Edgar Allan Poes “Goldkäfer”

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Illustration von “Herpin”.

Edgar Allan Poe wurde von Verlagen und Medien zu einen Synonym für Gruselgeschichten und dunkler Poesie stilisiert, vor allem in Deutschland. Zu seinen Lebzeiten war das allerdings nicht der Fall. Eine seiner bei weitem berühmtesten Geschichten ist eine, die heute weniger bekannt ist: Der Goldkäfer.

Ich dürfte etwa 11 Jahre alt gewesen sein, als ich diese Geschichte zum ersten Mal las. Vom ersten Augenblick an hat mich die Liebe zu Edgar Allan Poes Leben und Werk erfasst und nie wieder losgelassen.

Obwohl es auf den ersten Blick nicht so aussieht, ist “Der Goldkäfer” eine Art Detektivgeschichte, mit William Legrand als dem in einer Hütte lebenden amerikanischen Gegenstück zum französischen C. Auguste Dupin in “Der Doppelmord in der Rue Morgue”, “Der entwendete Brief” und “Das Geheimnis der Marie Roget” und dem Erzähler als verwirrtem, aber intelligentem Handlanger, der Zeuge des Genies der Hauptfigur wird. Wie Dupin ist auch Legrand der Nachkomme einer alten Familie, der sich an intellektuellen Tätigkeiten erfreut und als Abenteurer nach der Gelegenheit Ausschau hält, einen Teil seines Reichtums wiederzuerlangen. Legrands Erklärung, wie er mit Hilfe von Beobachtung und Logik hinter das Geheimnis von Kapitän Kidds Schatz gekommen ist, weist einige Ähnlichkeiten mit Dupins Methode der Ratiokination auf, und beide zeigen eine Vorliebe dafür, sich auf subtile Weise über andere lustig zu machen, wie etwa den Polizeipräfekten in “Der entwendete Brief”. Auch Legrands Erklärung am Ende hat alle Facetten der Enthüllung eines Detektivs.

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Die Tanzwut (Veitstanz)

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In den Annalen der Geschichte gibt es einige Ereignisse, die sich einer rationalen Erklärung entziehen. Ein solches Ereignis ist die Tanzwut von 1518. Während dieses bizarren Ereignisses begannen mehrere Menschen in Straßburg unkontrolliert zu tanzen, und einige tanzten sich sogar zu Tode. Das Phänomen dauerte etwa einen Monat lang an und ist bis heute ein faszinierendes Rätsel.

Die Tanzwut von 1518 begann im Juli, als eine Frau namens Troffea in den Straßen von Straßburg (damals eine freie Stadt im Heiligen Römischen Reich, heute in Frankreich liegend) eifrig zu tanzen begann. Was als einsamer Akt begann, entwickelte sich bald zu etwas viel Größerem. Frau Troffea tanzte erstaunliche 6 Tage lang ununterbrochen und zog die Aufmerksamkeit der Zuschauer auf sich. Das wirklich Bemerkenswerte war jedoch, dass sich ihr bald andere anschlossen, die dem Zwang, sich in einem unsichtbaren Rhythmus zu wiegen, nicht widerstehen konnten.

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Der Ursprung der Geister und berühmte Darstellungen in der Literatur

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Seit der Mensch sich seiner selbst bewusst ist, scheint er sich auch der Geister bewusst zu sein. Das Konzept der Geister, aber auch der Geistergeschichten lässt sich bereits in den Anfängen der Menschheitsgeschichte finden und fasziniert uns seit Generationen. Ein Rascheln im Gebüsch, ein knarrendes Geräusch, und die Angst, die sich mit unserem Überlebensinstinkt verbindet, lässt uns Dinge sehen oder fühlen, die vielleicht nicht da sind.

