Remake gab, wurde John Michael Hayes damit beauftragt, ein neues Drehbuch zu schreiben und darüberhinaus Jimmy Steward und Doris Day für die Hauptrollen verpflichtet. Als François Truffaut Hitchcock später nach den beiden Filmen fragte, sagte Hitchcock:

„Die erste Version ist die eines talentierten Amateurs, und die zweite wurde von einem Profi gemacht.“

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Steve Erikson: Im Reich der Sieben Städte / Im Bann der Wüste (Das Spiel der Götter 2)

Deadhouse Gates ist das zweite Buch in Steven Eriksons epischer Fantasy-Serie The Malazan Book of the Fallen. Es wurde von Blanvalet in die beiden Teile Im Reich der Sieben Städte und Im Bann der Wüste gespalten. Hier gibt es die Besprechung zum ersten Teil Die Gärten des Mondes – zu lesen; und hier das Vorgespräch zum Spiel der Götter.

Wenn es etwas gibt, das man über Steven Erikson sagen kann, dann, dass er keine Angst hat, Risiken einzugehen. Die Gärten des Mondes war ein Roman, der sich weigerte, seine Vision aufzugeben, auch wenn das bedeutet, dass viele Leser Mühe haben werden, mit ihr Schritt zu halten. Deadhouse Gates, das zweite Buch in der Serie Malazan Book of the Fallen, erfordert vom Leser ähnliche Zugeständnisse, aber es sind Zugeständnisse anderer Art. Am Ende von Die Gärten des Mondes gibt es eine ganze Menge narrativer Impulse, in in den Konflikt mit der Pannionischen Domäne führen, die aber erst im dritten Buch – Memories of Ice – aufgenommen werden. Stattdessen lässt Deadhouse Gates fast alle Charaktere aus dem ersten Buch zurück, zugunsten einer anderen Geschichte, die auf einem anderen Kontinent spielt. “Steve Erikson: Im Reich der Sieben Städte / Im Bann der Wüste (Das Spiel der Götter 2)” weiterlesen

Lars von Triers Antichrist

Von der Ökumenischen Jury, die von den internationalen Filmorganisationen der katholischen und evangelischen Kirche gestellt wird, mit einem Anti-Preis versehen, und auch sonst nicht zu kurz gekommen, was Buhrufe, Gelächter und negative Kritiken wie diese >>> des Tagesspiegels betrifft.

Lars von Triers 2009 erschienenes Psychodrama, das sich dem Publikum – schaut man es unter dieser Prämisse – auch in Form einer pathologischen Studie darbietet, setzt dem Horror in ganz eigener Weise Hörner auf. Es ist nicht allein nur eine Studie, die sich die uns hier gezeigte Paarbeziehung zum Gegenstand genommen hat, um einen abnormen Verlauf nachzuzeichnen, es ist auch eine, die sich die nach und nach offenbarte und somit festgehaltene Krankheitsgenese der beiden zum Anlass nimmt, das womöglich eigentliche Thema von Interesse herauszupellen. Und zwar beim Zuschauer. Der vielleicht, wie ich es tue, nach dem Wissensstand der medizinischen Psychologie von heute fragt, vor allem aber nach ihrer Praxis und Anwendung. Eine Studie also, die sich den Patienten anschaut, der ihre heutigen Dienstleistungen in Anspruch nimmt.

Das zentrale Thema von Lars von Trier ist, wie zumeist, die Angst des Menschen. Der Mensch, das Individuum, das – obgleich wir längst nicht mehr im Mittelalter leben und uns selbstüberschätzend als endgültig aufgeklärt begreifen – sich scheinbar sicher in den Händen eines Humanismus wähnen darf, der sich mit dem Wissens- und Erkenntnisfortschritt dekoriert, ihn auch postuliert, aber nicht anwendet, also nur behauptet: und somit in keiner Weise als ein solcher Humanismus zu begreifen ist. “Lars von Triers Antichrist” weiterlesen

