Meermaden

Eine Meermaden-Geschichte, wenn man mich fragt, weiberische Fische, ständig am Baden, aber auch mit einem magischem Dreizackigen. Und so schwimmen sie und – ach, kuck mal, wie die schwimmen – zerzacken mit Gehack. Ausgeschlossen ist es nicht, wenn auch sehr zu hinterfragen (da im Turm unten in der Kammer, weißt schon), was sie treiben was sie tun. Ich habe so ein klitschiges Thing nie gesehen geschweigedenn besucht im Suhl da unter den Wassermeilen.

Siediesiedavielbaden

Hör mal, zwitscher dein Hemdilein! Soll ich dir dein Handtuch rollen? Ist wenigstens der Oven heiß? Der immerwieder Nachschub sprüht, so dass dein Wasser nie die Wärme lasse und lasse auch nix unberührt! Ich bin schon einmal in Sandalen so sehr weit gekommen, wüsste nicht, wie’s barfuß besser ginge. Soll man doch noch eine Geschichte erzählen, Schicht um Schicht schön aufgeladen und verschnürt. Bin ich denn ein blöder Mann? Schau, ich leb‘ nun auch schon seit Sekunden.

Hin, unter

Irgendein Geisterschiff wird versunken sein dort im Schlot. Ich denke: so wird es sein dort im Schlot, und die Meermaden – ich habe es nicht verstanden, möchte es aber wiedergeben, weil meine Lippen eine Spur zu nachlässig sind – die Meermaden haben ihr bös-lumpiges Monsterum verloren, als die flotte Flut das Schiff zerschieferte. Einen Fröschekerl, einen Schlupp Gelupp, einen Luftsackbacken! Dringt durch feste Materie wie ein Schneepflug und wimmert leise vor sich hin, weil sein Bedarf an Röstmais nicht gedeckt werden kann.

Glatt hat sich eine unter uns gemischt, sie badet gern als Tarnung und schwamm bereits mit Maman in den Trümmern von R’lyeh. Ein Genuss im Hokuspokus irdischer Gefäße, so dann und wann verleihe ich einen Affen zum Lausen gegen eine unnennbare Gebühr.

szene 1 einer möglichen bartstämmigkeit

dann habe ich es mir in der letzten woche in der handschrift 
gütlich getan und scribiere was ein wilder warmer wind
nicht wahrhaben kennte. so ein falsch gesetztes wort im klang
wiederholung ist des schlusses schluss

darob tüten die tüten darob
hüften die hüften
darob

eine rückfälligkeit eine bartstämmige barbarei
ein bodenloser boden

ja sie können das alles als kunst verkaufen warten sie ich gebe ihnen noch einen eimer tapetenkleister mit für die kleinen ja ihnen dann auch

Niemand war unendlich

Die Zirkus hat die Stadt verlassen, aber alle Parabeln
im Hinterzimmer verstaut, möge sie finden, wer
immer im Hinterzimmer sucht, früher ein Treffpunkt
für Ideen und das Sinnenrauschen, angeheizt von
parfümiertem Qualm, dem Parfüm an sich, das
im Innenfutter des Mantels dunstet, von den obligatorischen
Umtrünken

Nichts. Man will Nektar verkaufen
granatenhaft (zupackend die Wirkung erzielen)

Der Zirkus hat die Stadt verlassen, aber ein Clown purzelt
stets hintendrein immer hinterher. Jeder Gedanke
um ein Bleiben könnte sein Gehen verhindern.

In den Nomadenstuben dunkles
Eingemöbel und die Matratze
auf dem Boden voller splitterharter
Brotkrumen und

ein Gedeck am Mittag, ein nächstes dann um vier,
ein Mitternachtsmahl geisterhaft zwischen Rittern, die
zu ihren Rüstungen ein enges Verhältnis pflegten, und
einen Kamin, der all die abgesonderten Gedanken
als Nebel über die Dächer schickt.

Niemand war unendlich,
aber die Eindrücke lebten fort.

