Jody Grind: Far Canal

Jody Grind

Jody Grind heißt eine seltene britische Perle, die von dem Londoner Keyboarder und Sänger Tim Hinkley angeführt wird (ein Musiker von großer Klasse, der im Studio als auch live mit Leuten wie den Rolling Stones, The Who, Van Morrison, Humble Pie, Alvin Lee, Bad Company oder Thin Lizzy gespielt hat). Begleitet wird er auf “Far Canal” von Gitarrist Bernie Holland und Schlagzeuger Pete Gavin. Die Musik dieser Band könnte man als eine Fusion aus Rock und Jazz mit einer gewissen progressiven Ausrichtung bezeichnen, ganz im Sinne von Bands aus dieser Zeit wie etwa Atomic Rooster.

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Venusian Summer (Lenny White)

Die sehr wenigen Menschen, die mit diesem Fusion-Meisterwerk vertraut sind, können stolz auf ihre Privilegierung sein, denn die meisten wissen überhaupt nicht, dass es existiert.

Venusian Summer

Doug Rauch am Bass, Lenny White am Schlagzeug und ein wahres Who’s Who der Jazz-Fusion-Allstars, die hier zu Gast sind, spielen alle, als ob ihr Leben davon abhinge. Allein der Song “Mating Drive” gehört zu den größten Errungenschaften der Musikgeschichte.

Venusian Summer enthält einige der erstaunlichsten Momente von Virtuosität, Leidenschaft und Schönheit, die je auf Vinyl gepresst wurden!

Lenny Whites Bandbreite als Schlagzeuger an sich ist schon unübertroffen, was ihn zu einem der dynamischsten Schlagzeuger aller Zeiten macht. Diese Veröffentlichung aus dem Jahr 1975 wurde im Juli und August 1975 während einer kurzen Pause der fabelhaften Fusion-Supergruppe “Return to Forever” aufgenommen. Das Ensemble besteht aus einer Vielzahl von Fusion-Maestros, darunter der Gitarrengott Al Dimeola, “Tony Williams Lifetime”-Tastenmeister Larry Young (an der Orgel) und der phänomenale Multi-Instrumentalist David Sancious (an der Minimoog-Orgel). Auch andere, relativ unbekannte Studiomusiker haben ihren Beitrag geleistet, vor allem Doug Rauch am Bass und Doug Rodrigues an der Leadgitarre bei mehreren Stücken – alles hervorragende Musiker. Dieses Album umfasst ein breites Spektrum an Musikstilen und Empfindungen, von Funk bis Progressive Rock und natürlich Jazz und Klassik. Obwohl alle Tracks fünf Sterne bekommen müssen, ist die Krönung das letzte Stück “Prince of the Sea”.

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Ein perfekter Tag: Lou Reeds Transformer

1972 befand sich Lou Reed an einem Scheideweg. Zwei Jahre zuvor hatte er mit The Velvet Underground eine der bahnbrechendsten Rock-Bands aller Zeiten verlassen und musste nun heftige öffentliche und kommerzielle Kritik einstecken, weil sein erstes Soloalbum ein Flop war – einer Sammlung von älteren Outtakes seiner ehemaligen Band, dem es an der thematischen Brillanz seiner besten Arbeiten mangelte.

In Großbritannien hatte jedoch ein neues Phänomen die Oberhand gewonnen: Glam Rock. Eine Bewegung, die Elemente des rebellischen Charakters des Punk aufnahm, aber mit Pailletten und Androgynität versah. Eine Bewegung, die sich außerdem stark auf den Einfluss von Velvet Underground stützte.

