Einer, der in den Katakomben schläft

Ich hatte mich am Denken gehindert
und stopfte alles in mich hinein, das mich
an ein Zwiegespräch erinnern könnte.
Es war wie ein Frieden, auf einmal war Frieden.
Mir sollten die Tage nicht lang genug werden,
denn die Dämmerung zog früh schon heran.
Ich genieße die Beschreibung, aber ich selbst fülle nur
die Korridore aus, nie die Zimmer. Ich bin
noch keinem Leuchten begegnet, das mir nicht auswich.
Es liegt das Fremde nie weit entfernt,
es setzt sich in der Nähe an den nächsten Tisch.
Und an den nächsten. Es kann alle Fassaden erklimmen
und in allen Gläsern zuhause sein, so lange man
nur nicht weit entfernt erspäht werden kann.

Ich könnte mich hinabwinden in die Katakomben von Paris,
die dem Schlund der Hölle entsprechen. Ich werde nicht
ankommen in meinem verlorenen Paradies, aber wenn ich
dort eine kleine Bastion in Form eines Appartements
hätte, mit Licht und einer gemütlichen Uhr,
die nicht nur den Staub vertreibt – die finsteren
Momente wären nur noch Willkür. Ich dürfte nur
nie versuchen, wieder an die Oberfläche zu kommen,
denn der Weg wäre mörderisch und führte
direkt in den Wahnsinn.

Sturm Alabasters

Die Augenbirnen in den Nussschalen,

in regengebadeten Prismen, also ein künstliches Land.

Ohne mich zu kennen, bin ich gerannt

und schüttelte Hände im Sturm Alabasters,

die Sagen vergessen, das Land unbekannt.

So stehen die Ritter bei Grabe

und schmettern Gewölk vom Gesicht in die Tiefe –

in die Höhlen der Mesmerei; dort hatten sie

einst Schafe erschaffen, mit Wolle,

durch silberne Lettern

und Angst an der Wand, stets in Blei.

Es scheint mir alles zu sein und ich weiß nicht:

es scheint eine Art Stille zu sein, die uns

in ein Vakuum fließen lässt

und ich weiß nicht:

es scheint eine Art Verzweiflung zu sein,

die uns einander näher bringt.

Sie erhob sich von ihrem Stuhl, als sie mich

aus dem Wandschrank kommen sah.

Außer Königen, Dichtern und Druiden erhebt sich jeder,

wenn er etwas für einen ehrlichen Gruß übrig hat.

Es war nicht leicht zu erklären, wie ich

dort hineingeraten war. Ihre starren Augen

nahmen die Rundungen eines Opfers an,

das sich nicht kampflos ergeben wollte.

»Wegen dir bin ich doch gekommen!«, sprach ich an ihr vorbei,

weil sich dort noch ein Platz für Worte fand, blieb aber ganz

der berechnende Geminus, ein kleiner Janus über den Türen.

In ihr Ohr hinein sagte ich Dinge, die sie hören wollte,

bis ihre feingeschwungene Muschel,

viel zu zart für ihren großen Kopf, überlief.

In der geheimen Höhle des Herzens

sitzen zwei an dem Brunnen des Lebens;

das abgetrennte Ich trinkt Süßes und Bitteres,

es mag das Süße und es mag nicht das Bittere.

Währenddessen trinkt das höchste Selbst Süßes und Bitteres.

Es mag noch mag nicht das eine oder andere;

das Ich tappt im Dunklen herum,

während das Selbst im Licht lebt.

In alten Sprachen sind Wind und Hauch

Böen aus Splitter, fragile Kommunikation.

»Du?«

»Ja. Ich bin es wirklich.«

Ich durfte sie Schranktüre schließen,

ohne dass die Gefahr bestanden hätte, dass sie davonlief.

Fraktale Welt, Frakturen des Erlebens;

hingestreckt erwachen ihre Finger.

Siziliumhände, Schwefelhauch,

Eisenknochen, Aluminiumhaar.

Von Vogelbanden begleitet

werde ich der Gottesanbeterin anheimfallen.

Höre, draußen geht ein Sturm; den rufen wir:

Los, Donnerhand! Den knechten wir mit Eisenband,

und führn ihn an der Lorelei vorbei

und lachen über dieses sich kämmende Monster.

Aus den Bechern rieselt Wort um Wort,

ein Regen ist geworden; und all das

fasst nicht an, womit das Herz bewohnt sein will.

An kalten Tagen spickt man aus der Nische

und wundert sich, wieʼs draußen geht. Doch hier

im Stübchen glüht der Herd,

bereitet warmen Mündern Speisen.