Aber auch der Glaube, dass etwas jenseits des Todes existieren könnte, hält uns gefangen. Was wir heute als Geist interpretieren, hat seine Wurzeln und den Mythen und Überzeugungen der alten Kulturen. Gespenster waren und sind manchmal die Geister von Personen oder von Tieren, die nach dem Tod des Körpers weiterexistieren. es liegt zum Teil an diesem Glauben, dass viele Beerdigungsrituale ursprünglich stattfanden und praktiziert wurden, um zu verhindern, dass der besagte Geist auf der Erde verbleibt und die Lebenden verfolgt. Darüber hinaus wird an die Existenz von Geistern oft aufgrund der menschlichen Erfahrung festgehalten, sich verfolgt oder verflucht zu fühlen. Dieses Gefühl wird noch heute nicht gerade selten damit erklärt, sich in der Gegenwart von Geistern zu befinden. Dies kann vom Hören, Sehen, Fühlen von seltsamen Wahrnehmungen bis hin zu anderen unerklärlichen unheimlichen Ereignissen reichen. So wird beispielsweise ein unbelebtes Objekt, das sich von selbst und ohne Zutun bewegt, oft als von einem Geist verursacht zitiert.

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Doyle, Dickens und der Spiritualismus

Es war Ende März 1848 kurz vor Mitternacht, als die zwei jungen Mädchen Katie und Maggie Fox aus ihrem gemeinsamen Schlafzimmer in Hydesville, New York, nach ihren Eltern riefen. Mysteriöse Klopfgeräusche hallten durch den Raum und hielten die Mädchen wach. Die Familie Fox durchsuchte das Haus bei Kerzenlicht, fand aber keine Quelle für die Geräusche. In der nächsten Nacht begannen die Geräusche erneut. Und in der darauf folgenden Nacht – und in den nächsten zwei Wochen jede Nacht. Die Klopfgeräusche dauerten jede Nacht mehrere Stunden und machten die Familie Fox ängstlich, verwirrt und müde.

Am 31. März wurden die Mädchen früh ins Bett geschickt, um die verlorene Ruhe nachzuholen. Fast sofort begannen die Klopfgeräusche wieder. Diesmal reagierte Katie auf die Geräusche, indem sie selbst an die Wand klopfte. Erstaunlicherweise Antwortete das Klopfen darauf. Maggie schloss sich an und forderte das, was die Geräusche machte, auf, “es genauso zu machen wie ich”. Sie Klopfte viermal und das Klopfen antwortete viermal. Mehrere Stunden lang fuhren die beiden Mädchen fort, mit der Quelle der Geräusche zu interagieren. Durch diese Befragung kamen die Mädchen zu dem Schluss, dass es sich um eine “unsichtbare Intelligenz” handelte, um den Geist eines ermordeten Blechhändlers namens Charles B. Rosna, dessen Überreste noch immer unter dem Haus begraben waren. Als ihre Mutter Margaret versuchte, mit dem Geist zu sprechen, hörten die Klopfzeichen auf. Offenbar wollte der Geist nur mit Katie und Maggie kommunizieren.

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Die Fox-Schwestern

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Der Werwolf von Bedburg

Es war nicht leicht, im Deutschland des 16. Jahrhunderts ein Bauer zu sein. Noch schwieriger war es, wenn man beschuldigt wurde, ein Werwolf zu sein, der einen Pakt mit dem Teufel geschlossen hatte.

In einer Zeit, in der es noch keine Schädlingsbekämpfung und keine Düngemittel gab, war es schon schwer genug, etwas zum Wachsen zu bringen. Hinzu kam die ständige Bedrohung durch umherziehende Räuber, die keine Skrupel hatten, das Vieh zu stehlen oder die Ernte zu verbrennen. Doch für den Bauern Peter Stubbe war das Leben noch härter. Stubbe musste sich auch mit dem Vorwurf auseinandersetzen, ein Werwolf zu sein, der mit dem Teufel unter einer Decke steckte und Kinder und schwangere Frauen ermordete.

Stubbe (je nach Quelle auch Stuppe, Stumpp oder Stumpf genannt) war ein wohlhabender Bauer, der in der Nähe von Bedburg lebte, einer kleinen Stadt im deutschen Rheinland, die damals zum wackeligen Heiligen Römischen Reich gehörte. Es war eine Zeit des Umbruchs, in der Protestanten gegen Katholiken kämpften und in der es eine Menge Machtkämpfe zwischen verschiedenen kleinen Fürsten und anderem königlichen Gesindel gab. Die Gegend, in der Stubbe lebte, war zuletzt durch den Kölner Krieg verwüstet worden, der auch als Kanalisationskrieg bekannt ist (der Name leitet sich offenbar von einer Schlacht ab, in der katholische Truppen eine Burg durch ihr primitives Abwassersystem stürmten).

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