Sturm Alabasters

Die Augenbirnen in den Nußschalen, in regengebadeten Prismen, also ein künstliches Land. Ohne mich zu kennen, bin ich gerannt und schüttelte Hände im Sturm Alabasters, die Sagen vergessen das Land unbekannt. So stehen die Ritter bei Grabe und schmettern Gewölk vom Gesicht in die Tiefe aus den Höhlen der Mesmerei, dort hatten sie einst Schafe erschaffen mit Wolle durch silberne Lettern und Angst an der Wand stets in Blei. Es scheint mir alles zu sein und ich weiß nicht : es scheint eine Art Stille zu sein, die uns in ein Vakuum fließen läßt und ich weiß nicht : es scheint eine Art Verzweiflung zu sein, die uns einander näher bringt.

Robert W.Chambers: Der König in Gelb

Die Sammlung seltsamer Jugendstil-Geschichten des amerikanischen Autors Robert W.Chambers blieb nahezu für ein ganzes Jahrhundert ein ungelesenes Buch. Die erste Hälfte des Buches besteht aus vier unheimlichen Geschichten, die, außer der losen Verbindung des Königs in Gelb, nichts miteinander zu tun haben.

Der König in Gelb ist ein Buch, das jeden, der es liest, in den Wahnsinn treibt. Chambers’ Sammlung war für damalige Verhältnisse seiner Zeit weit voraus. Sie ist einer der ersten literarischen Metatexte, einer Form, die bei so verschiedenen Autoren wie Franz Kafka, H.P. Lovecraft und Vladimir Nabokov Verwendung fand. Das Spiel mit Andeutungen, der literarische Isis-Schleier wurde hier geboren. Im letzten Jahr (2014), wurde dieses Buch, das zum Zentrum der HBO-Serie “True Detective” avancierte, an die Spitze der Amazon-Bestsellerlisten katapultiert. Aber auch in dieser ersten Staffel bleibt der König in Gelb ebenso ungesehen wie im Buch. Aufreizend angedeutet zwar, aber nie aufgedeckt. “Robert W.Chambers: Der König in Gelb” weiterlesen

J. R. R. Tolkien: Der Herr der Ringe

Es gibt sogar unter den gebildeten Leuten (oder gerade dort) die nie versiegenden Stimme, die raunen, Tolkien habe sich bei seinem epochemachenden Werk vom zweiten Weltkrieg inspirieren lassen; dann kam John Garth und erklärte der Welt, es handle sich um den ersten Weltkrieg, den Tolkien da verarbeite. Tolkien selbst waren diese Verweise schon zu Lebzeiten suspekt – und das zurecht. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Analyse eines Literaturwissenschaftlers mehr über den Analytiker aussagt als über das eigentliche Werk. Das ist das eine. Das andere ist die Tatsache, dass man sich in Mainstream-Kreisen den Erfolg eines Fantasy-Werkes irgendwie erklären muss, um sich ihm bedenkenlos widmen zu können, und sei es, dass man zunächst einmal einen Tunnel zwischen Traum und eingebildeter Wirklichkeit graben muss, um nicht an der Imaginationskraft zu ersticken, die in einer zweckorientierten Hölle, die wir „unsere Welt“ nennen zum Letzten gehört, dem sich ein anständiger Mensch widmen sollte, solange er noch von anderen Heuchlern als seinesgleichen erkannt werden will. Selbstverständlich war Tolkien als Autor von Ideen inspiriert, die aus unserer Welt stammen, aber das ist eine Binsenweisheit, die nirgendwohin führt.

Tolkiens Herr der Ringe ist berühmter und beliebter als die Bibel und hat diese damit zurecht von Platz eins der Fantasywerke verdrängt. In einem Brief an seinen Freund, den englischen Jesuitenpater Robert Murray beschrieb J. R. R. Tolkien den Herrn der Ringe einmal als „ein grundlegend religiöses und katholisches Werk, zunächst unbewusst gestaltet, aber in der Überarbeitungsphase dann bewusst“ (The Letters of J.R.R. Tolkien, 142). Es gibt viele theologische Themen, die der Erzählung zugrunde liegen, der Kampf des Guten gegen das Böse, der Triumph der Demut über den Stolz, die Wirksamkeit der Gnade, des Todes und der Unsterblichkeit, der Auferstehung, der Erlösung, der Buße, der Selbstaufopferung, des freien Willens, der Demut, der Gerechtigkeit, der Gemeinschaft, der Autorität und der Heilung.

