Verfaulende Hände in einem gelben Gras, bunte Goldfliegen herbeigelockt und untergemischt und in der wimmelnden Schar versteckt: die Totenfliege, Cynomyia mortuorum, metallisch glänzend, eine surrende Insekten-Maschine, verstärkt durch verschränkte Echos, die aus der Doline dringen, die man als Fundort wird angeben können, kraxelt jemand hinunter, um im Morast zu wühlen, vielleicht um sein verlorengegangenes Versprechen dort aufzuspüren, oder es dort erst zu verbergen, wie der Mann, der seinem Schatten gleicht und von dem Sie natürlich noch nichts wissen können, es sei denn, Sie hätten mich beim Schreiben beobachtet, was ich nicht ausschließen will, jemandes Anwesenheit irritiert ständig das Fleisch meines Nackens, immerso, immerdar.
Ein alter Schuh
Schief läuft etwas hinaus, kommt wieder herein, die Tür angelt im Scharnier : was soll’s denn werden? kommt nicht zu Schlosse, weil der Widerstand ein alter Schuh – wo kommt er her? Ein Eichhörnchen hat ihn dahin gepeppelt – lebendig ist, was atmet oder zumindest stoffwechselt, immer im Kreise furcht, bis das Uhrwerk seine Zähne abgerieben hat, und dann, wie der Schuh im Türspalt, ohne Heben oder Senken des Odemkorbs, völlig zur Verwandlung bereit, herumliegt, mutterseelenallein. Kann nicht jemand die Türe schließen? Reinraus; was habe ich denn gemeinsam mit der Unglaublichkeit anderer? Meine Welt nehme ich alleine wahr, es gibt nur Ähnlichkeiten. Auf dem Boden rutscht es sich leicht, wenn noch etwas Sauce vom Mittagstisch läuft, Aschenputtel, feine Gerüche. auch kalt, in den Abdrücken der Schuhsohlen verfangen. Der zwangsgepaarte Straßenstaub ist ein wirkliches Wunder, aber man muss schon ganz nahe mit der Nase über den Dielen schweben. Das Karnickel (oder ist es ein Hörnchen, ein Zierhase oder ein Wollknäuel?) sagt : »Was ist denn jetzt mit der Tür?«, die immer noch aufundzu, aufundzu, während ich nachsehen, ob sich die Erinnerung, ganz da unten, zu mir heraufwindet, wenn ich mich hinlege und zur Decke aufsehe, eine strategische Position einnehme.
Ninegal (Repositorium)
[Eigentlich: Drunten im Hermelin war‘s. Wir kneipten fröhlich, naschten von den rossigen Lippen, tätschelten das feiste Arschfleisch, tranken immer noch was mehr. War‘s noch, daß die Mägdlein lachten und sich auf die Hose setzten für ein Weil der Energie. Da wollt‘ kein Licht Gesichter reißen aus den Schatten in der Luft, kerzenflammend teinted jedwed fremd Entzücken über=All, Musik schwoll aus dem Gläserrücken, Bierverschütten, Händekramen. Gesang marscht aus dem Zähneblecken, Augengecken: nassem Wort; auch ein Kuß auf nackten Arsch. Und später, wenn man’s treiben wollt‘, fiel man betrunken heimwärts.]
[Dann: Da wollt‘ kein Licht Gesichter reißen aus den Schatten in der Luft, kerzenflammend teinted jedwed fremd Entzücken über=all, Musik schwoll aus dem Gläserrücken, Bier verschütten, Händekramen. Gesang marschiert aus Zähneblecken, Augengecken: nasses Wort; auch ein Kuß auf nackten Arsch. Und später, wenn man’s treiben will, fällt man betrunken heimwärts.]
