Geistermode: Warum tragen Gespenster Kleidung?

„Geister erscheinen gewöhnlich in demselben Kleid, das sie zu Lebzeiten trugen, obwohl sie manchmal ganz in Weiß gehüllt sind; aber das sind vor allem die Gespenster des Kirchhofs.“ (Francis Grose, 1787)

„Wie erklären Sie sich die Kleidung der Geister – sind diese etwa ebenfalls Geister?“ (Saturday Review, 19. Juli 1856)

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Das Rätsel der Overtoun Bridge: Mysteriöse Hundesprünge, Geister und Tragödien

Die Overtoun Bridge, ein eindrucksvolles gotisches Steinbauwerk nahe Dumbarton in Schottland, zieht seit über sechs Jahrzehnten nicht nur Spaziergänger und Touristen an, sondern birgt ein düsteres Geheimnis. Diese Brücke, die sich über eine schmale Schlucht erstreckt und zum Overtoun House führt, ist Schauplatz eines seltsamen und traurigen Phänomens: Zwischen 300 und 600 Hunde sollen hier in die Tiefe gesprungen sein – viele davon in den Tod. Dieses Ereignis hat weltweit Aufmerksamkeit erregt, inspiriert zu wissenschaftlichen Untersuchungen, urbanen Legenden und kulturellen Diskussionen über das Unheimliche.

Overtoun Bridge © Copyright Lairich Rig

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Ein leerer See wie aus der alten Welt

Ich denke selten an Isny, aber wenn, dann natürlich an ein Isny in einer anderen Welt, an einen Baggersee, der nach wie vor zu finden ist, aber nichts mit besagtem Baggersee zu tun hat, den ich – und viele andere – kennen. Aber er sieht noch genauso aus, nicht wahr? Nun, vieles aus der alten Welt sieht tatsächlich verblüffend ähnlich aus und vielleicht gibt es noch eine Restenergie oder eine Verbindung, die – wie alles – auf Energie beruht. Diese Entleertheit gibt es natürlich nicht nur hier. Sie ist überwältigend, weil sie ja gerade überall ist. Ähnlichkeit. Täuschung.

Baggersee Burkwang/Isny

Das Geheimnis um Mozarts Requiem

Das Journal der Veranda

Wenige Geschichten in den Annalen der Musikgeschichte sind so von Geheimnissen und Intrigen umwoben wie die Geschichte von Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem. Das in den letzten Monaten von Mozarts Leben komponierte Werk ist nicht nur ein Meisterwerk, sondern auch ein ergreifendes Symbol für sein vorzeitiges Ableben. Die Umstände seiner Entstehung – geprägt von Geheimniskrämerei, Misstrauen und schließlich Tragödie – haben das Requiem als ein Werk von unvergleichlicher Schönheit und mythischer Anziehungskraft unsterblich gemacht.

Das Jahr 1791 war für Wolfgang Amadeus Mozart wie eine dunkle Dämmerung, in der sich das Licht des Lebens mit flüsternder Dringlichkeit verabschiedete. Wien pulsierte im Glanz seiner Vergnügungen, doch hinter den verschlossenen Fenstern seines Hauses kämpfte Mozart gegen unsichtbare Lasten – Krankheit, Schulden und die unausweichliche Vorahnung des Todes. In dieser Phase der Verzweiflung trat eine Gestalt in sein Leben, die ebenso fremd wie unheimlich war und die ohnehin brüchige Grenze zwischen Wirklichkeit und Mysterium völlig auflöste.

William James Grant (1829-1866), Portrait von Wolfgang Amadeus Mozart (Salzburg, 1756 – Wien, 1791) (Photo By DEA / A. DAGLI ORTI/De Agostini/Getty Images)

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Alfred Hitchcock: Der Fremde im Zug

Einer der berühmtesten psychologischen Kriminalfilme, die Hitchcock je gedreht hat, ist zweifellos „Der Fremde im Zug“ (Strangers on a Train), die Verfilmung des ersten Romans der Krimiautorin Patricia Highsmith, die 1951 in die Kinos kam. Auch wenn der Film im Laufe der Jahre von vielen Filmwissenschaftlern als Hitchcocks bahnbrechenden Filmen wie „Vertigo“ oder „Das Fenster zum Hof“ unterlegen eingestuft wurde, blieb die fesselnde Geschichte zweier Menschen, die sich in einem Zug treffen und über die Durchführung eines perfekten Mordes diskutieren, für Filmfans in aller Welt ein beliebtes Thema für Analysen und Debatten. Was Strangers on a Train von ähnlichen Filmen selbst innerhalb des Hitchcock-Kanons unterscheidet, ist die faszinierende Idee, die im Mittelpunkt steht – das Motiv des Doppelgängers, der innere Kampf zwischen Gut und Böse in jedem Menschen – sowie die beeindruckende technische Virtuosität, an die wir uns gewöhnt haben, wenn wir über die Werke des britischen Künstlers sprechen.