Auch religiöse Motive, die nicht christlicher Natur sind, erkennt man als starke Einflüsse in Mittelerde. Das Pantheon des Valar und Maiar (größere und kleinere Götter/Engel), das für die Erschaffung und Erhaltung von allem verantwortlich ist, von Himmel (Manwë) und Meer (Ulmo) bis hin zu Träumen (Lórien) und Schicksal (Mandos), suggeriert eine vorchristliche Mythologie, auch wenn Valar und Maiar selbst Schöpfungen einer monotheistischen Einheit sind – Illuvatar oder Eru genannt.

Andere vorchristliche mythologische Bezüge finden sich in den Darstellungen des „wilden Mannes“ (Tom Bombadil), der Istari (gemeinhin als die Zauberer bezeichnet, vielleicht aber mehr Engel als Zauberer), Gestaltwandler (Beorn), untote Geister (Grabunholde), fühlende Nicht-Menschen (Zwerge, Elfen, Hobbits und natürlich Ents). Magie wird in Mittelerde frei verwendet und findet sich nicht nur in den Beschwörungen der Zauberer, sondern auch in den Waffen und Werkzeugen der Krieger und Handwerker, in den Wahrnehmungen und Fähigkeiten der Helden und in der Natur selbst.

Tolkien beharrte wiederholt darauf, dass seine Werke keine Allegorie seien, und obwohl seine Gedanken zu diesem Thema in der Einleitung des Buches erwähnt werden, gab es heftige Spekulationen darüber, dass der Eine Ring eine Allegorie für die Atombombe sei. Allerdings hatte Tolkien den größten Teil des Buches bereits fertiggestellt und das Ende in seiner Gesamtheit geplant, bevor die ersten Atombomben während der Atombombenangriffe auf Hiroshima und Nagasaki im August 1945 der Welt bekannt gemacht wurden. Es gibt jedoch einen starken Trend der Verzweiflung vor der neuen mechanisierten Kriegsführung, die Tolkien selbst in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs erlebt hatte. Die Entwicklung einer speziell gezüchteten Ork-Armee und die Zerstörung der Umwelt, um dies zu untermauern, haben natürlich moderne Resonanzen. Dennoch äußerte Tolkien offen und nicht gerade selten, dass er Allegorien verabscheue und es wäre unverantwortlich, solche direkten Äußerungen zu diesen Themen leichtfertig abzulehnen, nur weil der Mainstream mit Dingen, die sich nicht direkt auf deren Toilette beziehen, Probleme hat.

Eine Mythologie für England

Tolkien hatte zunächst gar nicht die Absicht, eine Fortsetzung des erfolgreichen Kinderbuches Der Hobbit zu schreiben. Stattdessen skizzierte er die Geschichte von Arda oder die über die Silmarils, bis ein wahres Kompendium über jene Rassen und Geschehnisse vorlag, über die wir im Herrn der Ringe lesen. Tolkien starb, bevor er das Silmarillion fertigstellen konnte, aber sein Sohn Christopher Tolkien bearbeitete das Werk seines Vaters, füllte Lücken und veröffentlichte es 1977.

Tolkien hegte den tiefen Wunsch, eine Mythologie für England zu schreiben, besonders nach seinen schrecklichen Erfahrungen während des Ersten Weltkriegs. Auch beeinflusst wurde er von den Auswirkungen der fortschreitenden Industrialisierung, die ihm viel von dem England nahm, das er liebte. Um seine Schriften wirklich verstehen zu können, müssen wir uns bewusst werden, wie Tolkien, der Gelehrte, den Autor Tolkien beeinflusste. Die Schriften über die von ihm geschaffene Mythologie entstanden, als er in Oxford als Philologe tätig war, wo er selbstverständlich mit den nordeuropäischen mittelalterlichen Literaturen zu tun hatte, einschließlich der großen mythischen Werke wie der Hervarar-Saga, der Völsunga-Saga, der einflussreichen Saga des Beowulf sowie anderer altnordischer, alt- und mittelenglischer Texte. Inspiriert wurde er auch von nicht-germanischen Werken wie dem finnischen Epos Kalevala. Ein Mann, der seine erste eigene Sprache im Alter von sieben Jahren erfunden hatte, wurde nun von dem Wunsch getrieben, eine Mythologie für England zu schreiben, beeinflusst durch sein Wissen über diese alten Traditionen.