Der Brief des Cornelius nebst Antwort des Meister Vollpferd
Mein nomen ist Cornelius Schlehenfeuer, und ich will sie, Hocher Meister, einwandfrei geradeaus fragen, ob ich in ihrer kueche den alchimisten geben dürfte, nachdem ich freilich und von selbst verständlich das ganze von Ihnen gelernt. Noch bin ich etwas dazwischen, mir und dem allem um uns herum, aber schon partizipiere ich, schon mag mir ein holistisches weltbild einleuchten. Diese lampe, die da also zwischen meinen zweien augen sitzt, lässet mich itzo schreiben was ich ja gerade schreibe und Sie vielleicht antworten, was Sie antworten werden, wobei ich sagen möchte, daß Sie mich auch erst einmal begutachten, ob Sie nicht sogleich das feuer erkennen, das mich jetzt seit meiner geburt anno xxx ruhelos lässt.
Im gewölb unseres weinkellers daro in Kaiserhammer dämmerte mir nach einem ansehnlichen rausch, dass alles mit allem verbandelt zu sein scheint, aber ich nur nicht erkennen kann, wie denn nur. Auch will ich meinen ammen entkommen, die mir sticken und nähen aufzwängen, weil ich ja noch nicht einmal das jungmannenalter erreicht. Nähen!
Sie, Lieber Magister Vollpferd werden sich denken können, wie einem geist geschieht, wenn er auf weichen schöößen sitzt und locken in die haare gewickelt bekommt, während er von den sternen, während er von legierungen träumt, wo er doch lieber wie eine sau stinken möchte. Wollen Sie mich also bitte retten?
Wie sie erkennen, kann ich gar nicht schlecht schreiben, woran gemessen werden darf, dass nicht stock und rebe vertan mit mir.
Antwort des Meister Vollpferd
Lieber junger Freund!
Der brief, den Er mir schickte, hat mich ja nicht wenig für Ihn eingenommen! Aber, wenn es mir erlaubt ist, diese frage an Ihn zu richten: will Er sich denn höchstselbst zum golde schmieden?
Wir schaun doch immer nur den abklatsch. Wenn man ihm locken wickelt, sieht Er vielleicht drein wie ein angelein, und an einem überzieher hab ich noch nichts schlechtes gefunden. Wenn er das also kann, soll Er sich doch von den schößen weiter darin instruirn lassen, schlaufen miteinander zu vergarnen. Wer flieht denn einem moment, wenn er sich doch als klug ausgibt, in dem Er etwas lernt. Passe Er doch zunächst gut auf beim erschaffen von weibskram, um den herd der alchimie besser zu verstehn. Heiß wirds Ihm noch woanders werden, das universum schafft man nachgerade da, wo Er nun sitzt und aber nicht sitzen will. Ums Ihm zu vergüten, will ich Ihn trotzedem einmal laden, um das quicksilver beim spielen zu betrachten. Ich treffe Ihn aber nur, wenn Er schön brav die locken trägt, die man Ihm zugedacht.
Mit aufmerksamem wolwollen
Magister Vollpferd von Teufelsdröck
Es flüstert da im Dunkeln
Wie sollte man auch nur ein Wort verstehen, schließlich kommen wir aus dem Nebel. Ich sehe Schatten, die den Raum durchstreifen wie Schwaden der Nacht. Ich verstehe kaum ihr Murmeln ohne im Nachtwind nachzuschlagen, der am Fenster peitscht und peitscht die Liebste aus, dir dort mit Fesseln festgemacht verschmachtet und der Tau aus ihren Poren Eisblumen fallen lässt. Vom Atem sind die Scheiben blind. Ich kenne diesen Traum, ich habe ihn selbst gemacht, als ich der Welt den Rücken kehrte
Im Garten der Hyacinthe
der turm der höchsten trümmer liegt in sprachen, sendet
(sie sitzt in einer höhle und näht ihr hochzeitskleid, april 1970 : Beatles trennen sich)
mauerstein in brühende melangen hinein, zucksuppe gischtet brandig, schwarzes röcheln, wieder uteralwärts, schaumige maische wringt die worte, im blut erhebt sich pflanzenseiber, bettet kehlen die sich rühren, kleben finster schlotig kahl gereckt hoch an der wand, die nordig sich abneigt farblos
