T. E. D. Klein – Botschafter des Grauens und der Romantik

1.

QUAL DES SCHREIBENS

Die gesammelten Widersprüche des T. E . D. Klein

 Wenn es in der zeitgenössischen Literatur einen Autor gibt, der sich dem Schreiben durch puren Masochismus verbunden fühlt und sich in seiner Qual trotzdem wegweisende Werke abringt, dann ist das wohl T. E. D. Klein, der Autor eines bemerkenswert schmalen aber wahrlich nicht unbedeutenden Œuvres.
„Ich bin einer dieser Leute, die alles tun würden, um dem Schreiben auszuweichen. Alles!”1,  sagt er. „Ich finde das Schreiben von Fiktion irrsinnig hart. Ich denke, ich bin ein extrem guter Lektor für anderer Leute Werke, […] aber es ist eine entsetzlich harte Arbeit für mich, irgendetwas Eigenes zu produzieren.“2
In einem Zeitraum (wir sprechen von mehr als 25 Jahren), in dem Stephen King ein ganzes Hochregallager mit seinen Büchern füllen kann, hat T. E. D. Klein einen Roman (The Ceremonies), fünf längere Erzählungen bzw. Novellen („The Events at Poroth Farm“, „Petey“, „Black Man With a Horn“, „Children of the Kingdom“ und „Nadelman’s God“) und etwas Kleinzeug (ein paar Kurzgeschichten, Essays und Rezensionen) zustande gebracht. Warum das so ist, erklärt er Carl T. Ford, dem Herausgeber des britischen Fanzines Dagon wie folgt:

Ich lese schnell, viel zu schnell und schreibe viel zu wenig und viel zu langsam. Ich bin ein Zeitschriften-Junkie, und ich kann Stunden glücklich damit verbringen, mich durch einen Berg von Zeitschriften zu lesen. Ich unterbreche nur mal kurz, um ein paar Artikel herauszuschnippeln, die es wert sind, sie zu behalten oder einem Freund zu schicken. Du würdest entsetzt sein, wenn du sehen würdest, was ich jede Woche über in der Post habe: Literatur-Magazine, Finanz-Magazine, regionale Magazine, politische Magazine jeglicher Färbung3, Reise, Humor, Wissenschaft, Film, sogar Magazine über Postkartensammeln und Fliegen (was ich beides nur in meiner Phantasie tue).4

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William Peter Blatty: Der Exorzist

Jeder kennt den Film, für den Blatty seinen berühmten Roman in ein Drehbuch umwandelte, so dass beides – literarische Vorlage und Screenplay – nicht mehr eindeutig voneinander zu trennen ist, vor allem, weil in diesem Fall der Film genauso gut ist wie das Buch. Eine absolute Seltenheit. Hier wird sie Manifest. Die Story ist im Grunde einfach: Die Schauspielerin Chris MacNeil lebt in Washington D.C. (wo sie gerade an einem Film arbeitet), nahe bei der Georgetown University. Einige Geheimnisse umgeben die nicht diagnostizierte Krankheit ihrer Tochter Regan. Deren Zustand verschlimmert sich zusehends und ihre Manifestationen werden immer bizarrer. Die Anzeichen deuten auf eine gespaltene Persönlichkeit hin, und eine davon scheint nicht ganz menschlich zu sein.

Wie bei jeder großen Horrorstory sind es nicht die physischen Schrecken, die imposant sind, sondern die Psychologie, die diesen Vorgang begleitet. Das eigentliche Thema, das um Regan McNeils Besessenheit kreist, ist das des Glaubens. Die Handlung wird getragen von Pater Damien Karras, Jesuit und ausgebildeter Psychologe, der an der Georgetown University lehrt. Blatty beleuchtet Karras’ Hintergrundgeschichte langsam wie eine köstliche Vorspeise vor dem Hauptgang. Pater Karras sucht die Wahrheit hinter Regans Zustand – offensichtlich deutet alles auf eine dämonische Besessenheit hin – doch Karras’ Glaube, der in seiner Jugend noch unerschütterlich war, hat einige Kratzer durch die düstere Realität des Lebens abbekommen. Er fühlt die Wirklichkeit von Regans Besessenheit, aber er kann seiner weltlichen Ausbildung und Erfahrung nicht entkommen. Blatty arbeitet diesen Zweifel meisterlich heraus und garniert ihn mit durchdachten psychologischen Ansichten.

Der Exorzist ist voller turbolenter Vorahnungen. Die Elemente des Horrors sind subtil und die Beschreibungen der Atmosphäre prägnant. Auch wer den Film gesehen hat, sollte zum Buch greifen, denn auch hier gilt: Literatur kann Dinge, die ein Film niemals zu Wege bringt. Im Grunde sind beides Meilensteine ihres jeweiligen Genres.