Der Narrentanz zu Strasbur

Tanzwut
Tanzwut in Straßburg

In den Annalen der Geschichte gibt es einige Ereignisse, die sich einer rationalen Erklärung entziehen. Überhaupt scheinen wir nicht weit gelangt zu sein, wenn wir uns um die Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen konzentrieren. Ein solches Ereignis ist die Tanzwut von 1518. Mehrere Menschen begannen in Strasbur aus heiterem Himmel unkontrolliert zu tanzen, so als sei etwas in sie gefahren, das nie wieder hinaus möchte. In den Chroniken wird eine Frau namens Troffea genannt, aber sie könnte genauso gut auch Baldegunde heißen. Ihr Beruf war zumindest der einer Holzschichterin, die gar keinen Grund hatte, ihren Körper an einem gewöhnlichen Tag unter der Woche aufjauchzen zu lassen. Die Füße überrennen sich und platschen rechts und links davon und Staub kriecht in die Nase. Der Rücken wiegt sich Stumpf, noch zaghaft eckig und von einer Buckelkraxe zusammengehalten. Fein. Jetzt müsste die Füße scheppern und der Tanz als völlig nutzlos zu erkennen sein. Stattdessen wir Baldegunde interessiert betrachtet, bevor man erst in ihre Fußstapfen stieg, und dann ihren völlig unzauberhaften Gang nachahmte. Wer sich sonst im Leben nie außer dem Notwendigen bewegte, suchte sich einen Anhaltspunkt. Und der einzige Anker war die Frau Troffea, die eindeutig tanzte, wenn auch sich ihr Gesicht nicht dazu entschließen konnte, mitzumachen. Sie verlor ihr Meckerchen und gewann ihr Neckerchen. Allerdings waren die sechs Tage, die ihr noch lebendig vergönnt waren von überhaupt keiner Pause geprägt. Nachbarn kamen vorbei und sprachen mit ihr, aber sie japste meistens nur. Die Fähigkeit ein ordentliches Gespräch zu führen, wenn der andere hopst und schwankt, ist dann doch recht eingeschränkt. Also stimmt man sich auf diesen unhörbaren Rhythmus ein, weicht aber so weit von den Windmühlen einiger weniger zurück, wie man überhaupt nur kann. Will man selbst aufhören, gelingt das nicht und das fremd geführte Fleisch dreht sich um Troffea herum.

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Treibsand

"Es ist Treibsand, ich bin mir sicher!" Diesen Satz
sagt er so häufig, dass TREIBSAND die normalste Sache der
Welt wurde. Ob beim Essen

(Es ist Treibsand, ich bin mir sicher!)
oder beim Einkaufen, wenn die Kasse streikte
(Es ist Treibsand, ich bin mir sicher!)

Madame Blandot: Im Atelier

Hier kamen wir zusammen, in diesem brausenden Atelier. Die Wärme flirrte um die Hälse, die neugierig aus ihren Anzügen und Kleidern spähte. Gottsucher, Flüchtlinge und Künstler aus aller Welt reichten sich die Hände, umgingen sich und gestikulierten sich hermetische Grüße zu, verabredeten sich nach dem Tod oder vor dem Leben. Madame Blandot hatte all die bocksköpfigen Fruchtbarkeitsgötter durch ihre Hände geboren, sie befingerte sie, massierte sie aus namenlosen Klumpen zu Lustgestalten heran, oder schlug sie aus lebendigem Fels, ganz wie sie selbst es wohl vorgaben. In ihr pochten dann die Membrane und alles Wasser schwang sich aus ihrem Meer, der kalte Stein in ihrem Universum, Muttermund, der kalte Kuss, der Sog der Kreatur am Schaffen, wirkt um die Schafferin und zieht ihr sanft behütend das Höschen über die erschrockenen Wangen, doch nur kurz, bevor der Rausch nicht mehr alleine ist und ihr die Gestalt folgt, die Hände 

