
Im Strudel der Zeit. Woher kommen wir? Wer sind wir? Wohin gehen wir?
Im Jahr 1928 sieht man eine Maus in kurzen Hosen, die auf dem Dampfschiff „Steamboat Willie“ arbeitet. Dieses Schiff wird von einem großen, hitzköpfigen Kater gesteuert. Mit einer Länge von nicht einmal zehn Minuten geht der Kurzfilm in die Annalen der Geschichte ein.
Die beiden Hauptfiguren, Micky Maus und Kater Karlo, sind seitdem in Milliarden von Geschichten weltweit aufgetreten. Mit der Unterstützung zahlreicher Freunde und Verwandter haben sie unterschiedliche Abenteuer erlebt und wurden je nach den Vorstellungen der jeweiligen Autoren immer wieder neu interpretiert. Diese Anpassungsfähigkeit ist die unbestreitbare Stärke aller Disney-Charaktere und hat ihnen weitreichenden Erfolg beschert.
Im Jahr 1998, 70 Jahre nach ihrer ersten Flussfahrt, sind Micky und Karlo noch immer präsent, stets in neue Abenteuer verstrickt. Aufgrund ihrer zahlreichen Erlebnisse wäre es unmöglich, sie in eine einzige chronologische Erzählung zu fassen. Vor diesem Hintergrund bringen Tito Faraci und Francesco Artibani, mit Zeichnungen von Corrado Mastantuono, die beiden zurück zum legendären Dampfschiff.

No tresspassing for casual people
Tot ist die Form der Sprache, die niemand mehr liest und um die niemand mehr weiß und immer weniger wissen. Vielleicht ist es die Sprache, die uns daran hindert, die Realität wahrzunehmen wie es uns als Telepathen einst möglich gewesen ist, ANNO. Ich denke das, während ich hier sitze und mich mit Ausgrabungen und schattigen Plätzchen beschäftige, die kaum wiederzugeben sind und die sich für die Armee der casual people wie barer Unsinn lesen müssen. Es wäre ein leichtes zu behaupten, man schriebe für jemanden, der gerade nicht da ist und den es vielleicht auch in Zukunft nicht geben wird, man schriebe also für die Illusion (schlimmer und verlogener noch: man schriebe für sich selbst). Letzteres ist ein trauriges Maß, aber es scheint noch am ehesten stimmig zu sein. Des Menschen Geist sind meine Pfründe, die ich von diesem geistlosen Wesen nehme, um sie in einen unbekannten Wert zu verwandeln. Die Vermittlung der Kunst ist einfach, wenn man einen Vermittler hat, jemand, der den casual people sagt, dass sie wegbleiben sollten, wenn aber nicht, sollten sie sich dies und jenes ansehen. Der Mensch tut, was man ihm sagt. Er wird Kunst erkennen, wenn der Vermittler ihm sagt, was das überhaupt ist. Aber es bleibt immer ein Spiel der externen Vermittlung. Es sei denn, du bist jemand anderes.

