Von den Veränderungen

Es ist vielleicht gar keine schlechte Idee, eine allgemeine Rubrik einzurichten, denn oft genug kommt es vor, dass ein Gedanke gar nicht zu dem Thema passt, das ich gerade bearbeite. Und gerade jetzt, wo ich “Das gebloggte Buch” betreibe; ein Weblog, das im Grunde das eingestellte “Phantastikon” weiterführt und den Podcast beherbergt, der sich dadurch nicht verändert hat.

Zwar hätte ich alles so lassen können wie es war – PHANTASTIKON ist ein guter Brand – aber wie immer bin ich empfänglich für die Schwingungen, die sich um einen Begriff oder Titel ranken. Das Phantastikon hat seine Geschichte. In erster Linie begann es als Magazin, inklusive einer Redaktion (die sich zweimal grob verändert hat). 2019 wurde es dann eingestampft, weil es eine Menge Ärger gab, den ich hier nicht an die Öffentlichkeit zerren will. Aber natürlich wollte ich weitermachen, baute alles für einen Blog um und startete den gleichnamigen Podcast. Es kam mir gleichzeitig wie eine gute und eine schlechte Idee vor. Der Podcast war die gute Idee und nähert sich in diesen Tagen der hundertsten Sendung.

Vielleicht wäre es gar nicht so sehr ins Gewicht gefallen, dass ich immer mehr Historische Krimis und Thriller lese und bespreche und auch Artikel von Autoren übersetze, die sich mit dieser Tradition beschäftigen. Garantiert aber hätte ich nicht nach einer neuen Wiege gesucht, wenn diese nicht bereits existiert hätte. Mit Klarnamen ist das immer so eine Sache, aber bereits 2007 wurde mir von meinem Freund (und Autor) Benjamin Stein eine Seite unter meinem Namen eingerichtet. “Die Veranda” hieß mein erster literarischer Blog. Den füllte ich so lange, bis ich 2010 von der Schweiz wieder nach Deutschland zurückkam, und dann nur noch ab und zu. Allerdings stand ich zu diesem Zeitpunkt noch auf der Autorenseite, während ich mich jetzt zwar weiterhin mit Prosa beschäftige, aber mich doch eher als Kritiker sehe. Eine gewagte Aussage, die für sich allein gelassen nicht ganz richtig ist, weil ich keine Objektivität erreichen will (auch wenn Objektivität ohnehin eine große Augenwischerei ist). Damit ist gemeint: Ich sehe die Dinge, wie ich sie sehen will. Das machen natürlich alle Buchblogger so, und mir gefallen die allerwenigsten mit ihren Blümchentapeten und Kaffeetassen und Stricksocken. Ich finde sie sogar idiotisch. Aber die Verlage mögen das. Und untereinander mögen sie sich auch. Es scheint mir sogar manchmal, als würden die modernen Cover ausschließlich dazu entworfen, zu Wollsocken, einem Garten und einer Kinderschaukel zu passen, um eine schöne Instagram-Installation zu ermöglichen.

Ich komme zu weit von dem ab, was ich eigentlich sagen wollte.

“Das gebloggte Buch” – wie die Veranda jetzt heißt -, bedeutet für mich eine Rückbesinnung auf mein eigenes Lesevergnügen. Es hatte einst eine Zeit gegeben, da wäre ich sogar bereit gewesen, meine Dienste einem Verlag anzubieten und monatlich Neuerscheinungen zu besprechen. Bis mir klar wurde, dass ich dann aber auch alles über Bord werfen müsste, was meine Herangehensweise ausmacht. Man müsste sich dann auf Gefälligkeiten konzentrieren, definitiv nicht meine Stärke.

Die großen Tage des Magazins sind endgültig vorbei. Es waren Tage, in denen die Zugriffe schwindelerregende Höhen erreichten und mich Firmen anschrieben, ob sie ihre Produkte bei uns platzieren dürften. Hätte ich es darauf angelegt, hätte aus dem Phantastikon ein Marketingwerkzeug werden können. Dieses Verständnis aber fehlt mir. Mir geht es immer nur um Geschichten.

Ich könnte also sagen: Aus der Stadt bin ich raus. Ich lebe jetzt in einem großen Garten, Menschen bekomme ich nur selten zu Gesicht. Und ich glaube, das ist eine gute Sache.

Über

M.E.P.
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Wenn es kein Buch ist, dann ist es ein Hörbuch. Und wenn es kein Wort ist, dann ist es der Jazz.

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