(oh lieb sieh mich fetzend)
röcheln hört man viel doch sagen worte nimmer schutt und krallend schlamm umarmen, oh rühr mich an zitternde gestalt
(dich als einen schatten sehen)
anlange haar, so gülden wuchernd, über alle maßen schön im zwielicht strahlend mit den nebeln verbunden, die zweitwelt deines körpers glüht, mein augenstrahl erfasst dich nabel meiner welt, da stehst du fest und findest mich, zwei gebirgsziegen von menschen gefüttert werden um die stadt geführt, begleitet von zwei zum tode verurteilt, ein mann und eine frau, die das gleiche aßen, in heilige gewänder gehüllt, verschnürt mit feigenbaumzweigen kauernd vor lichtschranken, betrachtend deinen blütenmund
frauen tragen die statue der Athene zum waschplatz, angeführt von einer, die einen korb mit feigen trägt, berittene Epheboi befehlen die prozession, die badenden warten schon und reinigen die statue im fließenden wasser, stephane auf dem kopf
(sie zeigt sich ein weiteres mal und sagt nicht ihren namen)
flügelschlag, der ihren federn weicht, sich auf mein ohr setzt, schild des engels schön wie feuer, menschentochter lichte finger, berühre mich mit diesen händen, weiß dann endlich, wer du bist, weiß endlich deinen namen, weiß, wie du beschaffen bist, berühre also mich und sage nicht, was sagst du?
daß ich dich nicht kenne
(das herausschneiden des steins der verrücktheit)
alles, was ich jemals liebte, warst nur du in all den dingen, nimm meine hände in deine hände, dann der name wird laut, doch du sagst, was sagst du?
daß wir unzertrennlich, doch getrennt, bis du mich mit deinen flügeln winde werfend fortträgst, will dich fassen mit meinen menschenaugen, dich will ich in meine arme schließen, ich sehne mich nicht nach deinen flügeln, du sollst mir menschin sein, und du sagst, was sagst du?
daß ich nur unsterblich bin solange du mich frei läßt, flügelschlag, der ihren federn weicht, auf meiner hand wie glittertand, schild des engels, schön wie ozean, menschentochter, wunderhände
oh sonnenkarawan, oh nachtgeschick, hin zu aller tage wiege, hin zum wolkenrest, auch nebel
(verwebung)
pfuhl getanztes licht
dort streust du wetter aus, um sieben säulen schwebt dein geist fließt in meine traumnatur
(von kelchen ausgeleert)
von dort hinaus kein weg zu gehen ist
(doch warte)
weil ich lieben kann in allen dingen dich
Trommeln
Ich preise dich, Babylon, mir im Traum erschienen; deine Ruinen spielen im Staub; ich besuche dich zu deiner besten Zeit. Gebadet, geölt, gekämmt. Traum aus Schleim, der in meinen Lenden sitzt, da hat man mir das Leben eingepflanzt. Die Mädchen sitzen Schlange vor dem Tempel, die Hitze brütet zwischen ihren Beinen, die ekkrinen Pumpen pumpen ihr Willkommen in die Glut. Ein Mann geht durch die Menge der Vulvenkollekte und wirft eine Münze in den erschnupperten Schoß seiner permanenten Träume. Sieht sie nur an, die da am Boden sitzt, die da nach oben blickt, die ihn an ihren Augen teilhaben läßt.
Das Od
1
Oh höret! – während ich das schreibe – und bereits schon davor – hat mich die Schwärmerei ergriffen, und ich will gleich hinfahren auf den Tod, sollte ich nicht eingelassen werden in das tiefe Reich der Liebe!
Ockermoos
Ich spaziere dahin und staune über die Gewalt; gleichzeitig aber bin ich ein Tier im Siechtum, am Ockermoos, im Fadenkreis, am Wiesengrund. Gleich wird es mir den Pelz ausziehen, gleich wird es mir die Eckzähne feilen, schreite durch die Räume aus Glas, meine erstarrten, skulpturiösen Gedanken, schwimmend in den Lavendelwassern, der Gebärbadewanne. Eine Zeitangabe, die nun in meinen Nüstern brennt, die Welt erzürnt das Glas ihrer Brille, dahinter stehen die erstarkten Tropfen.