(nass vor Aufregung)

reiben, die Äderchen klopfen den Stein, den Ton, den Teig, sie sägen das Holz, den Sand, das Moos, die Augen formen Wonne, sehen nicht zu Sehendes, fahren die Konturen nach, das aufgerichtete Glied, das zu besitzen sich Madame sorgsam ausmodelliert, feilt, glättet, dann aufsitzt, gilvt, jauchzt, vergeht, Bockskopf, musst es mir sagen, ich beseele dich mit meiner Glut, ich erfriere innerlich, wenn ich deinen Steinphallos reite, allein ich kann keinem aufrechten Gang widerstehen. Kerzen und Rauch wurden entzündet und erfüllten den Raum mit milchigem Dunst, die Schwaden aufwärts, der Nebel allwärts, Mondlicht durchs Fenster herein, in die Duftbänke hinein, durch diese wehte Madame  auf die Gäste zu, und wie es schien, durch sie hindurch wie ein Geist, der sich mit den Schwaden liaisoniert, neben mir entdeckte ich ein Holzgestell, auf dem die noch nicht ganz fertiggestellte Holzplastik eines Mannes mit Hörnern stand, samt Zwillingspaar, das in geschmeidigen und raubtierhaften Zügen geschnitzt war, es handelte sich um Panther-Frauen, wundersame Begleiterinnen, hinreckend zur Kraft des Gehörnten, das Toben der Energie in Strünken, oh Salz, oh Geweih, oh allerliebstes Fluid und Soma, heiler Äther, aus dem Nebenraum erschien nun die Hierophantin, die sich als tartarische Adlige ausgab, und die kurz darauf wieder in einem Nebenraum verschwand, der mit glänzenden Tüchern abgeteilt war. Dorthin zog sie sich mit den jungen Damen zurück, um sie in den seltsamsten Liebesdingen zu beraten, den Geheimnissen des Vaginalmuskels, der tantrischen Vulva, dem Melken der Prostata und dem Yoga des Beischlafs, dem Ausstreifen der Energie aus dem Stab, der sich in den jungen Rachen ergießen wird, der Macht des Tanzes der Mitte der Unendlichkeit, dem allumfassende Beingriff, dem Drängen und Bezirzen.  »Alles Unglück ist über die Welt gekommen, weil man der Frau ihre Berufung als Priesterin geraubt hat!« 

An diesem Abend wurde Glas um Glas kräuterversetzten Wodkas getrunken, der Zigeuner Erich Zann funkelte mit den Augen und entlockte seiner Violine jene rasenden Töne, durch die der maßlose Georg Rasputin einst zu einer seiner zahllosen Liebesumarmungen, Prophezeiungen über die Reiche und Offenbarung seiner sagenhaften Heilkräfte gekommen ist, von Zeit zu Zeit verbeugte sich Madame Blandot vor dem Gehörnten und flüsterte seine Namen: »Pan, Leschy, Tschernibog, Perkampus.« 

Clocmeoc und Fulimus

Eine Fiktion beginnt in einem einzelnen Moment. Der Namensgebung. Vorher mag die Beschreibung passend gewesen sein, das Ungefähre, die Idee von etwas, das noch ein wenig klump und ungar ist. Jetzt hat die Figur einen Namen. Der Einfluss startet jetzt. Die Maschinen schlottern, warten auf ihr Kommando. Und jetzt kommt das Kommando: Das Kommando lautet:

CLOCMEOC

FULIMUS, der Wassernarr, überstrahlte auf seiner Wiese alles, halb in einen geschwungenen Wassertank gekleidet, wirken die Hydranteaugen nicht nur hypnotisch, sie sind es auch (und durch Druck abnehmbar). Ohne die schöne Glasbläserei auf dem Scheitel sähen wir einen recht mageren, aber dennoch gigantisch gewachsenen Glatzkopf, der allerdings nur deshalb ein Glatzkopf ist, weil auf einer silbernen Metallschale nun einmal keine Haare wachsen wollen.

