Die Augen der Heather Grace

Wir sind nie in den Genuss der bemerkenswerten Krimis gekommen, die David Pirie anfangs der 2000 für die BBC produzierte. Die zweiteilige Geschichte „Murder Rooms: The Dark Beginnings of Sherlock Holmes“ wird auf der Insel zu den besten Präsentationen gezählt, die das Fernsehen auf diesem Sektor je geschaffen hat. Allerdings muss man dazusagen, dass es zu dieser Zeit die Sherlock-Serie noch nicht gab, die erst 2010 ausgestrahlt wurde.

Insgesamt sollte es die Serie, die an die frühen Hammer-Filme und den amerikanischen Film Noir der 1940er Jahre erinnert, auf sechs Filme bringen. Dass sie trotz des Erfolges eingestellt wurde, ist nach wie vor eines der großen Rätsel, hat aber wohl mit BBC-Interna zu tun. Sie kam viele Jahre zu früh und würde heute ganz anders behandelt werden.

Die Informationen, die Pirie für die Filme als auch für die Bücher verwendet hat, und die eine der Grundlagen für die Entwicklung der Figuren Holmes und Watson (hier Bell und Doyle) bilden, basieren zum Teil auf den Briefen und Schriften des Dr. Joseph Bell, der Doyles Lehrer und Mentor war, als der junge Autor als Medizinstudent an der Universität Edinburgh eingeschrieben war.

Dr. Joseph Bell wird die Geburtsstunde der forensischen Wissenschaft zugeschrieben, da er bei seiner Arbeit wissenschaftliche Beobachtungstechniken einsetzte und diesen Aspekt erstmals in die Verbrechensbekämpfung einbrachte.

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Sherlock Holmes (Das erste Fandom der Geschichte)

Sherlock Holmes ist neben Dracula die am häufigsten adaptierte und inszenierte Kunstfigur der Popkultur. Dass der Detektiv weltweit bekannt ist, liegt jedoch nicht an den genialen Originalgeschichten, sondern an den unzähligen Filmen, Theaterstücken, Musicals und Comics. Fast alle Symbole und Phrasen, die aus den vielen Fernseh-, Film-, Theater- und anderen grafischen Reproduktionen stammen und heute scheinbar zum Kanon gehören – wie etwa der Deerstalker-Hut – kommen in den Texten überhaupt nicht vor. Doch während diese mit der Mode gehen, scheinen die Originalgeschichten von Sir Arthur Conan Doyle, die immer wieder adaptiert werden, wie nichts zuvor oder danach in unserem kollektiven Bewusstsein verankert zu sein.

Der Reichenbach-Schock

Sherlock Holmes
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Von Mausdetektiven und Menschen

Basil, der große Mäusedetektiv / ©Twentieth Century Fox of Germany GmbH
©Twentieth Century Fox of Germany GmbH

Bist du ein Mensch oder bist du ein Maus-Detektiv? In den Zeichentrickfilmen der Walt-Disney-Studios (in denen ein solcher „Maus-Detektiv“ vorkommt) kann man sich für Letzteres qualifizieren, indem man besonders loyal, freundlich oder unermüdlich ist. Aber vor allem muss man laut Disney besonders mutig sein, um ein Maus-Detektiv zu sein. Ich kann mit Fug und Recht behaupten, dass Disney-Filme seit langem für die positivsten Darstellungen der Schädlingsgemeinschaft im 20. Jahrhundert verantwortlich sind, von den Maskottchen Micky und Minnie Maus über die winzigen Helfer in Cinderella bis hin zu den triumphierenden Helden in Die Retter in Down Under und dem sternäugigen Rattenchef in Ratatouille. Alle diese Figuren, so unterschiedlich sie auch sein mögen, eint der Gedanke, dass Mäusen das gelingt, was Menschen nicht können; was ihnen an Größe fehlt, machen sie durch ihr Herz wieder wett.

Aber bedeutet es mehr, ein Maus-Detektiv zu sein, als einfach nur eine Maus zu sein? Das fragt Disneys heute beliebter Film von 1986, Basil, der große Mäusedetektiv, der trotz guter Kritiken an den Kinokassen nur mäßig erfolgreich war. Der titelgebende Detektiv des Films ist Basil aus der Baker Street, ein munteres Mausgenie, das in einer winzigen Wohnung unter der Wohnung des echten Holmes in der Baker Street 221 in London um 1897 lebt. Es lohnt sich zu wiederholen, dass Basil nicht einfach nur ein Abbild von Sherlock Holmes in einem mit Mäusen neu geschaffenen Universum ist; er ist das Maus-Gegenstück zu einem koexistierenden menschlichen Holmes. Jeder Mensch hat hier ein Maus-Gegenstück. Dr. Watson hat die dicke, lustige Maus Dr. Dawson. Holmes‘ Vermieterin, Mrs. Hudson, hat ihr Pendant in der Maus Mrs. Judson. Und es gibt sogar eine Mausversion von Königin Victoria, die unter dem Buckingham Palace lebt.

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Arthur Conan Doyle: Eine Studie in Scharlachrot

Auch wenn dieser erste Sherlock Holmes-Roman nicht der beste der vier auf uns gekommenen ist, steht er am Beginn einer denkwürdigen Genreentwicklung. Dass Arthur Conan Doyle sich bei Edgar Allan Poe bedient hat, weiß man, nur darf man das in diesem Fall nicht zu hoch hängen, denn Doyle hat aus der Idee des Detektivs etwas völlig anderes gemacht. Eine Studie in Scharlachrot wurde erstmals 1887 von Ward Lock und Co. im „Beeton’s Christmas Annual“ unter dem Titel „A Tangled Skein“ (etwa: Ein verheddertes Knäuel) veröffentlicht. Eine Ausgabe dieser Zeitschrift, die „A Study in Scarlet“ beinhaltet, ging 2007 bei Southeby’s für 15.600 US-Dollar über den Ladentisch. Mit solchen Summen können ansonsten nur seltene Comics konkurrieren. Bedenkt man, dass ohne Sherlock Holmes‘ Einschlag in die die Literaturgeschichte, dieses Magazin heute ganz und gar vergessen wäre (anders wie „The Strand“, das es noch heute gibt und wo Doyle ab 1891 regelmäßig veröffentlichte), ist das eine nette Verewigung.

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