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The Figure in Black

Die Vorgeschichte des Riffmeisters Tony Iommi, sein Aufstieg zur Legende und sein Einfluss auf die New Wave of Heavy Metal sind in den Annalen der modernen Gitarrengeschichte gut dokumentiert, und wir wissen, dass wahrscheinlich alles anders gekommen wäre, wenn Tony nicht die zwei Fingerkuppen des Mittel- und Ringfingers verloren hätte. Für mich ist das immer noch eine der größten Geschichten überhaupt, nämlich dass Tonys Arbeit in einer Metallwerkstatt zu einer Musik geführt hat, die zwar schon in ihren Anfängen steckte, aber eben erst hier ihren Durchbruch erzielte. Darüber habe ich schon viel erzählt und gerade heute wird oft und gern bestritten, dass Black Sabbath die erste Heavy Metal Band war. Das kommt immer auf den Standpunkt an. Aber Grundsätzlich lassen sich eben drei und sogar vier Wellen ausmachen. Die erste ist der sogenannte Proto-Metal, also all jene versuche, so laut und hart wie möglich zu spielen, ohne aber einen technischen Fortschritt zu erzielen. Danach haben wir die erste Welle mit Black Sabbath, Deep Purple, Uriah Heep oder Led Zeppelin. Die zweite Welle begann in der Mitte der 70er mit Bands wie Judas Priest, Budgie, Rainbow oder Riot, und die dritte Welle schließlich ist es, die wir als NWOBHM kennen. Was wir also heute haben, könnte nichts Geringeres als eine fünfte Welle bedeuten, aber bisher ist da noch kein wesentlicher Faktor entstanden, weshalb ich das unter Vorbehalt sage.

Wie die vier Mitglieder von Black Sabbath überhaupt zusammenkamen, ist eine schwer zu glaubende Geschichte, denn einen größeren Unterschied wird man kaum irgendwo finden. Als Ozzy Osbourne das erste Mal bei Geezer Butler auftauchte, war er ein Skinhead, der keine Schuhe trug und einen Stiefel an einem Stück Schnur hinter sich her zog, während Geezer selbst ein Hippie-Gitarrist war.

Als die beiden in einer lokalen Band namens “Rare Breed” spielten, hofften sie, einen Schlagzeuger von der kürzlich aufgelösten Band “Mythology” zu ergattern, aber es endete damit, dass der (zugegebenermaßen fähige) Gitarrist mit ins Boot geholt werden musste, da sich die beiden nicht trennen wollten. Bei dem Schlagzeuger handelte es sich um Bill Ward und bei dem Gitarristen um Tony Iommi, einen Mann, der sich nur sechs Jahre zuvor ständig mit Ozzy auf dem Schulhof balgte. Obwohl die Allianz unwahrscheinlich schien, gelang es dem Quartett (das durch zwei chaotische Auftritte als “The Polka Tulk Blues Band” von einem Sextett abgespeckt wurde) dank seines Managers Jim Simpson, ausgerechnet in Deutschland eine feste Clubband zu werden. Für angehende Musiker wie Ozzy und Geezer, die mit den Beatles aufgewachsen waren, war es gleichzeitig ein Triumph und eine Herausforderung, im “Star Club” in Hamburg zu spielen, der ersten Location also, wo auch ihre Helden ihre ersten Schritte gemacht hatten. Vier Sets pro Abend zu spielen, ohne auch nur einen Hauch von Originalmaterial, war anfangs eine ziemlich harte Sache, vor allem für Tony, der ja mit Plastikkappen an zwei seiner Finger der rechten Hand spielen musste. Und da er linkshänder war, war das ausgerechnet seine Greifhand.

Rare Breed
Rare Breed 1967 mit Geezer und Ozzy.

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Tears for Fears: Seeds of Love

Tears for Fears

Tears for Fears sind eine der faszinierendsten Bands, die in den 1980er Jahren in England entstanden waren. Die Mitbegründer Roland Orzabal und Curt Smith haben sich immer auf Qualität statt Quantität konzentriert – die Band hat insgesamt sechs Studioalben in fast 40 Jahren veröffentlicht – und widersetzen sich einer einfachen Einordnung in klangliche Schubladen.

Auf ihrem Debüt “The Hurting” von 1983 schufen Tears for Fears stimmungsvolle Synthie-Pop-Skulpturen, die klaustrophobische und ängstliche Songs wie “Mad World” auf die Welt losließen. Zwei Jahre später wurden sie zu globalen Superstars, als sie das dichte und gefühlsbetonte “Songs From the Big Chair” veröffentlichten, das subtile soziale Kommentare (den Industrial-Prog-Kracher “Shout”, das ruhige “Everybody Wants to Rule the World”) und einen ihrer besten Songs enthielt: “Head Over Heels”, einen sehnsüchtigen Song, der von einem glitzernden, kaskadierenden Klavier getragen wird.

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