Tontafelkalender 23 / Neblung / Sonnabend

Mit Elvia Wilk bespreche ich letzte Details zu meiner Übersetzung ihres Artikels “Tod durch Landschaft”. So wandern elektronische Briefe zwischen New York und Kempten, und wir kommen der Veröffentlichung Stück für Stück näher.

Darüber hinaus sind wir hier im K’ground mit Ars Acustica beschäftigt. Als ich mich – damals noch in der Schweiz – damit beschäftigte, waren die Klangskulpturen noch eng an meine Texte gehalten, aber Albera hat eine eigenwillige Erzählung im Sinn, die im ersten Take “Hexenwerch” nur Environment Ambience verwendet.

12.03

Avantgardismus ist ein Genre, keine Frage des Stils. Ist es ein Genre für schlechte Schriftsteller? Es ist natürlich leicht, ein mangelndes Talent hinter einem scheinbaren Experiment zu verbergen. Eine konventionelle Geschichte ist hingegen schnell identifiziert. Andererseits geht es bei experimenteller Literatur nie um den Leser, nicht einmal dann, wenn man metafiktional wird. Es geht rein und ausschließlich um den Text. Ich wäre ein lausiger konventioneller Schriftsteller, eben weil mir der Begriff des “Lesers” wie das Synonym für einen Idioten erscheint.

Lese ich in einer Besprechung: “Der Leser …”, denke ich: Aha, der Hundsfott. Tatsächlich war das nicht immer so. Als Leser vor 200 Jahren etwa war man anderen Geistes, heute müsste man von einem “guten Leser” sprechen. Aber die wenigsten wollen das Buch, das sie lesen, schreiben – und verstehen somit ihre Aufgabe nicht.

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