Seriöses Gebaren beim Abspreizen eines anständigen Fingers.
In ihrer eigenen Dunkelheit kennt sie sich aus, eckt nirgends an; nur manchmal fühlt sie sich beklommen und bestraft sich für den Wunsch nach Licht, aber sie bestraft ebenfalls das Licht selbst, indem sie Steine nach der Quelle wirft; ein Wanderer begegnet im Wald dem Teufel, aber auch der Teufel begegnet dem Wanderer (der Wanderer denkt sich diese Geschichte aus, der Teufel nicht).
Ich war einmal ein Stein vor zweihunderttausend Leben, ein glücklicher Stein im Geröll, wasserdicht bis ins kleinste Mineral, unbedeutender war nie ein Stein. Doch fehlt er, bricht das Universum in sich zusammen und wird zu früh ein Schwarzes Loch.
Der Turm der höchsten Trümmer
Dass man in der Veränderung steht, dass man in der Veränderung sich selbst nicht verändert, gestreift wird vom Verfall; andere verfallen und man selbst. Aber es sind nur Kleider; man hat eines ausgezogen, darüber hinaus ändert sich nichts.
Aus einem Ballon tranken wir Würze, wir tranken das Leben in einem einzigen Zug, installierten unsere Vergangenheit in dieser Gegenwart, für immer ein Gemälde auf Erde, Land, Zeit.
Der Turm der höchsten Trümmer liegt in Sprachen, sendet Mauerstein hinein in die brühende Melange. Zucksuppe gischtet brandig, sendet das schwarze Röcheln uteralwärts. Schaumige Maische verdreht die Worte. In diesem Blut erhebt sich Pflanzenseiber, darin gebettet befinden sich die Kehlen, die sich rühren, kleben finster, schlotig, kahl hochgereckt an der Wand, die sich farblos gen Norden neigt. Man hört sie röcheln, aber kein Wort formuliert sich. Schutt und Schlamm in inniger Umarmung.
Sie sitzt in einer Höhle und näht ihr Hochzeitskleid. Oh rühr mich an, zitternde Gestalt! Ich will Dich als einen Schatten sehen! Dein Haar, so gülden wuchernd, über alle Maßen schön im Zwielicht strahlend, mit Nebeln verbunden. Mein Augenstrahl erfaßt Dich, Nabel meiner Welt!
Zwei Gebirgsziegen werden um die Stadt geführt, begleitet von zwei zum Tode verurteilten. Ein Mann und eine Frau, die das gleiche aßen, in heilige Gewänder gehüllt, verschnürt mit Feigenbaumzweigen, kauernd vor Lichtschranken, betrachtend deinen Blütenmund.
Es ist heute kein guter Tag, um frohlockend durch die Spatzenmenge zu gehen, die sich ihren Teil aus dem Rinnstein zusammenträgt.
Frauen tragen die Statue der Athene zum Waschplatz, angeführt von einer, die einen Korb mit Feigen trägt. Berittene Epheboi befehlen die Prozession. Die Badenden warten schon und reinigen die Statue, mit der Stephane auf dem Kopf, im fließenden Wasser.
Sie zeigt sich ein weiteres Mal und sagt nicht ihren Namen. Flügelschlag, der ihren Federn weicht, sich auf mein Ohr setzt. Schild des Engels, schön wie Feuer. Menschentochter. Lichte Finger. Berühre mich mit diesen Händen; weiß dann endlich, wer Du bist.
Oh Sonnenkarawan, oh Nachtgeschick! Hin zu aller Tage Wiege! Hin zum Wolkenrest! Auch Nebel (Verwebung), Pfuhl, getanztes Licht. Dort streust du Wetter aus. Um sieben Säulen schwebt Dein Geist, fließt in meine Traumnatur (von Kelchen ausgeleert).