Der Fremde im Zug

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Rocky Beach oder das Altern der Popmythen

Es gibt Figuren der Popkultur, die nicht altern dürfen. Sie leben in einer Art erzählerischer Gegenwart, die sich über Jahrzehnte hinweg stabil hält. Genau darin liegt ihr Geheimnis. Während Generationen von Lesern älter werden, bleiben diese Figuren unverändert: Sherlock Holmes bleibt immer der Detektiv der Baker Street, Tarzan der Herr des Dschungels – und Justus, Peter und Bob bleiben die drei Jungen aus Rocky Beach. Ein Erinnerungsraum, in dem auch unsere eigenen Abenteuer gespeichert sind, denn irgendwo da draußen gibt es uns noch in einem kindlichen Alter – und wenn „die Mumie flüstert“ halten wir dort den Atem an als sei das das erste Mal.

Die Graphic Novel Rocky Beach von Christopher Tauber und Hanna Wenzel setzt genau an diesem paradoxen Punkt an. Sie erzählt nicht einfach eine weitere Episode aus der Welt der Die drei ???, sondern stellt eine stillere Frage: Was geschieht mit einer fiktiven Welt, wenn ihre Leser älter werden?

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Würfel, Wahnsinn und Wahrheit – Die dunkle Legende von Dungeons & Dragons

Die erste Ausgabe von D&D

In den frühen 1970er-Jahren, irgendwo in einem bescheidenen Wohnzimmer im Mittleren Westen der USA, schrieben ein paar Männer Geschichte – ohne es zu ahnen. Gary Gygax und Dave Arneson erschufen mit Dungeons & Dragons nicht nur ein Spiel, sondern eine neue Art des Geschichtenerzählens. Sie brachten etwas in die Welt, das mehr war als Würfel und Regeln, mehr als Tabellen und Miniaturen. Sie riefen eine Welt ins Leben, die jenseits des Sichtbaren lag – ein Reich aus Schwertern, Zaubern, Drachen und Heldenmut. Und sie legten damit den Grundstein für eine Kultur, die bis heute wächst.

D&D entstand aus der Leidenschaft für Strategiespiele, Fantasy-Literatur und mittelalterliche Geschichte. Ursprünglich war es eine Erweiterung zu einem historischen Kriegsspiel namens Chainmail, das mit Fantasy-Elementen angereichert wurde – Magie, Monster, Mythen. Bald lösten sich die Geschichten von ihren historischen Wurzeln. Der Fokus verlagerte sich vom militärischen Taktieren zur individuellen Erfahrung: Spieler erschufen Figuren mit Namen, Hintergrundgeschichten und eigenen Zielen. Es war der Beginn des Rollenspiels, wie wir es heute kennen.

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Eskapismus

Lesen ist wie Reisen. In beiden Fällen verlässt man für eine gewisse Zeit seinen Alltag, kehrt erholt und im besten Falle begeistert zurück und bekommt dadurch eine neue Perspektive geliefert. Wenn Lesen Eskapismus ist, dann frage ich mich, warum Reisen das nicht weniger sein sollte. Der Vorwurf des Eskapismus kann nur von bösartigen und teuflischen Leuten vorgebracht werden. Das erinnert mich an denkwürdige Aussagen wie: „Furcht vor dem Feind“, oder „Fahnenflucht“, Begriffe der Kriegsmaschinerie und von Leuten, die wir heute zurecht aus tiefstem Herzen verachten. Das Gegenteil von Flucht ist Angriff. Sollte man wirklich die möglichen Macher der „Realität“ angreifen? Das halte ich für närrisch. Eskapismus ist die einzige Form des empfindsamen Menschen, in dieser Hölle, die uns umgibt, zu überleben. Und das sollten wir; wir sollten überleben.

Zirbelkiefer

wie – und das frage ich mich wieder – soll man die Dinge sehen
und erkennen und ordnen, wenn man sie nicht beschreiben kann
und wie soll man sie beschreiben können, wenn man sie nicht
sieht wie sie sind sobald man nicht dazu übergeht, seinem Auge
einen Stift zu verpassen und überhaupt das Auge auszutauschen
gegen ein inneres Konstrukt wie etwa der Zirbeldrüse
die dann sieht, was an der Aufhängung des Bewusstseins
vor sich geht

nur ohne Geschmack und derlei anzuwenden

aus ihr entweicht nichts, wie aktivieren?

eine Höhle war das erste, das mir auffiel
aber wie so oft war sie ein imaginäres Ziel dessen
was ‚auch‘ hätte sein können
die Wahrscheinlichkeiten
immer die Wahrscheinlichkeiten
es waren nicht selten die letzten Mohikaner die ich anführte

Sperrgut

die Gestalten trieften als unsere Sonne erklang
auch schon nah das Pferd, das einstige Steppentier
aus dornigen Winden gereift. Jetzt auf zu
einer Hochburg, neben den Zinnen dehnen sich Lücken
als Krähe umschwebt man sie leicht, als bloßer Blitz
verfehlt man sie. Der Staub wurde sich seines Wesens bewusst
und die Ziele keiften sich stetig an ob des Gelingens
außerordentlicher Figuren, die man schon die morsche Treppe –
ums Eck wird’s wirklich eng, so eine Fuge, ein
unmöglicher Raum, in sich abgeschlossen durch Sperrgut