Wir segeln durch die Endlosigkeit der Himmel,

Sternenaugen, schwarz die Nacht;

sie seufzt den silbernen Baum-Mond an,

er fällt herab in Tränen, Licht der Nacht –

die Erde ein violetter Brand im Saphirdunst des Orbits,

während darunter Bäume in einer kühlen Brise baden.

Wir passieren das Karmesinauge des großen Gottes Mars.

Die Muschel

Ich habe heute Nacht eine Muschel gefunden, in der Gespräche aufgezeichnet wurden, die man vor 17 Millionen Jahren in einer Höhle führte, und festgestellt, dass dies nicht nur sehr verblüffend ist, sondern dass alle Kommunikation auf Poesie beruht.

Den Weg weiter runter legt sich zur rechten Seite
eine Umfriedung in die Landschaft, in der sich
ein öffentliches Bad befindet, eine Installation.
Die Mädchen hüpfen nach dem Volleyball
und Pärchen beugen sich übereinander da am Zaun.
Die Menschen, die aus dem Wasser stammen:
dort steckt die Erinnerung, dort visionierte ich.

Eine Krone aus Korken

Dies sind die Nägel, die, mit
Kronkorken vernetzt, die Hütte bilden, in
Der Schweiß produziert werden kann; wie es
Der Hopfen zu etwas bringt, ist hier gewahr,

Ist hier ein Magnet für das vorbei
Kommende Wasser, in dem sonntags die Fische
Fehlen. Der Mund offen gehalten, die
Sensation im Luxus gefangen, aber Einfachheit

Kennt viele Namen. Iriswelten, wenn man
Das Auge sieht. Das Tremolo auf die
Seite gerutscht, aber vorhanden. Dort
Treiben die Genüsse ein Spiel mit

Haselnußzweigen. Da bist du hin, da
Bist du gewesen. Dort befindet sich Rost
An den Klinken & auf den Flaschenhälsen.
Dürre stoppt das Auslaufen einiger Stunden.

Auch die Tauchbecken wurden mit einem
Unsichtbaren Milieu gefüllt, um gemeinsam
Auf die Sonne zu warten. Du treibst Blüten,
Ein Ausnahmebezirk, Kreis der Geschehnisse

Am Apfelbaum, der Kerbe, zugeheilt in
Gedanken. Wohin mit der Streuung? Sie
Erteilt Aufmerksamkeit, gibt von
Ihrer Hingebung das Besondere aus.

Ein Abendlicht, wie er dir schenkte

Ach, so ein Revier! Habichte klimben beflügelt
über den Tellerrand, zucken rostrot von den Bänken,
der Horizont erschallt in butterweichem Gelb. Ist
die Falle gestellt, ist es leicht, darauf zu warten.
Kuseln ploppen auf den übersäuerten Waldboden nieder,
hie und da ein salopper Wanderer, der seinen aus-
gewürgten Spazierstock streichelt, dann sich Blaubeeren
ansieht. Hochgeschossenes Lilablau, Lippen
violettschwarz, und Teekessel, die keine Ruhe geben.
Hübsch am Ofen den Arse gewärmt. Einer, der
Pferde stiehlt, seziert jetzt Schafe, rankende
Kühe, bespannt Äpfelkörbe, schießt scharf mit
Vogelbeeren. Ein stummer Gruß bleibt zu lokalisieren,
so ein Abendlicht, wie er dir schenkte.

Sternucopia

Aus den fallenden Lidern eines Gottes
Ergibt sich die Blindheit eines ganzen Universums; ein
Saum wird getränkt, ein Ballkleid für die letzte Séance
Liegt im Koffer zerwühlt. Erscheint pünktlich die Nacht,
Ist unser Leben gerecht. Wir graben den Gedanken nach
Mit geläuterten Spitzhacken und kaum einer nennenswerten Rast.
Von wo wir stammen ist uns einerlei; nur gilt
Das nicht für ewig und nicht für diesen Tag.
Setzt das Wasser für die Segel und den Bottich,
Um den Mast.

Im Zweifel geselle ich mich zu meinem Spuk.
Ich klage ihm, was er des Tags nicht sehen kann.
Was war denn, während ich nicht existierte?
Wie ist es dir ergangen in dem Sonnenschein,
Der ausbrennt, was die Nacht dann wieder flicken darf?
Unter dem Dach riecht alles nach Geheimnissen, nach
Abgelegter Freude; und manchmal weht ein Kaffeeduft
Von unten hoch, doch der weckt kein Gespenst.