Edber Shakin und … der Rharbarbermops des Frühlings

Wenn Edber Shakin eins konnte, dann war es warten. Bis die Straße leer ist und die Lichter anspringen. Bis die edlen Damen der Stadt schmuckbeladen im Handstreich von ihren Galanen durch die Tanzlokale gezerrt werden. Bis jemand wieder rauskommt. Oder nie mehr rauskommt, weshalb Shakin aber dann trotzdem weiter wartete, um zu sehen, wer den Rhabarbermops des Frühlings abholen kam. Der Name des Prinzen. Durchlaucht Rhabarbermops. Der erste, soweit ich weiß.

Überspringt man die ganzen lästigen Einzelheiten, dann lässt sich justamente in diesem Augenblick feststellen, dass Edber sich überhaupt noch nicht groß bewegt hatte. Offenbar nutze sein Gehirn auch die letzten Tropfen seiner Blase, um Wahrscheinlichkeiten zu berechnen. Er hätte garnichteinmal sagen können, wie lange er schon saß und auf den Eingang starrte.

Natürlich trug er einen Hut; das tun alle Detektive

Aussterbende Detektive bedeuten immer auch den Untergang der Hutindustrie der jeweiligen Region.

Der Detektiv benötigt seinen Hut aus drei äußerst spezifischen Gründen:

  1. damit es ihm nicht ins Gesicht regnet
  2. Haarbüschelausfall tut sich schwer, ihn mit Argumenten zu verteidigen
  3. damit sich manchmal Vögel auf ihn setzen

Abgesehen davon macht ein Hut unsichtbar und im besten Fall – also, wenn es ein wirklich guter Hut ist – unverwundbar. (‚Unverwunderlich‘ wäre eigentlich das Wort gewesen, das er suchte:  „Ich verwunder‘ mich, wie wunderlich!“ – das alles schnell gesprochen und so oft, bis es keinen Sinn mehr ergibt.

Der Rharbarbermops des Frühlings war tot, und natürlich versammelte sich der ganze Versailler Hof hier vor dieser Einfamilienhütte in der Schlitterschiergasse 63a (wobei die Sektoren b/c/d und e direkt angebaut waren). Nicht überall wurden schon genügend Breithäuser gebaut. Sie zu beobachten war schwer. Alles sah gleich aus, also sahen alle Bewohner ebenfalls gleich aus. Shakin fragte sich, ob er das früher schon einmal bemerkt haben könnte. Die Sonnenfinsternis für einen kleinen nichtssagenden Ort, in dem zufällig der Prinz ermordet wurde. Shakin hatte es gesehen, indem er es nicht gesehen hatte. Er war dabei, obwohl er eigentlich nur in der Nähe weilte, stoisch wie ein … Stoiker.

Shakin sah das prall angefüllte und in Seide gehüllte Pusteblumensofakissen auf des Prinzen Gesicht sich stürzen, und ganz ohne Zähne, Rachen, Schlund den Sack zumachen. Törichte Wolken schoben sich zwischen Edber Shakins Phantombilder und der schlichten Kammer, in der ein Prinz von einem Blumenkissen gemeuchelt verschied.

Das hatte er hervorragend zusammengepasst. Er hatte den Fall gelöst und würde niemandem etwas davon erzählen.

Die Legatoria Bieffe und das reine Reinschreiben

Ein ausgezeichnetes Heft ließ sich von Albera finden und zu mir bringen. Es ließ sich auch sogleich beschreiben mit gefüllter Federei und dem Lorebuch im Sinn. Ich zücke ein Zeigen etwas später.
Es braucht immer alles auch eine Widmung zu haben, und so entstülpte ich die erste Patrone und fuselte sie in den Kescher. Kurz mag ich’s sagen: gruonen ist die Saat des Grünens, growen kam beim angeln über mich, und der Tarnish will den Schatten meinen (es dreht am gleichen Rad wie growen).

Das Moleskine ist nicht mehr von Nöten, danke. Ich nehm‘ die Nebelkrähe, die sich – golden wie sie ist – auf Buchrücken niederlässt. Und die Seiten sind für einen Fountain Pen gemacht! dem Füllfederhalter! dem Springbrunnen-Stift!