Die Notwendigkeit eines solchen Mythos war oft das Gesprächsthema bei den Inklings, einer Gruppe anderer Oxford-Wissenschaftler, die als christliche Romantiker bezeichnet wurden und sich wöchentlich trafen, um über isländische Mythen und ihre eigenen unveröffentlichten Manuskripte zu diskutierten. Tolkien stimmte mit C.S. Lewis, einem anderen Mitglied der Gruppe, überein, dass, wenn es keine adäquaten Mythen für England gäbe, sie ihre eigenen schreiben müssten. Tolkiens Werk wurde allgemein in diesem Licht interpretiert.

Von seinen Verlegern überredet, begann er im Dezember 1937 mit einem neuen Hobbit. Nach mehreren Fehlstarts kristallisierte sich bald die Geschichte des Einen Ringes heraus, und das Buch mutierte von einer Fortsetzung des Hobbit zu einer thematischen Fortsetzung des unveröffentlichten Silmarillion. Die Idee des ersten Kapitels (Das lang erwartete Fest) schrieb er bereits formvollendet nieder, obwohl die Gründe für Bilbos Verschwinden und die Bedeutung des Ringes nicht vor 1938 eingearbeitet wurden. Ursprünglich sollte er eine weitere Geschichte entstehen, in der Bilbo seinen ganzen Schatz aufgebraucht hatte und deshalb nach einem weiteren Abenteuer suchte; Tolkien erinnerte sich jedoch an den Ring und die Kräfte, die er hatte, und beschloss, stattdessen darüber zu schreiben. Er begann damit, Bilbo als Hauptfigur zu konzipieren, bemerkte aber schnell, dass die Geschichte zu ernst wurde und für den lustigen Hobbit nicht angemessen. Bei der Suche nach einem alternativen Ringträger erfand er schließlich Frodo.

Die Geschichte kam aufgrund Tolkiens Perfektionismus nur langsam voran und wurde oft durch seine akademischen Aufgaben unterbrochen. Er scheint das Buch während des größten Teils des Jahres 1943 aufgegeben und erst im April 1944 wieder aufgenommen zu haben. Seinen Verlegern zeigte er erst 1947 eine Kopie des Manuskripts, und erst im darauffolgenden Jahr wurde es abgeschlossen, die Überarbeitung dauerte dann aber bis 1949. Aber auch drei Jahre später war das Buch noch unveröffentlicht.

Aufgrund des Papiermangels in der Nachkriegszeit, aber auch um den Preis des ersten Bandes niedrig zu halten, wurde das Buch in drei Bände unterteilt. Verzögerungen bei der Erstellung von Anhängen und Karten führten dazu, dass diese später als ursprünglich erhofft veröffentlicht wurden – am 29. Juli und 11. November 1954 und 20. Oktober 1955 erschien es im Vereinigten Königreich.

Da die dreibändige Bindung so weit verbreitet war, wird das Werk meist als “Herr der Ringe”-Trilogie bezeichnet, obwohl es sich – technisch gesehen – nur um einen einzigen Roman handelt.

Der enorme Publikumserfolg von Tolkiens epischer Saga hat die Nachfrage nach Fantasyliteratur stark beeinflusst. In den 60er Jahren boomte das Genre und viele Meilensteine wurden in dieser Zeit veröffentlicht (etwa Erdsee von Ursula LeGuin, die Thomas Covenant-Romane von Stephen R. Donaldson und die Gormenghast-Bücher von Mervyn Peake; Der Wurm Ourobouros von E. R. Eddison wurde wiederentdeckt). Auch die Rollenspielindustrie, die in den 1970er Jahren mit Dungeons & Dragons populär wurde, profitierte davon, und viele Kreaturen, die in Tolkiens Büchern zu finden waren, wurden darin übernommen.