Alan Moore – Der Magier aus Northampton
Alan Moore sieht nicht nur aus wie ein biblischer Prophet, er hat auch den dazugehörigen Zorn im Gepäck. Doch auch wenn sich in seinen Äußerungen immer wieder Spuren von Empörung finden, wird die Zuschreibung eines wütenden alten Mannes seiner Komplexität kaum gerecht. Geboren am 18. November 1953 in Northampton als Sohn einer Druckerin und eines Brauereiarbeiters, trägt Moore die Eigenheiten seiner Heimatstadt wie die meisten Engländer tief in seiner Vorstellungskraft mit sich. Northampton als unspektakuläre englische Stadt mittlerer Größe wartet dennoch mit einer Geschichte auf, die wie Lava unter einer scheinbar ruhigen Oberfläche schwelt. Moore hat sie zum zentralen Bezugspunkt seiner kreativen Mythologie erhoben. Nur wenige einflussreiche Autoren haben ihre Herkunftsorte derart stark in ihrer Arbeit verankert wie er. Die viktorianischen Straßenpflaster aus From Hell oder die elisabethanischen Geisterstimmen in seinem Roman Voice of the Fire zeugen von dieser Bindung. Für Moore ist Northampton das, was Dublin für James Joyce war: eine Landkarte der Gesamtheit seiner Realität.
Weder gestern noch heute
Die schattigen Sparten zermörserten das Licht,
es gab keine Einkehr mit hellen Vehikeln und einem Umtrunk
an beleuchteter Bowle. Gesichter verloren ihre wertvollen Schalen
und zeigten ihre knöchernen Gebäude voller Höhlen und Nebennarben,
beigebracht auf einer Suche, die den Gestirnen folgt. Die
ältesten Lagerfeuer zwischen Tag und Nacht,
ein zarter Tanz, der stets an dieser Grenzstatt sein Auskommen findet,
flüchtig und unauffindbar in Gestalt, Mächtig
in der Erinnerung eines schlanken Morgens, einer nachgebenden Nacht. Die
Kohle glüht, der Erzähler sitzt, weil er sonst doch zu sehr schwanken würde.
Um Punkt Mitternacht schlägt die Uhr zwölf,
dann ist es weder gestern noch heute.
Das Manuskript in der Flasche: Über Edgar Allan Poes Poetik der Auslöschung
Die wohl bekannteste Daguerreotypie von Edgar Poe ist die sogenannte Ultima Thule vom 9. November 1848, die vier Tage nach seinem Selbstmordversuch entstand. Dieses Porträt wurde nach einem Zitat aus Poes Gedicht Traumland so genannt, weil man darin einen Ausdruck trotziger Verzweiflung am Rande des Todes gesehen haben will. Für die meisten Poe-Liebhaber ist dies das Bild, das dem Charakter seines Werkes am nächsten kommt – ein Antlitz, das bereits jenseits seiner selbst zu existieren scheint, ein Gesicht am Abgrund.
Baudelaire attestierte dem Porträt, dass Poe hier ein sehr französisches Aussehen zeige; in Wirklichkeit war der Dichter vom Alkohol gezeichnet. Das ursprünglich eher feminine Gesicht weist tiefe Furchen auf, die Augenpartien zeichnen sich asymmetrisch ab. Es ist, als hätte sich das Leben selbst in diese Züge eingeschrieben, als wären die inneren Labyrinthe, durch die Poes Geist wanderte, nun nach außen gekehrt und in Fleisch verwandelt.
Doch dann geschieht etwas Merkwürdiges in einem Leben voller Merkwürdigkeiten. Am 13. November, also vier Tage später, sieht Poe schon viel erholter aus. Zu sehen auf dem als Daguerreotypie bezeichneten Porträt von Whitman. Die Verwandlung ist so dramatisch, dass man kaum glauben mag, es handele sich um denselben Menschen. War es die Elastizität der Jugend – Poe war damals erst neununddreißig –, oder war es jene merkwürdige Fähigkeit zur Regeneration, die manche Menschen besitzen, die gewohnt sind, sich immer wieder aus den eigenen Abgründen emporzuziehen?

1849 scheint Poe fast wieder gesund zu sein. Er sieht gesund aus, hat Pläne für die Zukunft, will sogar wieder heiraten – und stirbt unter mysteriösen Umständen in Baltimore, unter dessen Sternen sich sein ganzes düsteres und tragisches Leben abgespielt hatte. Der Tod kam in Form einer Auslöschung: gefunden in fremder Kleidung, delirierend, unfähig zu erklären, was geschehen war. Es war, als hätte das Leben selbst eines seiner Manuskripte geschrieben und es dann ins Meer der Vergessenheit geworfen.
Trenndocht
Wie wichtig es ist, sich im Detail zu verlieren
Wir waren zündhaften Vulkanen versprochen.
Nur eine feine Staubkarambolage trennt
den Hokuspokus von der hohen Form.
Man tat gut daran sich das Fleisch zu verdienen.
Du lügst eine neue Platte auf. Die Form wandert schnell.
Micky Maus als Ermittler
Eine Maus, die gar nicht als Detektiv gedacht war
Micky Maus war ursprünglich gar nicht als Detektiv vorgesehen. Als Walt Disney sie 1928 ins Leben rief, war sie als freche und anarchische Figur ausgelegt. Steamboat Willie zeigt uns einen ungestümen Abenteurer, der ein Dampfschiff kapert und Tiere auf kreative Weise in Musikinstrumente verwandelt. In den frühen Kurzfilmen der späten 1920er- und frühen 1930er-Jahre verkörpert Micky eine impulsive, fröhliche und einfallsreiche Persönlichkeit, die an Figuren wie Charlie Chaplin oder Buster Keaton erinnert, also weit entfernt ist von einem Sherlock Holmes.

Bratziges Silber
Seit geraumer Zeit bin ich aller Menschen befreit, ich treffe sie nur noch als Kulisse an, um der Stadt das Antlitz des Lebens zu verpassen. Ich erkenne starre Gesichter, wenn ich sie sehe. Allein seit die VERANDA existiert hat es sich die Welt nicht nehmen lassen, mehrmals ihr Gewand so zu verändern, dass nicht mal ihre Mutter sie widererkannt hätte. THE GERMAN ANGST IS IN YOUR FACE, graviert, nur der Henkel freigestellt. Ein bratziges Silber.
Nun denkt man, dass dies einst eine Seite der Muse, der Literatur war, Dinge, die man nicht einfach verhungern lässt, man quält sie. Man zieht die Substanz aus allem Gesagten durch Konterkorrektur. Man spricht in den leeren Raum (ich spreche gerade in den leeren Raum, der Schatten der Modulation kehrt an mein Ohr zurück), stellt die ein oder andere Frage an das Nichts. Wo sind alle?
