Über die Untrennbarkeit von Genie und Selbsterfindung im amerikanischen Comic
Die Bronx und die Geburt eines Namens
Stanley Martin Lieber wurde am 28. Dezember 1922 in New York City als Sohn jüdisch-rumänischer Einwanderer geboren, die in der Bronx eine bescheidene Existenz führten. Nach der Großen Depression fand sein Vater, ein Kleiderschneider, kaum noch regelmäßige Arbeit, sodass die Familie mehrfach umzog, aber immer innerhalb des gleichen Milieus blieb. In dicht bewohnte Mietskasernen mit der Geräuschkulisse der Stadt als permanente Begleitung und dem Bewusstsein, dass Aufstieg zwar möglich, aber keineswegs garantiert war. In diesem Umfeld entwickelte Lieber früh eine Leidenschaft für das Kino, für Literatur, für Errol Flynn und für die Idee, dass Geschichten Menschen aus ihrem Alltag herausheben können, wenn auch nur vorübergehend und illusorisch. Manche überleben seelisch allerdings nur deshalb.

Mit siebzehn Jahren begann er als Assistent bei Timely Comics, einem kleinen Verlagshaus, das Comichefte produzierte, was damals noch ein kaum ernstzunehmendes Medium war, das sich in den Kioskregalen zwischen Groschenromanen und Pulp-Magazinen behaupten musste. Er brachte Kaffee, löschte Tintenflecken und erledigte Botengänge. Dass er schon bald selbst schreiben würde, war weniger seinem Talent als der Gelegenheit geschuldet. Der Betrieb war klein, der Bedarf groß und er war vor Ort. Sein erster Text war eine zweiseitige Füllgeschichte in einem Captain-America-Heft, die er unter einem Pseudonym veröffentlichte: Stan Lee. Er wollte, so sagte er später, seinen richtigen Namen für die große Literatur aufheben, die er noch zu schreiben beabsichtigte. Die große Literatur kam nie. Stan Lee blieb, wo er war. Und wurde unsterblich.
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