Der Begriff “Tolkienesque” wurde im Genre verwendet, um auf die oft kopierte und missbrauchte Handlung des Herrn der Ringe zu verweisen: eine Gruppe von Abenteurern macht sich auf, um die Welt vor den Armee eines dunklen Herrschers zu retten. Shannara ist unter den billigen Plagiaten wohl am bekanntesten.

Was bleibt zu sagen, sieht man sich an, was bereits alles über Tolkien und sein Werk publiziert wurde? Man wird kaum mehr einen Bereich finden, der nicht bereits kleinteilig auseinander genommen worden wäre. Die Faszination bleibt, aber es ist keineswegs mehr so, dass kein Weg an Tolkien vorbei führt, wie das jahrzehntelang der Fall zu sein schien. Neue Strömungen und starke Autoren haben bereits gezeigt, dass es ein Leben nach dem Herrn der Ringe gibt.

Carnivale

Es gibt wohl kaum eine Serie, die den Begriff der “Weird Fiction” neben Twin Peaks jemals so verkörperte wie Daniel Knaufs Carnivale, die im Jahre 2003 wohl noch etwas zu ambitioniert für die Serienlandschaft war, um sich durchsetzen zu können. Magie, Drama, Science-Fiction und Fantasy wurden in diesem Juwel zu einem einzigartigen Mix verschmolzen, der bis heute in keiner ähnlichen Weise mehr erblickt wurde. Würde man die Serie heute herausbringen, würde dieses einzigartige Juwel des Geschichtenerzählens wohl spielend der Hit des Jahres werden.

Carnivale – das ist die uralte Geschichte von Gut gegen Böse, die vor dem Hintergrund der Dust Bowl (Great Planes) während der Großen Depression spielt. Die Erzählung folgt einem reisenden Zirkus, der von einem geheimnisvollen, unsichtbaren Management geleitet wird und wie dieser auf einen jungen Mann namens Ben Hawkins (Nick Stahl) trifft, der ungewöhnliche Heilkräfte besitzt, die ihm einen hohen Preis abverlangen. Bald beginnt er Visionen eines apokalyptischen Schicksals für den Planeten zu haben. “Carnivale” weiterlesen

The Crow (Liebe, die zu Wut wurde)

Stell dir vor, du bist verliebt, und es ist diese alles verzehrende Liebe, die dich völlig durchdringt. Stell dir die Freiheit vor, die damit einhergeht, dass es jemanden gibt, der dich vollständig kennt, und die damit verbundene erstaunliche Offenbarung, dass dein Gegenüber dich für all die Dinge liebt, die dich ausmachen.

Nun stell dir vor, dass diese Liebe im Nu gewaltsam von dir genommen wurde. Du hast von einem Augenblick auf den nächsten alles verloren. Was würdest du tun? Würdest du verzweifeln? Drogen und Selbstzerstörung über dich stülpen? Jeden, den du triffst, deinen Hass spüren lassen? Oder würdest du etwas anderes machen? Dich etwa in Kunst ausdrücken? “The Crow (Liebe, die zu Wut wurde)” weiterlesen

Dario Argentos Suspiria

Im August dieses Jahres jährte sich die Veröffentlichung von Dario Argentos bahnbrechendem Film Suspiria zum 40. Mal. Während gegenwärtig ein Remake in Arbeit ist, glauben viele, dass das Original ein heiliges Kunstwerk ist, dem man nicht das Wasser reichen kann. Die satten Farben, die höhlenartigen Sets, der haarsträubende Soundtrack und der erschreckende Ton des Films machen ihn zum Zentrum eines wahrhaftigen Kults.

Drehbuchautor und Regisseur Dario Argento hat, um es gelinde auszudrücken, eine ungewöhnlich entsetzliche Lebenseinstellung, und die kraftvollsten Momente seines Films lassen einen über eine Operation am offenen Herzen nachdenken. “Dario Argentos Suspiria” weiterlesen