wiesenwrack

kann aber zugänge zum lumpen in dir
mit wirklich hohen schuhen
enthalten was stumm

auf stelzen hoch und abwärts
besieht man sich dann
was nicht ein gran salz enthält

wiesenwrack unter den matten &
köttelvieh zieht suchend
niemand will jetzt los

malefitz

auch er lachte wie der der teufel lacht wie er
schmachtet nach dem was übrig bleibt wenn
nachdem nichts mehr gesagt werden kann er
in die asche greift und leichenbrand nicht
von den fängen weicht ihn begleitet ihn
unter einem baum zur rast verzückt die
zuckerne erinnerung jemandes seel verführt
und weggebracht in tiefe dunkelheit wo er
haust am gift’gen weiher und seine taten
der fäulnis aufzählt und die ihn warm
umschlingt und das bette des toten mannes
zuweist wo er wie aus einem herd bald neu
hinaus stürzt und gestärkt alles von vorn

und schoss aus seinem arsche nicht ein feuer
wie der schwefel unter rosenduft sich weidet
und der huf den fischkopf matschet bis
unlauterer gestank sich aufschwingt über frohsinn
in den fluren ist bald da und bald woanders
ward geseh’n und bald vertan von hohen brauen die
das lästerwerk beklagen ernster miene ernster
sprache wegen die dem götterwerk nicht dulden
gerede und geschwätz‘ von fürchterbarer art
geht frommen burger und des nachts gebt acht
verkohlter zungen wegen die den weißen schnee
voll panik färben das gewand der trauer häkeln
und drunter selber rote drachenschwänze bergen

Das Muschelgewölbe

Im Traum wäre ich auch nur derjenige gewesen, der etwas träumt.
Ich erwache ja kaum, Fluten um mich, wann sind einmal keine Fluten um mich?

Schwarzes, schwappendes Wasser, warm in Form und Masse,
das Urmeer vor der Geburt, vor dem Abstoßen des angerichteten Fötus,
frisch abgeschwartet, mit Rouladennadeln verschlossen. Deshalb bade ich gerne.

Körpertemperatur und heißer, fieberheiß etwa, der Dampf soll mir
die Schweißperlen abflauen, soll mich aufweichen, zu Schaum werden lassen,
Spuma; was für Metaphern fallen mir ein?
Gebärbadewanne, Verstopfung, Abfluß, Ausfluß.

Und sie badeten eine Jungfrau
und als das Wasser kalt
stieg ich hinein
und badete im Wasser
der Jungfrau

Traf in der Höhle eine blinde Frau, rührt sie doch den Tee des Herbstes,
draußen brodelt Tempest, derselbe Topf. Da nimmt sie auf den Glockenstil
und schmeckt verrinnend Zeit daran.

„Oh, komm nur näher und les mir aus den Blättern, die ich koche. Es bläst
der Grimm mir alles fort, noch ehe ich es kosten kann.“

Wanderte durch ein ausgebranntes Land
und der Mond lag unter nächtlichem Eis.
Die Geister sprechen ließ, saß säuselnd da
und träumte die Brücke, die ich nutzte.

Das bleiumschwefelt Schwefelweib sprach und sprach in ihrer Sprache:
„Brücke bück dich, bück und bäum
dich an der Wand entlang, auch hoch zum Mond,
sei Gjallar, jelle, Heimdall, plärre,
wenn die Wolkenesser aus den Jötunfällen rasen!
Dich seh‘ ich schon in mein Gespinste wandern,
so fest schläft sich‘s bei Hollen!“

Und der Sturm, des Tempest fester Kern, zerwirbelt alle Bilder,
die ein Menschenhirn ersinnen kann. So saugst du aus mir
den Mörtel der Zeit, bis ich schwimme im Nichts. Hätte ich dich
je gesucht, ich hätte dich nie gefunden, rinnst in meine Tränen
und schmeckst schon wie Salz.

Ich bin in Ruinen geklettert auf Stein,
um die Ankunft der Farben zu seh‘n.

Phantasus, wer träumt, hat die Nächte gewählt.

In der geisterhaften Bläue fremder Welten fangen sich
Auch Ideen, die dem Lärm der Existenz kein Jawort gaben;
Nie hat der Staub der Galaxien gewagt, sich für immer niederzulegen,
Die Flut einer kosmischen Decke nur über einem einzigen Nullpunkt zu legen.
Eingedenk der Röhren, die sich nur dann mit anderen kreuzen,
Wenn der Zufall aus dem Allschlaf wuchert und Platz beansprucht,
Wo die Mathematik der Urzellen sich in neuen Zellformen erschließt,
Die keine Dimensionen scheuen, bleibt über,
Was in den Muscheln haust, die dort mit dunkler Intelligenz
Und nicht ganz zu erschließendem Dasein tiefer rutschen.
Die Hocke ist ihre natürliche Haltung; der Kristall ist
Ihr einziger Wunsch, doch sie können sich kaum von den Wänden lösen.